Ausgabe 
28.11.1938
 
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GietzenerZamilienblätter

Unterhaltungsbeilage zum Gießener Anzeiger

Jahrgang <938 -

Montag, den 28. November

Nummer 93

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5eintönig. Er war neugierig, was jetzt kam. Kirndorfers schlag- und bissige Grobheit war berühmt. Matthias Wimmer tat dem

Ser Kerzelmacher von Sankt Stephan ein heiterer Liebesroman von Alfons o. Lzibuika Copyright by J. G. dolta'fche Buchhandlung Nachfolger, Stuttgart

3. Fortsetzung.

> ins Gesicht. Wahrhaftig, , nicht gedacht, was feine List wohl dazu sagen würde! Der Handschlag, den er dem Kirndorfer gegeben, begann ihm in der Seele z-u brennen. Aber er sagt« nichts.

Der Weinhändler warf einen raschen, erstaunten Blick auf den Wachs- ziehermeister, dessen Erschrecken er wohl bemerkt haben mochte, und meinte fast hart:A braus Kind tut, was fein Vater will!"

Schon, schon, Herr Kirndorfer", sagte der Regenschori begütigend. Aber schauens: die Lisl und Ihr Franzl kennen sich ja kaum"

Johann Kirndorfer knurrte böse:Nit kennen? Haben doch erst auf Leopolds in Klosterneuburg beim Faßlrutschen mitsammen tanzt" Er übersah boshaft das leergetrunkene Glas des Regenschori.

Freilich, freilich Aber glaubens, Herr Kirndorfer, daß das langt,

von Savoyen, hatte allzu lassen, später über die Wb

Aber es gab doch auch noch andere, für ein Mädel wie die Lisl, be< Z^"b">ertere Meister- und Bürgerssöhne in Wien als gerade den Wein- , . handlerfranz. Und eigentlich hatte er überhaupt nicht an einen Wiener lr lonöern an den Sohn eines Freundes, eines berühmten Kripperlmachers 91 tn München gedacht Er hatte vorgehabt, die List im Frühjahr zu einem & Verwandten zu schicken, der Hofkompositeur des Erzbischofs von Salzburq H war Der rutschte manchmal von der Bischofsstadt nach München hinüber 1 " Da hatte er die Lisl leicht mitnehmen können. Wer weiß? Bielleicht hatte thr der Sohn seines Freundes gefallen. Freilich so reich wie der Weinkonig von Nutzdorf war der Münchener Kripperlmacher nicht. Aber eben dieser Reichtum des Weinhändlers bedrückte ihn jetzt.

Johann Kirndorfer hielt etwas aufs Geld. Er zeigte auch gern, daß "Es hatte. Auf hundert Schritte verriet das di« daumendicke, berlocken- behangte Goldkette auf seinem grünsamtenen Bauch. Leute mit wenig Geld hielt Kirndorfer für Fretter. Er würde das wohl auch bei ihm, dem Kerzelmacher so halten, wenn er ihm jetzt sagte, wie wenig er der Ltsl mitgeben könnte.

Brands Vater, der Wachtmeister beim Dragonerregiment Prinz Eugen . gern die Würfel über die Kalbfelle rollen

... -- - - - -.rtshaustische, als es wegen der Blessur am

Vein mit dem Soldatenleben nichts mehr war. Aus Verzweiflung, weil er, wie er zur Entschuldigung sagte, lieber den Degen als das Backblech geschwungen hätte. Der Alte hatte ein Vermögen verspielt: die Beut« aus drei fetten Kriegen und sein väterliches Erbgut dazu. Dieses Erbgut war nicht klein gewesen. In den prunkvollen Zeiten nach den großen Turken- und Franzosenkriegen hatte auch die Wachszieherei bei Sankt Stephan geblüht. Damit war's jetzt vorbei. Auch krankte der Lebzelterladen noch letzt, nach dreißig Jahren, an der Spielwut des Alten. Fünfhundert Gulden, das war alles, was Aloisius Brand zur Not als Mitgift für feine Tochter noch aufbringen konnte, wenn er und die Bielgratterin sich dann bis zum Aeußersten einschränkten.

Doch Kirndorfer schien heute die Gutmütigkeit in Person zu sein. Das kam samt nur nach einem gelungenen Roß- oder Weinhandel vor. Er lehnte sich genießerisch in feinen Armstuhl zurück, hieb mit beiden Händen auf die Lehne und rief gutgelaunt:Jessas, das Wimmerl! Ätzens Jhna nur her! Glei kommt a Wein Rieger! Rieger!" Er brüllte daß die vereisten Fensterscheiben und das Kupfergeschirr auf den ' Wandbrettern zitterten. 1

Der Pächter erschien.

Kirndorfer befahl:Rieger, ein Glas für den Herrn Regenschori und noch eine Flasche Siebzehner! Bei dem bleib' ma. Weil heut ein be­sonderer Tag ist"

Der Wirt verschwand.

Johann Kirndorfer schwätzte weiter:Passens auf, Herr »immer, das ist ein Weinderl! Ein Wein mögens doch? Wenigstens hab i so was läuten g'hört. Na ja, vom Geigenspiel'n allein habens ja die rote Nasen nit" Er lachte gutmütig.Und jetzt hörens zu!" Er war in einer Laune, m der er am liebsten ganz Wien zusammengetrommelt hätte, um ZU verkünden, daß sein Franzl die Kerzelmacher-Lisl heiraten werde

Er wartete nur, bis der Pächter den Wein gebracht und sich beleidigt wieder verzogen hatte. Dann legte er los.

Umständlich berichtete er dem kleinen Regenschori sein Glück. Wieder zahlte er alle Vorzüge seines Buben auf. Er unterstrich sie noch. Er wiederholte auch die Summe, die sein Sohn mitbekommen iollte: Füns- Zigtausend Gulden! Das war wieder sein Schlußeffekt. Er trank fein Glas leer, schnaufte und fragte stolz:Na, was sagens jetzt, Herr Regenschori?"

Das mußte er dem Kirndorfer jetzt wohl jagen, wenn darüber auch die Brautwerbung ins Wasser fiel. Was er eigentlich hoffte, denn, weiß Gott, er hatte sich einen anderen Schwiegersohn vorgestellt als den lang­samen Franzl.

Kirndorfer", begann er zögernd und starrte in die goldenen Lichter, die über das Weinglas spielten,Kirndorfer, du weißt, ich war mein Lebtag lang ein fleißiger Mann"

Er stockte und drehte an seinem Glase, als wäre was Besonderes dran zu sehen. Nach einer Weile sprach er leise weiter:Kirndorfer, du gehörst gwiß zu den Leuten, die die Kerzelmacherei von Sankt Stephan für eine Goldgruben halten. Das war einmal. Hast ja meinen Vater selig noch gekannt. War ein braver Mann. Nur 's Spielen hat er nicht lassen können. Weißt es ja" Aloisius Brand seufzte:Js nit viel, Kirndorfer, was ich meiner Lift mitgeben könnt. Wann ich all's zufarnmenkratz" Er wurde rot, als er jetzt die Summe nennen sollte.

Doch der Weinhändler ließ ihn nicht ausreden, lachte schallend und schlug mit beiden Fäusten auf den Tisch:Js das all's, was du gegens Hochzeitmachen zu sagen hast?" Er hieb sich mit der flachen Hand auf die breite, fette Brust:Schau mi an! Hab ich'?, der reiche Kirndorfer aus Nußdorf, nötig, daß i aufs Geld schau, wann i ä Frau für meinen Buben such? Bchatt du dein Geld, Brand, und gib mir bei Lisl für mein Franzl! Fünfzigtausend Gulden geb ich ihm mit, dem Buben!" Und als Brand ihn entgeistert anstarrte, setzte er wie zur Entschuldigung hinzu:Na ja, der Wein tragt halt aMal mehr als wie's Kerzelmachen, Brand."

Der Wachsziehermeister sah dem Weinhändler in die gutmütig Zwinkernden, kleinen, wässrigen Augen. Er wußte, daß er es ehrlich meinte. Fünf zigtausend Gulden, das war was anderes, als was der Kripperlmacher in München zu leisten vermochte.

Brand war nicht habgierig. Niemand konnte ihm diesen Vorwurf machen. Aber fünfzigtaufend Gulden! So etwas bietet sich einem nur einmal im Leben; auch wenn man so bildsauber wie die Lift ist. Und auch nur dann, wenn man so etwas wie ein Glückspilz ist. Und ein braver Burfch war er ja schließlich, der Franzl. Sogar hübsch, wenn man die ein wenig großen Hände übersah. Und auch Weibergeschichten hatte er keine, wie so viele von den reichen Meister- und Bürgerssöhnen ober gar die vom Mel. Aber haft langsam, langsam war er, der Franzl. I

m Der Wachsziehermeifter sah nachdenklich vor sich auf den Tisch. Manch- mal tot er einen Schluck Wem aus dem Glase, das Kirndorfer immer itoeber tHen!ftberett nachfüllte. Die Entscheidung war schwer. Aber durfte er Überhaupt nein sagen? Fünfzigtausend Gulden! Das bot sich auch der Lift nie wieder. Er blickte unschlüssig auf.

-Da streckte der Weinhändler die Pranke über die Tischplatte und Kerzlmacher, was meinst?" Ein gutes Lächeln spielte um seinen fettigen, weinnassen Mund. .

nn^[°ifiUh t?Fanb M"6 Zögernd seine Hand in die breite Tatze des andern und schlug em. Dann lächelte er glücklich. ö

In diesem Augenblick knarrte die Tur. Ein verschneiter Gnom stand iTnÄ w neb sich wärmend die Hände, trat näher. Seine kleinen, b£ Kälte geröteten Blasengelgesicht blinzelten ^öhl'ch- Selbst auf dem spärlichen, unter der Pelzhaube hervorleuchtenden miffommp3 ,9W Stimme krähte:Bonsoir mitsammen!Ist s erlaubt? Drausd in der Wirtsstuben ist nämlich ein Rauch, daß Man Scheiben braus schneiden könnt. Der Rieger hat 8 last- ich stör. Aber ich glaub 's nit. Ist heut fuchsteufelswild, das Mannsbild. Was er nur hat? Oder stör ich am End doch? Dann geh ich halt wieder.

Der Lebzelter hatte «inen raschen, freundlichen Gruß genickt. Aber er sagte nichts Er wußte, wie widerborstig der fette Weinhändler sein tonnte, wenn einer an seinem Tische faß, den er nicht mochte. Und wie gesagt: Fretter konnte der Kirndorfer ums Sterben nicht leiden. Sn Ü?men Augen gehörte wohl auch ein Musikant dazu und wenn er auch Regenschori und Kantor von Sankt Stephan war. Brand schielte nach dem SB eintönig. Er war neugierig, was jetzt kam. Kirndorfers fchlag- fertige und bissige Grobheit war berühmt. Matthias Wimmer tat dem Wachszieher leid.

Matthias Wimmer war nicht so leicht zu überrumpeln. Er mußte daran denken, wie vor einer Woche die Elisabeth Brand geseufzt hatte, weil die große Liebe nicht tarn. Er zweifelte daran, daß bei einem Mädel wie die List der junge Kirndorfer diese große Liebe zu sein vermöchte. Auch die fünfzigtausend Gulden des Weinprotzen trübten nicht seinen Blick. Fragend schielte er nach seinem Freunde Brand. Als dessen Ge- sichtsausdruck keine Antwort gab, kratzte er sich unschlüssig den roten Haarkranz und antwortete tastend und vorsichtig:Ja, was soll ich jetzt dazu sagen? Da werben wir halt die Lisl fragen müssen obs mag"

Brand sah auf. Eine Blutwelle schoß ihm daran hatte er in feiner Verwirrung bisher nit