Jahrgang 1958

Freitag. den l Iutt

Nummer 50

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Hricht vom Rückzug der Franzosen aus Ruß-

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noch ehe der Sommer kam, mußte Hefter sie nach dem goldenen Sand­meer ihrer Wüste entlassen.

Unser Reich war bald zu Ende", sagte Bruce beim Frühstück.

Es hat noch gar nicht angefangen", erwiderte Hefter, während sie mit den langen, gepflegten Händen Butter auf Toast strich, genau wie in England.

Wie meinst du das?"

Rußland ist die Gefahr für das Gleichgewicht des Kontinents..."

Es ist Pitts Schülerin, die spricht, nicht mehr die Königin von Pal­myra: aber in dem Mann neben ihr lodert keine Flamme nach großen Taten. Mit verschleierten Augen sucht er nichts als ihre Lippen und spricht höchstens von den Summen, die solche Reise kosten würde, die weder sie noch er bestreiten könnte.

Hefter versteht; Michael Bruce ist der Müdigkeit des Ostens verfallen es wird Zeit, daß sie ihr Opfer bringt.

Briefe kommen aus England. Freunde rufen Bruce zu den Herrlich- keiten von Brighton und Bällen in Carlton House; Crawford Bruce, der Vater, Inhaber des großen Bankhauses, ist krank und verlangt nach dem Erben.

Ich gehe nicht, wenn du nicht mitkommst", sagt Michael störrisch.

Soll ich vielleicht in England Handarbeiten machen und Haushalt führen Bälle besuchen?"

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Lady Hejter Stanhope

EINE FRAU OHNE FURCHT

Von Maria Josepha Krück von poturzyn Copyright by Deutsche VerlagS-Anstalt Stuttgart 10. Fortsetzung.

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Gibt es in England nicht eine andere, glänzende Stellung, die auf dich wartet?" fragt er dagegen, mit bittendem Blick.

Bruce kennt dies Gesicht, jede Linie hat er gesehen in Frohsinn, und Gefahr. Er kennt den Abgrund in diesen Augen, die er aber der Blick, mit dem sie jetzt an ihm vorbeisieht, ist ihm

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«Kten, weil er die Gefangenen entkommen ließ, er roofie sein eigenes Leben gerne für die Königin geben ... Aber schon stieg die Sonne über den Wllstenhöhen vielleicht hatten die feindlichen Faydan bereits die Stadt umzingelt. In rasender Flucht nur liege die Hilfe ... Reite die Königin nicht so gut wie ein Araber?!

Hefter läßt sich den letzten gefangenen Faydan vorführen: er schwört, [ein Stamm werde nur Nassr bekriegen und dann die Melika könig­lich empfangen!

Sie wendet sich an Bruce:

Also fliehen wir um Nassrs willen ... Haben Sie nicht gestern erzählt, auch Zenobia sei aus Palmyra geflohen?"

Bruce lächelt:

Ja, Hefter. Und auf dieser Flucht hat sie einen ihrer Ratgeber ge- I opfert ..."

r Frauen und Kinder umringten die weiße Herrin weinend und

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Eines Tages werden Taufende von Menschen Obdach bei mir suchen, ich werde für ein ganzes Volk zu sorgen haben."

Doch nicht für die Beduinen?" Hinter Bruces korrekter Frage lag ein mühsam unterdrücktes Lachen.

Hefter blieb unbeirrt:

Welches Volk es fein wird, weiß ich noch nicht. Aber ich sehe das oanes/tCu ba auf dem Stuhl sitzest."

pictasy t auf den Teller und hütete sich, zu wider- ir Stanhope das mutige, stolze, schöne Weib, ntasie und Leidenschaft; er liebte den klugen nb schweigen und alle Strapazen ertragen m ihr, der zuweilen in Rütteln sprach und er hin in lächelndem Verstehen als kleinen tadellosen Geschöpf. Rur wenn sie mit einer chie^ konnte er sich ärgern.

| _ Dann ritten sie westwärts, der goldene Sand wirbelte unter ihren Öufen. Dreihundert feindliche Reiter vom Stamm der Faydan waren lesichtet worden; sie folgten den Spuren der Königin. Zwei Tage hetzte flaffr öie Kavalkade von zehn Uhr morgens bis Mitternacht, ohne Wasser

! die Pferde, ohne Speise für die Manschen. In der Nachhut gab es I Gefechte, fOgar Nassr entfernte sich eines Tages, um mit fliegendem Haar sagen Feinde zu reiten.

Hefter befahl Meryon zur Pflege der Verwundeten. Aber er kam -Uld wieder entrüstet zurück. Was war mit Patienten zu machen, die ihre ochüffe in Kamelharn badeten und wenige Tage darauf kaum mehr warben befaßen?-

_ .An einem Apriltag voll Glanz grüßten die Berge herüber, die grünen -nisten von Hamah. Die Wüste war zu Ende, der Traum einer Königin Palmyra. Nach einem großartigen Festmahl nahm Nassr mit könig- !4)er Geste zweitausend Piaster aus der Königin Hand.

Du wirst wiederkommen, Hefter, Stern des Morgens! Du wirst die I ^uste nicht vergessen, wie wir dich nicht!"

| .Zwei junge Beduinen ließ er ihr zurück, als Pfand für ihr König« 15 Aber die Jungen siechten dahin in den saftigen Triften von Hamah;

m Rand der Wüste erkannt, die als franzö- / * w mrchstreifen und wohl den Zug nach Indien

Pierre", sagt sie eines Tages zu ihrem Koch, dem alten Veteranen Napoleons,glaubst du, daß Bonaparte durch die Wüste nach Indien marschieren könnte?"

Ja, Herrin. Er hat zu Unrecht Europa als Schauplatz erwählt. Wenn Napoleon zu uns kommt nach Asien, werden Millionen mit ihm marschie­ren, die Welt wird ihm untertan sein und sein Reich Jahrtausende dauern!"

Palmyra, die Perle der Wüste, hat Hefters Sinn betäuben können, es hat sie nicht das Bcrgeffen gelehrt. Indien! Es gehört zum Letzten, was Pitt ihr mit feiner warmen, geliebten Stimme anvertraut:Das Schicksal Indiens hängt an Wellesley ich hoffe, es ist gesichert für England!"

6in blauer Sommer zieht übers Gebirge, während Hefter mit Bruce unter Sykomoren und Oliven nach Gazellen jagt. Ein Erwachen zieht durch ihre Seele. Indien soll es verloren sein für England?

..Die^Welt^ stellt in Wammen vielleicht vor dem Anbruch einer

Gewiß, Mylady, außerordentlich scharmant... Ganz George Brum-

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Unterhaltungsbeilage zum Gießener Anzeiger

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