GieheimKmMrnblätter
Unterhaltungsbeilage zum Gießener Anzeiger
Jahrgang 1958 Zreltag, -en 2. Dezember Nummer
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Die stillstehenden Offiziere am
nicht tanzen nicht ändern .
." Der General lachte: „Dennoch, Komm Er! Die Kaiserin wartet/' .
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Ar keyelmacher von Sankt Stephan
ein heiterer Liebesroman von Mono v. Lzibulka
Copyright by 3- G. Cotta'sche Buchhandlung Nachfolger, Stuttgart
die einander nach der ersten Begegnung Ihren Freunden als dumme Gans oder aufgeblasenes Mannsstück geschildert.
Die Vielgratterin glaubte nicht an die Liebe auf den ersten Blick. Wäre einem eine solche Liebe auch schwer gefallen bei der Bielgratterini
Phantasie besaß sie auch und hatte sie beim Kartenlegen zeit ihres Lebens sattsam geübt. Warum sollte also die List eigentlich nicht eine Gräfliche werden? War doch schon vorgekommen so etwas! Wenn das Maria Theresia auch nicht liebte. Aber was konnte selbst eine Monarchin gegen die Liebe tun?
Vielleicht hatte die Kaiserin dem Colloredo gar selber befohlen, daß er die Lisl Brand heiraten müsse; zur Strafe, weil er gar so unverschämt war. Und lagen beim Kartenaufschlagen nicht immer wieder Herzbube und Coeurdame beisammen? Und ein Kavalier war er doch, der Colloredo in seinem himmelblauen, weißverbrämten Mantel! Ein feiner dazu. Fast so schön wie die bunten Bilder auf den Lebzelten- Herzen. Und sagten nicht auch die Karten in den letzten Tagen, daß es Schwierigkeiten geben werde? Natürlich würde es Schwierigkeiten geben. Die Tochter vom Kerzelmacher von Sankt Stephan und ein lebendiger Graf! Das war nicht so einfach Aber die Vielgratterin hoffte doch. Und dann zauberte ihr ihre Phantasie so etwas wie einen gräflichen Hofstaat vor, in dem sie selbst in freilich vorerst noch verschwommener Gestalt als Kindsfrau, Amme oder dergleichen auftrat. Wiewohl ein künftiger Säugling dem bloßen Anblick der einstweilen noch von grauer Wolle gnädig bedeckten Vorderseite der Katharina Vielgratterin mutmaßlich den Hungertod vorgezogen hätte.
In diesen Tagen entging dem Wachsziehermeister Aloisius Brand manches schöne Stück Geld. Wenn er in seiner Werkstatt bei seinen
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Schweiß auf die Stirne trat.
Plötzlich senkte der General den Blick, sah die rote Rose in der Hand des Offiziers, hob wieder den Kopf, strich sich schmunzelnd den Schnurrbart und sagte: „Sein Glück, Rabenau, daß mir der Serbellom den Dienst abnahm für heute nacht!"
Er fuhr herum, sah die befreit lachenden Gesichter der andern. „Setzen!" Er nahm einen Stuhl, ließ sich nieder. Dann sah er auf und fragte belustigt: „Wo bleibt der Soldatenblick, Messieurs? Habt ihr schon einmal gesehen, daß ein General der allergnädigsten Kaiserin ohne
Tisch iahen einander bedeutungsvoll an.
Hauptmann Falkenftein hob bedauernd die Schulter.
Da riß Hadik, der um zwei Spannen kleiner war als der Leutnant, mit einem Ruck den Kopf hoch, bohrte feinen Blick in die Augen des jungen Offiziers. Der Leutnant hielt ihm stand, wenn ihm auch der
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Soviel hatte die Katharina Vielgratterin auch schon erraten, daß ein Mannsbild schuld an dem närrischen Getue, an dem Geflenn und Ge° seufz ihrer Nichte Elisabeth Brand war. Wenn sie nur gewußt hätte, welches!
Jammernd und klatschend lief sie zu den Nachbarinnen, wo sie berichtete, was sie bereits dem Weinhändler Johann Kirndorfer geklagt, daß die Lisl am Sonntag nicht einmal das Gansl angerührt habe, und als besonders belastend hinzufügte, daß sie am letzten Freitag gar den gebackenen Karpfen verschmähte. „Ihre Lteblingsspeis denkens nur! Verliebt muß die fein! Aber glaubens. Ich könnt herauskriegen, in wen?"
Manchmal meinte sie es freilich zu wissen. Ob es nicht doch dieser
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Mandanten Dienst bei der Wachtkompanie habe heute nacht und daher den Wunsch Ihrer Majestät nicht erfüllen kann ..., denn wenn die Ronde kommt, Jhro Exzellenz ..."
Feldmarschalleutnant Hadik lachte polternd: „Gut gegeben, der Kon- trestoß! Bloß hilft er Ihm nichts. Der Stadtkommandant hat die Dispens schon erteilt ... Komm Er nur mit, Rabenaul"
Der General wollte sich erheben. Da fiel sein Blick auf den Kornett, der grinsend in einem Buche las. Hadik fragte: „Was hat Er da?"
Der Kornett fuhr hoch, antwortete mit Unschuldsmiene: „Das Dienstreglement, Jhro Exzellenz!" t
„Wirst es ja auch nötig haben ... Was liest du grade? ... Soll ich dich examinieren? — Her damit!" Er winkte den Buben zu sich heran. Wenn Hadik bei Laune war, hatte er gern seinen Spaß mit den jungen Offizieren und Kornetts. , , ’ ...
Der Kornett ging um den Tisch herum und legte die Dienstvorschrift aufgeschlagen vor den gefürchteten General hin.
Dem Leutnant von Rabenau stieg die Röte ins Gesicht. Er warf wütende Blicke auf den Kornett und bemühte sich vergebens, die Seitenzahl zu entziffern, während sich die Exzellenz schon neugierig über das Dienstbuch beugte. „ - , , ,
Da stutzte Hadik, sah auf und starrte verblüfft den neben seinem Stuhle wartenden Kornett an. Dann schlug er sich auf die schenket. Er wurde puterrot vor Lachen. Nach Atem ringend, polterte er los: „Het- rätskonsens für die kaiserlichen Offiziere?! ... Ja will Er denn heiraten, Er Grasaff?" . _ ... „
Die helle Stimme des Buben antwortet« stramm: „Ich nicht, Ihrs Exzellenz!"
„Na, wer denn dann?" Der Raubvogelblick des Generals ging langsam von einem zum andern.
,Lch!" antwortete der Leutnant von Rabenau und senkte verlegen den Kopf,
„Ach so!" Hadik wurde nachdenklich. Er wußte nicht warum, aber die Audienz vor acht Tagen fiel ihm ein, als das Mädel die Kerzen für die Kaiserin gebracht. Vielleicht irrte er sich. Aber warum interessierte den Rabenau der Hettatskonsens? Wenn es eine vom Stand war, war oanesZS och sicher. Eine Weile blickte er schweigend auf pictavy tzendenden Offizier. Dann meint er verstehend:
ngen auf. ßer Hauptmann Falkenstein trat vor, zur Türe zu geleiten.
n Hadik blieb noch einmal stehen. Er sah dem ,-n und schüttelte den Kopf. Dann lächelte er still, die jetzt in einem Glase auf dem Tische stand, tat das Dienstbuch, klappte es zu und legte das Buck -Damit Er die Stelle wiederfindet, Rabenau ..." nant unterm Arm und ging.
eß auch der Kompanieälteste die Wachtstube. Viel- losten zu sehen, vielleicht auch, um die Musik des ", die jetzt fernher durch die geöffnete Türe sang. ■ ■ , er habe von der Marschallsstiege her noch ein«
"■ui we omnme des Hadik gehört: „Kann mir's denken, Rabenau, wer das Mädel ist und Er kann auf mich zählen. Aber der Ritt nach Berlin war ein Kinderspiel gegen das, was Er jetzt wagt, Rabenau?


