SietzenerKmilienblätter
Unterhaltungsbeilage zum Giehener Anzeiger
Nummer W
Zreitag, den 2. Juni
gang 1959
, biefn
ieri|d)«
die
f
unb
den
wie
- 0
«i
1i9e.l1 h Sjtn »ilieja
Id* lein
in N. Ndi e, H :en. ki «r irj rößtftt ii> ud
’iethii ne jt uu*
«w heile! er m inrW
[eibipil ^vgestalt ging er denn, vom Heiligen^ Vater aufgeopfert, die Hof-
mH« i elinget > ■mbelfi tn«t>
reete.®
Banne schlagend.
Wie der alt« König, denn diesen unlieben Namen mutzte mein Herr seit der Krönung seines Sohnes tragen, diese zwei Botschaften erhielt, gebärdete er sich wie ein wahnsinniger Mann. Er tobte, entgürtete sich vor seinen Knechten, warf sich stöhnend auf sein Lager, zerfetzte 1'!- feiben en Decken, ritz mit den Zähnen die Wolle aus den Polstern zerschlug sich die Brust mit verzweifelten Fäusten.
.Löset mir den verruchten Vampir vom Herzen!' heulte er, .... Schaum vor dem Munde, und meinte Herrn Thomas, ,er zernagt mir Leib und Seele!'"
Herr Burkhardt hörte diese Mär mit Unlust, denn er war ein reichstreuer Waiblinger und darum auch in den Händeln anderer Nationen ein königlich gesinnter Mann. Es konnte ihm nicht gefallen, einen grotzen und tapfer« Fürsten in solcher Erniedrigung seiner selbst zu erblicken.
Er machte seinem Mißbehagen mit einem Stiche gegen den gehärteten Armbruster Luft.
„Die zwei Hiobsposten an demselben Tage? ... Hans, du träumst! — Liegt doch ein volles Jahr dazwischen, wenn die Zahlen auf den Rändern meiner Chronik nicht lügen! ..."
„Bleibt mir vom Leib mit nichtigen Zahlen!" grollte der Armbruster. „Ein anderes ist es", fügte er, seines unwirschen Wortes sich sogleich bewußt, mildernd hinzu, „ob einer noch im Tagewerk und in der Zeit steht, oder ob der Tod sein Lebensbuch geschlossen hat. Ist einmal das letzte Sandkorn verrollt, so tritt der Mensch aus der Reihe der Tag« und Stunden hinaus und steht als ein fertiges und deutliches Wesen vor dem Gerichte Gottes und der Menschen. Beide haben recht und unrecht, Eure Chronik und mein Gedächtnis, jene mit ihren auf Pergament gezeichneten Buchstaben, ich mit den Zeichen, die in mein Herz gegraben find.
Aber haltet mich nicht auf! Mich verlangt zu enden, lieber Herr. Denn ich erblicke ein blutiges, totes Haupt vor mir und den gegeißelten Rücken meines Königs.
Elftes Kapitel.
Am Abend des Tages, da mein Herr und König durch fein blindes Wüten sich selbst geschändet und vor feinen Knechten erniedrigt hatte, saß ich niedergeschlagen und einsam, voll Scham und Trauer um meinen Herrn, auf einem Mäuerchen bei den Stallungen. Da erhielt Ich unversehens einen Schlag auf die Schulter, und Herr Richard, der nach seinen Hengsten geschaut, schwang sich, leutselig, wie er mit den Knechten war, rittlings neben mich auf die Mauer.
w* dB-
DER HEILIGE
Novelle von Conrad Zerüinan- Mester
9. Fortsetzung.
tbes Kapetingers vermeidend, am Wanderstabe des Elends von zu Kloster, und oft verloren sich seine Spuren. Während so seine 1 Mschkell in Frankreich ab nahm und schwand, wuchs seine Macht und f t ije Gegenwart in Engelland und stand über den trauernden ®iei)i»n wie der Vollmond in der Nacht. Ober, wenn Ihr lieber wollt, Thomas wohnte wie das Christkind im Stalle, niedrig und prächtig, '1 L'n englischen Hütten und Herzen. Er herrschte dort als König und die Furcht aus den Seelen.
Hefe meine Augen haben es gesehen, wie die Sachsen und mehr ihre Weiber jetzt, da Herr Heinrich den Primas gerichtet hatte, 1 |hi Majestät Ehrfurcht und Kniebeugung verweigerten, sich abkehrend, . vorüberritt. Noch ist mir ein Stücklein davon erinnerlich. Mein lustwandelte eines Tages in seinen Gärten, wo sie sich gegen -m'b und Fluß ins Freie verlieren, und ich ging nach meiner Ge-
!n Geiste den verfolgten Bischof von dem ehemaligen Kanzler nicht jfltirn. Diesen hatte er wiederholt als einen durchtriebenen Staats- trnir erfahren, und es erschien ihm verdächtig, daß er jetzt von seiner un6 jii ut keinen Gebrauch mache, sondern sich verfolgen lasse wie ein großer der ersten Kirche oder ein schwärmerischer Ketzer der jüng- rihiü I'!** Seit. .
J. ui) ft wurde mir von glaubwürdigen Zeugen versichert, und, wie ich taitfr *.tr Thomas kannte, hielt ich es für Wahrheit, er habe seine Sache wollt»gehalten und seine Hände rein von jedem Verrat an seinem Herrn ui) röntge, den Papst nicht weiter in Anspruch genommen und vom U f la;( inger nichts verlangt als eine Klosterzelle, wohin er sein Haupt
@ereW
hettt.,'1 J 1 ?eit von ferne In feinen Stapfen. Da kroch aus den blühenden ,q5 I«111 .'W ein blondes Sachsenkind hervor und geriet dem König zwischen 'Pfütze. Der heute gutgelaunte Herr hob den Buben auf, liebkoste \ *r 1B|,b drückte ihm ein Silberstück in das Händchen. .Halte fest, mein sagte er. Da sprang die Mutter, die sich in einer ersten An- JJjf« ung von Ehrfurcht und Zittern hinter einen Baumstamm geduckt We mit brennenden Augen hervor, entriß dem Kinde die Münze und » sie entsetzt ins Dickicht, als wäre es einer der dreißig verfluchten fwlinge. Ich eilte herbei, um die Freche, welche mit dem Kinde auf 1 ,arme davonrannte, zu ergreifen. Herr Heinrich aber sprach: .Hans, •'rlfs laufen!' und wandelte fürbaß mit verdorbener Laune, seufzend -ichdenklich.
-g und Nacht ging alles Träumen und Sinnen meines Königs hin, wie er Herrn Thomas feiner Primaswürde, an der, rote er le ltnfebeie, die Verehrung der Sachsen hing, rechtsgültig und für -fi’f" entkleide. Darüber habe ich ihn oft, die Faust auf die otirne grübeln und brüten sehen. Eines Morgens trat er mit trtum=
Jis war König Ludwig, den sie den Jüngling nannten, weil er als 6 ei nbärtiger Knabe den Thron bestieg, und der Name blieb ihm, da ef?!- nie zu einer herzhaften Männlichkeit gebracht hat; wie denn auch ", 1 r-i Ellinor, die er als feine Königin heimgefllhrt hatte, in der Gärung re' 1 ilrwiihermütiaen Juaend lick bitterlicb beklaate. man habe fie mit einem
t leit9/
ein, daß Prinz Heinrich neben feinem Vater gekrönt werd«, und es krönte und salbt« den Jüngling der normännische Bischof von Pork. Darauf folgte ein der Gelegenheit würdiges Festmahl, und dabei begab es sich, wie ich hier vor einem Jahr« Euern Brüdern, den Herren im Stift, vorgemacht und nach Wahrheit beteuert habe, daß mein Herr dem Jungkönige Heinz bei Tische diente und ihm eigenhändig die Speis« vorlegte. .Heute bin ich einer schweren Bürde ledig geworden!' rief er und vergoß Tränen der Freude.
Ist Euch di« List der Sache klar, Herr? Erkennet Ihr, welche Last mein König abzuwerfen wähnte?
Ihr schüttelt das Haupt? Wohlan, hier habt Ihr den Schlüssel dazu. Das große Privilegium, der unvergleichliche Edelstein der bischöflichen Mütze von Canterburi; war die Krönung der englischen Könige. Dadurch, daß sie ein anderer Bischof vollzog, wurde die Primaswürde vernichtet und Herr Thomas heruntergedrückt. So rechnete mein König und ergriff das Mittel, den eitetn Heinz an feine Seit« auf den Thron zu hebens denn er meinte, fein Erstgeborener werde sich damit begnügen, das schimmernde Krönlein auf seinem Haupte im Spiegel zu betrachten und es auf Gewand und Pferdedecke sticken zu lassen.
War der Plan nicht sein und staatsklug wie weiland die Ratschläge des jetzt der Schlauheit der Welt abgestorbenen Kanzlers?
Es war ein böses Fündlein, wie Herr Heinrich kein schlimmeres hätte tun können!
Wenig« Wochen später zeigt« es sich. Zwei Unheilskunden langten an dem gleichen Tage in Windsor an.
Die eine erzählte, Jungkönig Heinrich sei, den wetterwendischen Herrn Gottfried mit sich ziehend, nach Paris geritten unter dem Vorwand« eines Turniers, in Wahrheit aber, um die jenseits der TOeeresenge gelegenen Länder des Normannenreiches unnötiger- und schmählicherweise von dem Kapetinger zu Lehen zu nehmen.
Die andere lautete, der verborgene Herr Thomas sei in einer französischen Stadt zu Pfingsten an den Tag getreten und habe unter dröhnendem Glockenschlage die brennenden Kerzen auf dem Hauptaltar« des Doms mit dem Hauche feines Mundes gelöscht, den Bischof von Pork, der in die Rechte des Stuhles von Canterbury gegriffen, mit dem
11 Et ^n AnHefichts aus feiner Kammer — er glaubte das Rätsel ui» ®Sr am Tage der Himmelfahrt unseres Herrn, daß Herr Heinrich ii<!l Versammlung seiner Barone trat und ihnen vorstellte, sein weit Jrfetes Reich bedürfe eines zweiten Hauptes, und er würde sich, die "ttt feinem Erstgeborenen teilend, die Last und Sorge erleichtern.
I Herren willigten in guten ober bösen (Bebauten und Absichten
iirn übermütigen Jugend sich bitterlich beklagt«, man habe fie mit einem h Mxn Mönche verrnähü.
en uii ) $:efer Herr war ein gehörner Freund der Geistlichkeit und beschwor e W| d in toter der Christen mit Beilegung goldener Pfennige, die Sache des im* h lilicm Primas an die Hand zu nehmen gegen Herrn Heinrich, welcher ‘“'fit nb seines Hauses Erbfeind war, und den er mit den Waffen der Kich wirksamer zu bekriegen hoffte als mit feinen weltlichen.
Einerseits hielt der Heilige Vater die Waage in sorgsamer Hand, b)fli|en, seine Gnade je und je in diejenige der Schalen zu legen, die bitt) das Gewicht hineingelegten Goldes herabgezogen werde.
liefe päpstliche Weisheit gedieh meinem Könige in jener Zeit zum ?lach: »il, da ihn feine Kriege in Irland ein schweres Geld kosteten und tes^iln weniger als früher für den Vater der Christenheit übrig blieb. n,.% llnnoch zögerte der Heilige Vater, für Herrn Thomas ohne Rückhalt tM > nji reten. Er konnte kein rechtes Vertrauen zu ihm fassen und in


