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Mensch, werde wesentlich!
Bon Angelus Stlesius.
Mensch, werde wesentlich; denn wann die Welt vergeht, So fällt der Zufall weg, das Wesen, das besteht.
Ein wesentlicher Mensch ist wie die Ewigkeit, Die unverändert bleibt von aller Aeußerheit.
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Nicht ist, was dich bewegt, du selber bist das Rad, Das aus sich selbsten laust und keine Ruhe hat.
Die Liebe, wenn sie neu, braust wie ein junger Wein; 3e mehr sie alt und klar, je stiller wird sie sein.
Gott ist so viel an mir, als mir an ihm gelegen. Sein Wesen Helf ich ihm, wie er das meine hegen.
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Mensch, wann du noch nach Gott Begier hast und Verlangen, So bist du noch von ihm nicht ganz und gar umfangen.
Das größte Wunderding ist doch der Mensch allein: Er kann, noch dem er's macht, Gott oder Teufel sein.
Mensch, was du liebst, in das wirst du verwandelt werden; Gott wirst du, liebst du Gott, und Erde, liebst du Erden.
Die Welt ist mir zu eng, der Himmel ist zu klein: Wo wird doch noch ein Raum für meine Seele sein?
Oie Kücks aus dem Brook.
Von Ludwig Tügel.
Es sind vier Häuser, die am Rande der Großen Ebene stehen, fern der Straße, die durch Wanschote am Berge läuft und sich in weitem Bogen über Ost nach Norden zieht. Man kann ihre windgebeugien Bäume sehen, wenn man vor die Häuser tritt: ein Damm hebt die Straße über die flachen Weiden, und die hölzerne Brücke von Takerlan leitet sie im Bogen über den Fluß, dessen Bett versteckt in der Weite liegt. Nur im Heumond und im Herbst, sobald der Torskähne braune Segel dort ziehen, kann man seinen eigenwilligen Lauf erkennen, und man wird gewahr, wie nah er den vier Häusern kommt.
Die vier Häuser mit den Aeckern und Weiden, die zu ihnen gehören, werden der Brook genannt. Ein Stück Oedland, mit Eichen und Eschen bestanden, zeigt noch das alte Gesicht dieser Gegend am Rande der großen Weiden an.
„Kück, Wanschote, im Brook", lautete die Anschrift auf allen Briefen, die der Postbote vom Dorse bringt. Er kommt zu Fuß, sein Rad läßt er im letzten Dorshaus stehen, denn auf den sandigen Wegen nach dem Brook kann er nicht fahren, weder bei Regen noch bei Sonnenschein. Nur im Winter bei Frost ist der Weg hart und fest, doch da er bei der Feuchtigkeit des Landes dann mit Eis überzogen ist, fährt auch der Postböte aus Wanschote nicht mit seinem Rad. Es kommt auch nicht oft vor, daß er «inen Brief für Kück im Brook in seiner Tasche hat.
Nur im Kriege hat er zuweilen den Weg machen müssen, denn acht Enkel des alten Kück, der kurz vor der Jahrhundertwende gestorben ist, sind im Felde gewesen. Einer ist zurückgekehrt, als der Krieg zu Ende gegangen war, sechs sind gefallen, vom achten Kück hat man damals im Brook nicht gewußt, ob er noch lebe und wohin ihn das Schicksal verschlagen habe. Es ist Kück Nummer sechs gewesen.
Denn wenn sie auch alle ihre Namen gehabt haben oder haben — Johann Hinrich Diedrich Kück, oder Hinrich Johann Diedrich Kuck, oder Diedrich Hinrich Johann Kück: — die Eltern sind so sparsam mit den Vornamen gewesen, daß es bei diesen dreien geblieben ist. Es ist aber auch «in Ausdruck der Verbundenheit gewesen, daß die drei Väter, Hinrich, Johann und Diedrich Kück, ihren Söhnen alle Bäternamen gegeben haben, anfänglich, als sie ihre Nachkommen noch nicht haben übersehen können, auch nicht ahnend, zu welchen Verwirrungen solche Anhäufung von drei Namen führen könne. Denn, im Laufe der Zeiten sind den drei Vätern von ihren Frauen im ganzen neun Söhne geschenkt worden, und da hat man, schließlich, zur besseren Unterscheidung dieser Leute, d,e zudem auf den ersten Blick alle einander glichen wie eine Steckrübe der andern, Zahlen zur Hilfe nehmen müssen. Man hat im Jahre 1914 damit begonnen, doch ohne rechten Erfolg. Es ist keine Sache gewesen, die von innen heraus gewachsen war, etwa aus einem tieferen Bedürfnis; sie ist dem Brook von außen her aufgezwungen worden, und deshalb hat es damit auch nicht geklappt, wie nun zunächst einmal erzählt werden soll.
Zwei Kück hatten schon gedient und einer diente gerade beim Milnar, als der Krieg ausbräch. Die zwei älteren wurden bei der Mobilmachung abgerufen, und es blieben noch fünf gesunde Kück und ein kranker nn Brook. Der jüngste von diesen hieß Diedrich Johann Hinrich Kuck, und da er schon einen Vetter mit dem gleichen Namen hatte, wurde er zur befserern Unterscheidung Lüttkück (der kleine Kück) genannt. Als nun in der vierten Kriegswoche der Krieg, um mit seinen Worten zu sprechen, noch immer nicht gewonnen war, sagte er zu seinem Bruder und den gesunden Vettern im Brook, daß es nun wohl an der Zeit sei für sie, die fünf, sich freiwillig zum Militär zu melden. Und obgleich er als der Jüngste von ihnen etgent= licht nicht zuständig war, sie derart zu bestimmen, so horten sie doch aus ihn, vertrat er doch ihrer aller Meinung, daß sie jetzt in den Krieg em« greifen müßten, um ihm schnell zum Siege zu verhelfen. Sie wurden untersucht, für tauglich befunden und als Kück eins, Kuck zwei, Drei, vier und fünf in das Heer eingereiht.
Diedrich Johann Hinrich Kück schrieb nach Hause, daß sie, alle fünf, bei „das Eine Militär" angekommen seien, und daß sie Nummern führten und dabei bleiben wollten, weil es viel einfacher sei.
Der Brief rief im Brook allerlei Ueberlegungen wach, deren Ergebnis mitgeteilt werden soll. Der damals noch lebende Hinrich Kück, der älteste von den Vätern, und feine Frau Gesine, geborene Tjark, lasen den Bries unzählige Male, und sie sprachen etwas von höherer Gewalt, die nun über sie gekommen sei. Dieses Wort war ihnen vertraut, denn es stand auch in dem Feuerversicherungsvertrag ihres Hauses, den Jie zuweilen durchlasen, wie sie ja auch zuweilen Beiträge zu leisten hatten. Hinrich Kück bedachte und überdachte das Neue, das mit Liittkücks Brief gekommen war, und diese Ueberlegungen führten zu folgendem Ergebnis: Hier habe das „Eine Militär" die Sache in die Hand genommen, und es fei Krieg, höhere Gewalt, man habe sich zu fügen,, obgleich die Jungen alle ihrs richtigen Namen erhalten chätten. Man dürfe nun aber, meinte er, über die fünf Freiwilligen in Bremen doch nicht die andern drei Kück vergessen, die seil Kriegsbeginn an der Front seien. Auch ihnen müsse man Nummern geben, und er schlage vor, obgleich sie die Aelteren seien, sie Kück Nummer sechs, sieben und acht zu nennen, denn die Nummern eins bis fünf seien, leider, schon besetzt.
Man konnte, wenn man Lust und Neigung dazu verspürte, folgern, daß — nach der Auffassung dieses Mannes —, die höchste Nummer dem ältesten Klick gebühre, mit der Nummer eins, also, der jüngste, Lüttkück, der Wortführer der Freiwilligen, bezeichnet werden muffe. Doch wir werden hören, daß dieser Plan des Hinrich Kück wieder umgestoßen wurde; er bewährte sich nicht. Aber bevor man im Brook zu einer besseren Neuordnung schritt, hatte Hinrich Kück schon den dreien im Felde ihre Zahlen mitgeteilt, die sie nun führen sollten zur besseren Unterscheidung; und daraus entstanden bedeutungsvolle Mißhelligkeiten, die man, sicherlich, hätte vermeiden können. Aber diese Sache war ungestalt von Anfang an, und sie wurde es im Laufe der Zeit immer mehr.
Die Väter dieser Kück Nummer eins bis acht hatten nicht nur Söhne, sondern auch Töchter, im ganzen elf, und man kann sich vorstellen, daß in den vier Häusern des Brooks ein ziemliches Gedränge war; denn keines der Häuser hat mehr als zwei Stuben, eine Kammer und die Diele mit den Stallungen. Auch bei den Mädchen, die alle nur einen Vornamen trugen, war das so eine Sache, wie man sagt, mit der Unterscheidungsmöglichkeit; denn ihre Väter hatten ihnen nur die drei Vornamen ihrer Frauen gegeben, diese hießen Gesine, Meta und Sophie. In jedem der drei Kinderhäuser des Brooks gab es eine Gesine, eine Meta und eine Sophie Kück, außer den Müttern, die auch so hießen. Und wenn man von einem dieser neun Mädchen sprach, wurde zum besseren Verständnis immer hinzu- gefügt, von welcher Mutter es sei; zum Beispiel: „Gesine Kück. weißt du. Meta ihre!" Oder: „Sophie ihre Sophie." Und so weiter. Ganz klar konnte man nur im Brook damit zurechtkommen. Als aber in zweien der Häuser nun noch ie ein viertes Mädchen zur Welt gekommen war, hatten diese, wie ihre Brüder und Vettern, alle drei zur Verfügung stehenden Namen bekommen, und sie hießen Gesine Sophie Meta und Meta Gesine Sophie Kück; hoch sie wurden im täglichen Hausgebrauch einkach ßütfie und'Gahns Lüttje, also Kleine und Ganz Kleine genannt. Es führte erst zu Verwirrungen mit diesen Bezeichnungen, als Gahns Lüttje die größte an Gestalt wurde, während die Lüttje immer die Kleine blieb; woraus man wiederum folgern könnte, daß man mit Steigerungsformen vorsichtig fein soll.
Als nun einmal, bevor sie ins Feld rückten, Diedrich Johann Hinrich Kück, Lüttkück, oder Kück Nummer drei, denn beim Militär ging die Zahlenbezeichnung — von oben angefangen — nach der Körperlänge, mit den andern vier Kück auf Urlaub nach dem Brook kam, erkannte er, daß sich hier eine andere Zahlenfolge eingebürgert hatte. Da (ein Vater schon gestorben war, setzte er sich mit feinen beiden damals noch lebenden Onkeln zusammen, um Ordnung in diese Angelegenheit zu bringen. Er schlug den etwas zaghaft gewordenen Männern vor, auf Grund der Taufscheine alle Enkelkinder des alten Kück, der den Brook besiedelt hatte, dem Aller nach, sofern sie gesund seien, mit Zahlen zu versehen, wobei, allerdings, die bei „Einem Hohen Militär" bereits erfolgte Bezifferung der fünf Freiwilligen die ihr gebührende Berücksichtigung zu finden habe. Er sprach:
„Ich bin also mit den Mädchen, die wir ja nicht überschlagen können, weil sie eines Stammes mit uns sind, Kück Nummer wieviel? Ja, welche Nummer habe ich, außer der militärischen, nun zu führen?"
Zum Glück war es nicht festzustellen, denn es fehlten einige Taufscheine, auch feiner. Es kam keine Ordnung in diese Sache, höchstens die, daß man nach langem Hin und Her beschloß, der Einfachheit halber die Frauensleute von der Zahlenbezeichnung auszuschließen. Sie sollte sich auf die Männer beschränken, die im Felde standen, und die, die jetzt dahin gehen sollten. Der zu Hause gebliebene Diedrich Diedrich Johann Kllck, schlankweg Twemoldidi genannt, was Zweimaldiedrich auf Hochdeutsch heißt, war ein Schwindsüchtiger, der einzige, der in dieser Kette von gesunden Menschen nicht geraten war. Lüttkück hatte bei sich beschlossen, ihn als Nummer Null in dem geplanten Verzeichnis aufzuführen, denn er mochte diesen Vetter nicht leiden. Als dann aber der Mangel an Taufscheinen dem Ordnungssinn von Lüttkück gewisse Grenzen setzte, kam, zum Glück, dieser Vetter nicht zu der ihm zugedachten Bezeichnung: Kück Nummer null, oder, wie Diedrich Johann Hinrich sich vorgenommen hatte, einfach: Nullkück.
Die Verwirrung war groß, und sie blieb es. denn die fünf Freiwilligen hatten nur zwei Tage Urlaub, bevor sie ins Feld rückten, und in dieser kurzen Zeit gelang es Lüttkück nicht, eine derart verfahrene Sache in Ordnung zu bringen.
211s sie alle abgereift waren, wußte niemand im Brook so recht, wer etwa Kück Nummer vier war, oder Kück Nummer eins, um von den Nummern sechs bis acht gar nicht zu sprechen. Bei „Einem Hohen Militär" zählte man in anderer Reiherttolge als im Brook, wo die jungen Mädchen überhaupt nichts mit dieser Zahlengeschichte zu tun haben wollten und sich nur die alten Männer, ihre Frauen und die drei jungen Frauen, deren Gatten im Felde standen, während einiger Wochen die redlichste Mühe


