gelbe
sich gar gnädig und willfährig, denn sie graben, brechen und hauen eine solche Menge Erz aus, als die Bergleute mit aller Muhe und Arbeit kaum in vielen Tagen herausbrechen können."
Zu den Bergmännssagen der nassauischen Lande gehört auch die Er-
schwunden.
Nach andern Erzählungen nimmt der Berggeist oft die Gestalt eines Steigers, eines Vergamtsoberen oder Markscheiders an, trägt gelbe Lederhosen, Stulpstiefel und Blechhandschuhe, deren spitze Haken beim Ohrfeigengeben besonders schmerzhaft wirkten. Oder er trügt zwar dunkle Beramannstracht, aber weiße Strümpfe, glänzend schwarze Schuhe und einen Napoleonshut; immer hat er einen langen weißen Bart. Er hält strenge Zucht im Bergwerk; Eigennutz, Trunkenheit, Wortbruch, Untreue, Faulheit, Pfeifen und Fluchen bestraft er streng; seinen Befehlen muß man unverzüglich Folge leisten. Aber auch liebenswürdige Züge werden von dieser Erscheinung berichtet. Er zeigt seinen Lieblingen versteckte Erzadern. Man braucht nur eine Keilhacke in die Gesteinsöffnung zu tun, die sich auf sein Geheiß öffnet, so bleibt sie offen. Er schenkt auch Zauberschlegel und Zaubereisen den armen Bergleuten als Patengabe. Wem er von seinem Oel abgibt, der braucht seine Lampe nie wieder aufzufüllen. Manchmal fährt er die Bergknappen stunden-, tage- oder gar jahrelang durch sein an Schätzen reiches unterirdisches Gebiet und erlaubt ihn-yi wohl, sich die Taschen mit Gold zu füttert.
Auch im Nassauer Lande sind Bergmannssagen verbreitet. Nicht weit vom Stammsitz des Reichsfreiherrn vom Stein liegen die Hanselmannshöhlen. An sie knüpft die Bergmannssage an. Es sind Bergmännlein, Zwerge, Wichte, Fingerlein, wie sie überall, wo'Bergbau getrieben wird, im Volksglauben vorkommen. Der Chronist erzählt: „Gewiß ist, daß unsere Hanselmänner von Ems, deren Revier sich weit die Lahn hinauf, viel weiter als die Mehlbach, die wohl' in einem Jahre achtzigtausend Gulden reine Ausbeute gab, ausdehnt, gewisse Sympathien für die Bergleute verraten. Denn es ist ganz gewiß, daß man vordem in allen Bergwerken des Reviers die kleinen Berggeister vielfältig, mit Hammer, Schlägel, Berglampe ausgerüstet, erblickt, und noch viel öfter sie in der Tiefe lustig klöpfen gehört hat, worüber die solches hörenden Bergknappen sich erfreuten und desto tapferer daraus los arbeiteten, in der Hosfnung, daselbst gutes Erz zu bekommen, wie solches auch gemeiniglich darauf erfolgt. Es pflegten die Bergleute den Hanselmännern täglich einen kleinen Topf mit Speisen gefüllt herzustellen, auch alljährlich ein rotes Röcklein, so der Länge nach einem Knaben gerecht, zu gewisser Zeit zu kaufen und ihnen als Geschenk zu opfern; wofern sie solches unterlassen, zeigen sich ihnen diese Männlein gar ungnädig und erzürnt. Wofern man ihnen aber hierin genug hit, verspüren sie dieselben gegen
Zahlung von dek Zwergenkönlgin tnb der Gemahlin des nassauischen Hüttenherrn und Bergwerksbesitzer, von Marioth: „In der Walpurgisnacht erschien in dem festverschlosse>«n Schlafgemach, in dem Frau von Marioth und ihre Kinder schliefen, eine Zwergin mit einer hell leuchtenden Laterne. Herr von Marioth wr geschäftlich verreist. Die Zwergin bat Frau von Marioth um Hilfe für ihre Zwergenkönigin, die ihrer schweren Stunde entgegensehe. Hilfsbereit folgte die unerschrockene Frau eilends der kleinen Botin, die in den flehentlichsten Worten zu reden wußte. Durch Gewölbe und Gänge ging es, auf dem ganzen Wege von kleinen Bergknappen und Dienern, die sich tief verneigten, ehrfurchtsvoll begrüßt. Am Ende des Ganges standen sie vor einer kunstvoll gearbeiteten Tür, die sich auf leises Kloplen öffnete." Der Chronist berichtet weiter: „Umgeben von einer bedeutenden Anzahl von Zwergdamen, die alle in vollständiger Ratlosigkeit begriffen, lag in einem Armsessel die Zwergenkömgin, den Tod in allen Zügen. Daß hier ohne Verzug einzuschreiten, hat auf den ersten Blick Frau von Marioth erkannt; die kundige, selbst mit Kindern reich gesegnete Frack leistete sofort und glückliche Hilfe. Den nicht gerade holden, vielmehr mit einem griesgrämigen ©reifen« gesicht begabten Knaben übergab sie der Sorge der nächsten Frauen, während sie sich ausschließlich mit der Zwergenkönigin befaßte. Dankbar sagte ihr diese beim Abschied: ,Das Vertrauen, so ich in Euch gesetzt, hat mich nicht getäuscht. Empfanget meinen herzlichsten Dank für alles, so Ihr mir gethan, und nehmet zum Gedächtnis an die mir gewidmete Stunde dieses Ringlein! Allsolchetz am Finger wollet Ihr am nächsten Johannisabend, wenn eben die Sonne untergehen will, zu Weinähr, an des Silberberges Fuß, Euch einfinden und den Pfad hinauffteigen bis zu der Stelle, wo Ihr einen Raben und zwei Habichte im Streite um eine tote Taube antreffen werdet. Die Stelle merkt Euch wohl, denn sie birgt Euer Patengeschenk. Solange der Ring unverletzt in Eurem und Eurer Nachkommen Gewahrsam bleibt, solange wird das Glück Euch begleiten.* Am Johannis.-Abend stand Frau von Marioth mit ihrem Gemahl, sie mit dem Ringe geschmückt, an der von der Zwergenkönigin bezeichneten Stelle. Sie sahen den Raben und die zwei Habichte und sanden die Taube. Am andern Morgen war der Hüttenherr mit einer Anzahl von Häuern wieder zur Stelle; ungesäumt ward eingeschlagen, und nach eifrigem Schürfen tarnen die ersten Silbergänge zum Vorschein, die ein volles Jahrhundert lang mit ihrem Segen die Familie Marioth überschütteten und sie zur reichsten der Gegend machten. Johann Franz Marioth starb am 18. März 1726; nach seinem Tode entstand um den Ring der Zwergenkönigin Streit. Der Ring wurde — entgegen der Bestimmung der Zwergenkönigin bei der Schenkung — nunmehr nach dem Tode Marioths geteilt, und von Stund an schlossen sich die reichen Erzgänge von Weinähr für alle Zeiten."
Auch aus anderen Gegenden der nassauischen Lande liegen Sagen von den „Bergmännlein" vor. So wird erzählt, daß im „Seidenstein" (Ge- । marfung Hellenhahn auf dem Westerwald) die Gnomen oder Kobolde hausen. Ein Mann von Pettum (nahe bei Hellenhahn) namens Heinrich Doll soll einmal in die Nähe gekommen sein, da gerade die Berggeister ihre Schätze offen liegen hatten. Staunend bleibt er stehen und schaut stillschweigend die Herrlichkeiten an. Ein Zwerg aber ruft ihm zu: „Heinrich Doll! Pack alle Hände und Taschen voll!" Der aber denkt: „Auf nach Hause und hole dir einen Sack!" Bei seiner Rückkehr findet er weder Berggeister noch Schätze.
Auch in den Vergrevieren Weilburg, Wetzlar, Dillenburg, im ganzen Nassauer und Solmser Lank» sowie im hessischen Bergbau sind die Sagen von den Wichtelmännern und den Zwergen und den Berggeistern heimlich. Als mein Großvater, der Bergverwalter in Dillenburg war, im Jahre 1856 nachts von der Grube heimkehrte, kam ein riesengroßes, weißes Gespenst auf ihn zu. Rasch griff er in feine Umhängetasche, in der er mehrere schöne Handstücke hatte, und warf mit einer Erzstufe nach dem Kopf des Gespenstes, welches in seine nächste Nähe gekommen war. Mit lautem Wehgeschrei purzelte der obere Teil des Gespenstes herunter, die ganze Erscheinung löste sich in zwei Teile auf, das große weihe Laken blieb am Platze, und schreiend enteilten zwei armselige Menschenkinder in den Wald, verfolgt von meinem Großvater, der aber die Verfolgung als aussichtslos bald aufgeben mußte. Der eine hatte auf den Schultern des andern gesessen; sie wollten ihren häufig geübten nächtlichen Spul und Schabernack wieder ausüben, tarnen aber an den Unrechten.
Noch eine heitere Erinnerung sei hier eingeflochten. Wegen der Unterhaltung und Instandsetzung der Waldwege am Friedrichszug und anderen Gruben mußten von den Bergbautreibenden Verträge mit der Forst- behörde abgeschlossen werden. Ein derartiger Vertrag zeigte die Unterschriften des Bergwertbesitzers Grün, des Forstmeisters Blau und des Bergwerkdirektors Roth; hinfort hieß dieser Vertrag bei den Beteiligten der „bunte Vertrag" wegen der Farben grün, blau, rot.
Vor fünfzig Jahren waren die Dörfer Niederwetz, Nauborn, Laufdorf, Steindorf, Albshausen, Oberndorf und Bonbaden noch richtige Bergmannsdörfer; ein großer Teil der Einwohner fand Arbeit und Brot im Bergbau. Diese Dörfer lagen um den Eisenberg, der sich zwischen Wstz- bach und Solmsbach erstreckt, nördlich fließt die Lahn. Im „Eisenbekg wird feit grauer Vorzeit Bergbau getrieben; in ihm Ionen zu meiner Jugendzeit die Gruben Eisenhardt, Margarethe Neufang, Amanda, Juno, Uranus, Laubach, Adelheid, Helfenstein, Prinz Alexander, Eduard, Martha, Metzebmrg; später erschloß der Friedrich-Alfred-Stollen den ganzen Eisenberg. Damals gingen die Bergleute auf Waldpfaden, sogenannten Bergmannspfädchen, zu ihren „Grubenhäusern", die mitten im Walde lagen. .
An den Eisenberg schloß sich der Köhlerberg an, wo die Köhler ein|t ihre Meiler hatten. Benachbart war der Hüttenberg, wo vordem die kleinen Hütten lagen, die Waldschmieden, in denen bas Erz verhüttet wurde. Auch außerhalb des Hüttenbergs gab es Hüttenwerke; im Kreise Wetzlar und in feiner nächsten Nachbarschaft nenne ich die Oberndorfer Hütte, die Aßlarer Hütte, die Audenschmiede bei Weilmünster und den I Schmiedenhof bei Kraft-Solms.
Steiger, Schlegel-Gelellen, wie wir hier versamblef sein; mit Gunst bin | ich aufgeftanöen, mit Gunst will ich mich niedersetzen. Grüßt ich das Gelag (Zeche) nicht, so wäre ich kein ehrlicher Bergmann nicht./ Oder: „Gott ehre das Gelag, heut morgen und den gantzen Tag; ist es nicht groß, so ist es doch aller Ehren wert!"
Auch in dem alten Berg-Büchlein von 1534, welches die älteste bekannte Sammlung bergmännischer Ausdrücke enthält, ist der Gruß „Glück auf! nicht enthalten. In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts kommt „Glück auf!" häufiger vor. Vor Beginn der Arbeit und bet Ende der Schicht fangen die Bergleute das Lied:
„Und wenn wir aus- und emfahren, Sankt Barbara steh' uns bei!"
Die Bergleute find überhaupt sehr fromm gewesen, sie sprachen ge- tticinfam das „Berg-Gebet": „Laß auch die Engetein ein und aus j mit uns fahren!" _
Neben der Frömmigkeit war der Glaube an Berggeist et und Bergmännlein bet den Bergleuten fest eingewurzelt. Bon den Bergmannlem hat auch Luthers Mutter, die Bergmannsfrau, ihrem Heranwachsenden Martin in den Tagen der Kindheit erzählt. Von ihr ist der Knabe erfüllt worden von all dem, was das Volk sich erzählte, was es liebte, was es fürchtete in seinen Sagen und in seinen Vorstellungen von der Natur und ihren geheimen Kräften. Er hörte von den Geistern, von den guten wie den Wichteln und den Helkäpplein (Tarnkäppchen); auch von den Bergteufelchen, den Stollen-, Schacht- und Grubenmännlein. Sie tragen Bergmannstracht mit spitzer Kapuze und verrichten polternd bergmän- yi che Arbeiten. .. _
Oft mag auch die Sage vorn „Bergrndnch erzählt worden fein. Das soll ein Bergmeister gewesen sein, der solche Freude am Bergbau gehabt habe, daß er beim Tode den lieben Gott gebeten habe, er möge ihm statt der seligen Ruh im Himmel lieber die Erlaubnis geben, bis auf den Jüngsten Tag in Gruben und Schächten umherzufahren und den Bergbau zu beaufsichtigen. So fährt er in einer Mönchskutte bis an den Jüngsten Tag durch die Gruben des Mansfelder Landes und des Harzes. Eine der Bergmannssagen erzählt: Zwei Bergleute arbeiteten immer gemeinsam. Einmal, als sie in den Schacht fuhren, sahen sie an ihrem Geleucht, daß sie nicht genug Oel zu einer Schicht auf ihren Grubenlichtern hatten. Sie gingen aber trotzdem an die Arbeit. Da sahen sie ganz in der Ferne ein Licht, das auf sie zukam. Anfangs freuten sie sich; als es aber näher kam, erschraken sie gewaltig; denn ein ungeheurer, riesengroßer Mann ging, ganz gebückt, in der Strecke (Stollen). Er hatte eine große Kapuze auf dem Haupt und war auch sonst wie ein Mönch angetan- in der Hand aber trug er ein mächtiges Grubenlicht. Als er zu den beiden, die In Angst sich still verhielten, gekommen war, sprach er: „Fürchtet Euch nicht! Ich will Euch fein Leids antun!" Dabei nahm er ihr Geleucht und schüttete Del von seiner Lampe darauf. Dann aber ergriff er ihr Werkzeug und arbeitete ihnen in einer Stunde mehr, als sie selbst in einer ganzen Woche mit allem Fleiß herausgearbeitet hätten. Nun sprach er: „Sagt's keinem Menschen je, daß Ihr mich gesehen habt" und schlug mit der Faust links an die Seitenwand. Diese tat sich auseinander, die Bergleute erblickten eine lange Strecke, ganz von Gold und Silber schimmernd. Und weil der unerwartete Glanz ihre Augen blendete, wandten sie sich ab; als sie aber wieder hinschauten, war alles ver-
Derantw örtlich: Or. HanSThhrivt. — Druck und Verlag'. Brühl sche Universitätsdruckerei R. Lange, Gießen.


