und
Judas
signiert hatte, das „Rt". ... .
„Könnte auch ein echter Rucktasch sein, sagte ^der Kunsthändler sah sich die Arbeit genau an. „Jugendarbeit, wie?"
„Was würden Sie geben?"
„Fünfzig Mark", sagt« der Händler, „wenn Sie mir auch die
sicherunq geben, daß die Zeichnung echt ist!"
„Das kann ich vorläufig noch nicht", sagte Christine und steckte Blatt wieder in ihre Mappe.
„Was heißt vorläufig?" fragte der Händler.
„Ich will mich vorläufig von diesem Blatt noch nicht trennen, weiter gor nichts. Ich danke Ihnen!"
^Malerei ist nicht dreckig, Vater. Ich weih, daß Tausende sterben, auch Peter ist ja schwer verwundet! Ich bin ja kein Junge, sonst stürbe ich auch, id} 'tone soll'das heißen?" fragte der Oberregierungsrat, der sich zum siebenten Male vergeblich bei einem Regiment gemeldet hatte
„Wenn es nichts kostet, Vater", antwortete Christine ohne m»f die Frage eigentlich einzugehen, „dann darf ich ein Atelier besuchen?
Der Oberregierungsrat zuckte die Achseln: „Mein armes Kind! Du hast leider kein Herz geerbt! Tue, was du nicht lassen kannst, aber verlange nicht, daß ich noch Geld dafür, ausgebe!"
Der Kunsthändler sah die kleinen Zeichnungen prüfend cm. Es war die Studie zu der alten Eiche am Wasser, die der Großvater einmal der kleinen Christine geschenkt hatte.
„Wer gibt mir aber Garantie für die Echtheit? fragte der Kunst- hondler.E. Christine. „Ich bin die Enkelin des alten Rucktasch". und sie zog ihr Abgangszeugnis aus der Handtasche. „Genügt das?
Ja mein Fräulein, haben Sie denn die Berechtigung?
.'Selbstverständlich, die Zeichnung ist mein Eigentum.
„Es ist jetzt kein rechter Markt dafür, aber hundert Mark will ich ^^Das^genügt","sagte Christine. Sie zog eines ihrer eigenen Blätter aus der Mappe. „Was würden Sie hierfür geben?"
In der rechten Ecke des Blattes stand groß, so, wie der Meister auch
Herr Professor!"
"Es mär'da eine auffahrende Batterie", sagte Christine. „Die Syntiv pserde waren zusammengeschossen, und die beiden Pserde vor dem - schütz bäumten sich hoch auf. Der Fahrer r,ß an den Jugeln. Jn der grauen Ferne war ein unbestimmtes Licht. Da sah man den Krieg Herr Professor. Das war Ihr Bild, das einzige, in dem man wirklich den ^'Xi^aben'^inen ganz guten Glauben, mein Kind. Das meiste war Kistch! Aber sie haben den Krieg ja auch mcht erlebt, diese Der einzige, der aber nicht mit ausgestellt bfltte, ist ßubwtg Dethnann.
Er schlug ihr plötzlich freundschaftlich und derb auf die Schulter „S^ sind ein ganz netter Kerl, und verstehen tun Sie auch was! Also, ich freue mich direkt, daß Sie zu mir gekommen sind. Morgen um zehn.
Die Junisonne lag warm und breit wie ein goldenes Fahnentuch über dem wilden Wein an der gegenüberliegenden Hausmauer. Im 2lte lier selbst war klares und kaltes Licht. Christine sah auf Sonnen- schein, und sie dachte, wie sinnlos es gewesen fei, vom Gut svrtzufahren. Wer wird mir etwas für die Reifeprüfung schenken? Wer wird überhaupt danach fragen! Es ist kornifch, wie man plötzlich nach Dingen besessen ist die einen gar nichts angehen, die ich eigentlich immer gehaßt Habel
' Aber es ist ja sinnlos! Bei Onkel Paul war es still und einsam unö schön. Ach, es war eben zu still und zu einsam und zu schon! Der ein Russe — wie hieß er doch ... er hieß Alexander. Alexander Wladimiro witsch Strobom und stammte aus Omsk. Er fang am Abend ein kleine Lied vor sich hin, er hat es sogar übersetzt:
„Ach, süße Kameraden ..
Komisch! Die Russen sagen „Süße Kameraden!" Das würden wir niemals sagen ... Jetzt werben die Erdbeeren alle re st fein, ich W" helfen können, sie in große Körbe zu verpacken und die Korbe nach W bürg zu bringen in die Lazarette. Da wäre man wenigstens zu etwa, nütze gewesen. Ist Malen überhaupt nützlich? -
'Sie ah auf die drei Mädchen hinter ihren großen Blocks, sie sah nur die jungen Männer, die eifrig mit dem Kohlestift aus dem Papier arbeiteten In der Mitte auf einem kleinen drehbaren Gestell faß ein wein liches Aktmodell. Sie hatte viel zu magere Brüste, bie fptfe ntebcrfielerh fie hatte Gruben zwischen den Schlüsselbeinen, aber sie hatte ruhreno« dunkle Augen. Das braune Haar floß über den mageren Rucken.
(Fortsetzung folgt.)
Der Professor hatte im Felde den linken Arm -ingebüßt und „sonst nitorfvinh" mie er faate Er liebte feine Qormnlitäten. .
^Rucktasch?"' sagte er und kniss ein Auge zusammen. “VV
gen's! Ja Enkelin,^nicht wahr? Also Sie wollen malen? Haben Sie sich ^°Chrsttine°sä^ihn an und sagte: „Herr Professor, ich kenne Ihre Bil- der und ich liebe Ihre Bilder, sonst würde ich mich ja nicht f>"r weiden. Ich' habe nicht geglaubt, daß man so gute Silber malen kann und dabei 10 A?sagt7der'Proiess°r, .der ganze Großvater! Also Sie haben 65 MÄ I°h sü- slüchtig. durch.
Die^allere'rste"Zeichnung," die Christine angefangen hatte, den Kirschen- zweiabh er einen Augenblick in der Hand. Er kniff Wie^r das eine Auge^' zu, fah aus das Blatt und sah Christtne an: „Geklaut? sagte er,
"wött "es "gibtTod) Pauspapier", sagte Professor Rottenbach.
"E- gibt auch unausstehliche alte Maler", sagte Christine.
„Also nicht geklaut! Hätte gedacht, der Zweig wäre von dem hoch- *dtiC|)’riftino"schimcg"° ah'dann in die spöttischen braunen Augen, in das magere Gesicht, in dem das Leben selbst so viel gezeichnet hatte, sah au die schütteren, schon ergrauten Haare, auf den lose herabhangenden Aermel au her linken Schulter zuckte die Achseln und sagte dann: „Herr Professor, bPe^roar meine aUererfte Zeichnung seit meiner Schulzeit, wo ich Zeichnen nirfn lehr liebte. Ick) habe sie auf dem Gut meines Großonkels .gewacht.
£)m", sagte der Professor, „werden Sie nun alle Ihre Zeichnungen mit"biefeni großen .Rt' unterschreiben?"
Jetzt lachte Christine: „Das kommt daraus an!
Der Professor reichte ihr die Hand: „Sie sind ausgenommen, Rummero Heben' Hoffen lick) find wir das Fähnlein der sieben Aufrechten! Ich selbst I Ne ja w°hi notgedrungen bei der Stange bleiben, 4 bm ja nur „och ium Korrigieren nütze. Ach, Sie meinen, weil es der linfe Arm ist? Der rechte tut auch weh! Außerdem muß man sich erst daran gewöhnen, daß die Palette... Ra ja, man muh sich Überhaupt gewöhnen. Also vier Mädchen, drei Lümmels! Der eine hat einen Lungenknacks, deshalb tft er hier, der andere hat einen Steckschuß in der linken Seite, und der dritte ist ein Ausländer. Von den Mädchen ist eine talentiert.
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gen können Sie kommen, um zehn Uhr. Es kostet fünfzig Mark im
Monat. Nicht teuer." „
^Si^dittsen"Pm'eintt°der Professor. „Zahlen dars wanimmerlEigent. lich sollten Sie das von Ihrem Großvater auch schon gehört haben! Aber der hatte ja ein Fürstenfchloß und ah von diamantenen Tellern.
„So schlimm war es nicht", sagte Christine.
Ach mein Gott", sagte der Maler, „von seinen Frauengefchichten sprach doch" ganz Berlin! Und dann die Villa! Machen Sie, bitte, nicht solches Gesicht, Fräulein von Rucktasch! Ich hab s ihm ja gegönnt,. bee Monn hat was gekonnt, da können sich alle ein Stuck von abschneiden! Ich selbstverständlich auch. Schade, daß er den Krieg nicht wehr erlebt hat! Der hätte Bilder hingehauen! Haben Sie meine Kriegsbilder ge leben?" fragte er unvermittelt. , ... .
° „Es war doch eine Ausstellung von Kriegsbildern in der Akademie,
ÄoSSätETbiäyüfuS lu^UeSfÄ^es Direktors I «mach iie dabei ziemlich fließend Englisch.
Lernt man das jetzt an der Elbe?" fragte der Direktor.
'Nein dort lernt man Russisch", sagte sie, „von den S,b,Haken. Aber mein Onkel meinte, ich sollte nur Englisch lernen, und ich meinte " ZK MÄIJSt SÄ 6,-6. l-,.ch NI* "^Ch?istine°'kam mit der Bescheinigung der Abschlußprüfung nach Hause und eröstnete ihrem Vater sosort, daß sie nun em Atelier bC|UeE9n wäUreä,emein einziger Wunsch gewesen, Vater als Schwester ins "Feld zu gehen. Du hattest von vornherein recht; ich weiß setzt, daß ich es nicht aushalten würde, und daß man bann nur ein Batlas s. Aber id) möchte jetzt zeichnen und malen. Warum, kann> ichi b.r n * Jagen. Aber id) möchte nach meiner Art arbeiten. Im übrigen vejig 'dj Ueber Tas 'duTrst"nach dem einundzwanzigsten Lebensjahr die Der- ! '""".Soll °das"he"ßen,'"Dater, daß du mir die Erlaubnis nicht geben roiU,Oriftine es handelt sich hier nicht um die Erlaubnis, auf die Malfchule zu gehen, es handelt sich ja darum, daß du tn eine Gefell- Aast kommst ^und mit Menschen zusammen bist d'e 'ch e>t memer trül eiten Juaend hasse! Ich verspreche dir, einmal ausführlich darüber zu reden wenn du nod; reifer geworden bist, um bu 3ufammeril)ange ganz zu sehen Dein Großvater war ein sehr großer Künstler - aber rn, in meiner Jugend, ach, wir alle, die um ihn waren damals, auch beine Großmutter, wir haben dies Künstlertum mitbezahlen muffen!
„Ihr habt doch auch den Erfolg miterlebt! Wir 'r°gen d°ch fe.nen Namen! Noch heute find unbekannte Menschen gütig zu nur und großartig, wenn sie wissen, daß ich die Enkelin bin. Es ist doch keine
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selbstverständlich, es kann eine Ehre fein, aber für mich ist es ein sehr schwerer Gedanke, daß meine Tochter Mattnn werden will! Du haft doch fo viele Begabungen. Es ist ja nicht einmal sicher, ob du eine sehr große Begabung für Malerei hast."
„Es läge aber nahe", sagte Christine.
„Es ist möglich. Immerhin, ich bin ber Sohn, und ich kann n!M einmal ein viereckiges Haus zeichnen. Christine, glaubst du mir, daß ich C5 EhrchinTsahPhreT Vater ernsthaft und lange an. „Wenn ich das nicht glaubte, wäre ich aud) nicht mehr hier! „ , .
“ Sie stand auf. Ihre Stimme war spröde und hart Aber sie sagte.
Vater wir verstehen uns nicht. Aber du tust mir leid!
Der Regierungsrat erhob sich: „Mein Kind, solche Bemerkungen stehen dir nicht zu! Ich wollte versuchen, mich menschlich Mit dir auszufprechen, ich merke, du bist unreif und überheblich! Ich bw dagegen, bah bu in ein Atelier gehst! Auf jeden Fall halte ich es 'w Augenblick für gänzlich inopportun, für solche Dinge Geld auszugeben. Ich finde es überhaupt unerhört von dir, in diesem Moment mit solchen persönlichen Dmgen zu kommen! Du weiht, an der Westfront brennt die Entscheidung, du weißt, unser aller Schicksal steht aus des Messers Schneide! Noch^ noch können wir den Sieg erringen! Bekommen wir Amiens, sind die Engländer und Franzosen getrennt, bekommen wir Amiens, hat Ludendorff es geschafft! Noch sterben täglich Tausende, und du sprichst von deiner dreckigen


