für den örter. In dem einen hat er alle anderen, ist einer der gleiche Gauner wie der andere, betrügen einen armen Wirt in der Einöde, der sich nicht rühren und nicht wehren kann, mit verdorbenem Wein und Most, und er ladet den Weinhändler ein, mit ihm in den Keller hinabzusteigen. Kaum will der drunten den Mund austun und ihm die Seel abschachern, da hat ihn der Wirt schon beim Genick und hat ihm mit einem Besenstiel ein paar an den Ort hinausgemessen, wo beim Heidenmenschen und Christenmensch der Buckel aufhört, und weil es kreuzweis geschehen ist, kann der Teufel aus dem jammernden Weinhändler nicht herausfahren, er muß die ganze Tracht Prügel dulden, die ihm der ergrimmte Wirt zugemessen hat, und das ist nicht wenig, für jedes Faß einen Buckel voll; ihrer sechs Fässer aber waren es.
Hinkend und jaulend rennt der Teufel aus dem Wirtshaus davon, seiner Lebtag ist er nicht so gedroschen worden, die Großmutter zupfte ihn bei den Ohren, wie er noch ein kleiner Unterteufel war, der Vater gab ihm einen Tritt, und die Brüder zwickten ihn, aber geprügelt hat ihn niemand. Alles, was er in seiner Wut tun kann, ist, nach Rauch und Schwefel zu stinken. .
Das Tal ist ihm jetzt verleidet. Er reiht einen dürren, roten Krana- wettbusch aus, setzt sich drauf und steuert mit einem Farnwedel hinauf in das Gebirg. Dort mag vielleicht ein leichtgläubiger Mensch unterwegs sein, dem man sein Glück einreden kann, daß er zuletzt seinen Namen mit Blut auf ein Papier schreibt. Der Teufel braucht nicht lang sich umzuschauen, da hört er ein Roß wiehern. Er zaubert sich ein paar genagelte Schuhe an die Füße, einen grünen Anzug an den Leib und einen Hut mit einer Spielhahnfeder auf den Kopf. Und wie ein Jäger hält er bei dem Holzknecht an, bet eben einen schweren Baum auf seinen Wagen ziehen will. Er gibt ihm einen Schluck Kranawettschnaps zu trinken und jagt dann:
„Ist ein saures Brot, das Holzschlagen auf dem Berg."
„Was willst tun, wenn du kein süßeres hast?" sagt der Holzknecht dawider
„Man muß seine Augen halt "auftun", lockt der Jäger.
„Magst sie aufreißen, daß sie dir herausfallen, auf dem Berg wachst kein anderes Leben."
„Ist dir bis jetzt nur nicht der Richtige begegnet", orakelt der Grüne. „Bist vielleicht du der Richtige?" lacht der Holzknecht.
„Es könnte schon sein. Was ich fragen will: Bist ein Kirchengänger?" „Was kümmert es dich?"
„Man hat manchmal seine Neugier."
„In die Kirchen komm ich selten, das ist wahr."
„Dann bist mein Mann. Magst eine Bauernhube haben und eine Truhe voll Geld?"
„Hast sie vielleicht in deinem Rucksack?"
„Frag nicht jo viel. Ich muß weiter. Kurz heraus: Ist dir deine Seele feil?"
„Ach, der bist du?" wundert sich der Holzknecht, jetzt gehen ihm die Augen auf. Er ist ein wilder Kerl, öfter auf dem Tanzboden und in der Mädchenkammer anzutreffen als an einem frommen Ort, ober die ewige Seligkeit möcht er nicht dahingeben. Es hat ihn immer schon gelüstet, dem Tod oder dem Teufel einmal zu begegnen und sich mit ihm zu messen, das Geraus mit den Burschen in der Gegend ist ihm schon zu langweilig. Da hat er nun den höllischen Hausierer vor sich, und er will ihm für den Seelenfang einen guten bäurischen Lohn geben.
„Setz dich da her", verlangt der Holzknecht und weist auf einen alten Baumstrunk hin, „soviel ich weiß, muß ich dir meine Seel verschreiben."
Der Teufel ist froh über den glatten Handel, er sieht nur die frische Seele — die wird ein fetter Höllenbraten fein — und sieht nicht das dunkle Kreuz auf dem Strunk, das einmal ein Holzknecht nach ehrwürdigem Brauch mit der Axt hineingehackt hat. Er fetzt sich hin und spürt im selben Augenblick das heilige Feuer, das ihn wohl anzusengen vermag, im Nu ist um ihn eine stinkende Wolke, der Teufel aber kann aus dem rauchenden Jäger nicht herausfahren, das Kreuz hält ihn fest, und er muß es leiden, daß an ihm ein Stück Fleisch verbrennt, das man zum Sitzen braucht.
„Es soll dir vergehen, einem rechtschaffenen Menschen die Seel abzuluchsen", sagt der Holzknecht schadenfroh, und er kümmert sich nicht tim das Gewinsel des Jägers. Vielleicht wäre der Teufel ganz in Rauch aufgegangen, hätte nicht ein Regenguß das Feuer gelöjcht, den Regen aber zaubert die Großmutter in der Hölle schnell daher. Jammernd stiebt der Teufel davon, er hat nun auch genug von dem Gebirg.
Aus her Frühgeschichte des Feuilletons.
Von Dr. Hermann DreyhaUs.
Die Bezeichnung Feuilleton (Blättchen oder Beilage) entstammt zweifellos der französischen Sprache. Man weih auch genau, daß sie zu Beginn des 19. Jahrhunderts in dem deutschen Zeitungswesen Eingang gesunden hat. Diesseits wie jenseits des Rheins betrifft sie den nicht politischen Teil der Zeitung, der die Leser über wissenswerte Dinge in Kunst and Wissenschaft unterrichtet. Gleichviel, ob der Teil selbst nur ein Blättchen füllt, d. h. den Raum „unterm Strich" des politischen Teils (die Franzosen sagen „Rez-de-chaussee" = Erdgeschoß) oder ob er eine eigene Beilage ausmacht.
Wie manche Erscheinung des literarischen Lebens hat auch das Feuilleton in den ersten Jahrzehnten feines Daseins zugleich die Zeit seines größten Ruhms davongetragen. Es war unter dem jungen Bürgerkönigtum Louis Philippes, wo die Federn sich nicht nur geistreich, sondern im Namen der Pressefreiheit auch spitz zeigten. Die Feuilletons lieferten nicht nur Berichte und Kritiken, sie gestalteten sich sogar zu dramatischen Auftritten, in denen das Für und Wider in leibhaftiger Gestalt auftraten. Das „Journal des Debats" In Paris erlebte eine
Glanzzeit, als von 1836 ab der Dichter und Kritiker Jules Janin m ihm seine Feuilletons veröffentlichte, deren jedes ein Ereignis bedeutete und ihm schließlich den Titel „Prince des critiques“ (Kritikersürst) einbrachte.
Doch geschah dergleichen nicht zum erstenmal. Die Ehre dieses „ersten Males" darf Deutschland für sich in Anspruch nehmen. Es war zu Anfang der Geisteshaltung, die vor hundert Jahren ihrem Höhepunkt zustrebte. Die Aufklärung, Tochter der Reformation und Mutter des Liberalismus, hat das erste Feuilleton hervorgerufen, und zwar gleich in einer Gestalt, die alle Kunstformen des Feuilletons vom fachlichen Bericht bis zum hochdramatischen Zwiegespräch in sich vereinigt. In den Jahren 1688/89 erschien in dem Verlage Moritz Georg Weidmann in Frankfurt und Leipzig eine Monatsschrift unter dem Titel: „Scherz- und ernsthafte, vernünftige und einfältige Gedanken über allerhand luftige und nützliche Bücher und Fragen". Sie behandelt all das, was zum Gegenstand eines Feuilletons gehört, wenn auch in der Form einer selbständigen Zeitschrift.
Ihr Herausgeber war der damals dreiunddreißigjährige Christian Thomas ins (1655 bis 1728), Dozent an der Universität Leipzig. Da Leipzig noch völlig im Banne eines strenggläubigen Luthertums stand, fühlte er sich berufen, den Kampf für eine freiere Handhabung der Wissenschaften aufzunehmen, wie sie dem wahren Geist der Reformation entsprach und wie sie schon von Philosophen des Westens, vor allem aber von seinem Landsmann und Lehrer Samuel Pufendorf gefordert wurde. Mit diesem Unternehmen stellte sich Thomasius in die vorderste Reihe der Vorkämpfer für die Aufklärung, eine Geistesrichtung, von der das gesamte politische und kulturelle Leben der Gegenwart seinen Ausgang nimmt.
Darüber hinaus besitzt Thomasius seine eigene Note. Er weiß sich seinem Volkstum verbunden. Es gelingt ihm, als erstem der deutschen Sprache eine feste Stellung im Universitätsunterricht zu erringen. Die Fremdspkachen betrachtet er nur als eine „Zierart" für einen Gelehrten, „an sich selbst machten sie niemand gelehrt". Zum andern findet er den Weg zum Pietismus. Dieser stellt gleichfalls einen Versuch dar, das deutsche Leben aus dem Banne mittelalterlicher Geistigkeit, wie sie in dem strenggläubigen Luthertum noch nachwirkte, zu lösen und die seelischen Kräfte zur Entfaltung zu bringen. Thomasius vereinigt also scheinbar einander widerstrebende Kräfte in sich, tatsächlich sind sie aber zusammengenommen die Merkmale des innerlich freien und selbständigen Menschen. Und für diesen kämpft er fein ganzes Leben lang.
Als diese Erkenntnis in ihm lebendig wird, läßt er feine Monatsschrift erscheinen. Die einzelnen Elemente solcher Erkenntnis ringen noch in ihm miteinander. Das gibt der Zeitschrift ihren Wert. Seine Jugend und Kampfeslust aber verleihen ihr die Würze und bedingen ihren großen Erfolg. Man vernehme feine Absichten in bezug auf die Wissenschaften: „Wird die Gelahrtheit als ein geschloffen Handwerk behandelt, jo kann die Wahrheit ihre Zweige nicht weit austreiben!“. Die ganze Nation soll Miterbe neuer, vorurteilsloserer Anschauungen werden. Und dazu ein Beispiel: Da treffen sich in einer Postkutsche Herr Augustin, ein weit gereifter Kavalier, Herr Benedikt, ein gelehrter Mann, Herr Christoph, ein Handelsherr und „daneben von lustigem Humeur", sowie Herr David, ein Schulmann, der eine Berufung als Rektor nach Leipzig erhalten hat. Er spielt die komische Figur, der zuletzt den Schaden zu tragen hat. Die vier Männer unterhalten sich über Literaturwerke aller Völker und Zeiten. Bei den deutschen Büchern geraten die Meinungen besonders scharf aneinander. Ehe aber das Wort Zensur fällt, stürzt der Wagen um und wirft feine Insassen in den Schnee. Der Rezensent bricht schmunzelnd seine Besprechungen mit dem Bedauern ab, „daß also ihr angefangener Diskurs basmal ein unangenehmes Ende nehmen mußte, oder, damit ich nach der invention vieler Teutfchen Skribenten die Sachen zierlicher gebe: ihr Diskurs nahm ein beschneites Ende."
Thomasius wagte sich bei feinen Kritiken bis an die äußerste Grenze des Möglichen. Politisches vermied er gänzlich. Man erinnere sich, daß er in der Hochblüte des reinen Absolutismus lebte. Daher fein Urteil, „daß man über politische Gegenstände allenfalls wohl in täglichen Konversationen vernünftig diskurieren, aber ja nur keine Bücher schreiben möge". In Fragen der Wissenschaft'Unb Literatur wurde er jedoch so deutlich, daß die Angegriffenen ihn durchaus verstanden. Hier machte er wahr, was er später einmal ausdrücklich betonte: „Der Verstand erkennt (einen Oberherrn als Gott. Daher ist ihm das Joch, das man ihm auf bürdet, wenn man ihm eine menschliche Autorität als eine Richtschnur vorschreibt, unerträglich."
Den durch seine Monatsschrift heraufbeschworenen Kampf mit den unfreien Geistern der Universität Leipzig führte er unerschrocken und mit Eleganz durch. Bis schließlich im Sommer 1689 die gekränkte lieber» lieferung einen Haftbefehl gegen ihn erwirkte. Dem entzog sich Thomasius durch die Flucht nach Berlin. Hier genoß er bereits ein solches Ansehen, daß der damalige Kurfürst Friedrich III. von Brandenburg (als König ab 1701 Friedrich I.) ihm gestattete, in der Leipzig benachbarten Stadt Halle Vorlesungen zu halten. Diese fanden einen so starken Zulauf, daß schon 1694 in Halle eine Universität ins Leben gerufen werden konnte, dessen erste juristische Professur Thomasius bekleidete, wozu sich bann noch bald bas Direktorat ber Universität gesellte. Neben Thomasius wirkte als Theologe der Pietist August Hermann Francke, der durch die Stiftungen in Halle Weltruf erlangte. So gingen Aufklärung und Pietismus als lebensspendende Kräfte nebeneinander her.
Die Monatsschrift hatte den Ruhm des jungen Thomasius begründet. Hinfort hielt er es nicht mehr mit feinem wissenschaftlichen Amt vereinbar, einer so leicht geschürzten Muse zu dienen. Einen Nachfolger fand er.zücht. So brach die Zeitschrift ab. In einem Feuilleton jedoch über dstp Frühgeschichte des Feuilletons ist es vielleicht nicht unbescheiden zu sägen, daß eben dieses erste Feuilleton einen kleinen Baustein lieferte zu einer der blühendsten deutschen Universitäten.
Verantwortlich: Dr. Hans Thhriot. — Druck und Verlag: Brühlsche Universitätsdruckerei R. Lange, Gießen.


