Drei Tage in Finnland.

Don Woisgang Goetz.

es geklungen wie: Jumalai. j

Myriaden Sterne schwirren durch die schwarze Nacht über Finnland.

Das Alter.

Von Joseph Freiherrn von Eichendorfs. Hoch mit den Wolken geht der Vögel Reise, Die Erde schläsert, kaum noch Astern prangen, Verstummt die Lieder, die so fröhlich klangen, Und trüber Winter deckt die weiten Kreise.

Die Wanduhr tickt, im Zimmer finget leise Waldvöglein noch, so du im Herbst gefangen. Ein Bilderbuch scheint alles, was vergangen. Du blätterst drin, geschützt vor Sturm und Else.

So mild ist oft das Alter mir erschienen: Wart nur, bald taut es von den Dächern wleder Und über Nacht hat sich die Luft gewendet.

Ans Fenster klopft ein Bot' mit frohen Mienen, Du trittst erstaunt heraus und kehrst nicht wieder. Denn endlich kommt der Lenz, der nimmer endet.

n an den Dntetempei oer urropviis. rcogeoiiu, von Engel, und es besteht bei einigen der Wunsch, sie ab jur einen. Wir finden sie recht hübsch, vor allem leiten sie schön zur Universität und zum Senatsgebäude hinüber. Wenn sie sollen, könnte der ganze Platz aus dem Gleichgewicht geraten. ' I

Auch die neuere Architektur zeichnet sich bedeutend aus. Nur ver­einzelt stehen noch die kleinen etwas trübseligen Holzhäuschen zwischen Hochhäusern, heißt es doch, daß nur das Fundament in dem Gramt- boden zu schaffen ebenso viel kostet, wie der Bau selbst. Mag sich hier und do neuamerikanischer Stil einschleichen, im allgemeinen ist diese ] Stadt mit schlichter Pracht aufgeführt. Das schönste Bauwerk durfte un- zweiselhast der masstge Block des Reichstags sein, der aus dem Urgestein unmittelbar zu wachsen scheint. Der Mann, der diesen Palast schuf, heißt Siren. Wen der Weg nach Helfingsors führt, muß dieses große Werk gesehen haben, nicht nur von außen, sondern auch und erst recht von innen. Man wird dann nicht anstehen, Siren zu den größten Baumeistern nicht nur unserer Zeit zu rechnen. Mit einfachsten Mitteln lockert er die Räume, er verwendet, ohne die Monumentalität zu beeinträchtigen, die runde und die gerade Linie in schönstem wohlklingenden Rhythmus. Die Debe der Decke eines langen, verhältnismäßig schmalen Repräsentations- jaales hebt er auf, indem er Querbalken darüberzieht, was an Bauern­stuben gemahnt. Uebevall erlebt man so Ueberraschungen von einer ver­blüffenden Einfachheit, bis sich endlich der kreisrunde Sitzungssaal auf- tut. Wir entsinnen uns nicht, derartig feierlich-Leichtes, festlich-Unge- zwungenes gesehen zu haben. Don den dunklen Bänken und Tischen der Abgeordneten slugelt es in immer lichteren Farben hinauf zu der hell­braunen Kuppel, die eine gewaltige Glashalbkugel abschließt, durch die der blaue Himmel hereinblicken kann. Und auch über Humor verfugt Siren, über architektonischen Humor, der so sehr selten ist und der sich meist in irgendwelche Skulpturen an Kapitellen oder Wand- und Tür- bortüren verflüchtigt. Da ist das Cafe, der Erfrischungsraum. Er ist niedrig gehalten, wohl der bitteren Kälte wegen. Um nun aber die Ab­geordneten nach den vielen hohen Raumerlebnissen nicht zu demütigen in ihres Nichts durchbohrendem Gefühl, das wahrscheinlich ausge­zeichnete Frühstück einnehmen zu lassen, ist die Decke spiegelblank lackiert, also, daß der Ramn sich fast verdoppelt, dies wirkt unwidersteh­lich heiter und wird wohl auch die Abgeordneten in eine muntere Stim­mung versetzen, deren sie hin und wieder bedürftig sein werden.

Den Mittelpunkt des Deutschtums bildet die Schule, das Hindenburg- Haus. Blitzsauber, breiträumig, hell, praktisch minderes kann man von dielem Gebäude nicht sagen. Da ist, um nur ein Beispiel zu nennen, ber Turnsaal. Leitern, Reck, Seile, Stanaen find im Nu an die Wand gerückt, fo daß ein hübscher Festsaal sich breitet. Allerliebst ist es in eine Schul-

Wenn man den Bahnhof von Helfingsors betritt wundert man sich, haß der Bahnsteig nicht überdacht ift. später erfährt man, daß die nissigen Schr.eeinasfen diesen Schutz nicht zulassen, wenn man nicht un­sinnige Gelder auswenden will. ,, ,r. . ___.

Der erste Eindruck, den die Hauptstadt Fmnlands macht, ist eine groß­zügige Weiträumigkeit. Obwohl der Boden hier lehr teuer ist, breiten sich an vielen Stellen verschwenderische Plätze. Em Forum ist der Senats- rtatr Nicolaikirche, Universität, Senatsgebäude und Rathaus rahmen es ein Es sind Bauten in einem schönen klasstzistischen Stil und man freut sich zu erfahren daß ein Deutscher sie schuf; Carl Ludwig E nge laus Berlin. Ein Schüler Schinkels, denkt man und yat vielleicht recht. Aber Engel ist zwei Jahre älter als Schinkel. Leider versagt das Konver­sationslexikon, das diese Unterlassungssünde gutmachen sollte, denn dieser Architekt, mag er auch Epigone sein, verdiente schon als Pionier deutschen Bauwillens dankbare Erinnerung. Die Kirche liegt auf einem Gramt- fflsen, eine breite vielstufige Treppe führt hinaus; hier war es, wo Finnland den deutschen General von der Goltz begrüßte. Zwei klei­nere Gebäude flankieren das obere Ende der Treppe, sie erinnern em wenig an »en Niketempel der Akropolis. Angeblich stammen sie nicht

man Im Frack bei seinem Fürsten zu erscheinen hat." Ich unterbrach mil der vollen Bereiterklärung, statt des Gehrocks den Frack onyzunehmen.

O nein mein Lieber" entgegnete da PollartFrack beöingt eine weiße Binde Und eine weihe Binde machr nnen schlechten Kopf. Stern! Wir bleiben beim Gehrock. Aber ich bitte Sie: fügen Sie an einer ge­eigneten Stelle des Textes ein, daß dieser alte Dr. Berg die Erlaubnis, die ausdrückliche Erlaubnis hat, im Gehrock zu tommen. Verstehen Sie. Wollen Sie meine Bitte erfüllen?"

ktalle m aucken in diesen reizenden Kinderzoo. wo einem deutsche, schm« biS finnische, russische Gesichtlein entgegenlachen. Mit großem Stolz erklärt der ausgezeichnete Leiter dieser Schule, daß em Hoher Pro^nffatz aus rein finnischen Kindern besteht, die zunächst kein Wort deuffch ver- tC1)Der ^Zusammenhalt unsrer Kolonie ist prachtvoll Sie hat sich ein Heim geschaffen, das vornehm und gemütlich zugleich ist, wo kleine i^rn abaehalten werden können und wo man lesen und schwatzen kann. Cs nHa wohl verständlich, daß hier besonders innige Verbundenheit herrscht, liegen doch inmitten der Stadt unter stolzem Mal unsere Feldgrauen ney^|lfi;ÄS.5Äu6W »« ÜW*n. Dm

ber Gemäldegalerie, hängen viele, viele Bilder, die ebensogut m Düssel­dorf oder München oder Berlin gemalt »orten ffin konnten Em ganz besonderes Beispiel bietet ©bei feit, den die Finnen wohl für ihren größten Maler halten. Wir können diesem Urteil nicht beiftemmen. Ein großer Maler ist er ganz gewiß, aber kein finnischer Die Magnetnadel feiner Seele rückt unruhig hin und her. Da ist em Bild. das von Carl Becker sein könnte, eins, das auf Uhde zuruckgelst, endlich kommt Trubner bei ihm durch. Seine Illustrationen, die sehr schon sind erinnern an Menzel oder Kampf. Ueberhaupt hat man beim Durchschreiten dieser Sale den Eindruck einer ständig unterdrückten nationalen Kunst überall hab«, diese Maler gelernt, nur nicht ju Hause, durch Jahrhundert« hindurch Um die Jahrhundertwende wart das anders. Gallen-Kal le la ist wodl der erste gewiß der bedeutendste, der echtburtig Finnisches bietet. Das ist finnisches Licht, finnische Landschaft, das sind finnische Menschen, das ist einmalig, das können wir nur hier sehen, das können wir anderen nicht nachmachen, wenn wir nicht den eigenen Boden verlieren wollen. Nach diesem Durchbruch geht es sehr rafaj, und es ist erstaunlich nne gering der Einfluß des Meisters auf feine Schuler ift, die Mer >hr eigenes Gesiebt zeigen, die jeder ihren eigenen Weg gehen. Da i|t ber merkwürdige,'von frühem Tode umschattete Simberg, der m dumps- arbigen Bildern unheimliche Szenen pinselt. Da ist Sallmen, den man, wenn man Schlagwörter liebt, als den nordischen Greco bezeichnen könnte, obwohl er wahrscheinlich nie ein Bild von jenem gesehen hat. Sektierer Zauberfrauen und ähnliches unheimliches Volk treibt sich auf

I feinen Sein man Öen herum und wirkt mit stärkster ^ntenfität auf den Be chauer. Wie heiter aber ber Finne fein kann, bas beweist Autere, den unser kundiger Führer als den finnischen Breughel bezeichnet.

Das gleiche Erlebnis, vielleicht noch gedrungener, wenn auch nicht io bedeuten» hat man im Kunstmuseum in Abo. Diese finnische Hasenstadt mit drei Buchstaben, die in jedem Kreuzworträtsel mindestens einmal vor­kommt, ift eine Mischung aus Schwedischem und Russischem. Und wie er,t wird unser Herz bewegt, wenn uns von der Wandung eines Kapellen- bogens in dem herrlichen Dom der Name Perleberg entgegenlächelt. Zu­nächst glaubt man nicht recht zu sehen oder einer vorübergehenden gei­stigen Umnachtung anheimgefallen zu jein. Aber da gleich daneben die Namen Breitenfeld und Lützen trotzen, beruhigt man sich »teber Unö richtig da lieat Torstens Stalhandske begraben, die Rüstung halt Wacht neben seinem Sarkophag. Er war ein riesiger Mann, bei dem das

I Diminuitiv seines Nomens doch etwas verdutzt. Dor vierzig Jahren war sein Andenken in Leipzig noch sehr frisch; wenn man sich feiner auch nicht sehr gern entsann, so spricht doch ein Gedächtnis, das sich über zweiundeinhalb Jahrhundert frisch erhält, für die Tüchtigkeit eines Reiter- führers. Er pflegte, so hieß es, die Pistole umzudrehen und mit dem Kolben ihm unsympathische Herren von den Kaiserlichen auf dem Schädel herumzupochen. Bei Koiding 1644 traf ihn das Schicksal.

Ein wenig weiter steht die Marmorfigur de la Gardias, neben ihm faltet eine holde Frau die marmornen Hände. Ist das Ebba Brahe, G'isiav Adolphs große Liebe? Die Schrift ist kaum zu entjiffern, bleiern kommt der Tag, wie eine alte Ballade, durch die alten Fensterscheiben. Es wird schon Ebba Brahe sein, die da schläft an der Seite eines un- gcliebten edlen Mannes. Und Katharina Mansdotter liegt hier. Ein herrlich geschwungener Sarkophag aus Granit bezeichnet die Stelle, wo die Frau ruht, die ein armes Soldatenkind war und durch Erich XIV. jut Königin bon Schweden wurde, was ihr Gemahl durch viele Jahre im Schloß von Abo büßen mußte.

Dieses 'Schloß ift ein bösartiger Kasten. Mürrisch steht er da und läßt auf wenig empfindsame Insassen schließen. Man soll doch nicht vor­eilig sein in seinen Schlüssen. Denn diese grimmen Mauern hegen ein ganz ausgezeichnetes kulturhistorisches Museum. Don Stuben aus uralter Zeit geht es bis zum Plüschsalon der Frau Generalgouverneurin aus den achtziger Jahren. Zufällig find junge finnische Soldaten da und besehen sich die Schätze. Einer hat sich einen Katalog gekauft und lieft mit lauter monotoner Stimme draus vor. Mit gerunzelten Stirnen hören gut zwei Dutzend feiner Kameraden ihm zu. Wie lange es dauert, bis sie die 76 Zimmer durchwandert haben, das ist nicht zu errechnen. Sie sind ge­wiß nicht durchgekommen, denn da wir in dem schmucken deutschen See­mannsheim uns an Kaffee und Kuchen erlaben, ziehen sie singend vorbei.

Aber nicht nur den Seeleuten haben es die hiesigen Deutschen ge­mütlich gemacht, sondern sich selbst auch. Als wir im deutschen Hause bei­sammen fitzen, trinken, schwatzen und fingen, kommt Erinnerung über uns: Hier warst du fchon einmal. Nein, hier waren wir gewiß noa, niemals, aber es war doch fchon einmal solches Erlebnis. Und richtig. Leipzigs Thüringer Hof taucht auf, und ich bin wieder Abiturient.

Im Hafen tutet es. Die Heimat ruft. Aber wie das Schiff langsam durch die unruhig aufblickenden Schären gleitet, fällt uns ein, daß nrr am Morgen einer Andacht im Hospiz anwohnten. Seltsame, schwere, g* | brungerte Lieder hatten sie gesungen, Tonfolgen, in denen einst oieltem)1 1 vor Jahrhunderten die alten Heldenlieder gesungen wurden (daß sie tit letzter Stunde ausgezeichnet wurden, ist mittelbar auch ein Verdienst Jakob Grimms). Verstanden hatten wir kein Wort. Nur einmal hatte

-Verantwortlich: vr. Hans Thyriot. Druck und Bering: Brüh tsche Universität sdruckerei R. Lange, Dietzen.