tant), ein jeder mit seinem Kamel, darauf er hergereist kam und seine Gaben bracht. Dies alles aufzuputzen und zu leimen, was etwa lotter war, sah die Frau Wirtin an dem Tisch beim Licht mit ihrer Brille, und di« Wasserfrau mit höchlichem Ergötzen fah ihr zu, sowie sie auch gerne vernahm, was ihr von heiligen Geschichten dabei gesagt wurde, doch nicht, daß sie dieselben dem rechten Derstand nach begriff oder zu Kerzen nahm, wie gern auch die Wirtin es wollte. (Schluß folgt.)
Auftrag.
Bon Ludwig Heinrich Christoph Hölty.
Ihr Freunde, hänget, wann ich gestorben bin, Die kleine Harfe hinter dem Altar auf. Wo an der Wand die Totenkränze
Manches verstorbenen Mädchens schimmern.
Der Küster zeigt dann freundlich dem Reisenden Die kleine Harfe, rauscht mit dem roten Band, Das, an der Harfe sestgeschlungen, Unter den goldnen Saiten flattert.
„Oft", sagt er staunend, „tönen im Abendrot Von selbst die Saiten leise wie Bienenton: Die Kinder, hergelockt vom Kirchhof, Hörten's und sahn, wie die Kränze bebten."
Bergbauern.
Von Johannes Linke.
Als sie vor beinahe tausend Jahren ins Waldland kamen, Sendboten ton Fürsten, Städten und Klöstern, hatten sie nichts als ihre Mannes- Iraft, zähen Lebenswillen und unbeirrbaren Mut, fanden sie nichts als venig Erde, viel Holz und Gestein. In warmen Mulden, am sonnigen hange und im windstillen Tale schlugen sie den Wald oder brannten ihn nieder, richteten sich aus den gefällten Stämmen Blockhütten auf, die sie nit der geschälten Rinde mächtiger Tannen deckten, und düngten mit der Holzasche ihr erstes Ackergeviert. Mit der Reuthaue und dem eschenen Lrcmel wuchteten sie die Steinriegel aus dem Grunde, und wenn sie die Zlatten und Brocken, die ihren Kräften gehorchten, von einem Flecke jerausgearbeitet hatten, den sie mit hundert Schritten umgingen, dann umringte diesen Platz ein übermannshoher steinerner Wals So gingen fe der Wildnis zu Leibe, Tag für Tag, eroberten ein neues Stück Erde nd schirmten das Gewonnene gegen Wild und Wasser und die gierig vuchernden Wurzeln des Waldes. Sie faßten die wilden Brunnen des Zerghanges in Gräben, leiteten das Wasser in Holzrinnen zum Trage, l«r vor Jahren noch als dicker Buchenstamm auf ihrem Feld stand, keßen es über trockene Grasflächen rieseln und zwangen es zum Bache, der is mitriß zum Flusse, zum Strom, zum Meer. Die Weiber halfen ihnen, :nb die Kinder, die hcranwuchsen wie die Schößlinge am Waldrande, nutzten ihre geringen Kräfte mit einspannen in das gemeinsame Werk, immer war das Dickicht ihr Feind und die Lichtung ihre Aufgabe.
Jahrhundertelang bauten sie ihre Bergäcker, rodeten Waldstreifen aus mb legten Wiesen und Weiden an, auf denen die Rinder, die Geißen, iie Schafe grasen konnten. Das Raubwild vertrieben sie von ihren Häufungen, jagten es in die unergründlichen Wildnisse der Schluchten nd Grat« und rotteten es endlich völlig aus. Aber die Steine und ins Gestrüpp konnten sie nicht vertilgen. Jahr für Jahr ackerten sie ieue Steine aus dem Grunde, Jahr für Jahr hieben sie kriechende itaumwurzeln ab, gruben sie junge Ahorne und Tannen aus, sengten |ie Buschwerk und Dornstauden weg. So blieben sie Reuter, auch als fic schon große Feldflächen, stattlich gezimmerte Höfe und fest gemauerte Stätte besahen, denn hier oben im Waldgebirge gibt die Erde niemals Ruh.
Aber da nur eine spröde und dünne Erdhaut das Steingeripp der Crbe überspannte, da der Fruchtertrag der steinreichen Furchen kärglich blieb, da oft genug die Wintersaat erfror oder unter den tiefen Schneewehen erstickte, suchten sich spätere Nachfahren derer, die zur tondnahme in den Wald gezogen waren, einen anderen Erwerb, der sie sicherer und besser nährte.
Sie zerschnitten das Holz ihrer Wälder zu Brettern und Bohlen, wehten es zu Leuchtern, Tellern und Schüsseln, fügten und hobelten » zu Hausrat aller Art, banden es zu Fässern und Zubern, Hoben . t> zu Dachschindeln, schnitzten es zu Rechen und Sensenwarben und Kochlöffeln, verarbeiteten es zu Holzdraht, Garnspulen und Spielzeug »nd hundert anderen hölzernen Dingen, die ihnen die Leute tn der Stabt und auf dem ebenen Lande abnahmen.
Sie gruben sich in die Berge ein und förderten zutage, was drunten t’rborgen lag: Gold und Eisen, Flußspat und Kies und den schwarz- !? eckigen Graphit. . ,,
Sie spannen den Flachs ihrer Aecker zu Garn und webten aus Garn und Wolle die Tuche, die weit in der Welt draußen getragen würben, wirkten Roßhaargaze und Zwillich und die Leinwand zu Büsche und Bettzeug, und die Frauen und Mädchen klöppelten die zier- ichsten Spitzen. ,
Sie sotten den mehlsein zerpochten Kiesstein, der das Gebirge als tielfenmauer durchzog, zusammen mit der Holzasche der geschwendeten Balder zum goldroten Teig, aus dem sie das zerbrechliche Glas bliesen. 21n den Waldrändern bauten sie die Glashütten mit den gewaltigen durchbrochenen Schindeldächern auf, und um die gfatgefullten Rundofen h rum standen die Männer, Burschen und Buben und formten die zah fi iffige Masse zu Bechern, Schalen und Krügen, die mi den alten starken äauern'arben leuchteten, himmelblau und rubinrot, gelbbraun und wald- grün, und kunstfertige Gesellen schliffen und ätzten die Glaser mit Zier- krank und Sprüchen, Blumen und Bäumen, mit dem Jager der den Hirsch verfolgt, oder dem Holzhauer, der von der Arbeit heimkehrt. buntfarbige Perlen wurden zu Taufenden und Millionen geblasen, mit 1fnen man im fernen Afrika die Sklaven kaufte.
Noch andere aber wanderten aus, in die Städte, in Die gewerblichen
Gebiete ober übers Meer, unb viele von denen, die daheim blieben, und von denen, die sortzogeu, wurden wohlhabend, und manche vergaßen schon, daß ihre Voreltern bedürfnislose Reuter gewesen waren.
Da drehte sich das schwere Rad der Rot über den Bergwald Das Holzgewerbe ging zurück, und die Stollen und Schächte der Bergwerke stürzten ein. Riesige Webwerke in anderen Landschaften sorgten dafür, daß im Gebirge die Wirkstühle leer und still standen, bis sie eines Winters di« Stube heizten. Und die Lesen der stolzen, großmächtigen Glashütten wurden nicht mehr in Brand gesetzt und nicht mehr gespeist. Ihr« Dächer deckte der Sturm und der Herbstregen ab, ihre Gemäuer zerbröckelten, und nur die glatten, schillernden Glasschlacken im Schutte mahnten noch an die alte Herrlichkeit.
Aber die Berge und die Wälder sind stehen geblieben, wie sie vor tausend Jahren schon standen, als di« ersten Bauern ins Land tarnen, und in den Jahren der Rot bewiesen die heutigen Bergbauern, daß sie vom gleichen Stamme sind wie ihre Urväter, die die ersten Aecker gruben. Wieder sind sie auf die Frucht angewiesen, die sich die Erde abringen läßt, und statt des Schnitzmessers, des Schützen und des Blasrohrs führen sie wieder die Reuthaue, den Steinschlegel und den Pflug. Sie finden nichts als wenig Erdreich, viel Holz /und Gestein und besitzen wenig mehr als ihre Manneskraft, einen zähen Lebenswillen und unbeirrbaren Mut. Aber damit beißen sie sich durch. Sie sind wieder zu dem Ursprünge zurückgekehrt und werden dem Ursprünge nahe bleiben, solange sie hier oben hausen.
John Murrays Heldentod.
Von Richard W. Mayne.
Um das Stationsgebäude auf Weststation heult der Wind Es ist bitter kalt; vier Grad unter Rull. Schneeflocken huschen an den Fenstern vorbei. Manchmal scheint sich der Wind irgendwo zu verfangen, dann stürzt er mit ungeheurer Gewalt gegen das Haus und rüttelt an Türen und Fenstern. Im Speisesaal fitzen die vier Flieger, rauchen und starren vor sich hin. Nebenan klopft der Funker.
Er gibt einen eben erhaltenen Bericht weiter: „... der Fluh steigt ununterbrochen stop ganz Kentucky unter Wasser stop sendet alle verfügbaren Maschinen Neuorleans oder Kairo stop".
Seit Tagen steigt der Mississippi, und bas Wasser steht bis an den Rand der Dämme. Bisher sind zweihunderttausend Menschen obdachlos. Vierhundert Armeeflieger brausen über die Wasserwüste und versuchen zu helfen. Aber was vermögen vierhundert Flieger gegen zwei verrückte Ströme?
Um 9.10 Uhr kommt der Befehl vom Stationskommandanten. „Auf- fteigen! Versucht Kairo anzufahren! Weitere Weisungen gibt Kairo'" Der kleine Eindecker, der im Hangar wie in einem Schlafzimmer steht, ist in wenigen Minuten flugtlar. Drei Leute stehen bei der Schiebetür und warten nur auf bas Kommando. Aber Laivd zögert Der Wind rüttelt wie verrückt an der Tür. Durch ein halboffenes Fenster pfeift eisigkalt der Wind durch den Raum.
„Wenn das Zeug offen ist, brummte er, „zerhaut cs uns die Maschine. Man sollte den Boß doch nochmals aufmerksam machen."
„Das hat keinen Sinn!" meinte Blake. „Er weiß genau, wie das Wetter ist. Er will, daß wir fliegen."
Blake ist der Monteur. Ein kleiner, schmächtiger Mann, der eine junge Frau und zwei kleine Kinder hat. Die Frau wohnt einen Kilometer entfernt. Sicher steht sie jetzt beim Fenster und betet, daß ihr Mann nicht auszusteigen braucht. Der Pilot John Murray ist ledig. Er ist dreiunddreihig. Er steht neben der Maschine, beide Hände in den Taschen und pfeift leise vor sich hin. In Weststation behauptet man, Murray hätte keine Nerven ...
Die junge Frau Blakes scheint sehr gut zu sein: der Himmel erhört ihr Gebet. Ehe noch Laird einen Entschluß fassen kann, will Blake auf die Steigeisen — weiß Gott, wie er das gemacht hat: er gleitet aus, rollt hinab und bleibt stöhnend liegen. Glatter Beinbruch.
„Der nächste", sagt Murray zu sich und unterbricht sein Pfeifen. „Wayne, ich fürchte, Sie sind an der Reihe!"
Laird ist jetzt vollkommen ruhig. „Auf!" sagt er. Die Leute schieben die Türe des Hangars beiseite und wir sind mitten im Schneegestöber. Einen Augenblick hat man das dumme Gefühl, der Sturm würde den Hangar hochnehmen und davontragen; aber der Hangar ist fehr gut gebaut. Dafür beginnt die leichte Maschine wie ein Betrunkener zu schaukeln. ,, , .
„An die Flügel, Leute!" Zehn Mann sind schon beim Apparat; sie legen sich in die Flügel, und die Maschine rollt langsam hinaus — in die weiße Hölle. In dem wütenden Schneetreiben ist nichts zu sehen; die Tragflächen sind im Nu voll Schnee und die Motorhaube sieht aus wie die Schnauze eines Hundes, der feinen Beißkorb im Schnee abzustreifen versucht. Murray klettert in den Führungssitz; ich folge ihm. Das kann ja eine nette Geschichte werden! Der Motor fliegt an; überraschend gut und plötzlich fegt der Vogel davon. Er stürzt sich geradezu ins Schneetreiben. In den Verspannungen pfeift und ,ohlt der Wind, das Brüllen des Motors erstirbt im Saufen des Windes. Die ganze Maschine zittert. Mir ist nicht wohl zumute. Murray ist ein ,^«fahr- ^Alles^ fft^weih. Undurchsichtig. Ich verstehe aber genau, was Murray will: Er möchte gern nach oben durchstoßen. Solche Schne«wölken sind nicht sehr hoch; aber — wie kommt man hinaus? .
Murray brüllt ins Telephon: „Meine Versicherungsgesellschaft wird mir die Police kündigen ..." Ehe ich antworten kann, wirbelt der Apparat herum; es ist eine unangenehme Sache, bei Seitenwind zu starten. Einen Moment sieht es aus, als würden wir herumgerollt werden; ober Murray versteht es, dem Heinen Zeug Leben zu geben. Das Maschm- chen wendet exakt und steigt. Wenn wir nur bald aus dem Schnee herauskommen' Sonst vereist uns die Maschine und dann gibt s nichts mehr. Aus den Tragflächen liegen Schneebretter, und jetzt eben beginnt sich eines zu verschieben; das kann eine verteufelte Trudele« werden,


