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Montag, den 3. Januar

Jahrgang 1938

I ausitrecken. Es geht noch ziemlich langsam, aber bas gibt sich mit der

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oanesgS ihnen die Mutter weitere Uebungen und läßt sie glück- pictavy asserspiegel treiben, während sie nach Unterhaltung für

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anderen Geschlechtes.

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im Augen zu behalten.

Die Familie, mit der wir zusammen ausbrachen, ist auch schon an­gelangt. Wir müssen uns ordentlich anftrengen, damit sie uns in dem riesigen, nun mehrere Tausende starken Hausen nicht entschwindet. Sie hat keine Zeit verloren und ebensowenig den Vorteil als Anführer des -ganzen Zuges. Die Sprößlinge paddeln schon,in den Brandungswellchen, Vater steht bei seinen Freunden am Strande und Mutter setzt ziemlich ängstlich den Kindern nach. Denn sie muß dafür sorgen, daß sie ihre Stunde bekommen, ehe sie zu spielen anfangen gestern haben sie sich beim Tauchen durchaus nicht mit Ruhm bedeckt. So schwimmt sie ein paar Meter weit hinaus, senkt dann plötzlich den Kopf und verschwindet, bas geht so blitzschnell, wie man es sich nur denken kann. Kurz darauf stößt' sie zwanzig Mete? weiter wieder an die Oberfläche und blickt zu­rück, um sich zu überzeugen, ob die Kleinen es ihr auch nachmachen.

Vater hat inzwischen seinen Schwatz beendet und besieht sich das Wasser. Es müßte ganz angenehm sein, ein bißchen in aller Ruhe am Ufer hinzupabdeln, ehe man tiefer hineingeht, denkt er bei sich. Genau wie ein älterer Strandbadbesucher sieht er aus, während er so voller Ernsthaftigkeit durch das seichte Wasser watschelt, das ihnt hier gerade nur sanft über die Füße rieselt. Dann und wann hält er inne, sieht den kühneren Schwimmern zu und stellt allem Anschein nach Betrachtungen über die Annehmlichkeiten des Pinguindaseins an. Auch er wird später Mut und Kühnheit beweisen, allein er geht gern schrittweise t>or: zuerst wird ein wenig gepaddelt, dann wird richtig geschwommen, und schließ­lich geht es an ein prachtvolles Tauchen.

Die Kücken haben mittlerweile Tauchstunde bekommen und ihre Sache heute entschieden besser gemacht: endlich haben sie den Dreh heraus, wie man mit dem Kopf im selben Augenblick unter Wasser geht, wo die Floffen sich wie Ruder ausbreiten und die Füße sich steif nach hinten

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findet sie auch etwas, das sie interessiert, eine Krabbe vielleicht: im Hand­umdrehen wird die Neuigkeit bekannt, und ein halbdulzend ihrer Spiel­genossen kommt herübergepaddelt und guckt einander mit anscheinend größtem Interesse über die Schulter, abgleich wutfjer den ganz vorn Stehenden natürlich keiner etwas sehen kann. Und bann, just im Augen­blick, wo ein wagemutiger Geist den Schnabel kühn in die Spalte senken will, erhebt sich neuerHaifischalarm", und alles miteinander, Krabbe und Spiel und was sonst noch, ist über der Hetzjagd auf die Küste ver­gessen.

Der Paterfamilias, der inzwischen seinen Paddclausslug beendet hat, «st nun fast zum Bade bereit. Doch noch nicht ganz. Erst muß er noch den Strand entlangbummeln und genau wie ein etwas blasierter alter Herr im Strandbad hier und da stehen bleiben, um ein Wort mit seinen Bekannten zu wechseln. Auch ist er nicht ganz erhaben über ein leichtes unauffälliges Interesse an den jüngeren Angehörigen des

und nicht vom Wege abweichen! Aber genau |o t)t es. UNv ycwen rotr uns einmal von unserem Erstaunen über ihr Verhalten erholt, dann sind wir auf alles gefaßt. Es würde uns kaum mehr überraschen, wenn sie Fahnen schwenkten oder rote Halsbinden trügen ober ihre Partei­lieber sängen.

Bis uns mieber einfällt, baß bas ja keinLpolitifcher Umzug ist, fonbern nur bie Babepolonaise, bie regelmäßig jeden Morgen stattfinbet. Das macht bie ganze Sache aber nur noch erstaunlicher.

-Die Pinguine, bereu Zahl ftänbig zugenommen hat, sinb nun bei ben großen Felsen angelangt, bie wir nach der einen Abteilung im ßonboner Zoologischen Gartenbie Mappin-Terrassen" nannten. Hier stoßen zwei anbere Züge zu ihnen, unb eine Menge anberer Vögel verlassen ihre Felsnester unb schließen sich als Nachtrupp an. Sicherlich jft bie Kolonne jetzt zwei-* bis dreitausenb Kopf stark sie scheint sich auf beinahe einen Kilometer zu erstrecken.

Natürlich geht es nicht, ohne daß man einander gehörig schubst und auf bie Zehen tritt benn die See ist endlich in Sicht und jeder hat es nun sehr eilig.

Schließlich ist der große Augenblick da: die Vorhut hat den Sand- ftranb erreicht. Sämtliche jüngeren Mitglieder der Pinguingesellschaft wer­den, sobald sie den Sand unter den Füßen spüren, zu aufgeregt, um

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iu hält.

ibt es genug. Es tummeln sich jetzt sicherlich über tausend sser, nicht zu reden von den mindestens Zehntausend am glichen Spiele sind im Gang, denn wenn bi» Pinguine roerfällige Geschöpfe sinb: sobald sie ins Wasser kommen, ausgelassen. Einige führen allerlei Solokunststücke aus, rollen derart, daß die Wellen ihnen über den Rücken bann plötzlich einen Purzelbaum, tauchen unter und Tümmler und kreiseln behende im Wasser wie Feuer- %l|f# zer gesagt wie dicke Brummfliegen, die in ein Wasser-

I) und auf dem Rücken zappeln. Andere, die mehr Ge- esitzen," spielen in Gruppen, tauchen untereinander weg erbost mit einem widerspenstigen Tang herum.

l geht bann irgenbeiner, der ein bißchen weiter draußen schwimmt, plötzlich unter Wasser und hält in größter wrjivurmuiHrevr- auf das Land zu. Im Nu ist das ganze Strandwasser frei unb kein einziger Pinguin mehr zu sehen... Es ist genau als ob ber WachtpostenHaisisch!" geschrien hätte, obwohl ich sicher bin, baß in ber ganzen Bucht weder ein Haifisch ist noch sonst etwas, wovor die Pinguine Angst zu haben brauchen. Ich glaube einfach, daß bas alles zu einem bevorzugten Lieblingsspiel gehört ganz ähnlich wie unsere eige­nen Kinder sich selbst weismachen, am Gartentor stehe ber schwarze Mann, unb Hals über Kopf vor ihm Reißaus nehmen, obwohl kein einziges wirklich an den schwarzen Mann glaubt. Auf alle Fälle greifen bie Pinguine ben Alarm auf, schwimmen eilenbs nach der Küste zurück, watscheln auf den Strand und betrachten sich von da aus das Meer. So bleiben sie eine gute Weile wartend stehen und die Aufgeregteren aus ihrer Schar steigern sich in regelrechte Nervenzustände hinein bis einer, dem es langweilig wird, findet, das Spiel lohne nicht mehr: und feinen Gefährten voran wieder in See geht.

Die Mutter, auf die wir unser besonderes Augenmerk richteten, ist, so matronenhaft würdig sie sich bei ber Behanblung ihrer Kücken gezeigt haben mag, in Wirklichkeit ein fröhliches junges Ding bas genaue Gegenstück zu einer ganz jungen Menschenmutter unb immer bereit (solange sie bie Kleinen in Sicherheit weiß) sich an jeher Lustbarkeit zu beteiligen, bie vor sich geht. So pabbelt sie halbwegs durch bie Bucht unb gesellt sich zu einer Gruppe anberer fportfreubiger Pinguine auf

Ich wünschte, ich könnte zeigen, wie genau bie Pinguine ben Men­schen gleichen. Immer mieber würbe ich, währenb ich so auf meinem Felsen saß unb biefes Babetreiben beobachtete, an altbekannte Szenen zuhause erinnert. Alle sinb sie da, bje wohlvertrauten Typen aus bem Seebad: bie nervösen Mütter, bie ihre Kinder nicht aus bem Auge lassen wollen, bie anbere Art Mutter, bie bafür schwärmt, ihre Kinder sich selbst zu überlassen unb unterliessen selber bie wohlverbienten Ferien zu ge­nießen, ber Rüpel, ber nicht zwanzig Schritt weit gehen kann, ohne alte Welt anzurempeln, ber Dickwanst, dessen Ferienibeal ein gemütliches Nickerchen im Sand ist, die Schönheit, für die die einzige Anziehung des Seebads in der Möglichkeit besteht, allen Bewunderern ihre Reize zu enthüllen, der Schwimmsportler, der sich unverzüglich in die Wogen stürzt,

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Eichener Zamilienblä

Unterhaltungsbeilage zum Gießener Anzeiger