dich In Gefahren stürzen und dann verlassen Auf UNS aber kannst du zählen, ich bürge dafür mit meinem Leben, ich, Nassr, Sohn des Königs ^Sie^hat herrliche Gewänder bereitet und läßt sie ihm reichen. Er wirst sie mit großer Geste seinen Leuten zu, die sich schmucken. >
„Warum behältst du meine Geschenke nicht für dich? fragt Hefter ttre^Gin Prinz ist der Vater von allen, was ihm gehört, gehört seinen ßi" __ S. , .... 41
Pierre bereitet das Mahl, dem Hefter präsidiert, es ist halb türkisch, halb europäisch und halb arabisch. Als Plurnpuddmgs erscheinen geht ein dröhnendes Gelächter los, und keiner von den Söhnen der Wüste, die den Tod nicht scheuen, wagt, die Speise -auch nur zu berühren
Er beugt sich vor ihr zum Abschied Nassr, der Prinz aus der Wüste mit den dunkel brennenden Augen. Undurchdringlich ist der Vlick, wie eine sternlose Nacht. , „
„Wirst du allein kommen, ohne deine Leute?
An Hefter ist jeder Zoll eine Königin, als sie erwidert:
§r^Meryon grstf" sich an den Kopf, putzte erregt seine Brille, rannte kreuz und quer durchs Haus und meldete sich zum drittenmal bei der Herrin.
„Unmöglich, Mylady, wir reiten in den Tod!
„Wir?" spöttelte sie.
Er setzt sich hin und schreibt an Bruee. Vielleicht daß Bruce verhindern kann, was noch zu verhindern ist — immerhin, so ungern Mer- yon es sich eingesteht — Mr. Bruce hat doch wesentlich mehr Stimme bC’ SBruce^bridjt aus Aleppo auf und reist ohne Aufenthalt durch Nacht und Gebirge nach Damaskus. Barker, der britische Konsul von Aleppo, kommt in eigener Person mit. Lady Stanhope möge sich wenigstens einer Karawane anschließen und ein Zelt aus Eisenstangen besteigen!
/Damit ich im Augenblick der Gefahr allein in meinem Käsig sitze , lacht sie. „Alle Konsuln der Welt werden mich nicht überzeugen "
Lhre Sicherheit, Mylady, die Sicherheit eines britischen Untertans, ist uns Pflicht." m ... v
„Jawohl, Ihre Sicherheit!" echot Bruce wütend.
Sie vermeidet, mit dem Freund allein zu Jein, hat ihm fern von sich, im christlichen Quartier, Wohnung verschafft ... Was soll man da noch machen in einer Stadt, in der es bei Todesstrafe verboten ist, zwei Stunden nach Sonnenuntergang über die Straße zu gehen! Bruce haßt Damaskus vom ersten Tage an.
Auch der Pascha, der doch tausend Mann Eskorte angeboten hat, spielt den Gekränkten. Mißtraut man vielleicht seinen Truppen? Bruce rechnet Hefter vor, daß die Erhaltung dieser tausend Mann durch Wochen hindurch seinen und ihren Ruin bedeuten würde ... Schließlich, zu allem Uebersluh, erkrankt der englische Konsul. .
„Bis ihr mit euern fünfzig Aengsten und fünfzig Planen zu Ende seid, gehe ich nach Hama", erklärt Mylady eines Tages.
Jawohl, allein! Denn Meryon muß den kranken Barker pflegen, natürlich! Und Bruce, nicht wahr, soll ihm höflicherweise Gesellschaft leisten. , . . „ •
Wenn sie bittet, mit leiser, unschuldiger Stimme, vermutet kein Mensch mehr hinter ihren Wünschen als die spielende Laune einer reichen Frau. Und Bruce hat noch immer nicht gelernt, gegen ihren Willen zu handeln. Noch während die Männer raten, ob Mylady spaßt, ist sie mit vier be- wafsneten Dienern nordwärts geritten — nach Hama, der nächsten Stadt, wie sie sagt. Ungesehen war Botschaft gekommen von Mahannah, dem Beduinenhäuptling: er warte am Rand der sWüste ...
Nicht nach Hama reitet Hefter, sondern nach Nebk, wohin sie ßascaris bestellt hat, einen ehemaligen Johanniter, der mit Napoleon ins Land gekommen und nun wahrscheinlich Spion der Franzosen ist, um den Weg nach Indien vorzubereiten. Er kann ausgezeichnet arabisch und hat eine einheimische Frau geheiratet-, ihn mietet sie als Dolmetsch.
Auch geht noch schnell ein Brief nach Malta, zu Händen von General Dates, der Lady Stanhope durchaus nicht vergessen hat:
„... Gegenwärtig ist ßascaris verärgert von den Franzosen und daher englisch gesinnt. Es wäre der Mühe wert, ihn durch eine kleine Pension so zu erhalten ... Uns würde es einen Agenten am Rand der Wüste sichern, was in Zukunft von großer Bedeutung fein mag; denn die Araber sind jetzt so stark, daß sie kaum mehr von den Paschas bezwungen werden. Die Franzosen senden nach allen Richtungen Agenten in die Wüste aus und lassen es sich etwas kosten. Warum sollten wir nicht ein Meiches tun?" —
Die Pflicht der Engländerin, der Nichte Pitts, ist getan. Nun zieht sie die geflickten türkischen Kleider aus, legt die Waffen ab. Im weißen Gewände eines Beduinenscheichs taucht sie, ohne daß ein Mensch es weiß, mit ßascaris, dessen einheimischer Frau und einem führenden Araber beim Dorf Tel Bifeh in die Wüste. Es ist Dezember 1812, und in Syrien erzählt man, daß Napoleon mit seinen Heeren durch Rußland marschiert, um nach Asien zu kommen ...
lieber endlosen Wüstenebenen senkt sich die Nacht in tausend Farben nieder. Lautlos traben die Pferde. Was ist es, das sie erwartet?
Schweigsam ist die Wüste, fchweigsam wie der Tod. Welche Geheimnisse birgt der Sand? Waren vielleicht diese Stätten einst Zeugen herrlichen Lebens, stolzer Reiche und paradiesischen Seins?
Der Beduine, der sie führt, richtet sich auf, aus halb zusammengekniffenen Augen späht er in di« Weite. Kein Mensch auf Erden sieht schärfer als ein Beduine. Es ist, so meint er, die besondere Gnade seines großen Gottes.
„Ich sehe ein Zelt", sagt Mylady.
Er dreht sich bewundernd zu ihr:
„Herrin, du hast es gleich mir gesehenl Es ist Mahannah, der dich erwartet."
Mahannah, der Beduinensührer, ist fünfzig Jahre alt, fein durchdringender Blick mustert die fremde Frau ohne Erstaunen, der fttuppige
Bart das braune Gesicht kennen kein Master. Er trägt über dem Schass- feU eine Jacke von rotem Satin — die Beute aus einem Streiszug an
^°Jch°weiß, daß du ein Räuber bist", beginnt Hefter, „und ich bin in deiner Gewalt. Aber ich fürchte mich nicht. Trotzdem ich alle Himer mir gelassen habe, die mich beschützen, meine Freunde und Diener. Du sollst sehen, daß ich dich und deinen Stamm zu meiner Verteidigung wählte!
Er nickt. Hinter ihm steht Nassr, der Prinz, und seine Augen leuch-
ten auf.
Iffiit lautlosen^ Schritten kehren die Kamele heim von der Quelle, nackte Kinder spielen im Sand, Frauen mit blaugemalten Lippen und hennaroten Nägeln melken die Ziegen; ein Araber fingt er stammt vom User des Euphrat und weiß Sagen um Harun al Raschid, den großen Kalifen des arabischen Volkes. Fern schreit die Hyäne.
Hefter sitzt im Zelt Mahannahs und läßt sich erzählen, welchen Stämmen er freundlich und welchen er feind ist, was er über den Sultan denkt und daß der Vizekönig von Aegypten Botschaft über Botschaft sendet, um die Beduinen der Pforte zu entfremden.
Sie kennt das Losungswort, das ihm. den Mund öffnet, fie bat die spielende Grazie zuzuhören — genau wie einst im Kampf für Vitt auf den glatten Tanzböden der Salons von London. Denkt sie an ihr Pal- myra dabei, denkt sie an Englands Herrschaft im Osten — an Indien, das zu Pitts letzten Särgen zählte?
,Haft du den singenden Sand nicht gefürchtet, als du heute durch die Wüste kamst?" fragt Naffr.
,/Oen singenden Sand?" , „ „ ,, .
„3a Oft kommt es vor, daß er Reifende bei ihrem Namen ruft und vom Wege lockt. Vielerlei Gestalt nimmt er an. Hast du ihn nicht ge- ^"„Nein. Und wenn ich ihn gesehen hätte, wäre ich ihm nicht gefolgt."
Schweigend hat Mahannah zugehört, jetzt nickt er zufrieden:
, Du bist klug, denn jene, die er bezaubert, sieht man niemals wieder . Glaubst du, Herrin, daß 'Schätze unter unserem Sand verborgen
liegen?"
„Ich kann es mir denken."
„Wirst du sie ausgraben?"
„Wenn ihr mir helft, daß ich nach Palmyra komme ...
Die Nacht sinkt nieder.
Feierlich wird Hefter zu ihrem Zelt geleitet, vier Wachen muffen sie behüten, sie und ihr Pferd. Aber in der tiefen Einsamkeit der Wüste, unter Beduinen, deren Handwerk rauben heißt, wagt sich kein Blick und kein Wort an dieses weihe Weib — denn heilig ist bas Versprechen und heilig das Vertrauen. Sie aber hebt sich im Traum von den bleichen Wellen des Sandes, fliegt durch die endlose Stille ins Reich der flackernden Sterne, die wie große Sonnen im Himmel schweben.
„Palmyra liegt hinter dem Horizont, du weißt, Palmyra ist mein Ziel", sagt Hefter eines Morgens. Doch Nassr hebt das Gesicht in die Lust: ...
„Ein strenger Winter steht vor der Tür, Herrin, wir furchten für deine weihe Haut. Kehre zurück nach Hamah, wir holen dich wieder, wenn es Frühling wird über der Wüste."
Im Abendlicht steigen die Türme von Hamah gegen den Himmel, als Mahannah von ihr Abschied nimmt; würdig reitet Nassr bis vor die Tür des Hauses, das ßascaris ihr mietet.
Bald danach treffen Meryon und Bruce ein. Hefter ist auf ihre schlechte Laune gefaßt, denn, gewiß, sie hat beide getäuscht!
Aber Meryon erlaubt sich nur zu sagen, daß Mylady nie so vor- . züglich gesund ausgesehen, und Bruce beugt sich über ihre Hand:
,Hch traue dir vieles zu, seit Rhodos — doch mir scheint, immer noch zu wenig."
Sie senkt die Augen forschend in die seinen:
„Nicht mehr böse, Bruce?"
Er antwortet nicht. Aber sie fühlt, daß er sehr stolz ist auf sie — und manches darüber verzeiht. —
Einen Monat später empfängt General Dates auf Malta die besten Nachrichten, die je ein Engländer erhalten hat, über die Stämme der Wüste, die Aussichten des Vizekönigs von Aegypten in feinem Kamps mit den Wahabiten und die Agenten Napoleons im arabischen Offen. Allerdings, die Aufforderung den Ex-Johanniter ßascaris als englischen Agenten anzustellen, muß widerrufen werden: ßascaris hat sich inzwischen als Epileptiker erwiesen und ist mit großem ßohn von Mylady entlassen worden. —
Der älteste Greis konnte sich nicht an einen strengeren Winter erinnern als den, der im Januar 1813 über Asien hereinbrach. Die Frucht- bäume gingen ein, ganze Stämme der Araber erfroren im Schneesturm, mit Frauen, Kindern, Herden, fanden sie ein weißes Grab. Myladys ägyptischen Diener, syrische Köche und Dolmetsche wurden krank, die englische Zofe lag an ßungenentjünbung und schließlich erkrankte Heflek selbst. Bruce war elender ßaune. In all den Monaten kam ein einziger Europäer nach Hamah ans Ende der Welt — unkomfortablerer Winter ließ sich nicht ausdenken!
Hefter, in Ermangelung anderer Vergnügen, machte sich lustig darüber, daß der Freund nach ßondoner Friseuren und englischen Kaminen stöhnte. Vor allem aber hatte Dr. Maryon keine guten Tage. S" fetzte sich in den Kopf, aus dem fechsundzwanzigjährigen Pedanten einen Helden zu machen. Der Schnee lag noch auf den Felders der Drontes trieb Eis, da erhielt er kurzerhand Befehl, zu Mahannah in die Wüste zu reiten. Der Beduinenführer habe Botschaft gesandt. ol> er nicht den Rat des Arztes der Königin für einige der Seinen haben könne. Mylady behauptete, dies sei nie wiederkehrende Gelegenheit sw einen jungen Mann, feine Erfahrungen zu bereichern! Meryon mu6« abziehen. Und fein einziger Trost unterwegs auf dieser fürchterlichen Reise bestand darin, daß, wenn auch die Beduinenzelte keineswegs wasferdicht genannt werden konnten, das Haus von Mylady in Hamay ebenfalls nicht „waterproof“ war. — (Fortsetzung folgt )


