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llnterhaltungrbeilage zum Gießener Anzeiger

Jahrgang 1938 Montag, den [. August Nummer 59

Dies Abkommen, sehr bald durch Vereinbarungen über das Zusammen-

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Deutschland lebte im Frieden seiner Arbeit und seines Wohlstandes, den es, gestützt auf seinen Fleiß, seine Begabung und auf die glückliche

wirkens der beiderseitigen Flotten im Falle eines Krieges mit Deutschland. England wird die ganze Nordsee einschließlich der französischen Nordküste unter seine Fittiche nehmen. Frankreich übernimmt das Mittelmeer, denn man weiß noch nicht mit Bestimmtheit, aus welche Seite Italien, das vertraglich immerhin ein Mitglied des mitteleuropäischen Dreibundes ist, sich stellen wird.

fOie Schöffe von Serajeuw.

Von Werner Beumelburg.

In diesen ersten Augusttagen geht unsere Erinnerung zu­rück aus jene Kette von verhängnisvollen Ereignissen zwischen Krieg und Frieden des Hochsommers 1914. In Werner Beumel- burgs BuchSperrfeuer um Deutschland" hat der Weltkrieg eine großartige und tiefergreisende Darstellung ge­funden. Mit Genehmigung des Gerhard Stalling Verlages i. 0. veröffentlichen wir aus dem bereits im 260 000. vorliegenden Werk das nachfolgende Kapitel, das die Vorgeschichte des großen Krieges packend erzählt.

Im Herbst 1912 hebt der russische Großfürst Nikolai Nikolajewitsch, al# Vertreter des Zarenreiches an den großen französischen Manöver» tefknehmend, beim Abschiedsdiner sein Glas, gefüllt mit schäumendem Champagner, und ruft unter dem begeisterten Beifall der französischen Offiziere:Ich trinke auf unsere gemeinsamen Siege in der Zukunft! Auf Wiedersehn in Berlin, messieurs!"

Rußland hat seine Vorbereitungen für den Krieg noch keineswegs beendet. Es bedeutet eine stete Sorge der französischen Politik und des französischen Generalstabes, die Verwertung der an Rußland gegebenen

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erständigung mit Deutschland wohl, wenn Deutsch- eiHieui« vpiei dafür bringt und seine Flotte reduziert. Es will sie nicht, wenn es selbst dadurch zu einer klaren Stellungnahme gezwungen wird. Es hat im Gegenteil nichts Eiligeres zu tun, als seinen schon lange bestehenden engen Beziehungen mit Frankreich durch die Marine-Kon­vention und durch militärische Vereinbarungen einen eindeutigen, gegen die Mittelmächte gerichteten Charakter zu geben.

Rasch folgt eine Verständigung mit dem Zarenreich über die alten Differenzen der beiderseitigen Politik im nahen Asien. Sie ist das per­sönliche Werk König Eduards VII.

Das Jahr 1914 zieht herauf, mit ungeheuren und kaum noch erträg­lichen Spannungen geladen.

Rußland schließt mit Frankreich die letzte Milliardenanleihe ab. Sie gilt, wie offen zugegeben wird, für den Bau strategischer Bahnen gegen­über Oesterreich und Deutschland. Ein russischer Kronrat stellt im Februar einAktionsprogramm" auf. Der russische Außenminister Sasanow er­klärt vor diesem Kronrat, vielleicht müsse Rußland sich schon in naher Zeit seiner historischen Ausgabe unterziehen" und die Herrschaft über den Bosporus und die Dardanellen antreten. Es bestehe kein Zweifel, daß dieses Ziel nur durch einen europäischen Krieg erreicht werden könne.

Serbien besitzt schon Rußlands geheime Zusicherung, daß die öster­reichische Provinz Bosnien sein Eigentum werden lalle. Ma» deati a»u> ...

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Ausbruch.

Von Rudolf G. Binding*.

Dreimal heilig sprang der Krieg aus den Herzen der Völker.

Dreimal heilig ergriffen alle die Waffen

Aus einem Meer von Kraft riß sich Begeisterung

wie die Sonne, aus hellgem Meere des Ostens:^

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Daneszx ergänzt, hat seine besondere Geschichte. Im Februar pictayy o Haldane in Berlin, um mit dem deutschen Kaiser deutsch-englischen Flottenbau-Verständigung zu be- ,ar naturgemäß nur durch den Verzicht auf einen iprogramms zu erreichen. Reichskanzler von Bech­er Zweckmäßigkeit einer politischen Verständigung s der kriegerischen Vorbereitungen rings um die rzeugt, war zum Entgegenkommen bereit. Selbst- man von den Briten als Gegenleistung die Zu- lität für den Fall, daß Deutschland auf dem Fest- e-

XVZA persönlich wohl mit Bethrnanns Vorschlägen ein- SqMAÄ/ von seiner Regierung zurückgezogen. England fsJ W ab und berief sich darauf, daß ein solches Ver- eundschast mit anderen Mächten beeinträchtigen

dieses Land unter sich austeilen mochten.

Unter stärkstem Druck versuchen die Großmächte die lüsternen Sieger zu zähmen. Da bricht zwischen den beiden größten von ihnen, Serbien und Bulgarien, der Hader um die Beute aus. Schon schlagen sie auseinander ein. Griechenland ergreift Partei für Serbien. Rumänien, bisher abseits stehend, beeilt sich, Bulgarien in den Rücken zu fallen und sich ein gutes Stück seines Landes anzueignen. Bulgarien, das die Hauptlast des türki­schen Feldzuges getragen, erliegt dem Kesseltreiben. Verstümmelt und ge­schwächt geht es aus dem ungleichen Kamps hervor. Serbien ist der Nutz­nießer seines Unglücks.

Die Stunde rückt näher, in der die großserbischen Träume reifen. Ruß­land hat während des Balkankrieges und während der Londoner Konferenz gut sekundiert.

Noch bevor man in London sich heiß und vergeblich bemüht, den Balkan ZU ordnen, setzen im September des Jahres 1912 nach eingehenden und jahrelangen Besprechungen die Vertreter der englischen und der franzö­sischen Admiralität ihre Unterschriften unter die englisch-französische Marine-Konvention. Ihre Bestimmung ist die Regelung des Zusammen-

* Die Werke Bindings sind in verschiedenen Ausgaben im Verlag Rütten & Loening in Potsdam erschienen.

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nach Revanche, von einer verhetzten und durch den letzten marokkanischen Zwiespalt leidenschaftlich erregten Volksstimmung getragen, hat die Re­gierung sich von der Kammer mühelos die dreijährige Dienstpflicht gewäh­ren lassen. Ihre Auswirkungen werden bald voll in die Erscheinung treten. Man hat, um den Uebergang möglichst kurz zu gestalten, zwei Jahrgänge aus einmal einberufen. Seit mehreren Jahren ist die militärische Organi­sation der Kolonien so gefördert worden, daß im Kriegsfälle alsbald eine halbe Million Marokkaner und Senegalesen zusammengebracht werden kann, um sie gegen die Mittelmächte zu verwenden.

827 000 europäische Franzosen zählt das Friedensheer von 1914. Das bedeutet eine Prozentzahl von 2,16 auf je hundert Einwohner. In Deutsch­land beträgt die gleiche Zahl 1,12, in Oesterreich nur 0,90. Die französische Mobilmachung sieht die Organisation einer Gesamtzahl von 3 781 000 kampfbereiten Soldaten vor. In Deutschland sind es ihrer 3 822 000, ob­wohl das Deutsche Reich fast 30 Millionen Einwohner mehr zählt. Auf den Kopf der französischen Bevölkerung fallen im Friedensetat von 1914 33 Mark für militärische Ausgaben, in Deutschland 20 Mark. Nicht ein­gerechnet sind die Milliardensummen, die an Rußland gegeben wurden.