Griff.
(Fortsetzung folgt.) •
„Me schad«. Ich hatte mich gefreut, daß meine hübsche Nichte mich “"Sn Ä ^noch^dah du vor Angst um mich nicht hast schlafen können!" triumphierte sie. Aber der Triumph über Englands größten Staatsmann war nicht fo leicht. , c^nnhnn» >ll
„Das hätte nichts geholfen. Denn ich nehme am Hefter Stanhope ist gekommen, um mir anzuvertrauen, daß sie einen Mannlietttund wann sie ihn heiraten will... Dieses Unglück ließ sich nicht verhüten.
Hefter entglitt seinem Blick, sie fühlte die Warme in chren Wangen brennen, und während sie es fühlte, errötete sie noch mehr.
Zr wartete^n p'anr Atemzüge lang- höflich, als sei er bereit, Weitere Erklärung zu empfangen... Die Stille wurde peinlich. Hefter sah ein wenig unsicher, von der Seite her, zu ihm hin. Jetzt begegnete fie seine
Pitt aber fuhr aus London ab, die Küste von Ramsgate bl- Rye für die Landung Napoleons vorzubereiten.
Hefter war vergessen. Umsonst wartete sie auf den Eilboten Pitts, der sie.zurückberuf en sollte nach England. — ... .
Zwei Wochen vergingen. Mit dem nächstbesten Schiff, das Engländer heimbefördern durfte, kamen Egerlons mit Lady Stanhope nach Dover.
Verspätete Briefe gelangten in Hefters Hände. Die Großmutter war plötzlich an einem Schlagfluß gestorben ... Chevening, die Heimat, war ihr verfchloffen, denn der Vater zürnte noch immer wegen des Sohnes Flucht nach Deutschland. Und Philipp Henry felbst wollte heiraten.
Heimatlos war sie in England; das Reisegeld ging zu Ende, Egertons drängten nach London und Pitt — hatte sich nicht mehr um sie be- ^‘"Dennod)! Ende Juli war es, als sie nach Walmer fuhr. Die Küste, das Dorf das Schloß, glich einem Heerlager, Truppen exerzierten auf den Feldern, die Türme von Cinque Ports wurden befcftigt und Flachboote übten im Meer. 10 000 Freiwillige aus ^er Grafschaft Kent hatte Pitt zu den Fahnen und unter sein Kommando gebracht, in Walmer Castle hielt er offene Tafel für die Offiziere.
Ein Sekretär empfing Hefter. Pitt komme erst gegen Abend vom Truppenübungsplatz zurück. .
Drei Stunden lang lieh Hefter sich ankleiden, keine halbe Stunde verlor sie sonst damit. Zwar — sie trug Schwarz, der Trauer wegen; leider der Farbe nach blieb keine Wahl. Dennoch wurde die Entscheidung erschwer: durch ein kossbares Kleid aus französischer Seide und em anderes, das ihr befonders gut stand; durch die Wahl der Spitzen und das Material der Schuhe. Viermal lieh sie sich neu frisieren und war noch nicht fertig, als der Hausherr gemeldet wurde.
„Hefter!"
Zwei Hände legten sich von rückwärts um ihre Augen.
„Bist du mir böfe?" sprach es in ihrem Nacken.
Durch manche Nacht, zuweilen mitten am Tag, hatte diese Stimme sie überfallen. War es auch fetzt nur ein Traum?
Sie hielt den Atem an, lehnte sich zurück, bis sie den Körper fühlte. Dann nahm sie feine Hände von ihren Augen und roartilie sich um.
„Du bist böfe auf mich, Hefter, well ich nicht geantwortet habe.
„Sehr böjer , . k. Ä k
Sie trat zurück und fetzte sich, eifrig um die Ordnung der seidenen Falten bemüht.
Die Leidenschaft eines Zornes, zu groß für irdisches Maß, verlöscht Stimme und Blick.
Minuten wartet Junot. .....
„Mein General, überlegen Sie! beginnt er neu. „Noch ist die Kriegserklärung nicht erfolgt!"
ta&nc&'fe’fe&U' w* «-b-1* - her — aber ich tue nichts, was Ihnen schaden kann!
Ein Kramp löst sich, der Blick lehrt wieder in abgründige Augen
Vielleicht, Junot, hast du recht. Ich bin nicht böse und nicht eigen- finniq. Laß die Engländer zu Kriegsgefangenen machen — ober weise ihnen Städte als Gewahrfam an,.Verdun, Amiens, Rouen ...
Lady Hefter Stanhope löffelt ihr Frühftücksei, als jemand sie an der Schulter packt: m
3m Namen der Republik, Madame! . ,
Sie schluckt, legt den Löffel hin; dann deutet sie mit dem ginger auf die schlecht gewaschene Männerhand: . „
Nehmen Sie erst dieses hier von meiner Schulter weg!
Der Polizist ist ein Sohn der Republik, er sennt weder Kränkung noch Mitleid. Die große Engländerin, auch wenn sie hübsch ist, kann ihm nicht imponieren. Seine Schnurrbartspitzen steigen in die Hohe.
Wenn Sie sich widersetzen..." .
'Widersetzen? Was ist das?" fragt sie in schlechtem Französisch. „Ich bin die Nichte von Mr. Pitt und hoffe, Monsieur Bonaparte ist ein Gentleman."
Mr. Egerlon erscheint an der Tur:
„Es nutzt nichts, Lady Hefter, wir müffen uns fugen , fagt er leise aU'(£sn pofet gar nicht in Hefters Reisepläne. Als sie vor drei Monaten bürd) Stuttgart gefahren, hatte sie beschloßen, über Berlin nach Haust zu reifen. Es hieß, nur in Berlin gebe es jene vollkommenen Pudel, von denen sie einen Pitt zum Geschenk bringen wollte. —
Sie fetzte sich hin und schrieb. Der Brief entging den Organen des französischen Polizeiminifters. Als er'in Walmer Castle em traf, wurde er von Pitts raschen, grisssicheren Händen fast gleichzeitig nut einem Stoß anderer entfaltet. Ein Zucken lief über fernen Mund: Richtig — Hefter! ... Er hatte ihr versprochen — was nur?
„Smith" — er rief den Sekretär —, „erinnern Sie mich in London daran, dafe Egerton mit Lady Hefter Stanhope —“
Schon fingerte feine Linke in weiterem Papier, die Rechte notierte. .. Und in London, 7 Tage nach der Kriegserklärung, erhob sich Pitt m feiner Bank im Parlament, blaß, tadellos beherrscht —
„Pitt! Pitt!" schrie das übervolle Haus.
' Er begann. Er sprach; verteidigte Addingtons Kabinett, das ihn selbst gestürzt, er verteidigte England gegen die Jnvasionslust eines Korsen. Unter dem schwelenden Feuer seiner Beredsamkeit fieberte das Haus, erwachte der Stolz des Jnstlreichs ... .
398 Stimmen gegen 67 erkämpfte Pitt für das Ministerium — eines andern, trotzdem Parlament und Volk in der Stunde des Krieges nach ihm., rief,pNach >hm all^ des Vaterlandes der , kleinen Moral
feines Versprechens an den König, Addington zu stützen! murrten feine
Meisterstück! Demosthenes hätte ihn beneidet!" schnaubte Fox, der "Führer der Opposition. —
JSenn es fo ist, Hefter, dann darf ich dich bitten, bei mir zu bleiben, Mer ^die^ kühlen ^Worte waren in seltsam erregendem Gegensatz zu der Kraft dieser hellen, in sich verschlossenen Augen.
Die Wacht am Kanal.
Als Napoleon von seinen Siegen in Italien und Oesterreich heim- kehrte, im Herbst 1797, empfing ihn das Pariser Kabinett:
Der Ozean wird stolz fein, Sie zu tragen, er ruft brüllend den Zorn der'Erde auf gegen den Tyrannen, der ihn unterdrückt Pompes »er- schmähte es nicht, die Seeräuber zu vernichten. Gehen Sie, Burger General,^ größer als jener Römer, den Riesen des Weltmeeres zu zer- WnStrber Kriegserklärung im Mai 1803 galt Napoleons verbissenes Nlanei' der Invasion in England. Don der Seine bis E den Rhein war die Küste „nichts als Eisen und Bronze". In Flandern, der Pikardy und Normandie standen hundertfünfzehntausend Mann bereit, sich nach Eng- land einzuschiffen; vor Brest kreuzte eine Flotte die Truppen in Englands nie beruhigten Rücken werfen sollte: nach Irland.
Der Kanal ist ein Graben, der überschritten wird, fobaw man es wagt", rief Bonaparte im Herbst dieses Jahres; ^laßt uns 12 Stunden Herren des Kanals sein und wir sind Herren der Welt!
-In England regierte ein Kabinett, von dem die eigenen Anhänger sagten, es sei das schwächste, mit dem das Land je gestraft worden, in England fafe Georg III., mit dem man nicht wagte über Staatsangelegen, heilen zu sprechen, weil er zweimal darüber geisteskrank geworden. In Irland brach Rebellion aus, anderthalb Monate nach ^r Knegserkla- runa Pitt aber, der Staatsmann, um den Bonaparte die Briten benedeie exerzierte zur Erbitterung seiner Freunde zur Freude des feinü- lichen Frankreich, ungeübte Freiwillige an der Sudkuste Zwischen Dover und Deal, weil der König seine Freigeisttgkett fürchtete, die den Iren ^Die" Angst krochÄe ein graues Gespenst über London Was sollt« geschehen, wenn Bonaparte landete? Gewiß, englische Schisse blockierten französische Häsen, die Themse war von der Mündung an mit Kanonen- booten versperrt aber die lange, kaum befestigte Küste bat der Möglichkeiten genug, französisches Heer in vier Tagesmärschen bis. vor die Hauptstadt zu führen. König Georg selbst wollte Bonaparte an der Spitze seiner Soldaten entgegenreiten — doch diese Soldaten waren ungedrillt, notdürftig bewaffnet — und Bonapartes Scharen hatten gegen b'C Dü^Kausmanscha^ sagte des Landes Ruin voraus durch Bonapartes Blockade und Addingtons absolute Ignoranz der Finanzen, Freuno- hofften, daß Bonaparte einjwarfdyiere, um Pitt endlich, im Angeftcyi höchster Gefahr, zur Regierung zu bringen; ein sterbender Lord behaar den König, Pitt als Retter zurückzuberufen. Das Reich „schrie nach Pitt, dem Piloten, der meistert den Sturm!" Man besang, man bedrohte ihn.
Pitt schwieg und blieb in Walmer. Schickte Addingtons Abgesandten, der den Finanzministerposten im wankenden Kabinette bot, mit einem Lächeln heim. Entweder er, Pitt, kehrte als Lordkanzler wieder wenn der König ihm neuerdings Vertrauen und unumschränkte Vollmacht schenkte: oder er hielt fein Versprechen, nichts gegen Addington zu unter» nehmen! Und blieb Kommandant der Regimenter von Kent! —
Es wurde ein regnerischer Tag nach Hefters Ankunft in Walmer, die Felder dampften und der Himmel blieb grau. Gegen 6 Uhr morgens stieg Pitt aufs Pferd, im selben Augenblick, als Hefter im Torbogen des Hofes erschien, strahlend hellhäutig, mit glänzenden Augen.
„So früh schon auf?" rief er.
„3a, weil ich dich begleite." ..
Sehr ernsthaft winkte sie einem Groom, der offensichtlich schon bereu- stand, und faß zwei Augenblicke später, ehe Pitt die letzten Anweisungen erteilte, statuenhaft still aus dem braunen Arab, links neben ihm.
Pitts Gesicht verriet keinen Hauch der Ueberraschung, er sagte nur: „3ch muß die Truppen besichtigen." „Gut. Ich auch", antwortete sie.
Man hatte William Pitt zu Walmer nie in Begleitung einer Dani« gesehen — höchstens wenn General Dundas feine Freundin bei sich haue- Die ersten Offiziere kamen entgegen und wollten mit diskretem @ruB oorüberfprengen. Pitt hielt sie auf, stellte vor — und Hefter benahm !>ch, als hätte sie dies alles schon jahrelang erlebt.
Freiwilligenkorps tarnen in Sicht, das erste Bataillon des neu aui gestellten Regiments; General Dundas, der zur Inspektion aus Lonoon gekommen, nahm an der Seite Pitts die Parade ab.
„Ihr Korps ist das beste der ganzen Küste, wir können nur hosten, daß Bonaparte hier landet!" stellte er fest. „
Pitt sah blaß aus und zuweilen lief ein Zucken über fein GesichO aber den machen Augen entging kein fehlender Knopf und kein sast-h»


