Ausgabe 
26.8.1938
 
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MeheimZamilienblätter

Unterhaltungsbeilage zum Gießener Anzeiger

Jahrgang 1958 z Zreitag, den 26. August Nummer 66

D ikamps weiter, während das ft-!.

Ein Tierleben in afrikanischer Wildnis.

Von Cherry Kearton.

Copyright by 3. Engelhorns Nachf., Stuttgart.

. schon beginnt dis Nacht niedeczusteigen, als sie den Busch am Fluß w ichen. Das Leittier geht jetzt noch ein Stück weiter vor; behutsam N argwöhnisch schreitet es dahin; denn dies ist die Stunde, wo der fine um den Weg sein kann. Es macht Schritt vor Schritt, bleibt Auer einmal wieder stehen und will sich schon zur Flucht anschicken, ®i" i> Busch und Baum im Zwielicht lebendig zu werden scheinen. Auch

Herde, in ihrer Mitte die kleine Pallah, macht dann halt und rückt U nach, wenn es weiterläuft. Dicht aneinandergedrängt folgen sie den -Übungen des gut ausgetretenen Pfades (wie viele Tiere mögen ihn B"12 im Lauf der Jahrhunderte so sestgetrampelt haben!) durch die ^!che. Die Pallah und ihr junger Kamerad sind an den andern ge- ftftn so klein, daß sie immer nur dann etwas sehen können, wenn ft zufällig zwischen den Tieren vor ihnen eine Lücke bildet. Sie wissen,

Gefahr in der Luft liegt, daß sie sich nicht auf ihre eigenen Sinne Klassen können und daß ihre einzige Sicherheit der Platz in der Mitte

Herde ist. Jeden Augenblick kann der Führer Alarm schlagen, und iem Gewühl, das dann entsteht, können sie leicht aus der Reihe und

-Hintertreffen geraten. Aber die kleine Pallah tröstet sich damit, daß ? Ehren jungen Freund hat; mag kommen was da will, sie beide r^en zueinander halten!

Dort ergehen sich schon verschiedene Herden: Zebras, Oryx- und Elen- i«tilopen und Gazellen. Sie haben flüchtend ihre anderthalb Kilometer ! ^eteinander zurllckgelegt, sich dann aber über die Steppe hin verstreut, ; mb nun hält sich jede für sich auf ihrem eigens gewählten Weideplatz.

Die kleine Pallah bleibt bei den Zebras und hält sich immer in der ; ®itte der Herde, die, von einem alten Hengst gehütet, langsam grasend f » iterzieht. Einmal auf einem freien Platz zwischen zwei Büschen I - tut der Hengst plötzlich einen Sprung. Da eine Kobra! Mit auf- ! I gi'ichtetem Kopf! Keine dreißig Meter davon entfernt stelzt ein weiß- düstiger, fast einen Meter hoher.Sekretär umher; seine Augen suchen 1 urig den Boden nach etwas Genießbarem ab. Die heftige Bewegung

Zebras ist ihm nicht entgangen, und er weiß sie zu deuten. Mit aus- ' : «breiteten Flügeln segelt er auf die Stelle los aber die Kobra ist Ifon unterwegs zu ihrem Loch. Ehe sie es aber noch erreicht, ist der I gel schon von oben über sie hergefallen und hält ihren Leib mit seinen jltarfen Krallen gepackt. Wütend krümmt sich die Schlange und stößt - immer wieder mit den Giftzähnen nach ihm; dann aber hüpft der Vogel i jtiesmal in die Höhe, um schon im nächsten Augenblick wieder nieder- : Maßen und zuzupacken. Unfähig, sich des Angreifers zu erwehren, j il-cbt die Kobra endlich regungslos liegen in der Hoffnung, der Sekretär h hebe sie für tot halten. Aber der Vogel hat schon mit mehr Schlangen

H tun gehabt und ist gewitzigt: er zieht sich ein kurzes Stückchen zurück I verlegt sich aufs Beobachten, und in dem Augenblick, wo die Kobra, $ fc sich jetzt allein glaubt, wieder auf ihr Loch zusteuern will, übersällt ' » sie und hackt mit erneuter Kraft auf sie ein. Als er endlich die Ge- 1 weit hat, daß sie tot ist, reißt er ihren Leib in zwei Stücke, die er I icheinander in sein Nest befördert.

Das alte Zebra, das die Kobra zuerst entdeckt hat, ist ein Weilchen Wen geblieben, um mit flüchtiger Anteilnahme dem Kampf mit dem kekretär zuzusehen, und die Herde hat sich in einer Gruppe hinter ihm ^gebaut. Aber im Dschungel ist eine solche Szene nichts Ungewöhn- ft's; auf jeden Fall geht sie dis Zebras recht wenig an. und es gibt

u richtigeres, nämlich: sich fressend langsam aber stetig weiterzubewegen, : zur Zeit der Dämmerung am Fluß zu sein. Und so tobt denn der

. Weikampf weiter, während das alte Zebra die Seinen querfeldein

6. Fortsetzung.

Zerstoben ist der Heuschreckenspuk. Aber in der kurzen Zeitspanne is die ganze Vegetation abgenagt: die Bäume stehen kahl, ihrer Blätter «raubt; und wo vorher noch fußhohe Gräser im Winde geschwankt h:ben, starren jetzt kurze harte Stoppeln, die über und über mit zer- tampelten braungrünen Heuschreckenleibern besät sind. Die Zebras Decken die Köpfe zu Boden, um weiterzuäsen; aber diese borstenartigen- Überreste behagen ihnen nicht und sie beschließen, weiter zu wandern - so geht es hinaus aus dem heimgesuchten Stück Erde, an den Baum- Kletten vorbei, los auf das frische hohe Gras des verschont gebliebenen Mbelanbes.

Plötzlich aber bleibt sie wie gelähmt stehen und ihr Herz pocht wie wild vor Schreck; denn aus der Ferne ertönt das Gebrüll eines Löwen! Immer wieder und wieder kommt es vom Fluß her jetzt in dunklen Kehllauten, bann wieder als ein tiefes grimmiges Stöhnen.

Die fürchterlichen Laute irren umher zwischen den Bäumen, werden als Echo zurückgeworfen, scheinen einmal aus dieser, dann wieder aus jener Richtung zu kommen----

Eine Sekunde lang steht die Herde unschlüssig. Was tun? Wohin? Bonn preschen sie alle wie auf Befehl in die offene Steppe hinaus. Angstschreie ertönen aus ihren Reihen; sie galoppieren mit einer Ge­schwindigkeit, daß die kleine Pallah wohl bald weit hinter ihnen zurück­geblieben wäre, hätte sie nicht immer wieder durch ihre weiten Sprünge an Boden gewonnen. Sie merkt, daß das junge Zebra mit einer Schnel­ligkeit, die nur die Angst ihm verleiht, fast Schritt mit ihr'hält, und chon steht sie durch das Gezweig der Büsche vor sich das freie Land schimmern. Da ein furchtbares rauhes Gebrüll! Gerade rechts hinter ihrer Schulter! Jäh schwenkt sie nach links ab; obwohl sie nichts sieht, weiß sie, daß da eine Löwin aus sicherem Versteck einem Zebra auf den Rücken gesprungen ist. Durch das Stampfen der fliehenden Hufe hört sie noch den Todesschrei des sterbenden Tiers.

Da sind sie schon in der Steppe! Aber nun muß noch ein Platz ge­sunden werden, wo sie sich ganz sicher fühlen können, und weiter geht es im Galopp, Seite an Seite die kleine Pallah und ihr junger Zebra- kamerad.

Hyäne auf dem Heimweg.

Hyäne und Schakal. (Ein großer Braten.

Das Perlhuhn. Kamps mit einer Pythonschlange. Beutebeladene Heimkehr.

Während Löwe und Löwin bei dem getöteten Zebra liegen, huschen von allen Seiten dunklen. grauen Schatten gleich Schakale und Hyänen durch die Büsche heran, um auf die Ueberrefte des Mahles zu warten. Sie vergehen fast vor Ungeduld, doch sie trauen sich nicht heran. Je später es wird, desto häufiger ertönt das schaurige, teuflischem Gelächter ähnliche Jammern der Hyänen, die vor Hunger schon bald außer Rand und Band sind. Die im Dunkel funkelnden Augen verraten, daß sie In höchster Bereitschaft stehen; leises Knistern und Knacken verrät, wie sie rastlos in den Büschen umherschleichen. Ader sie halten sich im Hinter­grund, bis die Löwen fertig sind. Nur einmal wagt sich eine Hyäne in jugendlicher Unerfahrenheit näher heran, aber auf des Löwen zor­niges Knurren flüchtet sie Hals über Kopf in den Schatten zurück.

Endlich! Der Löwe erhebt sich, streckt sich gähnend und schlägt dann den Weg zum Fluß ein. Auch die Löwin ist satt, trennt sich aber nur ungern von der Mahlzeit; noch liegt sie da, holt sich noch mal einen Bissen, und noch einen; bann aber, als folge sie einem Ruf ihres Gebieters, steht auch sie auf, wirft noch einen letzten Blick auf das zer­fleischte Zebra unb entfernt sich langsam.

Und das ist jetzt der Augenblick für die Hyänen! Lechzend stürzen sie herbei und hauen gierig ein. Zuletzt reißen sie noch größere Stücke her­unter, um sie zu den Ihrigen in den Bau zu schleppen. Erst wenn die Hyänen fort sind, kommen die Schakale an die Reihe; die fressen dann, was das Zeug halten will, bis zum Morgengrauen, wo sie dann von Milans, Marabus und Geiern verjagt werden.

Vier Hyänen, jede mit einem Klumpen Fleisch beladen, verlassen den Platz. In einem Abstand von zwanzig bis fünfundzwanzig Metern trippeln sie im Gänsemarsch hintereinander her große häßliche Tiere mit plumpem Kopf, grimmiger Schnauze und von den Schultern bis zum Hinterteil schräg abfallendem Rücken. Geräuschlos nähern sie sich dem Fluß und halten sich dabei dicht unter den Büschen aus einem Wechsel, der einen halben Kilometer abwärts zu ihrem Bau führt.

Plötzlich etwa fünfzig Meter vom Ufer entfernt bleibt die erste mit gespitzten Ohren lauschend stehen. Aus den Büschen vor ihr nähern sich zwei von ihrer Sippe es sind Weibchen, die aus dem Bau kom­men, um zu sehen, was ihre Männer an Beute heimbringen. Eine Minute lang bleiben die beiden vordersten Tiere in einem Abstand von einem Meter einander gegenüber stehen, als müßten sie sich erst arg­wöhnisch betrachten. Dann trottet die Jagdgesellschaft beutebeladen weiter, die andern machen kehrt und schließen sich an. Nur einer von den Vieren läßt plötzlich seine Bürde der Gefährtin zu Füßen fallen unb breht um. Seine Aufgabe ist es ja, das Aas zu erraffen, und ihre, es zu holen unb weiterzuschleppen. Mit leisen flüchtigen Schritten geht es also den gleichen Weg wieder zurück.

Die Hyäne steuert geradewegs auf bis Stelle los, wo bas Aas liegt. Der erste fahle Schimmer des nahenben Tages erhellt bereits ben Him­mel. Schon hat ein einsamer Geier, der hoch oben in ben Lüsten segelt, die Beute erspäht unb streicht nun herab; andre weit über ihm ziehen ihre Kreise allmählich tiefer, bis auch sie sich schließlich zu Boden lassen. Die Schakale, die ganz in ihre Tätigkeit vertieft sind, werden mit zu-