An eine Aeolsharfe

Von Eduard Mörike.

Angelehnt an die Efeuwand Dieser alten Terrasse, Du, einer luftgeborenen Muse Geheimnisvolles Saitenspiel, Fang an, Fange wieder an Deine melodische Klaget

Ihr kommet, Winde, fern herüber. Ach! von des Knaben, Der mir so lieb war, Frisch grünendem Hügel.

Und Frühlingsblüten unterwegs streifend, Ueberfättigt mit Wohlgerüchen, Wie süß bedrängt ihr das Herz!

Und säuselt her in die Saiten,

Angezogen von wohllautender Wehmut, Wachsend im Zug meiner Sehnsucht, Und hinsterbend wieder.

Aber auf einmal.

Wie der Wind heftiger herstötzt, Ein holder Schrei der Harfe Wiederholt, mir zu süßem Erschrecken, "Meiner Seele plötzliche Regung;

Und hier die volle Rose streut, geschüttelt, All ihre Blätter vor meine Füße!

»Oie guten Willens sind.'"

ist

Anmerkungen zu einem Roman von Jules Romains. Von Hans Thyriot.

M die Grenzen hinweg. .. ... .

B Was für den Film gilt, gilt naturgemäß auch für die andern, alteren formen künstlerischer Aeußerung, obwohl sich keine von diesen so un­mittelbar, so vielfältig-finnfällig und mit so breiter Wirkung wie der Bilm zur Geltung zu bringen vermag; rein wirkungsmaßig am nächsten st hen wohl bildende Kunst und Musik., r

Im Raume der Dichtung kommt das Drama dem Füm am nächsten, "Lhrend dem Gedicht die äußerlich schmälste, leiseste, freilich oft amy i^fste Wirkung beschicken ist; zwischen beiden steht die Erzahlung stden ! Erädes und Anspruches. Roch heute, wie zu Goethes Zeiten, gibt es Somane mit Weltersolg und Weltverbreitung;Vom Winde verweht ist S genwärtig das bekannteste Beispiel. Der Roman, auf den wir"heut Hinweisen wollen, kommt nicht aus Amerika, sondern aus Frankreich, ist s-rläusig kein Welterfolg und wird auch kaum einer werden, sofern der rcim sich nicht des Buches bemächtigen sollte; das ist wiederum unwahr- peinlich, obwohl der Stoff eine Menge für die Kamera sehr reizvoller Möglichkeiten in sich schließt, weil die Fülle des Stoffes den normalen . Mang eines, ja selbst mehrerer Filme sprengen wurde und weil uber- M der Autor, was entscheidend ist, die Verfilmung vermutlich s s - wischen Erwägungen (die im Vorwort gestreift werden) ablehnen wurde.

, Cs handelt sich um die Roman-SeneDie guten Willens I n d" von Jules Romains. Das Original (bei Ernest F owmarion, Mris) heißtLes hommes de könne volonte die beuftche Uebersetzung !®n Franz Hessel erscheint bei Rowohlt, Berlin, letzt in Stuttgart He Reihe ist noch nicht abgeschlosst " «anbePrelude L Verdun und , --- Arininnr tipnprl

Ndern Mitteilungen sogar auf 24 Bände berechnet. Im Origmal liegen Mn wir recht unterrichtet sind, bis jetzt 14 Bande vor, bteMh tc ms Deutsche übersetzt.Um Niemand zu erschrecken, verme de ich es, me genaue Zahl anzugeben", sagt Romains seiber, nn Hmblickausf d i« erwartenden Fortsetzungen des Werkes, in der Vorrede - 7

; Qnb,Am 6. Oktober", einleitet. Romanwerke solchen Ausmaßes ' bei uns nicht. Da sich das Ausmaß nicht allein auf den äußeren Um

also die Zahl der Bände, bezieht, sondern in erster L.nie aus oie

Die Zahl der Uebersetzungen aus den Literaturen des Auslandes hi uns im Lause der letzten Jahre merklich zurückgegangen und teil- ttsifc auch bewußt eingeschränkt worden: ohne Zweifel mit gutem istunde, sofern man sich darüber einig ist, daß die Zahl fragwürdiger her auch nur mehr ober minder durchschnittlicher Importware die eigene Produktion nicht Überwuchern und die Aufnahmefähigkeit des Marktes tib der Leserschaft nicht ungebührlich belasten dürfe. Dagegen sind wir, nt ebenso gutem Grunde, jederzeit empfänglich für das nicht nur Neue, sndern vor allem unbezweifelbar Wertvolle, was von draußen her zu ns bringt. Es gibt, jenseits der Grenze, nah und fern, manches, was ulerer Aufmerksamkeit nicht entgehen sollte: zunächst um der kunst- kstschen, der dichterischen Qualität an sich und um der stets willkommenen Möglichkeiten des Vergleiches willen. Wir malen unsere Bilder, drehen ttjere Filme, schreiben unsere Romane, unsere Gedichte und wir tun i<5 alles so, wie es unserem Wesen, unserem Gefühl, unseren nationalen besetzen und unserer landschaftlichen Eigenart gemäß ist. Aber es kann ins nicht ganz gleichgültig sein und wird, zum mindesten, immer lehr- tiid) und oft sehr anregend sein, zu sehen, was inzwischen die andern nadjen, und wie sie es machen. Eine Veranstaltung wie die Biennale, I te Internationale Filmschau in Venedig, ist, wie wir glauben, von um |Meiner Bedeutung für einen befruchtenden Austausch unter den belei- IIiijten Nationen ... nicht allein was den Film oder die allgemeinen kstinstanschauungen, Kunstgesetze und Kunstformen eines Landes angeht, I Imbern auch, darüber hinaus, im Hinblick auf das gegenseitige Kennen- || henen der Völker untereinander, auf Berständnis und Verständigung

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[en; in Paris erschienen zuletzt die 'erdun; das Ganze ist auf 18, nach

ganz ungewöhnliche epische Konzeption, so lohnt es sich wohl, sich ein wenig damit zu beschäftigen. In der modernen französischen Literatur gehören zwar, soweit wir zu sehen vermögen, Projekte dieses Stiles ebensalls zu den Ausnahmen; aber Frankreich verfügt über eine Tradition besonderer Art in dieser Gattung. Man muß, wenn man Romains' Werk in Augenschein nimmt, soweit das vorläufig möglich ist, an große Vor­bilder im 19. Jahrhundert denken, an Zola (Rougon-Macquart) und vor allem an Balzac (Comedie humaine): hier finden wir zuerst die Tendenz, den herkömmlichen Begriff, den Raum und Rahmen des Ro­mans zu sprengen mit dem Plane, in einer in sich zusammenhängenden Reihe von Romanen ein großes erzählerisches Universalgebäude zu er­richten, wobei Balzac in seinem Thema die Grenzen noch weiter zog und noch-weiter ausholte als Zola; während diesem das soziale Bild seiner Gegenwart in epischer Fresko-Manier vorschwebte, wollte Balzacmit der Feder vollenden, was Napoleon mit dem Degen versagt blieb": nur ein Mann von der künstlerischen Besessenheit, der schöpferischen Phantasie, und der enormen Arbeitskraft wie Balzac konnte ein Werk in Angriff nehmen, dessen Ziel ein Riesenpanorama menschlicher Charaktere und Leidenschaften war, wie es sich in seinem Umkreise, feinem Lande und seiner Zeit darstellte und schlechterdings überschaubar und faßbar war.

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Romains unternimmt etwas anderes, und es ist vorerst kaum auf eine Formel zu bringen. Der erste Band,Am 6. Oktober", beginnt im Jahre 1908; da der bisher letzteVerdun heißt und noch eine ganze Reihe weiterer folgen werden, ist leicht einzusehen, daß das Ganze bis in die allernächste Gegenwart hineinreichen wird; das wäre die zeitliche Abgrenzung. Der Schauplatz ist Frankreich, im befondern Paris. Wir haben hier, unter anderm, den Roman einer großen Stadt, und, da Paris in einem viel ausgeprägteren Maße Mitte und Herzpunkt von Frank­reich ist als etwa Berlin für Deutschland, so Haden wir bis zu gewissem Grade zugleich ein Bild vom gegenwärtigen Frankreich in der Spiege­lung seiner Metropole, jedensalls ein Bild des französischen Menschen unserer Zeit, wie es sich in Paris barstellt. Das Bild dieser Stadt ist angelegt und ausgeführt mit einer Vitalität, einer eindringenden Kennt­nis, einer Leidenschaft, das Ganze in allen, auch den geringsten Teilen zu erfassen und zu erkennen, die den Leser, je tiefer er einbringt und sortschreitet, überwältigen muß. Romains umkreist das Weichbild, er geht in die einzelnen Viertel, aus die großen Boulevards, die stilleren Straßen und Plätze und Brücken; er bringt in die Häuser ein bei Tag und bei Nacht und zeigt uns das Volk von Paris, Männer und Frauen, Politiker und Arbeiter, Angestellte und kleine Leute, Adlige und Handwerker, Studenten und Kinder: man erlebt dieses Volk von Paris bei der Arbeit und beim Essen, bei der Liebe und beim Spiel, im vertrauten Gespräch, in seinen verschwiegenen Gedanken, in seinen dunklen Geheimnissen, freundlichen Hoffnungen und ehrgeizigen Plänen, bei feinen Geschäften, Spaziergängen, Verabredungen, Zusammenkünften. Dabei wird eine sehr geistig gerichtete Unterhaltung junger Studenten nicht weniger genau, anschaulich, charakteristisch beschrieben als das halblaut abgerissene Ge­spräch zweier Liebenden, eine Aussage auf der Polizei nicht minder exakt als eine Erörterung über Petroleumpreise ober eine Diskussion über die Möglichkeiten kriegerischer Konflikte in Europa. Hier scheint alles wichtig, alles bedeutsam, alles zum Gesamtbild gehörig und auch ganz mühelos in dieses Gesamtbild eingefügt: die Beschreibung einer Wohnungseinrich­tung wie die Schilderung eines Abendessens, das Wetter und die weib­liche Mode im Herbst 1908 wie der abenteuerliche Spaziergang eines (einer Herrschaft entlaufenen Hundes.

Dabei hat dies alles nichts von kahlem Naturalismus an sich, nichts von bloßer Reportage: hier ist ein mit bewundernswerter Kunst und großartig-gelassener Uebersicht komponierter Roman; breiter Lebens­ausschnitt voller Atmosphäre, voller Handlung, Figuren und Schicksale. Es muß wohl der romanische Geist der Klarheit, der Sinn für innere Ordnung und gute Form sein, der solche Fülle der Gesichte beherrscht und lenkt. Das Ganze dieser riesigen Erzählung breitet sich vor dem Leser aus wie ein überaus kunstvolles Gewebe. Figuren erscheinen, ver­schwinden, tauchen wieder auf, gewinnen Beziehung, Bedeutung, sinn­volle, ja manchmal sinnbildliche Kraft. Lebenskreis«, Handlungsreihen, Schicksalsbeziehungen, anfangs scheinbar unverbunden, unverbindlich aus- gegriffen beginnen sich, je weiter man vor- und eindringt, zu ordnen und Dasein, Lebendigkeit charakteristischen Umriß zu gewinnen im Bilde ber Stadt, des Landes, des Lebens jenseits unserer Grenzen.

Das könnte den Leser entmutigen und verwirren in seiner Vielfalt, aber Romains hält gelegentlich, zu Beginn eines Bandes, eine Ansprache an ihn dankt ihm, ermutigt ihn ... und hilft ihm, indem er jeweils am Ende eines Bandes ganz knapp zusammenfaßt, was hier an Handlung, an neuen und schon bekannten Gestalten versammelt ist. Er geht ganz systematisch zu Werke; er gibt, was man sonst nur in wissenschaftlichen ober ähnlich gearteten Büchern findet, außer bem Inhalts- auch ein sehr exakt gearbeitetes Personenverzeichnis, an Hand dessen man jede flüch- tiq ober wesentlich mitspielende Gestalt sogleich roieberfinben, rekonstruie­ren und in den gehörigen Zusammenhang einordnen kann. Das sieht bei­spielsweise so aus:Haverkamp (FrÄeric) redet Wazemmes beim Ren­nen an Schlägt Wazemmes eine Ausstellung vor. Seine neue Einrich- tunq und seine Pläne. Geistesart; Visionen; Organisation seines Betriebes- Ißt im .Goldenen Schwein* zu Mittag ein lästiges Filetbeefsteak." Zn jedem dieser Stichwort« ist Band- und Seitenzahl angegeben, wo man die Gestalt in diesem oder jenem Zusammenhang seiner Entwicklung wiederfinden kann. Oder so:Rita (die Dame im Autobus) macht Wa- zemmes Avancen. Empfängt ihn und behandelt ihn gut. Schreibt ihm. Behandelt ihn noch bester." Oder endlich, da die Stadt selber wie ein großes oielglieberiges, lebendig atmendes Wesen angesehen und bar» gestellt' wird:Paris, geht am Morgen zur Arbeit. Gesamt­barstellung Bei Nacht. Straßenrausch. Als Gegenstand kausmanmscher und Grundstücksspekulationen. Als Versteck. Geheimnisvolle Wirklichkeit. Als Verbrechensstätte. Vom Dach der Ecole Normale gesehen. Statte der Kindheit Stadt der Reichen. Acht Uhr abends. Mitternachts. Laden, heimliche Wege Stadt des zwanzigsten Jahrhunderts, Klasse von Un-