vußtsein kommt. Unsere Uhr wurde somit über drei gchen, nachgehen, während der Astronom noch bis auf
Alte Bauernuhr.
Bon Peter Bauer.
Des Pendels Schwung mahnt: Nütz die Zeit, Aus Stundenschlag reift Ewigkeit.
Der Abend adelt einst dein Tun, Du wirst in Ehr' beim Enkel ruhn.
Ihm halte Hof und Vieh gesund, Vergeude nichts von Gottes Pfund.
Bleib Herr im Haus, üb Zucht und Recht Mit gradem Sinn bei Magd und Knecht.
Halt heilig jeden Tag des Herrn, So fällt kein Dunkel ohne Stern.
Die Uhr betreut Geschlechter Lauf, Der Bauer selber zieht sie auf.
Wenn seine Hand den Zeiger rückt, 'Hat er dem Ahn ins Äug' geblickt.
Einen ehrenvollen Ruf der historischen Fakultät In Königsberg hat er abaelehnt, er ist der Universität Gießen bis zu stinem Lebensende treu geblieben. Am Tage seines Todes, am 11. August 1905, Mjrleb der „Gießener Anzeiger": „Hier in Gießen ist er wahrhaft heimisch gewesen. 9ruf eigenem Grund und Boden hat er hier ge essen in einem stattlichen Hause^und^n seinem prachtvollen großen Garten °n der W.eseck konnte man noch in den letzten Tagen den vortrefflichen gelehrten mit dem schonen Greisenkops lustwandeln oder dem Studium hingegeben sehen.
Als Oncken zur letzten Ruhe bestattet wurde, gab der damalige Dekan der Philosophischen Fakultät, Prosessor Dr S a u e r eine oor- zügliche Schilderung seines Charakters und sprach am Schlüsse seiner Ansprache die tief empfundenen Worte:
Er war keine Kampfnatur wie der rechte Politiker sein muß, er war ein friedfertiger Mensch, vornehm und schlicht, mild und freundlich einer von denen, die auch dem New unverwundbar sind und die mit lächelnder Gelassenheit durch den Tumult des Wettgetriebes ihren Wea gehen. Geleiterinnen waren ihm die Musen, denen er zeitlebens einen andächtigen Kultus geweiht hat; denn die Harmonie, die In ihm lebte wollte er auch um sich wissen, und er hatte eine innige Freude daran die Herzen Vieler durch die Macht der Töne ergriffen zu sehen. In solchen Herzen konnte kein Groll hasten; nie hat ein Kollege ihn unverträglich oder unbequem gefunden. Viele aber hat er sich zu Freunden geworben. Und doch war dieser Mann nicht weich und schwach, was er einmal für recht erkannt, hielt er mit Zähigkeit fest. Treue, echte Treue, war der Grundzug seines Wesens."
Unendlich Vieles und Großes hat sich in der Geschichte unseres Volkes ereignet, seit Wilhelm Oncken bestattet wurde. Es ist. heute Pflicht, sich der Männer der deutschen Geschichtswissenschaften zu ennnern, die bie Geschichte unseres Volkes mit heißem Herzen erlebt und dargestellt haben und die bei der Darstellung der deutschen Geschichte nicht jener leidenschaftslosen liberalistischen „Objektivität" erlegen sind die eine Stütze des Pazifismus, des Internationalismus und schließlich auch des Marxismv- Geworden ist.
h Besonders interessant wird das, wenn wir mit unseren Sinnen Vor- gänge wahrnehmen, die in weiter Ferne vor sich gehen. Die fernsten Objekte, die der Mensch zu erschauen vermag sind die Sterne. Wir wissen, daß infolge der großen Entfernungen der Gestirne das Licht Jahre, ja Jahrtausende unterwegs ist, um von dort bis zu uns zu dringen. Sehr nahe (im astronomischen Sinnel) steht uns ,a noch die Sonne, deren Entfernung 149 Millionen Kilometer betragt. Das ist immerhin schon eine Strecke, die ein ununterbrochen fahrender 0-Zug erst in 191 Jahren durchlaufen konnte. Nun, das Licht besten Wellen sich genau so schnell im Raum fortpslanzen rote die elektrischen Wellen ber drahtlosen Telegraphie, nämlich in der Sekunde 300000 Kilometer, braucht nur 8^4 Minuten, um von der Sonne bis zur Erde $u gelangen. Nähme in diesem Augenblick die Hand eines allmächtigen Wesens die Sonne vom Himmel fort, fo würden wir sie dennoch 8/. Minuten leuchten sehen, denn erst müßte ja der letzte Lichtstrahl, der vor dem Verschwinden der Sonne von ihrer glühenden Oberfläche ausging, hier ^Äm^l^Febriiar 1901, um 7 Uhr abends, strahlte plötzlich Im Stern- bilde des Per eus ein neuer Stern auf, ber vordem dort nicht gestanden hatte. Der naive Beschauer hätte doch keinen Augenblick daran gezweifelt, daß ber Stern wirklich „in diesem Augenblick' aufleuchtete, hätte also selbstverständlich den Vorgang für realste Gegenwart gehalten. Wir wissen heute, daß ein solcher neuer Stern in Wahrheit keineswegs „neu" ist, sondern längst dort in ber Ferne vorhanden war. Er war so lichtschwach, daß wir ihn nicht mehr erkennen konnten. Es kann kein Zweifel sein, daß das Aufleuchten einer solchen fernen Sonne heroorgerufen wird durch eine gewaltige Katastrophe, dunh einen ungeheuren Explosionsvorgang in dem glühenden Gasball. Es ließ sich nun die Entfernung dieses Sternes messen, und es ergab sich, daß diese „Nova Persei" 110 Lichtjahre fern von UNS steht. Das Licht brauch! also 110 Jahre, um von dort bis zu uns zu bringen. Also! Der Stern leuchtet in Wahrheit gar nicht in bem Augenblick aut, als ihn sein erster Beobachter sah, sondern die Katastrophe, die sein Erglühen zur Folge hatte, fand 110 Jahre früher statt, nämlich im Jahre 1791, zur Zeit der großen französischen Revolution-
Hier sehen wir deutlich, daß etwas, was uns als Gegenwart erscheint, fernste Vergangenheit sein kann. Selbstverständlich würde man von jenem fernen Stern aus die Erde genau so im Spiegel der Vergangenheit sehen, wie wir den Stern, denn das Licht braucht ebensoviel Zeit, um von dort zu uns, wie von uns nach dort zu kommen. Die Hauptsterne im „Großen Bären" sind rund 90 Lichtjahre entfernt. Mit einem Riesenfernrohr von ihnen aus betrachtet, erschiene hier alles im Lichte ber 50er Jahre, als eben die Revolution von 1848 vorbei war und Preußen eine Verfassung erhielt! Ja, von sehr fernen Sternen, von Sternen der Milchstraße aus betrachtet, fähe ein Beobachter unser Land von feinen Ureinwohnern bewohnt, trotzigen Jägervölkern, und am Rande der Wüste bauten die Aegypten eben ihre Pyramiden! —
Die Forschungen der letzten Jahre haben nun gezeigt, daß die fernsten, noch zu unserer Milchstraße gehörenden Sterngruppen 200000 Lichtjahre in den Raum hinausgerückt sind! Unvorstellbarem Weiten, wenn wir uns überlegen, daß ein einziges Lichtjahr einer Rakunstrecke entspricht, die über 63 000mat größer ist, als die Entfernung der Erde von der Sonne! Wir sehen also die Sterne in einem Lichte, das vor 200 000 Jahren von ihnen ausging. Die Sterne können längst erloschen sein und doch sehen wir sie noch. Andere können inzwischen in ihrer Nachbarschaft entstanden Jein, aber noch hat uns ber erste Lichtstrahl, ber sie verließ, nicht erreicht und wir wissen nichts von ihnen. Immer atfo sehen wir den Himmel in jenen letzten Fernen so, wie er vor la-igev langen Zeiten war, als der Mensch erst zum Menschen wurde, noch an keine Wissenschaft zu denken war. Man hat die Frage ausge- roorfen, ob bas nicht für die astronomische Beurteilung ber Sterne von Wichtigkeit sei, ob uns nicht die verschiedenen Sonnen, die sich bekanntlich in sehr verschiedener Entwicklung befinden, in sehr verschiedenem Alter, nur so erscheinen, weil sie eben ganz verschieden weit von uns entfernt sind, und uns einfach aus diesem Grunde verschiedene Entwicklungsstufen vortäuschen.
Indessen, bas trifft nicht zu. Selbst 200 000 Jahre sind gegenüber ber Zeit, die eine Sonne zu ihrer Entwicklung braucht, unb bie auf viele hundert Millionen Jahre an,zufetzen ist,,recht gering. Anders aber ist es mit dem Ort, den bie Sterne am Himmel einnehmen. Mr wissen, daß sich die Sonnen im Durchschnitt mit tausendfacher v-Zug- Geschwindigkeit im Weltall bewegen, ähnlich wie die Erde, die ja auch in jeder Sekunde 30 Kilometer zurücklegt. So sind also die fernen Sterne feit den Jahrzehntausenden und mehr, die vergangen sind seit bem Tage, da der Lichtstrahl von ihnen ausging, der heute bei uns eintrifft, gewaltige Strecken im Sternenraum weitergewandert. Der unserer Sonne nächste Fixstern (Alpha Centauri) legt in jeder Sekunde 23 Kilometer zurück, also in 100 Jahren 73 000 Millionen Kilometer. Aehnlich bewegen sich auch die sehr fernen Gestirne, unb man kann sich denken, weiche großen Ortsveränderungen sie vorgenommen f)aben feit Jahrzehntausenden! Wir aber sehen sie heute noch an dem gleichen Ort, den sie vor zehntausend Jahren innehatten, denn wir sehen sie eben in bem Licht, das vor dieser langen Zeit ihre leuchtende Oberfläche verließ. Erst bie Menschen, die zehntausend Jahre nach uns kommen, sehen fie an bem Ort, den sie in Wahrheit heute schon einnehmen! *
abermals eine kleine Zeitspanne, bis Im Schläfenlappen des Gehirns, bem Sik ber Gehörswahrnehmungen, das vom Ohr aufgenommene (se- rächch Am Bewu/"--- ----- "h-r hrel
Sekunden falsch gf,—, ,
Hunderttelle einer Sekunde genau arbeiten muß.
So sehen wir: Streng genommen nehmen wir keine Gegenwart wahr sondern alles, was uns zum Bewußtsein kommt, ist Vergangen-
Vergangenheit als Gegenwart.
Von Bruno H. Bürgel.
Im ersten Augenblick mag es sonderbar klingen, wenn man bie Behauptung aufstellt, daß mir niemals die Gegenwart sehen ober hören können, sondern nur die Vergangenheit. Dennoch ist es so! Alle sinnliche Wahrnehmung ist nur Wahrnehmung des Vergangenen. Jemand sicht einen Stein fallen. Bei oberflächlicher Betrachtung will ihm das Gegenwart erscheinen, dennoch ist es Vergangenheit, denn der Stein fiel nicht in dem Augenblick, da er es sah, sondern früher. Die Lichtstrahlen, bie von bem fallenden Stein ausgehen, unb bie uns doch erst Mitteilung von dem Vorgang machen, brauchen eine gewisse Zeit, um von bem Stein bis in unser Auge zu gelangen, und es vergeht aber- mais eine gewisse Zeit, bis das Nerventelegramm vom Auge bis zu denjenigen Gehirnpartien vordringt, bie, uns bas Gesehene erst zum Bewußtsein bringen. So kann bas Auge, beziehungsweise bas Gehirn, unser Denkapparat, immer nur das zeigen, was bereits war, nicht das, was in Wahrheit „im Moment", will sagen in ber Gegenwart, ist. Deutlicher wirb bas vielleicht bei sehr schnell verlausenden Vorgängen, etwa beim Blitz, der nur Hunderttausendstel einer Sekunde währt. Wenn wir den Blitz wahrnehmen, dann ist er längst nicht 'mehr, und in dem Augenblick, als er wirklich niedersuhr, nahmen wir ihn noch nicht wahr.
Genau dasselbe ist natürlich der Fall mit Wahrnehmungen unseres Gehörorgans. Wir hören in der Ferne eine Fabrik die Mittagsstunde pfeifen. Wollten wir danach unsere Uhr stellen auf 12 Uhr 0 Minuten, 0 Sekunden, so würbe sie nachgehen. Im gewöhnlichen Leben, wo es ja auf große Genauigkeiten nicht ankommt, spielt bas natürlich keine Rolle, wird es gar nicht beachtet, in der Wissenschaft aber, beispielsweise in ber Astronomie, könnte man niemals so falsche Zeitnotierungen gebrauchen. Ist jene Fabrik einen Kilometer von uns entfernt, so braucht ber Schall drei Sekunden, um unser Ohr zu erreichen, und es vergeht
Verantwortlich: Dr. Hans Thhriot. — Druck und Verlag; Vrühlsche Universitätsdruckerei R.Lange, Gießen.


