Schönheit, sein vollkommen--" Antim Sommer. Aber unsäglich ist die
daß das Seebecken einstmals eine blühende Landschaft mH reichen Bauern» gehöften gewesen sei. Der Hochmut und die Herzenshärte der Bauern habe dann den Fluch herbeigeführt, der in einer Nacht das reiche Tal mit den Wassern des Sees bedeckte. Eine überall in den Gebiraen vorkommend« Vorstellung im Gemüt des Volkes, womit es vielleicht die Armut des Daseins sich zu erleichtern vorspiegelt und eine zugleich poetische und moralische Deutung des Ungefährs versucht, dasz in solcher Höhe zwischen den steilen Gebirgen, die teilweise, wie das Karwendel, sehr wasserarm find, ein See sich findet.
Ausgedehnter Schilfwuchs, versumpftes Gelände, saure Wiesen umranden das Südende des Sees. Hier brütet die Stockente gern, und auch das schwarze Wasserhühnchen taucht zu Zeiten auf.
Der Fischreichtum mag in vergangenen Zeiten sehr groß gewesen sein. Es leben in dem See Aeschen, Renken, Saiblinge, Hechte und Barsche. Im späten Sommer kommen die Hechte an die besonnten seichten Ufev und stehen stundenlang unbeweglich im hellgrünen Wasser. Mit bet Schleppangel langsam über den abendlichen See zu rudern, ist ein besonderes und spannendes Jagdvergnügen. Man kann wohl einen schweren Hecht erbeuten.
Der einstmals reiche Wildbestand in den Forsten, die den See umgeben, machte dieses ganze Gebiet zu einem Lieblingsjagdrevier der tirolischen Landesfürsten. Lange Jahre im ununterbrochenen Besitze des Benediktinerstiftes Fieth, waren See und Landschaft um ihn von den fürstlichen Gästen der reichen Abtei gern aufgesucht. Schon Herzog Heinrich, nach ihm Herzog Friedrich mit der leeren Tasche, Sigismund der Münzreiche jagten dort und trieben den Fischfang. Herzog Sigismund erbaute ein Jagdhaus am Seeufer in der Pertisau, davon noch heute der Nam« Fürstenhaus dauert. Besonders glanzvolle Tage erlebte der See aber unter Kaiser Maximilian. In dessen Jagd- und Fischereibuch, geschrieben um 1500, sind uns einige farbige Bilder erhalten, die das da- malige höfische Treiben am Achensee darstellen. In ihm finden sich auch die schönen Sätze, worin der Kaiser seinem^ Nachfolger weidgerechte Jagd empfiehlt und hinzufügt: die Jagd und der Naturgenuß seien wie nichts sonst geeignet, milde und wohlmeinend denkend zu machen. Sie seien als ein Mittel anzusehen, daß der Fürst unter das Volk komme, Klagen uni) Beschwerden höre. Die bestandenen Gefcchren verbänden ihn wie keine andere Gelegenheit mit seinem Volke.
Gams und Hirsch waren wohl das eigentliche jagdliche Wild. Die sogenannte Karwendelsgams ist stärker im Krickel, schwächer im Wildbret und Bart als die Zillertaler Gams. Das Rehgehörn ist kürzer, rauher gepertlt, braun vom Latschenharz, mit weißeren Enden. Der Bär dürfte damals in den Gebieten des Staufer Jochs und Dächentales häufig gewesen sein. Vor dem Krieg noch ward einer in der Nähe der Bärenbaderalm gespürt. Gamswild findet sich in starken Rudeln im Bächental, im Karwendelsgebirge. Der Herzog von Coburg ist Herr und Heger in diesem herrlichen Jagdgebiet. Im Sonnwend- und Rofangebiet kommt die Gams nicht vor. Stücke wechseln zu Zeiten im Gebiete des Bärenkopfes. Der Hirsch, findet sich in den Wäldern am Unnutz, wechselt wohl über Balfaz hinüber in das Sonntwendgebirge. Im Karwendelgebiet ist er daheim. Sonst siirdet sich Rehwild nicht sehr zahlreich freilich in den Wäldern um den See. Der große und kleine Hahn halten sich häufig. Seltener das Haselhuhn. Der Dachs ist rar geworden, aber die Füchse gedeihen gut.
Vielfältig in den Lausten des Jahres ist das Antlitz dieser großen Landschaft. Sei es, daß man mit der Zahnradbahn den gewaltigen Hang hinauffährt, von dem aus weite Sicht ins Zillertal, auf die Stubaier Berge hinab bis zum Wilden Kaiser sich auftut, um dann im freundlichen Eben zu landen, dessen spitzgetürmte Kirche ein stilles Willkommen bietet; sei es, daß man die fchöne Waldstraße, den schäumenden Kasbach entlang, nach Maurach hinaufwandert: immer ist es eine freundliche Erfüllung, wenn nun das breite Achental sich auftut. Ehe man die schöne Szene recht zu betrachten sich anschickt, suchen die Augen den See, und die Erwartung ist erst gestillt, wenn der blaue Spiegel fern auf» dämmert. Er bereitet dem an sein Ufer Kommenden eine große Ueber-
gegen Norden gleiten die Ufer, und angelangt, hat er erst seine ganze litz enthüllt.
Wie viele kennen dieses Antlitz goldene Herbstruhe über ihm. Die
raschung. Hinter Pertisau schieben die Berge für den Betrachter sich zusammen, der See scheint dort zu enden. Dann vor dem beglückt staunenden Schiffer tun sich die Felsenkulissen langsam auseinander. Weiter in der ungefähren Mitte des Sees
Dampfschistahrt ist eingestellt. Die Bahn verkehrt nicht mehr. Cs ist still geworden an den Ufern. Die Schilfränder gilben. Im schwarzen Hochwald stehen die Buchen golden, die Ahorn« rot. Ein feiner Süd saust kaum vernehmlich durch das Tal. Sommerwind nennen ihn die Leute. Er ist wahrscheinlich wie ein Gruß des hingegangenen Sommers, kommt beinahe fremd in diese Höhe und ist gerade in dieser Höhe als freundlichster Gruß des schläfernden Jahres süß und traumhaft umfangend. Der Himmel prangt in südlicher Bläue. Die fernen Kalkgebirge stehen weiß im Schimmer der gesänftig- teren Sonne. Aus den Karen fließt es wie Gefälte scknvarzen Samtes. So Tag um Tag, und ohne Wolke jeder, wochenlang. Bis eines Abends eine langgestreckt und schneeweiß über dem Jnntal sckuvimmt. den Raum unendlich weitend in ihrem schlanken Zuge. Wie Mövengefieder bsinkt sie im abendlichen Licht, das vom Dberinntal kommt, indes die harten Schatten des Seeberges und Bärenkopfes über den See sich schieben, lieber dem Sennjoch, das sich scharf in die erbleichende Bläue meißelt, glänzt der Abendstern auf. Die weiße Wolke brinot den späten Herbst. Sie eilt, ein sanfter Weiser, dem Föhn voraus. Die Stille ist beinahe greifbar in solcher Nacht. Doch über den bewaldeten Kamm des Lend- berges kommt mählich ein eintöniges sanftes Saufen. Gegen Mittag dann geht ein leichtes laues Atemholen über die abgeernteten Felder. Der Seespiegel erschauert ein wenig, als fröstle ihn. Die Fickiten stehen klobig und schwer. Da und dort taumelt ein Buchenblatt zu Boden. Die Szene wird unwirklich wie auf dem Theater. Das goldene Liebt selbst, in dem alles greifbar nahe scheint,- die Berg«, die Bäume, die Häuser
Oer Achensee.
Von Joses Wenter.
Wer Sommers oder an goldenen Herbsttagen über den Achensee :udert und der großen Klarheit des Wassers sich {reut, hängt kaum Ge- ianken und Vorstellungen nach, wie dieser größte und blaueste Alpensee Tirols vor Jahrtausenden sich gebildet hat. Wenn aber in den Winter- lächten das Eis über der Fläche spaltet, daß der Donner davon die ein» amen Bergwände widerhallen läßt, oder wenn der Frühlingsföhn in wenigen wilden Tagen die Eisdecke zum Bersten bringt: bann steigen Silber auf, nage, nicht deutlich vorstellbar« wohl, von der schaurigen lärohe und Lebensverlassenheit der Epoche, in der das Becken gebildet oarb, das in einer Tiefe von damals 150 Meter, in einer Ausdehnung :on etwa elf Quadratkilometer den See faßte und ursprünglich eine dem Jnntal zufallende Talfalte war.
Damals flössen die Wasser der den Se« umgebenden Täler, Unter- und Sberautal, Pletzach-, Falzturn-, Tristenautal, in das Jnntal ab. Die alte Ivasserscheid« befand sich wahrscheinlich bei Achenkirch, eine Felsenschwelle, us Jurakalken bestehend. In der Eiszeit bann geschah die Verschiebung, o daß heute diese Wasser nach Norden der Isar zusließen. In der letzten jnterglazialzeit wurde das Jnntal zwischen Landeck und Kufstein von einer mächtigen Einbiegung betroffen. Dadurch kam es im Jnntal zu uehrfachen Seenbildungen, die aber durch den schuttreichen Inn rasch «erlaubet wurden. In diese Schuttablagerungen grub der zum letzten Ulate vordringende Jnntalgletscher sein Bett und schob einen Arm in die Kalfalte bei Jenbach, der durch das, Achental nach Norden abfloh. Dieser item erreichte zwischen Stauserjoch und Sonnwendgebirge eine Höbe ton zweitausend Meter und am Narbende des Sees etwa eintaufenb» siebenhundertfünfzig Meter. Er grub das Seebecken aus. Als der Gletscher sch zurückzog, blieb das Gewässer in der Mulde. Der See war da. Bei ter letzten Vergletscherung bann der Kalkalpen, die jedoch ihre Moräne «ich! mehr bis zum Seerand vorschoben, stürzten mächtige Schuttkegel aus ten seitlichen Wänden in den See; deutlich wahrnehmbar am nördlichen Ufer des Sees, in der Region der Gaisalpe. Die seitlich «inmüubenben Räche haben dann mit ihrem Schutt weitere Verlandungen bewirkt. Wo «inst eine blaue Wasserbucht sich bis an die Bergwände breitete, liegt heute über den Schutthalden des Pletzach-, Falzturn- und Tristenbaches cuf freundlicher Alpenmatte die Ortschaft Pertisau. Heute bedeckt die See- säche nur einen Raum von 6,75 Quadratkilometer und liegt in einer Höhe ton 931 Meter über dem Meere mit einer Wasserlotung von 132 Meter.
Tiefer und gleichnishafter noch von der Größe vergangener Zeiträume vird der Bergwanderer erschüttert, wen er im Sonnwendgebirge aus die Hefte alter Meere stößt, im (Befeife die Konturen steingewordener Am- nonshörner, seltsam fremder Tritonen erblickt. Wie oft habe ich solche rollfommen geformte Petrefakte bestaunt, manch« zu schwer, um sie mit» zmehmen. Wenn der Weg dann durch die blühenden Almrosenbüsche, über «rzianbestandene Almtriften weiterführt, und man blickt von dem bunten Teppich auf das steingewordene Zeugnis, daß einst hoch über diesen Gipfel Dch die Meerflut rauschte; wenn man an der steilabfallenden Wand der Üotspitze steht und hinabblickt auf den See, der wahrhaft wie ein zum Himmel aufgeschlagenes Auge blaut, und übersinnt di« eisschauernde Apache seiner Entstehung: welch eine Welt! Auf der du, fühlender Mensch, b»ch demütiger Mittelpunkt bist, Mittler des stummen Seins, über dein« tgene erschütterte Verstummtheit zu erhabenen Stille des Schöpfers,
Drüben überm Tal lieg breit die Stansjochgruppe. Der Bärenkopf, von ür durch das Weißenbachtal geschieden, breitet seinen schwarzen Wald bas Seeufer entlang hin. Der seltsam wie ein Heutrister geformte Triften» tipf steht wie ein letzter Vorposten bewaldeten Gebirges vor dem Eingang }u der großartigen Oednis des Karwendel, dieses Rausches aus Einsamkit und Starrnis. Da ragen sie in die hell« Bläue oder ins graue Ge- wölf: die Lamsenfpitze, das majestätisch« Sonnjoch. Welch ein Name! Als trüge der Berg ihn bewußt, hebt er fein Haupt in den letzten Glanz der sinkenden Sonne, empfängt am Morgen ihren ersten Strahl. Taufendtech mögen Hirten und Jäger, Sennen und Holzfäller, feinen morgen» md abendglänzenden rötlichen Gipfel angeschaut haben. Dann rede es litt) laut und lauter herum: Sonnjochl O Glück der Sprache, di« zu fassen »trmag, was das Herz erbeben macht.
Die schöne Pertisau! Wi« sanft nimmt sie den Wanderer auf, der von kn Karen niedersteigt. Wie lieblich umspült sie das blaue Wasser des Sees. Sie hat ihren Namen von der Göttin Berchta. Berchtas Aue hieß fc. Vielleicht sah uralter Volksglaube in ihr einen Hexentanzplatz.
Dann steigen die Hänge des Seeberges an. Noch sind sie bewaldet. Salb aber, nordwärts den See einfassend, werden sie so steil, daß nur mehr dürftiger Baumwuchs und Latschen sortkommen. Cs ist ein bebeu» terber Eindruck, den der Wanderer am Nordufer des Sees erhält, lieber mächtig« Schuttmoränen führt der Weg an tiefen Erosionsfurchen vorüber, Kirch die das Wasser stäubt. Lotrecht steigen die Felswände hinan und Itiiryn neben dem Weg ins Hefe blaugrüne Wasser hinab, auf dessen ®runb, der an klaren Tagen weit hinab, erleuchtet ist, Gerolle, nieber» itbrodjen« Felstrümmer, Baumleichen, sichtbar werden. Dann und wann licht langsam, ohne Ruderschlag beinahe, ein Hecht über diese phantastische Senerie hinweg. Unlustig und dünn entwindet sich bei Scholastika die Ahe, des Sees Abfluß, dem Becken und fließt der Isar zu. Kaum aber irter der ersten Brück« besinnt sich das Wasser, daß es nicht mehr zu when, sondern zu eilen hat, und ist ein luftiger Bach, in dem Forellen Ichlreich und vergnügt sich tummeln. Was an Fischen im See Zu Hause ft meidet den Zug des abfließenden Wassers. Sie fühlen die Grenze ihres Tlbensraumes. Höchstens daß ein paar neugierige Jungbarsche einen Ausflug in diese Fremde wagen. Aber sie kehren rasch zurück. Forellen ihd ungute Nachbarn.
Das östliche Ufer des Sees ist noch finsterer umrahmt. Hier steigen Wie Wälder von den Hängen des Dalfazer und Kotalmjochs steil bis »in Orte Buchau ins Wasser herab, ja, wenn man zu Zeiten Saum» Gipfel unterm Spiegel gewahrt, konnte man sagen, sie stiegen ins Wasser Win. Zäune, wie sie auf Almen im Gebrauch sind, liegen viele Meter »Wer Wasser, scheinen Triften einzuzäunen, und man denkt an di« Sage,


