Ausgabe 
31.10.1938
 
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sctzter hat es gekauft!"

Er hat oorläuflff noch kein« Zeit gehabt, es sich anzusehen. Ich weih auch nicht, ob er seinen Vorsatz überhaupt noch aussuhren will , sagte Christine.

igen kommen wollte.Ich würde es nicht verant- Liebel Das viele Stehen beim Malen kann Ihnen

stine. Wenn man sich nicht tras in den Hotelhallen vel oen vrouis oer Gesandtschaften, bei den Theaterpremieren und den Wohltatigkeitsnach- mittagen, dann war man plötzlich nicht mehr da. Es war so gut, nicht

einen grohen Strauß dunkelroter Rosen mit. Christine war so erschöpft von der Zeit und dem täglichen Kamps, daß sie säst aussprach, was sie dachte;Das sind sa für fünf Millionen Rasen!" ,

Aber sie rechnete sofort, daß es für ihn nur ein paar Schillinge bedeutete. Es sind billige Rosen für ihn, dachte sie erbittert.

Beveridge war sehr ernst. Sie machte ihm Tee auf dem kleinen Tischchen vor ihrem Fensterplatz. Sie saß in einem großen dunkelgrünen Sessel, und er holte sich einen der vielen einfachen Schemel heran, die

hcrumstanden.

An der einen leeren Wand hing das große Bild von Christoph von

Mas treibst du? Du hast doch erst gestern eine Kopie fertiggemacht. So "schnell kann man ja gar nicht verkaufen!" .

Er sagte wieder, was sie gedacht hatte:Es wird die Zeit kommen, Christine, da werden wir von diesen elenden Kopien leben müssen. Sie gehen ja eigentlich auch ganz gut. Es geht uns doch eigentlich auch ganz, gut! Du sollst nicht mehr malen, es strengt letzt unnötig an, das Stehen. öVorläufig kann ich noch malen! Außerdem, mein Lieber, habe ich eines von Großvaters Bildern verkauft."

Das war falsch, Christine, weißt du das?

Rein, es war richtig. Ich habe es gegen englische Pfunde verkauft. Der Viscount wollte es."

Rucktafch, das Christine von der Galerie geholt hatte, wo es leihweise aufgestellt war, weil sie gehofft hatte, der Viscount würde es kaufen.

Beveridge trank seinen Tee und rauchte schweigend. Schließlich fragte er:Warum hängt das Bild noch da? Ich denke, mein hoher Dorge­

stiegen!" flüsterte er.

Dann versuchte man, Brot einzukausen. Der Bäcker gab nur an feine treuesten Kunden ab, und es war notwendig, eine Marke vor­zuzeigen. Dann wurde man von einem Lehrling über einen dunklen Hof geführt; neben der Backstube war die Ausgabe.

Die Bäckersfrau lächelte Christine freundlich an, aber sie sagte:Wie lange es noch geht, wissen wir nickt. Wir kriegen ja kein Mehl mehr von den Mühlen für diese Scheine."

Beveridge machte in diesen Tagen feinen Abschiedsbesuch. Er brachte einen großen Strauß dunkelroter Rosen mit. Christine war so erschöpft

Was heißt das? Kaus ist Kauf, und Scheck ist Scheck!'

.Jkh habe ihn selbstverständlich noch nicht ausgefullt.

'^Frau Christine", sagte Beveridge, .Deutschland ist nun »w Ehaos. Diese tausend Pfund sind für den großen Fmanzmann gar nichts Das Bild ist mehr wert, das wissen wir beide. Fullen Sie den Scheck aus und schreiben sie ihm. er solle bestimmen, wo das Bild hinkommen solle. Dann Haden Sie tausend Pfund in der Hand und sind fürs erste ge-

zwischen Linden und Gedächtniskirche, der nicht seine Dollars oder seine ^^,"Soll"ich°mich°^em^aussetzen", fragte Christinedaß der Viscount den Scheck sperrt und mir schreiben laßt, er müsse leider auf das Bild verzichten? Man kann doch heute so billig in Deutschland kaufen ....

Frau Christine, das wird er nicht tun,, er ist ein Gentleman.

Aber ich werde es auch nicht tun! Wir wollen, bitte, nicht mehr herüber ^den^ ^he Sorge!" Er streichelte ihre Hand undlieh die niedergleitenden Finger einen Augenblick in der Hohe ihres Knöchels rUf,,e,grau Christine, ich bin noch länger hiergedlieden, als ich lollte- Jch komme nicht nach Madrid, ich gehe nach London ins Foreign Office. Ich kenne viele Frauen ... Von dem ersten Augenblick an, da ich Sie sah, Christine ..." .

Beveridge, Sie sollen nicht weitersprechen, mir haben doch dies ganze Thema begraben, und es war gut, daß wir es begraben haben. Ich lieb« meinen Mann, Beveridge, so, wie er ist. ..

Beveridge schwieg. Dann sagte er:Das ist eine Einschränkung. Ich kann es nicht ertragen, Sie zurückzulassen mit dem Wissen, daß Sie in einen fast sicheren Untergang gehen!"

Ich werde nicht untergehen, Beveridge. Man kann das Bild bei Graeser verkaufen, man kann ein Haus dafür bekommen. Das Bild wirs unter dem Wert verkauft werden, das Haus aber auch

IChristine!" Beveridge umspannte ihren Knöchel:Christine, haben Sie 'ein wenig Mitleid! Sie waren nicht immer so zu mir.

Ich war immer so zu Ihnen, Beveridge, nur haben Sie immer mehr erwartet. Wir wollen wirklich als gute Kamerccken nun Schluß machen. Ich will auch ein Wort sagen, Beveridge, wie die Dinge stehen, ich will es Ihnen nun sagen ...ich erwarte ein Kind und bin sehr ^Beveridge ließ die Hand von ihrem Fuß. Er sah lange und ernst ihr Gesicht an:Es ist dann Schicksal" sagte er.Wenn Sie je den Rat ober die Hilfe eines Freundes brauchen, der m London sitzt, Christin«,

Der Viscount entschuldigte sich telephonisch, er könne in der nächsten Zeit nicht kommen, die Lage habe sich aufs neue verfinstert. Er sähe die Lage überhaupt für ganz ungewöhnlich ernst an, bäte aber, das Bild ihm vorläufig noch zu reservieren.

Run sah es wirklich ernst ausl Wenn man das Bild zu Graeser gab, dann zerstoß das Geld, dann mußte man sofort em Haus dafür kaufen. Der Viscount hatte zwar nichts von dem offenen Scheck ge­sprochen, aber das Wortvorläufig" sagte ja alles. Es stand ihm ^wohl nickt mehr der Sinn nach der Erwerbung von deutschen Bildern, viel­leicht verlieh er sogar (einen Posten. Er schien genug zu haben, jung war er auch nicht mehr.

Christine ging nicht mehr aus, zu keinem Tee und zu keiner der un­zähligen Tanzereien, die jeden Tag unter einem anderen Dorwand m einem anderen Hotel stattsanden. Aber sie merkte schon nach vierzehn Tagen, wie schnell man vergessen wurde. Sie entschloß sich, Lady Grace ein Geständnis zu machen.

Die lächelte mütterlich:Kommen Sie zu uns aufs Land, wir haben ein hübsches, kleines Haus auf Wigth zwischen Rosen und grünem Rasen, der bis zur See geht."

Christine schüttelte den Köpf:Ich danke Ihnen, Lady Grace, ich danke Ihnen sehr herzlich, aber ich bin so, wie ich nun einmal verbraucht werden muß! Ich meine, das Kind muß in Deutschland geboren wer­den. Es ist doch ein Urenkel von Rucktasch."

Lady Grace verstand das sogar, aber sie meinte, daß sie nun doch zu keinen Porträtfitzungen kommen wollte. 01141 »=- n,At verant­worten können, meine Liebe! Des ,

dazusein!

Christine horchte' in sich hinein. Sie hatte ein stilles und schmales Gesicht. Zuweilen aber überfiel sie eine ganz sinnlose Angst. Der Tanz der Zahlen, der sie bisher belustigt hatte, war nun zum Chaos ge­worden. Von dem letzten Porträtauftrag hatte sie noch ein paar Pfund.

Wenn sie einkauften, taten sie es nun, wie alle anderen, auf eine fast abenteuerliche Weise: Milotti stellte sich am Ende einer der dunklen Menschenschlangen auf. Sie führten alle den AusdruckDevisen im Munde selbst die, die noch vor einem halben Jahre nichts von der Börse gewußt hatten. Wie giftige Pilze schossen kleine elegante, aus Eisen und Glas konstruierte Häuser auf den Promenaden Berlins aus. lieber ihrem Eingang, hinter dem sich ein kleiner Schalter befanö, Itanb Wechselstube". Davor die lange, dunkle Reihe; am Ende stand Milotti.

Christine ging neben ihm. Langsam schob man sich vorwärts. Um drei Uhr nachmittags erschien eine neue schwarze Tafel, auf der man den letzten Kurs des Dollars aufgezeichnet hatte. Er war schon über eine Million wert.

Sobald der Kurs erschien, löste sich Christine von der Seite ihres Mannes und ging in eines der Schuhgeschäfte gegenüber und fragte nach dem Preise. Das Fräulein zögerte mit dem Verkauf, der Geschäfts­führer mischte sich ein. Milotti stürzte in den Laden.

Nimm die Schuhe um jeden Preis, der Dollar ist schon wieder ge-

$ Er nahm ihre Hand, preßte sie an seinen Mund, stand auf und ging ganz schnell aus dem Atelier. Er vergaß einen Gruß und vergaß das WortAuf Wiedersehen". h

Christine trat vor das Gemälde. Die junge Frau schlafsanft und tief Um ihren Mund war ein ganz kleines Lächeln. Dies Lächeln Der Schlafenden hatte das Bild berühmt gemacht.

Ach, dachte Christine, wir alle werden nicht so lächeln, wenn wir schlafen, so glücklich angestrahlt von dem Hauchseines reinen Tages!

Sie wandte sich ab. Es war nötig, sich zusammenzunehmen. Auch Beveridge war ja im Grunde der Meinung gewesen, daß man auf den Viscount nicht mehr rechnen dürfe. Wenn das Chaos aber zunahm, dann konnte man vielleicht solche Bilder wie dieSchlafende 8rau überhaupt nicht mehr verkaufen. Es waren ja im Grunde nur die Fremden die das Gute aus der alten Zeit Deutschlands billig fort- schleppten! Man mußte den Viscount verständigen, daß man leider gezwungen gewesen sei, inzwischen schnell abzuschließen und ihm den Scheck zurückschicken. Man mußte zu dem alten Graeser gehen und mußte zäh mit ihm verhandeln ...

Inzwischen mußte man ein Haus haben, das man andern gleichen Tage kaufen konnte. Die Summe war vielleicht in einem Aktienpaket zu erlegen Milotti sollte inzwischen ruhig weitermachen, es war ja so gut, daß er feit ein paar Tagen an einer Herbstlandfchaft arbeitete. Spätherbst, schon kahle Zweige, ein paar verwehte Blatter, im Vordergrund fast dunkelrotes Laub. Der Vordergrund war gut, die verwehten Blatter ... Das kann Milotti nicht, dachte Christine. Cs ist merkwürdig, als ob er keine Kraft mehr habe oder keine Luft. Es liegt wohl nicht nur an Milotti.

Sie zog sich sorgfältig an, legte Rouge auf, färbte sich die Lippen und sah in den venezianischen Spiegel, den sie von Hause mitgebracht hatte. Ein fremdes Gesicht, dachte sie. Unter den Augen waren Schatten, um den Mund eine neue, fremde Linie.

Sie wandte sich um und umfaßte mit einem Blick noch einmal ben I großen Atelierraum. Eigentlich war man hier ganz glücklich gewesen! Sie trat zu den Rosen und hielt eine zwischen ihren Fingern. Run fuhr Beveridge, nun gab es niemanden mehr, der ihr hals. Milotti wurde immer treu dastehen. Immer? Ja, wenn ich zu ihm halte, wird er immer zu mir halten, so sehr er auch manchmal Augen für andere Frauen hat.

Die Rosen dufteten stark. Christine sah die zwei Jahre von bem Zage an da die Möbel hier ankamen, von dem Besuch der kleinen Frau Hinter- zart die hier in dem Atelier einen regelrechten Schwips gehabt hatte, da war der Abend mit den Kollegen, da war das erste Porträt ... Ach, es war so schnell gegangen!

Wie sie es immer tat, nahm sie den Abschied voraus Nun war es entschieden, nun war es eigentlich in Ordnung. Man muhte sich fest in der Hand halten, man mußte die dreimal verrückte Sentimentalität aus- 9CbJDuat(d)!" sagte sie laut.In ein paar Monaten werde ick wieder porträtieren, und wir werden den Winter hinter uns haben. Was >st schon ein Winter! Wir sind jung, und das ist schön! Man hätte auf der Schule mehr lernen sollen ..."

(Fortsetzung folgt.)

nicht gut fein!

Je mehr der Herbst fortschritt, desto einsamer wurde es um Chn- sich nicht traf in den Hotelhallen bei den Routs der

:i Den Theaterpremieren und den Wohltätigkeitsnach-