Ausgabe 
18.11.1938
 
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SiehenerZainilienblAter

Nummer 90

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re:ötfcrf, das hat wieder g klungen draußen in Schönbrunn auf seinem

Unterhaltungsbeilage zum Gießener Anzeiger

Jahrgang,938 Sreitoa. 6cn |8

Der Kerzelmacher von Zankt Stephan ein hellerer Llebesroman von Alfons o. Wbulka <ropvcight by I. G. Cotta'sche Buchhandlung Nachfolger, Stuttgart

Aber heute war auch diese seine stadtbekannte Schwäche nicht die Ur­suche daß die Domuhr schon sechs zu schlagen begann, als die Elisabeth -örand endlich wieder vor der Ladentür« stand. Heute war sogar Wimmer chsneden, ja begeistert, gewesen. Schlag fünf hatte sich der kleine Regens- chor, schnaufend kurzatmig war er auch vom Clavicembalo er­bosen den Deckel zugeklappt und anerkennend- gesagt:Liserl, du weißt, uomplrmenter mach ich keine. Aber heut hast einmal q'splllt, als ob5b große Lieb im Herzen hälfst!"

Worauf die Demoiselle nicht ein bißchen errötet war, sondern nur den dunkelbraunen Schopf geschüttelt und geseufzt hatte. So tief und gott- rgeben, daß Wimmer sich laut lachend wieder auf seinen Drehstuhl setzte, nachdenklich eine Prise nahm und dann selbst seufzend sagte:Bis, doch -'veiundzwanzig Jahr alt, Liserl. Wann icy mich irr. Da wirb's

an jeglichem verführerischen Aeußeren war für . ihr« ins jungfräuliche Alter getretenen Töchter

»em Regenschori von Sankt Stephan zu musikalischer Vervollkommnung übergaben, em Grund zur Besorgnis nicht gegeben. Auch wachte sein« handfeste, vielkantige und stimmgewaltige Ehehälfte, deren einziger Vor­zug die meisterliche Beherrschung der heimatlichen Küche war, peinlich darüber, daß sich nicht am Ende doch einer von den Flederwischen mit den hübschen Larven in Matthias Wimmer verliebe. Zu welchem Zwecke von Zeit zu Zeit einen prüfenden Mick durch das Schlüsselloch warf. Und doch war der Regenschori schuld an der verspäteten Heimkehr einer Schülerin: seine Pedanterie vielmehr. Eher hätte es nämlich ge- Wyen können, daß zum Wohle des Heiligen Römischen Reiches'Deutscher Ration der König in Potsdam und die Kaiserin zu Wien Bruderschaft tranken, als daß Matthias Wimmer einen Schutzbefohlenen früher ent- ueß, als bis die letzte Note des Pensums saß, das er sich für eine Stunde vorgenommen.

ßSÄ** 9r°Be ei<b' mein ich--und gar, wann man so bild.

Akkurat das hatte die Demoiselle mit ihrem Seufzer verneint WZMDZDM-

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" rnpJOn^n "»"de. Ihres Vaters Base die dem Alten seit d7m S 30& ***" ''W' "l" l«s Ät Ul f*

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.»Ja h; -S 2 bie alte beT einer Nachbarin aus einem Tratsch, den sie so überaus liebt« nri 3 U'ch^ bamlt. Durch den kleinen, kreisrunden Fleck den ihr

i^l ^er »chnee. Aus den wehenden, wirbelnden Schleiern au® ^bbel und Flockentanz, in das grauschwarz das riesenhafte Gemäuer und das hohe Dach des Domes sich verloren, tropften metallen die lebten Schlage der Uhr. Eine Schneelast glitt mit dumpfem Gepolter von

zwischen Wachszieherei und Domkantorei gelegenen Gebäude °u dessengraue und verchnörkelte Mauern das kleine, ockergelb« Haus' es Aloistus Brand sich lehnte. Menschen huschten lautlos vorüber wie |laneure.eme5 ^^°"Enspiels. Zum Abendbrot eilende Bürger oder 'späte

, u.vch blickte die List durch die Scheibe des Ladenfensters Erst als eine Gestalt neben ihr stehen blieb, schreckt« sie auf Der we'bver- bramte, rote Dreispitz, der lichtblaue, silberbestickte Radmantel der sckmale lleßen^tn>n" ,?.ertl$e Ebenholzstöckchen mit dem Elfenbemariff

ueßm den Kavalier erkennen. Tänzelnd trat er dicht an das M ad eben tbr°in 1°?' hüstelnd, die Lorgnette, beugte sich vor und versucht chr m^ine Augen zu sehen. Zornig fuhr sie herum und verschwand in

melodisch üas Spielwerk der Ladentüre, als schon die Worte auf fie nieberpraffelten:Daß man die Demoiselle Brand auck, fh"*frnnrf »rn^aI genug damit, daß s Geigenspielen und Franzä-

Parlieren muß wie die hochgeborenen Komtepeln, die wo dem Herr- gort den Tag stehlen, statt daß dem Herrn Vatter bei der Arbeit Hilst kommt sie gleich um eine Stund zu spät!--Man könnt mir klick

glauben, du hast was mit dem ®immer!" $

..Wie die Frau Tant meint!" lachte die List und warf den nassen Muff mit Schwung auf den Ladentisch. Dann streifte sie langsam bte r^0 ?01} hübschen, schlanken Fingern und schlug das

m der Warme aufgetaute Paar klatschend zusammen, daß die Tropfen bis zum Str ich trumpf der Alten sprühten. m

Manieren hast!" zeterte die Vielgratterin.Machst mir ja meine ganzen Karten naß Grad hab ich die große Patience glegt. Schau nur her! Coeur-Bick neben der Herzdam! Weißt, was das bedeutet»-- zog den ManlARms.^ Me 2>emoieUe hinzuschen und

Wenn die Vielgratterin, Kartenaufschlägerin und Wahrsagerin im Nebe'rberu Patiencen legte, war sie gnädiger Laune. Sie ^a^ntworteck der allernächsten'^Zett be2>tutrt' ba& Ö!r em Kavalier in Aussicht steht, in .. "Was die Frau Tant nit alles weiß!" Elisabeth Brand lachte und hob die Pelzhaube von dem schwarzbraunen, lockigen Haar

ging wieder das Spielwerk der Türe. Schnee stäubte herein. Eine Gestalt tänzelte langsam über die drei Stufen in den Laden herab In dem matten Schein der im Luftzug flackernden Kerzen sah man nicht

oogcn um das mächtige Bauwerk ging, an dem vor einem Menlckon-

«rUX^ ö c Kreuze und Gräber des Freithofes gestanden reichte^üie Zeit kaum zu einem Vaterunser und dem Englischen Gruß $ SÄt» Ä WfiMS ff

An dieser Verzögerung war aber nicht etwa die männlicke Sckän- aar nick^^"-V^° « Matthias Wimmer war kein Apoll und schon gar nicht ein Jüngling Gut vierzig Jahre waren es schon her, daß er ys nin..- S Sreunbe, dem späteren Lebzelter und Wachszieher,nesttec Aloistus Brand, als Singerbub bei Sankt Stephan getrabt' an die b«lBig, seit sie allwöchentlich ein- ober zweimal zusammenkamen um 2 H^rCUfn0Cn 5U Musizieren mit dem Kanzleirat Hausmann der auch Der^Eellisten Himmelbauer vom Domchor Der Regenschon selbst spielte nicht nur meisterlich Orgel, sondern a mcr-veille auch Viola und Clavicembalo, und Aloistus Brand griff allen Lebenslagen, in freundlichen und schmerzlichen, zur Flöte, i der er nicht minder begabt hantierte. 4 " '

Matthias Wimmer ein fast zwergenhaft kleiner, spaßiger Herr von bald fünfundzwanzig Jahren, dessen Spitzname dasWimmerl" nicht unverdient war. Wenn er, neben seiner Schülerin stehend, deren Fingerstellung auf der Viola korrigierte was leider oft nötig war, denn die List Brand hatte zwar vom Vater die musikalische Begabung, aber vom Teufel den mangelnden Fleiß, erreichte sein viel zu großer Schädel, auf dem nur noch ein rötlicher, silbrig schimmernder Haarsaum ein magerer Lorbeerkranz ruhte, kaum die Schulter der Demoiselle.

Obgleich die Elisabeth Brand wohl ein schön gewachsenes, aber nicht großes Frauenzimmer war.

Die breiten Lücken in den gelblichen Zahnreihen des Regenschori waren schuld daran, daß er mit der Zunge anstieß unb ein wenig zischte, wenn er mit sanftem Borwurf sagte:Liserl, das hat wieder gelungen E wie wann der große Elefant draußen in Schönbrunn auf seinem Rüssel vor der Frau Kaiserin Generalmarsch bläst!" Daß dabei der Atem des kleinen Musikus nach Rüster Ausbruch unb Pfaffftättener Auslese roch, trug zur Betörung nicht bei.

Bei diesem Mangel ' ' .......

Väter und Mütter, die