Zahkgang 1958
Montag, den 20. Juni
Nummer 47
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EINE FRAU OHNE FURCHT
Von Maria Josepha Krück von poturzyn
Copyright by Deutsche Verlags-Anstalt Stuttgart
7. Sortierung.
Vor Jerusalem tag ein Dorf zwischen Weingärten unb Oliven- läumen, bas alte Arimathia. Es war ber Sitz bes Scheichs Abu Gosch, ier bie Schlüssel von Jerusalem verwaltete unb bies in freier Willkür urch Zoll unb Steuern jebem Pilger verstänblich machte. Er hatte ein Mk von vierzigtausend organisierten Räubern. Jebem trotzte er, ob gläubig ober ungläubig, unb bie Pilger atmeten erst, wenn sie ohne Lörperschaden, an seiner börslichen Residenz vorbei, in bie Stabt gedrungen waren.
! „Nun, Michael, habe ich recht behalten?"
| Bruce kann nicht wibersprechen, aber er fragt Meryon im Vertrauen, I Schicht bie ärztliche Wissenschaft gewisse Sonderbarkeiten nach Schiff- I "tuchen festgestellt habe, insbefonbere in Frauengemütern?
! Meryon ist in seiner Ehre getroffen. Die Gesundheit von Mylaby V sein spezielles Ressort, unb er versichert, baß sie nichts zu wünschen j ‘Ifig lasse, er selbst kümmere sich barum! Bruce seufzt unb schweigt, f*er seine Sorge wächst, als sie weiterziehen. —
| Wieber muß er sich in Jerusalem mit einem Kloster begnügen, ge° I “innt von ber Freunbin mit Meryon schlafen, besten pebantische Art ii ?n .°uf bie Nerven fällt; währenb er bann, am hellichten Tag, bie ver- || [Midjen Blicke reifender Lanbsleute ernten barf, bie barüber spotten, II M Pitts Richte in türkischen Kleibern, mit ihrem Liebhaber an ber jäte, lächelnb burch Jerusalem reitet. Er ist frof), als bie Stabt hinter 9” en liegt.
Durch steiniges Laub, in brütenber Hitze, über Flüsse mit römischen «men, burch Stäbte barbarischer Herkunft' unb Burgen aus Kreuz- ilrerzeit führt Hefter mit glücklichem Antlitz, unermüdlich wie ber Reiter «res Pferbes, bas nach bem heimatlichen Hofe strebt. Es^kümmert sie fsck, wenn unter ihrem Kopfkissen ein Skorpion übernachtet hat, sie >!>sttigt sich über Meryon, ber vor giftigen Würmern warnt. Rur ein- < — in Nazareth — strauchelt ihr Pferd, so unwahrscheinlich es ist: sollt unb verstaucht sich ben Fuß. Doch als zwei Wochen vergangen, E^Zt sie mit bem Pascha von Akkon, besten Finanzminister Mylaby ’Ve Nase, einäugig unb mit einem Ohr empfängt — weil ber Herr, er schlechter Laune ist, sich solcherart betätigt. In ber geheimen 'Ulwihek einer Moschee wühlt sie in Büchern, bie sonst keinem un- wubigen Auge sichtbar werben. Denn plötzlich ist sie von Leidenschaft W alte Manuskripte erfaßt — wo sie doch bisher verachtete, Bücher £ esen. Schon kann sie Türkisch unb Arabisch unterscheiben unb versteht, •w-oor ihr her, von Stabt zu Stabt, von Munb zu Munb, gerufen ij,1?- »Die Prinzessin tommtl So ist schön wie ber Monbl Unb ihr Jti>f)tum hat keine Grenzen ..."
inb schlief nicht ben Schlaf ber Gerechten. Aber wenn er heimlich aus Ifmem Zelt äugte, saß Abu Gosch bei bem großen Lagerfeuer, unbeweg- dh, rauchenb, burch bie ganze länge, neblige Nacht. Kein Härchen fehlte m Morgen. Hefter ließ Geschenke zum Abschieb verteilen mit einer Sicherheit, als habe sie nie anberes benn Bernsteinpfeifen unb türkische Men verschenkt.
Unter ben Orangenbäumen von Saiba, im blauen Glanz bes Libanon Zeichen Boten von Emir Beschir bie Kawalkabe. Emir Beschir ist, obwohl selbst ein Turke, Prinz ber Drusen, nennt sich Christ unb trinkt 7" den Christen gewissenhaft Wein; ist mit bem Propheten verwandt unb Mit sich -inen Harem Er ist ber Mann, ber seinen eigenen Ressen bte Augen ausstechen ließ, bamit sie nie an seine Herrschaft rühren. Im Herzen bes Libanon hat er sich einen Palast erbaut, ber große Saat eme«nZ)e?ek,DOn Acher Herrlichkeit, baß sie bem Künstler nach voll- nf bie, re7.‘e Hand gekostet hat — bamit niemanb sich eines
»lachen Kunstwerks rühmen könne. Emir Beschir läßt Mylaby bitten sein .Gast zu fein, unb fenbet Sotoaten, Kamele, Maultiere unb Pferbe zu ihrer Eskorte. -
„Wir gehen natürlich!" sagt Hefter.
™mUhb^r^lfeÄn9e stürzeübe Waster, schmalen Graten entlang, geht ber Weg. Im fteigenben Morgen bes zweiten Tages steht vor ihnen aus brei nabelspitzen Felsen erbapt, ber „Palast bes Mondes" Gewun- bene Reitwege fuhren hinauf, künstliche Wasserfälle entspringen ben r”2n Zypressenwalbern gesäumt. Aus schimmernd grünen Terrassen erhebt sich weißes Gemäuer in horizontalen Linien, halb persisch, halb türkisch, halb maurisch ist ber Stil; bas Abendland wird burch einen Blik- ab Leiter vertreten. °
Einen ganzen Tag lang schweigt ber Mann mit dem Adlerkopf und den unheimlich hellen Raubtieraugen. Schweigend bietet er Eis Pfeifen unb erlesenes Essen. Neben seinem Thron steht ein hagerer Minister: Hamaady, mit dem Amte bes Henkers.
Am Zweiten Tag erlaubt Seine Herrlichkeit, baß Mylaby, aber nur fte allein! — durch ben märchenhaften Luxus seines Harems geht.
„Wenn wir dabei sein könnten!" seufzt Meryon zu Bruce.
Dessen Laune wird schlechter von Tag zu Tag. Er streitet mit Meryon über Probleme klassischer Kunst, arabische Pferde — schließlich über das Wetter; unb geht mit zorniger Miene durch die hängenden Gärten. Wenn er nach dem Abendessen mit Hefter das Schauspiel der Sonne bewundert, bte hinter Zypern ins Meer taucht, bleiben seine Worte nicht sanft. Ah! In einem Märchenschloß auf bem Libanon fein, mit einer yrau, die er liebt, wie er nie wieder lieben wird, die feine Hand verschmäht unb von der er nicht lassen kann — obwohl er für sie zum Reisebegleiter herabgesunken ist! Bei Mohammed oder allen Heiligen! Das soll ein anderer aushalten.
„Hefter! Mit bem türkischen Bonzen sprichst du stundenlang — unb mit mir —
„Spricht keine von seinen Frauen! Armer Michael! Äber wenn sie sehen wurden, wie hübsch du bist ..."
„Als ob ich die albernen Puppen.meinte!"
Hefter legt den Finger an ben Mund unb nickt geheimnisvoll:
„Wenn du eine Ahnung hättest, wie die Puppen aussehen .. So weiche Haut und herrliche Parfums ... Ich schwöre dir, Bruce!"
Meryon mit seinem schwarzen Bart und türkischen Kostüm wird zwischen den Lauben sichtbar, Hefter beeilt sich, ihn zu rufen:
„Doktor! Habe ich nicht recht, sind die Türkinnen nicht schön?"
Meryon hüstelt und meint gewichtig:
„Ich hatte natürlich nur durch meine Praxis in Konstantinopel Gelegenheit — in diesen Fällen allerdings, Mylady — soweit ich sehen konnte — haben Sie recht."
„Mr. Bruce glaubt mir nämlich nicht, Meryon."
Und Hefter schritt davon mit ihrem unschuldigen Lächeln, während Bruce bie entsetzlichsten Flüche über alle Paschas, Harems und afia> tischen Burgen sprach.
Aber bald erlebt Bruce seinen ersten Triumph. Emir Beschir nämlich läßt „Ihre Herrlichkeit Mylady" wissen, man erwarte Geschenke in ber Höhe sämtlicher Unkosten für bie europäischen Gäste ...
Hefter gibt zweimal soviel unb bestehlt Ausbruch beim nächsten Morgengrauen. Der Drusenprinz verbeugt sich tief und mißtrauisch. Ahnt er, daß diese Frau noch einmal seinen Weg durchkreuzen wird? —
Durch die Dörfer bes Libanon ziehen sie, das Gebiet der geheimnisvollen Drusen. Düster ist die Landschaft, ernst sind die Menschen. Cs heißt, sie stammen von einem Grafen Dreux ab, ber mit Gottfried von Bouillon ins Land gekommen unb eine Mohammedanerin geheiratet hat; andere behaupten, Lots Töchter seien ihre Urmütter. Sie glauben an eine Wanderung ber Seelen von Körper zu Körper, sie teilen sich in zwei Kasten: Wissende und Unwissende. Die Bibel, ber Koran unb ihr eigenes Geheimbuch sind ihnen heilig. Geheimnisvoll ist der uralte Kult, kein Andersgläubiger wird je erfahren, was in den nächtlichen Diensten Wort und Antlitz ihres Gottes ist. Starke, braune, helläugige Männer sind es in schwarzer und weißer Tracht, die Frauen in blauem Gewand, verhüllt bis auf Augen unb Brust, mit riesigem Silberkegel auf dem Haupt, der auch im Schlaf so wenig abzulegen ist wie ber Kopf.
2lbu Gosch sprach ben Wunsch aus, jene englische Frau zu sehen, ton ber er gehört, sie sei anders', als bie armseligen Frauen christlicher Pilger.
Hefter bestand darauf, ihn allein zu besuchen, nur in Begleitung des mohammedanischen Dolmetsch. Bruce runzelte bie hübschen Brauen: Wie- örr eine von ihren Launen! Wenn die Sache unmöglich wurde, konnte urg in * er einstehen dafür!
Baffer- L Eine geschlagene Stunde bauerte der Besuch. Endlich durften auch id mit |«uce und Meryon vor dem Räuberhauptmann erscheinen. Abu Gosch ymauchte In sichtlich glänzender Laune seine Pfeife und ließ sagen, Nylady übersteige alles, was er bisher von Europa gesehen. Seine »er Frauen wetteiferten, die Künste ihrer Küche zu zeigen — sie be- präntten sich allerdings auf ein gebratenes Lamm.
Die Nacht brach herein. Der mameluckische Führer warnte in beweg- Hjen Worten: Abu Gosch würde sich schadlos halten für alle Freundllch- kiit — man müsse Wachen von ihm fordern. Hefter tat es mit dein- (tlben Lächeln, mit dem sie einst in England den Herrn des Hauses um e 'en Wagen gebeten. Abu Gosch rief fünf seiner Leute und fügte hinzu:
„Der sechste Wächter werde ich selbst sein!"
„Sonst haben mir nichts gewünscht", murrte Bruce, bewaffnete sich int> schlief nicht den Schlaf der Gerechten. Aber wenn er heimlich aus Ifmem Zelt äugte, saß Abu Gosch bei bem großen Lagerfeuer, unbeweg- dh, rauchend, durch die ganze länge, neblige Nacht. Kein Härchen fehlte
®iefper$amilienblätter
Unterhaltungsbeilage zum Gietzener Anzeiger


