Ausgabe 
28.3.1938
 
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Freitag, -en 4-März

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er ist ja Kommandeur der Garde-Kavallerie-Division geworden der erzählte mir von einer Winterarbeit, die Sie über ein ganz verrücktes Thema geschmiedet hätten und die bis zum Generalkommando zur Be­urteilung gewandert sei. Alle Achtung. Meine Winterarbeiten sind immer schon vom Regimentskommandeur verrissen worden."

Frankfurt an der Oder kommt. Da muß Bernd mit Schmersow heiße Würstchen auf dem Bahnsteig essen, das ist Gesetz für alle, die in die südliche Neumark weitersahren. Selbstverständlich wird wieder ein Glas Bier getrunken. In Frankfurt hat man immer reichlichen Aufenthalt.

Sie werden sich wundern, Bernd, wenn Sie nach Bleßdorf kommen. Die Schillings ich will sagen: die von Schillings sind mit ihrem Bau fertig. Was aus dem alten Kasten vom verflossenen Conzhelrn ge­worden ist, einfach fabelhaft. Ein Schloß, sage ich Ihnen, mit allen Schi­kanen der Neuzeit, Zentralheizung und Warmwasserversorgung wie im Bristol" in Berlin. Und ein paar Ställe hat der Herr von Schillings sich hinstellen lassm, die Kühe fressen aus Marmortrögen. Aber als der neue Inspektor sie hak elektrisch melken wollen, da haben die armen Viecher gestreikt."

Du wirst dich wundern, wmn du nach Bleßdorf kommst", sagt auch Mutter Wallnitz zu Bernd, als sie zu viert an diesem Abend um den Familientisch sitzen.

Der Zugführer ruft:Einsteigen!" Sie müssen sich beeilen, um an Schmerfows Abteil zu kommen. Hilde läuft hinter den beiden Männern her.Gebt euch noch schnell 'nen Kuß, Kinder", sogt der Mergenthiner, ich wuchte den Koffer schon rein." Die beiden Jungen stehen einen Augenblick unschlüssig, dann liegen sie sich doch in den Armen.

Bernd steigt hastig ein, und der Beamte schlägt die Tür zu.Fenster runter und winken!" befiehlt Schmersow und lacht. Bernd gehorcht, er sieht noch Hildes Taschentuch flattern, dann rollt der Zug um die Ecke.

Schmersow sitzt, als Bernd sich umwendet, schon in seinem Eckplatz, neben sich auf dem Polster die Kreuzzeitung, das neueste Heft der Kon­servativen Monatsschrift und den Simplizissimus.Das ist ja ein süßes Mädel", sagt er,gratuliere! Ja, wer so jung ist." Damit ist die Sache abgetan, und er sängt an, aus der Gegend zu berichten: in Morgenitz bei Brandts sind Zwillinge angekommen, ein rechter Unsinn, wo schon sechs Kinder da sind und es hinten und vorn nicht langt: beim Krödner Mllfsling ist Bullenauktion gewesen, es sind kolossale Preise bezahlt wor­den: der Amtmann Fischer in Neuenhagen hat einen Versuch mit Rüben gemacht, der völlig mißlungen ist, mindestens sechstausend Mark kostete ihn der Scherz, aber er kann's ja aushalten: der alte Berthold in Rogsen hat trotz seiner Siebzig den kapitalsten Bock im ganzen Kreis geschossen. So geht es eine ganze Weile weiter, über den Schlesischen Bahnhof hinaus bis fast nach Fürstenwalde hin. Bernd braucht überhaupt nicht zu sprechen, aber es macht ihm Freude, den Klatsch der Neumark so aus erster Hand zu hören. In Fürstenwalde winkt sich Schmersow den Bahn­steigkellner heran und läßt sich zwei Gläser Bier reichen, er stößt mit

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mi 11'10)11'9 neugewonnen, uoei >»r nmtyi |iiy icuic daß alles in ein oder zwei Iayren, wenn er eines

öie ynr rrerno falschen Hoffnungen, Tages ans Heiraten denken wird, aus fein wird: sie weiß auch, daß er sie nicht so liebt wie sie ihn und daß seine Gedanken oft ganz andere Wege gehen. Sie läßt sich gern von ihm von den großen Bällen und Gesellschaften erzählen, die er mitmachte oder die er km kommenden Winter mitmachen wird, er muß ihr dann auch von den Kleidern der Damen berichten, und sie zieht ihre Vorteste für ihren Kundenkreis dar­aus. Von ihrem Beruf spricht sie selten zu ihm, aber sie bringt sich eine Näharbeit mit, wenn sie zu ihm kommt: dann kann sie stundenlang still neben feinem Schreibtisch sitzen und sticheln, während er arbeitet und büffelt, den er bereitet sich auf die Aufnahmeprüfung zur Kriegsakademie vor. Sie fragt Ihn auch Geschichtszahlen und französische Vokabeln ab und sieht ihm sogar über die Schultern, wenn er mit roter und blauer abwaschbarer Tv.iche taktische Aufgaben auf der Karte löst.

Es ist eine saubere, klare Angelegenheit zwischen diesen beiden Men­schen, bei der keiner zu kurz kommt und unter der keiner leidet. Er nennt sieHille", und sie hört das gern

Hilde hat Bernd heute morgen geholfen, den Rest seiner Urlaubs« Sachen in den kleinen Koffer zu legen: das heißt: sie hat alles noch ein­mal ausgepackt und von neuem fraulich und sorgfältig eingeordnet. Als sie auf dem Bahnsteig stehen, sagt sie:Bleib mir treu, Bernd, verlieb

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sondern hat mit seinem Freunde Heidenberg zusammen eine Vierzimmer- wohnung in der Wöhlertstraße gemietet. Auch Heidenberg kann mit den Sporen klingeln, er ist zu der neu aufgestellten Maschinengewehr-Kom­panie versetzt worden und daher beritten.

Hilde Stürmer ist ein zweiundzwanzigjähriges Mädel und von Beruf Schneiderin. Sie ist sehr geschickt, hat viel Geschmack und weiß in jeder Beziehung genau, was sie will. Sie hat sich schon mit zwanzig selbständig gemacht, besitzt in der Goltzstraße am Rande des Berliner Westens ein kleines eigenes Heim, ein Schlafzimmer, ein Wohnzimmer, das gleich­zeitig ihre Werkstatt ist, und Küche und Bad. Alle Räume blitzen vor Sauberkeit wie das ganze istonde, frische Mädel. Hildes Kundin'.en setzen sich aus den Frauen kleiner Beamter und kleiner Kaufleute der Gegend zusammen, Frauen, die sich gern geschmackvoll und billig anziehen wollen, aber entweder kein Geschick oder keine Zeit haben, selbst zu schneidern. Der Kundinnenkreis wächst ständig durch Empfehlung von Mund zu Mund.

Hilde und Bernd haben sich am Morgen des letzten Pfingstsonntags im Zoologischen Garten kennengelernt. Das Frühkonzert beginnt dort schon um sechs Uhr und ist ein Volksfest. Bernd fragte, da all» Tische bei dem herrlichen Wetter besetzt waren, ob er neben Hilde Platz nehmen dürfe. Sie sah ihn einen Augenblick prüfend an, bann nickte sie. So sind sie den Pfingstsonntag zusammengeblieben, sind nach Potsdam gefahren, haben in der Meierei am Havelufer zu Mittag gegessen, haben'sich von einem Dampfer über den Wannsee setzen lassen und zum Abendbrot ein

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n Tage nicht sehen soll.

röhnt eine Stimme aus einem Abteil zweiter lnitz!" Es ist der dicke Schmersow aus Mergen- lichen Dapper. Bernd tut, als ob er den Anruf e mit sich nach dem Hinteren End; des Zuges, aus dem Wagen geklettert und neben Ihm. Er jdie Schulter.Nee, nee, Wallnitz, drücken gibt's nen."Ich fahre Dritter, Herr von Schmer­le man meine Sorge fein. Den Taler zahl' ich \l|f/ Recht, den Filius mal mitzunehmen, müssen vom Dapperschen schon zubilligen. Ich bin »roh, lÄSHgSi t habe." Er wendet sich Hilde zu.'n Tag, 5^iiS^ Sie mir ruhigne Patschhand, Sie brauchen sich lle Schmersow beißt nicht." Er hält ihr seine E 11 bw der ihre kleine Hand ganz verschwindet. Sie

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dich nicht in eine andere, und Weidmanns Heil!" Sie weih, er will in Dapper Rebhühner schießen. Der Zug rollt, vom Bahnhof Zoo kommend, cm: sie hebt sich auf,die Zehenspitzen, legt ihre Arme um Bernds Hals oanes/jS hiedskuh. Sie ist bisher tapfer gewesen, nun ist pictaVy n es fällt ihr schwer, daß sie ihrenJungen",

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Unterhaltungsbeilage zum Eichener Anzeiger