Worten, daß er?Iti Künstler ist, auch keln gar so schlechter, töTe die Beul sagen.
Da' fragt die Frau Wirtin schon:
„Da sind's wohl ein Schneider? Ja, ja, in die große Städte, da gibt's schon gute Arbeit!"
Dem Hans Thoma ist da mit einem Mal der Hochmut vergangen. Er hat nicht viel geantwortet, hat still seinen Schoppen ausgetrunken und bezahlt, ohne noch einmal mit den Silberstücklein zu prunken, ,x Und dann ist er rasch weitergestiegen, hinauf nach Bernau. Als er in dem kleinen Schwarzwaldstüblein daheim ankam, da hat er gedacht, daß man vor der Mutter kein „Besonderer" sein braucht, um wohl empfangen zu werden. Er hat es dann bescheiden gehalten, auch als er ein berühmter Mann geworden war.
heimliche Welt.
Von Clemens Brentano,
Sprich aus der Ferne heimliche Welt, die sich so gerne zu mir gesellt.
Wenn das Abendrot niedergesunken, keine freudige Farbe mehr spricht, und die Kränze still leuchtender Funken die Nacht um die schattige Stirne sticht: Wehet der Sterne heiliger Sinn leis durch die Ferne bis zu mir hin. Wenn des Mondes still lindernde Tränen lösen der Nächte verborgenes Weh, dann wehet Friede, In goldenen Kähnen schiffen die Geister im himmlischen See, Glänzender Lieder klingender Lauf ringelt sich nieder, wallet hinauf.
Wenn der Mitternacht heiliges Grauen bang durch die dunklen Wälder hinschleicht, und die Büsche gar wundersam schauen, alles sich finster, tiefsinnig bezeugt, wandelt im Dunkeln freundliches Spiel, still Lichter funkeln, schimmerndes Ziel.
Alles ist freundlich wohlwollend verbunden, bietet sich tröstend und trauernd die Hand, sind durch die Nächte die Lieder gewunden, alles ist ewig im Innern verwandt. Sprich aus der Ferne heimliche Welt, die. sich so gerne u mir gesellt.
-v.enfd) und Künstler.
Von Friedrich Germer, Großen-Linden.
Zu der schon recht ansehnlichen Zahl von Schriften über Hans Thoma ist vor kurzem ein neues Buch gekommen: Stunden mit Hans Thoma, von Margarete Spemann (Engelhorns Nachf. Adolf Spemann, Stuttgart). Es gibt sich ganz anspruchslos, ist aber fa wertvoll, daß hier einiges daraus wiedergeg?ben fei, auch anderen Lust zu machen, es, zu lesen. Es gibt uns ein Bild des Mannes im hohen Alter, von feinem 78. Lebensjahr bis zu seinem Tod als 85jähriger, ganz intim, und keusch. Die Verfasserin kam 1917 zum ersten Male mit Thoma in persönliche Verbindung, war dann oft bei chm und feiner Schwester zu Besuch in Karlsruhe und Marxzell und hat das Wertvolle aus den Gesprächen, wie sie versichert, stets gewissenhaft am folgenden Tage ausgeschrieben. Aus diesen Niederschriften ist das Buch entstanden, das darum auch ganz ursprünglich wirkt. Der selbst einiges als teueren Besitz hütet, was Hans Thoma ihm und feiner Frau geschrieben hat, bis zwei Wochen vor des Künstlers Heimgang, kann • bestätigen, daß alle/ in dem Buche ganz echt ist.
lieber Hans Thoma ist ja Jahrzehnte hindurch viel geschrieben worden, zuerst gegen ihn, dann über chn und für ihn. Und als Greis hat er dann selbst über sein Leben und seine Kunst noch Bücher geschrieben: „Im Herbst des Lebens" und „Im Winter des Lebens", dazu kleinere Schriften zusammengefaßt unter der Ueberjchrift „Suchende Seele". Da die Schriften während oder bald nach dem Weltkrieg geschrieben sind, werden sie uns heute, im Krieg, besonders bedeutungsvoll. Nicht ver- gönnt war es ihm noch, wie er vorhatte, ein Buch über Jesus zu schreiben. Das wäre wohl eine Ergänzung geworden zu dem Christus- bilderzyklus in der sogenannten Kapelle in der Gemäldegalerie in Karlsruhe.
Gemeinhin kennt man Hans Thoma nur als Maler. Aber, was er von Gottfried Keller sagt, der zuerst Maler werden wollte, dann aber Schriftsteller wurde — er wäre wohl ein großer Maler geworden — das gilt umgekehrt von ihm selbst, er wäre ein großer Schriftsteller, Dichter in Worten, geworden. Mehr als das: dem großen Maler ist's beschieden worden, im Alter auch noch ein Großer des geschriebenen Wortes zu werden. Die Lust zu schreiben, zu dichten, trieb ihn, wie er erzählt, schon in früher Jugend. Er begann einen Roman, dessen Gegenstand das Leben und Sterben seines älteren, früh als Dorfschullehrer verstorbenen Bruders war. Später hat er gelegentlich in Zeitungen
geschrieben, äks er, was sä Tange Zeit hindurch geschah, öffentlich an. gegriffen wurde wegen seiner Kunst, die zunächst nur bei wenigen Vec. I ständnis fand. Er spricht davon im Alter: „Eine Zeitung hat entdeckt, daß ich schreiben kann. Das war so: ich las einmal in der Zeitung einen» wütenden Artikel von einer Malerin gegen mich, da fühlte id) mich gedrungen, zu antworten."
Im allgemeinen aber hat er sich aus den Angriffen nicht viel ge. | macht, wie er oft versichert, ist schweigend, seiner sicher, unbeirrt seinen Weg gegangen. Seinen Humor hat er dabei auch nicht einge. büßt. Er kann erzählen, wie er sich in der schlimmen Anfangszeit ehrlich über eine Anerkennung durch einen Kunstvereinsdiener gefreut habe, der auf die Frage, wer denn dieser Thoma sei, die treuherzige Antwort gegeben habe: „Es ist ein dicker Herr, aber er gibt gute Trinkgelder." Anders lautete ein Urteil auch eines Dieners über ihn, eine Prophezeiung. Der 78jährige Thoma erzählt es: „Ein alter Amt», diener in Karlsruhe, der an der Tür war, als ich als ganz junger, schüchterner Mensch mich dort bewerben wollte um eine Freistelle an der Schule, ober was — ich weih nimmer — sagte zu mir: ,Denl dran, du wirst noch amol Direktor von der ganze Kunst'. 40 Jahre später ist das in Erfüllung gegangen. Er sagte das so ernst, so eilt.: drucksvoll, daß es mir tiefen Eindruck machte. Ein ganz alter eilt" facher Mann"
Bis zur Erfüllung — Thoma war zuletzt Direktor der Gemäldegalerie in Karlsruhe — war allerdings noch ein dornenvoller Weg, Zeiten, noch in Frankfurt zu Anfang, wo er froh war, wenn er für ein Bild 100 Mark bekam, das später für 16 000 Mark verkauft wurde, oder daß er Bilder für ein Cafe in Frankfurt malen durfte, wobei er sich kümmerlich zurecht helfen mußte, weil sein Atelier für bw Bilder zu klein war. Von Anerkennung fand er übrigens damit zunächst das Gegenteil. Ein Handwerker versah zugleich dort Wände mit Schablonenbildern. Heber Thomas Bilder urteilten Gäste so.ad- fällig, daß der Malermeister es für angebracht hielt, bekanntzumachem, diese Bilder seien nicht von ihm gemacht.
Einige treue Freunde haben in der schweren Zeit wohl zu ihm gestanden. Seine stärkste seelische Stütze aber war ihm allezeit sein« Mutter. Er war noch ihr Bub, wie er schon 60 Jahre alt war, den sie noch mahnte, wenn er über die Straße ging, daß er auch acht haben solle, daß er sich nicht an den Briefkasten stoße. Zugleich aber gab sie Urteile ab über seine Bilder, die ihm trefflicher erschienen als die von Zunftgenossen. Sie hat immer an seinen Beruf geglaubt In seinen Lebenserinnerungen hat er von ihr soviel geschrieben, daß er im Eingang seiner Selbstbiographie mit recht sagen kann, dar Buch sei nun zugleich eine Lebensbeschreibung von ihr. Dieses Verhältnis des Sohnes zu seiner Mutter, des genialen Künstlers zu der ganz ein» fachen Frau hat in der deutschen Literatur kaum seinesgleichen. Di* schlichte Größe dieser Frau ist begründet in ihrer hohen geistigen Begabung und ihrem tiefen frommen Gemüt.
Das ist ihres Sohnes'Erbteil geworden. Margarete Spemann schreibt von ihm nach einem Besuch: „Die Güte dieses Menschen ist bezaubernd die Wahrheit, die Einfachheit. Darin liegt seine Macht über die Menschen." Diese kurze Charakkeristik ist treffend. Belege zum Erweis bietrin sich unzählige: „Schickt mir ba (Februar 1918) aus bem Schützengraben einer mein Seelenbüchlein und bittet mich um meine Unterschrift, weilt er’s so arg gern hätte. Ich hab ihm hineingeschrieben, ich wollte es tun,, weil er das Büchle jo gern habe. /Wenn das aber alle verlangten, er= wüchs' mir Leid aus Liebe." (Er fühlte sich nämlich zur Zeit feha schwach.) Ein andermal: „Ein Lehrer in Semmering in Oesterreich hak mir geschrieben. Er ist als Taglöhnersohn als Hirtenbüble aufgewachsen., Habs bann soweit gebracht Er betet mich fast an; er sei gut und fromm geworden durch meine Bilder. Er bittet mich, ihm ein gerbst meines Lebens" zu schenken. Er könne es sich nicht kaufen. Das hab ich getan und ein Gedicht hineingeschrieben." Eine Schulklasse in einem Schwarz-- walddorfe schreibt ihm, er dankt ausführlich, und als die Kinder jedes einzeln wieder Dankbriefe schreiben, freut er sich darüber wie ein Kind Seine Güte war ohne Grenzen. Oft seufzt er, wohl unter der Last, als« siecher alter Mann den vielen zu danken, die seiner in Verehrung unH Liebe gedacht, bei Geburtstagen und anderem Anlaß, aber er tut w dann doch — aus Güte. . |
An Hans Thoma ist das schöne Bibelwort wahr geworden: „Dm sollst im Alter zu Grab kommen, wie Garben eingeführt werden zm feiner Zeit." Dieses Leben hat alle seine Früchte zur Reife bringen, können. Am reifsten sind die spätgeernteten. Das angeführte Buch bal* manche aufgelesen, Urteile des gereiften Alters über die letzten Fra gen-- die uns an geh en, über Leben und Tod; auch über Menschen, die für du, Menschheit Bedeutung gehabt haben, zumal für unser Volk. So wenn, er von Goethe sagt: „Mit Goethes Gedichten bin ich durchs Leben ge-- wandert; die sind in allen meinen Bildern; die hätten ihm auch gefallen." Oder wenn er beim Gespräch über Johann Sebastian Back, bescheiden meint, er sei unmusikalisch, aber beim ersten erkenne er, ®°5' von Bach sei, und ein andermal mit Bewegung davon spricht, wie i*)"1 im Hause Wahnfried eine Bachkantate ergriffen habe.
Der Raum ertaubt nicht, mehr der Beispiele anzuführen. Zan>, Schluß noch eine Aeußerung über das Verhältnis von Religion um« Kunst, — nicht aus Spemanns Aufzeichnungen, sondern aus einem, Brief an den evangelischen Pfarrer, dem die Abdrucke der beiden Thoma-- bilder in der Kirche ,zu Bernau (Thomas Geburtsort) beilagen, habe die Malerei den Bernauern vor 50 Jahren versprochen und tonntr es endlich doch erfüllen. Das eine ist Maria über Bernau schweben» von Vögeln begrüßt. Das andere Bild ist Johannes der Täufer, de Schutzpatron der Kirche auf den Herannahenden Jesus hinweisend, v™ habe für die Peterskirche (evangelisch) in Heidelberg zwei Bilder gen*0 ; und jetzt zwei für Bernau (katholisch); — mir kommt vor, als ob v Kunst ein gewisses Recht darauf hätte, konfessionslos zu fein, — 01101 wenn sie nicht religionslos ist." ____
Verantwortlich: l)r. Fr. W. Lang e. — Druck und Verlag: Brühlsche Universitätsdruckerei, R. Lange, Gießen


