Ausgabe 
24.10.1938
 
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Herr Jensen mein Mann/

Na, ich will nur hoffen, daß Sie endlich der Halunken zu bändigen", sagte der Gutsherr. ,G'

Wi-a-nlied.

Volksweise.

Da droben auf dem Berge

Da wehet der Wind,

Da sitzet Maria

Und wieget ihr Kind,

Sie wieget's mit ihrer schneeweißen Hand, Dazu braucht sie kein Wiegenband.

Derantwortlich: vr. HanS Thyriot. - Druck und Derlag: Brühl,che UniversitätSdruckeret R. Lange. Dießen.

Oer Hauslehrer.

Eine Geschichte von Erik Hassin.

Tom stand ziemlich ratlos aus der Station der kleinen Lokalbahn, als aroei Damen auf ihn zutraten. Die eine war elne stattliche Vier xigerhi mit einem Gesichtsausdruck, den manche vielleicht charaktervoll, andere jedoch weniger schmeichelhaftrecht stramm nennen wurden Ader die andere ach du mein Gott, Tom verschlug es fast den Atem - sie g'ich den Mädchen auf Schönheitsm.ttelreklamen also Wesen, die man gewöhnlich nicht aus dieser Erde oder Zum mindesten nur im Film anzutreffen erwarten kann. Sie war groß und schlank mit blondem" lockigem Haar, schelmischen Grübchen, Psirsichhaut und den tiefsten blauen Augen, die man sich denken konnte. Tom stand gang versunken in den Anblick dieser Schönheitsoffenbarung, als die altere Dame ihn anredete.

Sind Sie vielleicht Herr Jensen?

Ja, allerdings, stimmt ganz genau, erwiderte er verwirrt.

Mein Name ist Frau Lindvad, und dies ist meine Tochter Inge , unterbrach ihn die Dame,nehmen Sie nur A^en Koffer, unser Wagen steht draußen. Wir haben einen Besuch in der Nachbarschaft gemacht, und da überlegten wir uns, daß Sie wohl mit diesem, Zug Eintreffen würden, und wir Sie alfo gleich mitnehmen konnten.

Das ist außerordentlich liebenswürdig von den Damen."

".Setzen Sie sich hier neben mich, meine Tochter fahrt uns, dann kann ich Ihnen chon immer etwas von meinem Sohn erzählen.

Sehr intereffant", versicherte Tom, obgleich es ihm durchaus Meier- I haft war, weshalb man ihm von dem jungen Lindvad erzählen.wollte. Irgend etwas stimmte da nicht, wenn man von einem so reizenden ^°Mo rnem^Sohn Jens ist sozusagen eine Natur^intelligenz", wandte sich Frau Lindvad an Tom.Er besitzt vorzügliche Gaben, und auch (ein Charakter ist im Grunde einwandsrei. Leider haben wir trotzdem viel Scherereien mit ihm gehabt. Er ist eben sehr temperamentvoll Seitdem er aus der altmodischen Schule in unserer nachstgelegenen Stabt fort geschickt wurde, bloß, weil er in lugendlichem Uebermut ein bißchen Fi chieim aus den Stuhlsitz des Lehrers schmierte und als Tierfreund ein paar weiße Mäuschen in der Schublade des Kathederpultes ver­barg, haben wir schon fünf verschiedene Hauslehrer für ihn gehabt.

Ihr Vertrauen ehrt mich", versicherte Tom.

Und diese fünf waren eben sämtlich keine guten Pädagogen. Wenn B. dieser Herr Tronö, fein letzter Hauslehrer, ma einen Sonntag­nachmittag lang von ihm zu dem Schafbock eingefchlosien wurde, so ist das doch schließlich nur ein Jungenstreich, und Herrn Tronos Auf­fassung des Vorkommnisses mit daraus folgender Kündigung war viel zu p^>aniisch^ xnp wieder mal ganz ähnlich", entrüstete sich

Toni (nein, wie süß ihr Haar in der Sonne flimmerte).

Mittlerweile war der Wagen durch eine Kastanienallee gerollt und hielt jetzt vor einem großen, weihen Gutshause an. Em dicker, gut- wütig aussehender Herr trat auf die Treppe hinaus, und Frau Lindvad

gesöhntSie, ich habe mich noch niemals in meinem Leben so wohl gefühlt wie hier!" sagte Tom eifrig,allerdings habe ick mich um eine andere Stellung beworben die mehr in mein Fach schlagt, unb bie mir auch erlauben wird, ein eigenes Heim zu gründen; in einem halben Jahr kann ich ziemlich sicher darauf rechnen, fie an3u> treten ob ich bann noch weiter meine Erziehungsversuche mit Ihrem Sohn unternehmen kann, glaube ich nicht versprechen zu können jedenfalls nicht in der bisherigen Form als Lehrer", fugte er hinzu und wechselte wieder einen warmen Blick mit dem jungen Mädchen.

(Berechtigte Übersetzung aus dem Dänischen von Frida Erdmute Vogel.)

der Richtige sind, um den UIUIUCM , Sie sehen eigentlich noch

ziemlich jung aus, ich hatte einen etwas bejahrteren Mann erwartet,

Tüchtigkeit hat doch gar nichts mit dem Alter zu tun, Vater", sagte da die reizende Inge plötzlich, was ihr einen strahlend-dankbaren

^Ich"hoffe" Sie werden ein paar Dutzend feste Rohrstöcke in Ihrem Koffer haben,' Herr Jenfen", sagte Herr Lindvad.

Gerhard du weißt doch, daß ich ausdrücklicher Gegner jeder körper­lichen Züchtigung bin! wies ihn feine Frau streng zurecht.

Ich meine ja bloß als Verteidigungsmiilell" schmunzelte ihr Mann.

Schon auf der Heimfahrt war Tom allmählich ein Licht über die Sachlage aufgegaugen. und jetzt war er sich ganz im klaren darüber: man hielt ihn aus irgendeinem Grunde für den erwarteten Houstehrer de--, Knaben Jens. Es wäre also feine Pflicht gewesen dies Mißver­ständnis auszuklären. Außerdem konnte er gewärtigen, daß der richtige Hauslehrer jeden Augenblick auftauchte. Aber wiederum solange er bie ihm aufgezwungene Rolle Übernahm, konnte er in der Rahe dieses reizenden Mädchens bleiben. Nein, mochte geschehen, was wolle, er be­schloß zu bleiben. Der Gutsherr führte ihn die Treppe hinauf m eine freundliche Giebelstube.

Dies ist das Unterrichtszimmer", erklärte er, und gleich daneben be­findet sich Ihre eigene Stube, und nun will ich den Bengel zu Ihnen heraufschicken." Damit entfernte er sich. ,

Kurze Zeit darauf klopfte es, und ein rothaariger, sommersprossiger ' Junge von etwa zehn Jahren trat herein. blieb abwartend an der Tür stehen und musterte in kampfbereiter Haltung den neuen Lehrer.

Eines Tages, als die Familie gemütlich beim Nachmittagskaffee faß, .« n>Uffln(|üngemlBrille belrol bas Wohnzimmer. ..Ich muß vielmals um Entschuldigung bitten, daß ich erst letzt eintreffe , sagte er,aber an dem Tage, wo ich meine Stellung hier als Haus­lehrer antreten sollte, hatte ich einen Straßenunsall und zog mir dabet eine leichte Gehirnerschütterung zu, die einen,Ausenthalt im Kranken­haus notwendig machte. Durch diese Vorkommnisse verwirrt, vergaß ich leider, Ihnen eine erklärende Mitteilung zu senden.

Ich verstehe das nicht", sagte Frau Lindvad wir haben ,a untern Hauslehrer selbst vom Bahnhof abgeholt, er istschon eine ganze Weile hier, und wir find durchaus zufrieden mit ihm!'

Darf ich einen Augenblick ums Wort bitten? rief Tom, nachdem er einen Blick des Einverständnisses mit Inge gewechselt hattesehen Sie, Frau Lindvad, die ganze Sache beruht auf einem Mißverständnis. Sie haben mich damals so freundlich von der Station ab geholt, und ich trage ganz gewiß auch den nicht ungewöhnlichen Namen Jensen; aber ich bin keinesfalls Lehrer von Beruf. Ich bin Forstkandidat und kam In diese Gegend, um meine Tante, die hier Stiftsdame ist, zu be uchen.

Aber wie konnten Sie sich dann als Hauslehrer ausgeben? fragte Frau Lindvad gekränkt. , t

Ja Daran ist Ihre Liebeswürdigkeit schuld, gnädige Frau , er- widerte' TomIch glaubte nämlich, meine Tante hatte Sie gebeten, mich vom Bahnhof mitzunehmen, da Sie ja sowieso, rote Sie sagten einen Besuch in der Nähe machten. Allmählich wurde mir dann unterwegs klar daß es sich um ein Mißverständnis handeln müsse; aber Da hatten Sie bereits so interessant über die verschiedenen pädagogischen Pro­bleme geplaudert, daß mich die Aufgabe, die man mir, allerdings zu I Unrecht übertragen wollte, anfing aufs höchste gefangenzunehmen. Es I war falsch von mir, das gebe ich zu; immerhin mochte ich zu meiner Entschuldigung vorbringen, daß es mir geglückt ist, Ihre pädagogischen Ideen erfolgreich in die Praxis urnzusetzen. Aber rote die Dinge nun stehen werde ich jetzt natürlich meinen Platz dem rechten Manne über­lassen müssen!" sagte Tom sich erhebens

Das weiß ich wirklich nicht", warf Frau Lindvad wieder ganz aus-

Immer näher, lunger Mann', sagte Tom,wir wollen es uns zu- nächst mal ein bißchen gemütlich machen, bitte, nimm Platz ne n, nicht hier auf dem Schemel, fetz dich nur ruhig auf den Polsterpuhl da " und damit legte Tom beide Hände auf die Schultern feines Schu­lers und drückte ihn auf den einzigen Polfterstuhl der Zimmers her­unter Der Junge stieß ein Wehgeschrei aus.

Na, dann zieh mal gefälligst alle Stecknadeln wieder aus> dem, vch heraus", lachte Tom,damit du beguemer sitzen kannst. Kannst du

^Nein", antwortete der Kleine etwas verwirrt.Sic: oieUeidjt?

Alter Meifterschaftsboxer im Klub der Schwergewichtter du tust besser daran deine Knochen zu numerieren, wenn du dich nicht orbent lich benehmen willst; aber wenn du dich vernünftig auffuhrst werde ich den bester Boxer in zehn Meilen Umkreis aus dir machen! antwor- ^^Jens betrachtete den neuen Lehrer mit wirklichem Interesse.Au, das rohre famos!" rief er strahlend. .. mlr

Und was die Lernerei betrifft , fuhr Tom fort,so muffen roir sehen, sie so schnell wie möglich zu erledigen, damit mir für all den 6P^ie°1>raud)en nur einfach zu sagen, ich machte Fortfchritte, das ^"^Nein mein Lieber, du kannst dir doch denken, daß das rauskommt, sobald deine Mutter mal bet einer Stunde zuhört", lachte Tom,nee roir müssen schon einiges in deinen Schädel hmempfropfen. Kann man übrigens hier irgendwo angeln?" .

Im See sindne Menge Fische, und der gehört uns ganz allem! erwiderte Jens.Famos!" sagte Tom. .Hetzt kannst du abschieben, du ^^Jens sauste die Treppe hinunter und stieß unten gerade auf (eine Schwester Inge, die einen Blumenstrauß zum Willkomm für den Haus-

Jöubrb?r%eue ist fein", sagte er,der will mir »^n beibringen und angeln wollen wir auch, der ist wirklich großartig, gar nicht wie

^Es^ verging eine Woche und dann noch eine, unb ^ens machte fabelhafte Fortschritte sowohl was Betragen wie Semen betraf. Am Vormittag würbe gelernt, am Nachmittag geangelt und geboxt oder sonst was Vergnügliches unternommen; aber am Abend pflegte Tom dann regelmäßig größere Spaziergänge mit der hübschen Inge zu machen. 8rau Lindvad war stolz darauf, daß sie recht gehabt hatte und es sich nun zeigte, wie tüchtig der Junge im Grunde roar, roenn er nur richtig behandelt wurde! Und Jens entwickelte sich allmählich aus einem un­gezogenen Bengel zu einem forschen kleinen Kerl.