Oer Garten irgendwo.
Bon Heinrich Anacker.
Es liegt ein Garten irgendwo, Mit lieben Blumen und Bäumen.
Der macht uns gut, und der macht uns sroh — Es liegt ein Garten irgendwo, Ein Garten, so recht zum Träumen
Die Lust in dem Garten ist seltsam rein,
Und alles so reif und milde,
Wie ein abgeklärter, durchsonnter Wein;
Die Luft in dem Garten ist seltsam rein
Wie im lautersten Sterngestlde.
Und Menschen gehen dort ein und aus, Die keine Unrast kennen.
In der Seelenstille sind sie zu Haus, Und Menschen gehen dort ein und aus. Die das Schönste ihr eigen nennen.
Die Amsel singt und der goldne Pirol;
Wir lauschen ergriffen dem Liede;
Und tief In uns wieder klingt es wohl, Was die Amsel singt und der goldne Pirol: O Garten voll Freude und Friedel
Kleine Liebe in Paraguay.
Erzählung von Johan Luzian.
Ich bin allein. Wieder allein. Uni> es hat eine neue Reise begonnen. Einen ganzen Tag schon fahre ich den großen Strom abwärts.
Der Camerero hat den Argentinier in einer anderen Kabine untergebracht, obgleich die „Ciudad de Momentes" seit Formosa mit Passagieren vollgepfropft ist. Er sah es ein, mir mußte geholfen werden, ich dünkte ihn wohl einen besonderen Passagier, der auf solchen Schisfen zu Hause ist und andere Rechte hat. Ich gab meinem braunen Borrentin er auch nicht einfach den lumpigen Schein, als wäre damit alles abgemacht, nein, ich blitzte ihn mit meinem „überrumpelnden Lächeln" an und nahm ihn sozusagen an mein Herz.
Es wird still im Schiff. Man hört das Rauschen des vorbeijagenden Wassers. Das Summen der Maschinen wird stärker und geht wie elektrische Wellen durch die Ohren, durch den ganzen Körper. Manchmal erzittert das Schiff.
Ich bin etwas nervös und krame unnötig viel in meinem Koffer. Es ist doch alles bereit, die Schalen, die Flaschen, die Dosen, Krüge, Halter, alles was ein reifender Kameramann braucht. In die Fassung habe ich eine rote Birne geschraubt, und das Fenster ist abgedichtet.
Während ich Wasser in das Becken laufen lasse, sehe Ich mich im Spiegel lange an. Jetzt habe ich ja Zeit zu solchen Verschwendungen und Liebhabereien. Ich bin es mehr gewöhnt, anderen Leuten ins Gesicht zu sehen. Die Falten werden zahlreicher, lieber Freund, da auf der Stirn lausen sie in Wellen und am Auge, schau an, wieder eine Neuigkeit auf der Welt, Falten in deinem Gesicht! Aber nun lächle, lächle, wie es der,cherald" nach seinem Interview von dir verlangen kann: dein überrumpelndes Lächeln ...
Man kann es brauchen im Leben. In Tientsin war ich dabei, als die Japaner mit Lastwagen durch die Straßen suhren, in Indien habe ich Pestkranke besucht, in Mexiko war ich beim Eisenbahnattentat gerade im Siidexpreß mit meiner Kamera. Und jetzt komme ich aus dem Chaco. Ich war bei Boqueron dabei und bei Pozo Azul. Hunderte sah ich verdursten und verrecken im Busch. Mit Estigarribia fuhr ich nach den Feldlazaretten, mit Militärfliegern kreiste ich über den Bolivianern und knipste ein bißchen, aus Vergnügen am Spionieren. Ich lag mit den Paraguayern am Feuer, trank Mate und spielte Truca mit ihnen. Ein paar verwegene Jahre ...
Ich packe meine Filme aus, gieße den Entwickler in die Schalen und halte Metol und Bromkali bereit. Langsam beginne ich den ersten Film durch die Schale zu ziehen ...
Als der Krieg aus war und die Siegesparade verrauscht, wurde es mir langweilig in Asuncion. Ich wollte Aufnahmen vom Osten machen, 6en ich noch nicht kannte, von den deutschen Siedlungen, Jndependencia, Sudetia, San Bernardino, Altos. Es ist dort eine schöne Walderland- schaft, wie in Thüringen oder an den bayerischen Seen, Berge, Wasserfälle, Urwaldfarben. Und ich ritt sorglos umher und war mit allen gut Freund.
Ein heißer Strahl trifft mein Herz. Unter meinen Händen beginnen sich die Negative aus dem Bromsilber zu lösen, Bäume zeichnen sich ab aus dem Himmel, den Wald, und da — da tritt Rubia heraus aus dem Laubwerk, zu Pserde, in ihrem hellen Kleid ...
Rubia, Elisabeta ...
Ich wollte einen Schwarm Vögel belauschen, einen Schwarm häßlich sihwarzer Anüs, die glucksend und kreischend von Dusch zu Busch flatterten und lag ganz still im Kampgras, zwischen den steinharten Ter- knitenhügeln.
Da kamst du aus dem Wald heraus aus die Lichtung, eine Artemis
zu Pferde, nur statt der Lanze und des Bogens die Vogelflinie über der Schuller.
Am Bettpsosten hängt meine Kamera, ich streichle sie mit den Augen, Hel Was haben wir alles belauscht auf der Erde, aller Kamerad! Häßliches und Schönes, Kleines und Großes, du warst immer zu allen Scherzen aufgelegt. Aber solch ein siebzehnjähriges blondes Kind, mit einer Vogelstinte über der Schulter, mitten im paraguayischen Walde, das war ein Schnappschuß!
Ja, ich stand aus dem Gras auf, nahm die Pfeife aus dem Mund und zog den Hut, wie es sich vor einer jungen Göttin gehört: Buenos dias! Guten Tag! setzte ich hinzu. Oder sollte ich englisch sprechen, schwedisch, holländisch? Nein, du mußtest ja wohl irgendwo von Weser oder Elbe stammen. >
Und richtig: Guten Tag! antwortetest du. Du hattest nach der Flinte gegriffen, fo überrascht warst du wohl, als ich in der Wildnis auf» tauchte.
Gut Freund! rief ich. Ich schieße nur hiermit! Und hob meine Kamera hoch.
Wie aus dem Boden geschossen standen Sie plötzlich da ... Da soll einer keinen Schreck kriegen! fugtest du.
Verzeihen Sie, aber ich bin wie Sie auf der Jagd ... Wenn Sie nichts dagegen haben, suche ich meinen Gaul, und wir machen gemeinsame Sache ...
Da werden wir nicht viel mit nach Haus bringen!
Was mich betrifft — ich habe schon eine Beute! Da! Ich hob die Kamera und zielte: Großaufnahme!
Ich hebe den Film aus der Schale und ziehe Um durch das Wasser im Becken, setze dem Fixierbad etwas Natron zu und arbeite weiter. Langsam werden die Negative ganz klar und schön, und schließlich kann ich sie zum Wässern hinstellen.
Ich halte die Streifen gegen das Licht.
Da ist euer Wohnhaus hinter dem wuchernden Garten aus Blumen und Kakteen, blühenden Stauden und Ranken. An der Seite der Bananenhain, dort der Mandarinen- und Grapefruitwald. Hier auf dem breiten Weg gingst du mit Vater und Mutter und den beiden wilden Hunden, Cirrus und Tyros, als wir eure Jerba besichtigten, euer Kaffeetal. Da brachst du mir einen Zweig von weißen Blüten und stecktest ihn mir an die Jacke, das war am dritten Tag, (eit wir uns kannten. Hier 5nd die Bilder vom Fest im Pueblo, der Hahnenkamps, die Musikanten, ie Polkatänzer, das Glücksrad, die Küchenfrauen mit Chipa und Honigbrot ... Ich habe keine Aufnahme gemacht, mit der ich nicht wenigstens ein paar Locken von dir, einen Schimmer deines Kleides mit einfangen könnte.
Rubia! riefen sie dich. Die alten Weiber riefen dir etwas auf Guarani zu, das ich nicht verstand, und du antwortetest ihnen lachend, aber doch ein wenig verlegen. Du zogst mich am älermtf fort von den zahnlosen Mäulern, in denen schwarze Zigarrenstummel steckten.
Wollen wir eine Polka tanzen? fragte ich.
Ich habe noch nie gelangt, ob ich es kann? ...
Noch nie getanzt? Dann wird es wohl Zeit! Eins — Zwei — Drei
Eins — Zwei — Drei... im Drei-Viertel-Takt!
Und hinterher tränten wir süßen Cona, ich wollte Wein haben, Champagner zu deinen Ehren, weil du zum erstenmal getanzt hattest und mit mir, aber es gab keinen in diesem Pueblo, da mußten wir Sana trinken. Eine Flasche bekam die Musik, und bann tanzten wir wieder Polka Paraguaya, die Leute klatschten im Takt dazu, und die Musikanten stellten Harfe und Baßgeige weg und sangen ...
Nachts bann im Walde ... Seine Eltern ritten voraus. Wir zügelten unsere Pferde Seite an Seite, bis ich den Arm um dich legen konnte, bis du deinen heißen wirren Kops an meine Schulter legen konntest. So ritten wir heim, und die Pferde gingen brav nebeneinander her in der Pikade.
Die Filme brauchen Zeit zum Wässern. Ich lege mich lang aufs Bett in meiner stillen, heißen Kabine und schließe die Augen. Ich habe mir niemals Gedanken gemacht, wo ich wohl daheim wäre. Zu meinem Beruf gehört das nicht. Ich bin daheim, wo ich mein Haupt hinlege. Manchmal im Palasthotel, manchmal in einem Rancho oder auf dem Sattel unter freiem Himmel, wenn irgendwo Krieg ist und ich dabei sein muß.
Aber in den 14 Tagen, die ich auf eurer Chacra zubrachte, dachte ich, daß ich dort zu Hause wäre, wo du bist, liebe, kleine Rubia. Du fragtest mich nach der alten Heimat, als wir in der Laube faßen, die von der tollen Gantarita überrankt wurde, wie unter einem Feuerwerk saßen wir da, ganz versteckt und heimlich.
Wie ist es in Deutschland, erzählen Sie doch! — Ach, ich weiß gar nichts mehr, Elisabeta, ich bin ja so lange fort. — Großmutter sagte, Deutschland ist das Schönste auf der Welt. Sie war noch von drüben. Von Minden. Dort flieht die Weser, und dort sind Berge und Wälder, ganz wie hier. Aber es muß doch wohl anders sein, wie?
Ich weih es nicht.
Ach! lachtest du. Sehen Sie, nun haben wir aber mal einen Ort, wo Sie nicht gewesen sind! Also Minden kennen Sie nicht! Sehen Sie wohl! Schanghai, Tientsin, Kalkutta, Paris ... haha! Aber Minden an der Weser kennen Sie doch nicht!
Du lachtest, und deine Lippen waren feucht und blühten vor Freude, daß du mich einmal erwischt hattest. Doch! sagte ich. ich habe einmal einen Turnertag in Minden gefilmt, ich kenne es sehr gut, all die alten, heimlichen Straßen ... Jetzt hat man dort den großen Kanal gebaut, der durch ganz Deutschland führt...
Und ich erzähle dir von Deutschland, von Bayern und Schwaben und Thüringen und Hamburg. Und ich denke: Am Ammersee würde ich mir ein Stück Land kaufen und ein H仫 drauf bauen und einen Garten


