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3eil,U(Stimmtft^rau Xant!"
Die Atte'bückte sich noch dem zerbrochenen Lebzeltenherzen. „Da schau her! Glück bringen die Scherben dir g’wih kein s — Alle Tag dank ich dem Herrgott, daß du ntt rnei Tochter bist!"
Msabeth Mand öffnete die niedrige, schmale Tapetentüre, die hinüber zur Werkstatt ihres Vaters führte. ... , , .
d Der Meister Aloisius Brand faß in weißer Schurze auf feinem Sessel vor dem langen Arbeitstisch. Er war allein. ..
Die Gesellen und Lehrbuben hatten schon Feierabend gemacht. Nur sein Arbeitsplatz war noch von einem mächtigen fünfarmigen Leuchter erhellt. Der übrige Teil der Werkstatt lag schon iM Dunkel. Aus einem Leinenbeutel drückte der Meister, spielerische Ornamente gehend weihen Zuckerguß auf Backwerk und Lebzelten. Seit seine Frau unter der Erde lag, war Aloisius Brand von rastlosem Fleiß. Als wollte er damit das Web seines Herzens betäuben. ... , ,, ..
Wie er so vom gelblichen Lichte der Kerzen überstrahlt, nut vorge-
jener Gewaltmenschen der italienischen Renaissance, wie he die welschen Maler so gerne malten. Wenn auch sein sanftes Tun, fein Name und seine ücr^cnsQÜte 311 bem ^onbotticrcjc^äb^l nid)t poften.
Sein'Vater, der als Lehrbub seiner Arbeit entlausen war und dann für etliche Jahre Wachsstöcke, Opferkerzen und Lebkuchen gegen einen Steuer»
Da idinrift er bie Türe ins Schloß. f ,
Jetzt erst wandte sich die List um. Draußen hinter dem Fenster stelzten gerade flockenumweht die dünnen Beine des Grafen vorüber.
ha t das jetzt nötig g'habt?" keifte die Dielgratterin. „Demen Vattern so ins Elend z'bringen. Sonst geht dein kecker Schnabel den ganzen Tag. Aber eher beißt du dir ja die Zungen ab, als daß du wen um Ver-
Achselmckend betrachtete der Besucher eine Weile durch das Glas spöttisch den Rücken der Grollenden. Er kannte das. Mit solch zormgem Läuben fing es jedesmal an. Aber zu seinem Ziele war er dennochi gekommen Umständlich und behutsam legte er seinen beschneiten Dreispitz aus einen Stuhl, das Stöckchen dazu. Dann deutete er aus ein von der Decke herabhängendes Lebzeltenherz und fragte die öielgrattenn. „Hat Sie denn kein größeres und schöneres, gute, Frau
«u dienen, gnädiger Herr, zu dienen! beeilte sich "le Alte zu »er sichern. Mühsam und kurzatmig beugte sie sich unter den Tisch, daß ein Weile nur ihre magere, grauverhüllte Sitzflache zu sehen war. Dann tauchte sie, mit einer Schachtel beladen, stöhnend wieder aus, hob den Deckel ab und legte ein großes scharlachrotes Herz auf die Ladenpudel.
Der Kavalier griff danach und betrachtete es prüsend. Plötzlich lachte er belustigt auf, drehte sich um und las laut die Aufschrift aus weißem Zuckerguß: „Je t’aime." Dann ließ er das Herz an dem langen roten Seidenbande, an dem es hing, vor sich herbaumeln und .ging.sich leuht in den Hüften wiegend, auf das immer noch abgewandt m der Semter- nftche stehende Mädchen zu. Mit einer galanten Verbeugung wollte er ihr das Band von rückwärts über die Schulter legen.
Zuckersüß flötete die Vielgrattenn: „Siegst, Lisl, was hab ich g jagti Coeur-Bub und Herzdam!--Haben schon recht gehabt die Karten. Ein
“TMttuÄ 6,.u I-nir »illrt H. toö«. herum und maß den Zudringlichen vom Kopf bis zu ^n Fußen Dann riß sie ihm das Herz aus der Hand und warf es zu Boden, daß es ^°Betroften^ttat^der Kavalier einen Schritt zurück. Seine Hand nestelte nervös an der Goldkette feiner langgeftielten Lorgnette Er hob das Glas und betrachtete indigniert die Erzürnte. Dann verneigte er sich mit fpot- tischer Höflichkeit: „Die Demoifelle scheint nicht zu wissen, wer ich bin. | Wenigstens will ich das zu ihren Gunsten annehmen — Graf Colloredo ist mein Name, Kämmerer unserer aUergnaöigften KaiseriN-KonMn
Elisabeth Brand biß sich auf die Lippen. Aber sie erwiderte nichts
Nur die Dielgratterin zeterte erschrocken: „Morand und Joses, Lisl, was hast jetzt wieder ang'ftellt — Entschuldigens halt vielmals, Herr Graf! ’s is a Kreuz mit dem Mädel. An gar fo an frechen Schnabel hals — Meiner Seel, ich schwör, daß s' nit g’wußt hat was red t — Da gehst her, Lisl! Augenblicklich um Verzeihung bitten tust!
Die Brand schwieg.
Graf Colloredo schien zu warten. .. ... „ . ...
Als keine Antwort erfolgte, meinte er: „Wie die Demoifelle glaubt! Ich komme nämlich im Auftrage U,rer Majestät. Die Käftern, geruhte heute nach den fünfhundert Kerzen zu fragen, die tue Hofkammer dem Brand für den großen Ball la semaine prochame ..m Auftrag gegeben Heute ist Freitag. Morgen zehn Uhr vormittags wünscht Jhro Maiestat wenigstens eine Probe davon zu sehen." Wieder hob Graf Colloceda die Lorgnette. „Ich will hoffen, daß die Kerzen nach Wunsch ausgefallen sind Wird ja ohnehin das letzte Mol gewesen Ir’m, daß der Brand von der Hofkammer einen Auftrag bekommt. Er kann sich dafür bei der 3 nf ole nee feiner Tochter bedanken!"
Heilige Mutter Gottes!" kreischte die Alte.
Graf Colloredo wartete. Immer noch stand tue Brand, ihm den Rücken kehrend, am Fenster. Sie sagte nichts Da warf er ein «Slberstuck für das Lebkuchenherz auf den Ladenttsch, nahm Dreispitz und Stöckchen, nickte kurz auf den devotenKnicks der Alten und ging langamW»r Ture
recht, wer es war. Die Vielgratterin legte den Strickstrumpf auf die Karten, schob die Brille in die Stirn, hob einen Leuchter
Erst als der Besucher beinahe schon am Ladentisch (taub, die weiß behanbidiuhte Rechte mit der Lorgnette aus dem lichtblauen Mantel nahm und sich tticht vLgend, näselte: „O lala s. belle hätteich nnr bu Demoifelle gar nicht vorgeftellt", erkannte Elisabeth Brand den Kavalier von vorhin Unwillig wandte sie sich ab und trat ans Fenster. Indes die Alle sich ächzend aus dem Lehnstuhl erhob und hinter der Pudel einen
Aloisius Brand legte das Arbeitszeug aus der Hand, hob erstaunt den Kovi' Du?! — Ja, weiht denn auch, was das heißt, zu einer Kafterm in Audienz gehen? Wir find nur einfache Bürgersleut. Unsere,ns paßt mt Lft^ Brand ^antwortete fröhlich: „Die Kaiserin ^bt doch mt!"
Manchmal schon", antwortete der Meister lachend, stand auf unD legte die Schürze ab, um in den ersten Stock zum Abendbrot zu gehen. „Manchmal schon. Na, wir reden noch drüber, Lisl.
degen vertauscht hatte, war Wachtmeister noch unter dem Prinz Eugen gewesen Nach der großen Turmer Schlacht, die beim Sturme des Dessauers durch einen Schuß ins rechte Bein wieder zum Kerzelmacher werden ließ, hatte er eine schöne Welsche zur Frau genommen. mar öie Tochter eines verarmten Nobile gewesen. Einer von dessen Dorsal) e i hatte in den letzten Jahren des Cosimo bei Medici in Florenz eine N°An^ch/"einsttge Wildheit dieses Blutes erinnerten nur noch der Cäsarenschädel des Aloisius Brand, die dunklen, manchmal in verhaltener ©lut funkelnden Augen und sein rasch entflammter Zorn.
Als der Meister die Tür gehen hörte, wandte er sich nm^n bas Sch (eines Arbeitsplatzes gewöhnt, konnte er >m Dunkel der Werkstatt nicht loaleicb erkennen wer es war. Seitlich über die Lehne seines Sessels s ch neiget, versuchte er, die unruhig zuckenden Schatten »ft. durchdringen. Er lachte erfreut, als die schlanke Gestalt feiner Tochter plötzlich 'M Licht kreis der Kerzen stand. Zärtlich strich er ihr über den Kops, der sich grüßend auf feine Hand niederbeugte. , y, . « n„t.,
H Guten Abend, Lisl!" Aloisius Brand griff m -men Korb voll Leb kuchen und reichte ihr einen. „Magst abbeißen? Sind gut g worden, die Frstgal?r'»)ieder aufsah, bemerkte er ihr ernstes, bekümmertes Gesicht. ^Was hast denn? Hat dich die Taut wieder g ärgert? I weiß, es ist a Kreuz mit ihr. Aber wir brauchens halt —
List versuchte zu lächeln und schüttelte den Kopf.
Oder i t dir sonst was über die Leber g’laufen?" fragte der Sitte, antwortete nicht gleich. Sie wollte dem Vater den Kummer er- sparen Wenn der Hof keine Aufträge mehr gab, fah es schlimm aus. Das wußte sie. Seit vor anderthalb Jahren wieder ber Krieg mü Preußen I hennnnen waren die Aufttäge ohnehin rar geworden. In den Kriegs I ,e9en schrumpften Handel und Geldbeutel. Selbst der Hof begann schon ulparm Und von den Opferkerzen, die die Soldatenfrauen kauften - das Stück zu einem Viertelkreuzer —, konnte man nicht leben.
Aber sie wollte das schon wieder in Ordnung bringen. Sie lochte. Was soll mir denn über die Leber g’laufen sein, Herr Vater? Werd halt "" S&M ».-Ich.---'»
brinaen " Er lächelte still und stteichelte nachdenklich ihre Hand, die aus dmi^Tifch neben dem verfchinähten Lebkuchen lag Nach einer Weile fraate er- Wer war denn vorhin da? Mir war s doch, als hatt ich bie ©locken g’hort." Er hatte sich wieder seiner Arbeit zugewandt und sah nicht die flammende Röte in dem Gesicht seiner Tochter
Sie bezwang ihre Verlegenheit und antwortete gleichmütig E n Hoskovalier war’s. Er hat nach den Kerzen g fragt, für den Lall n der nächsten Woche. Die Kaiserin selber möcht morgen um Zehn «ne ^°Mrister"Brand fuhr auf seinem Stuhl herum. -^“5?!--Die Kaiserin selber?— Wo’s nur die Zeit hermmmt für solche Bagatellen?
„Sind die Kerzen am End noch nicht ferttg Hen Vatter? ,ragte d I Lisi hastig. Nun bereute sie es doch, daß sie den Kavalier der Kaiserin so verächtlich behandelt. Es wäre wohl auch etwas sanfter gegangen.
Als am nächsten Morgen die späte Wintersonne, aus gelbgrauem Nebel rötlich und fahl über das steile, hochverlchneite Riefendach de-
bie Xauben auf dem zierlich geschwungenen mit Schnee bestaubten^ sims des Fensters flatterten nicht mehr auf. So ^rifttzunafogt) das knicksende Mädchen gewohnt. ^Fortsetzung soigi--
auf dem schon von Halbdunkel beschatteten Teil des laugest Arbeitstisches lag Vorsichtig hob er eine Handvoll Kerzen heraus und behsieuber die gespreizten Finger behutsam aus «ne kleine, dunkelrote Filzdecke gl« en. 8 Neugierig betrachtete feine Tochter die elfenbeinfarbigen seidig fchim. mernden Lichter, auf derer zarter Rundung das Goldrelies des Käfter wavvens funtelte. Sie schlug lachend in bie Hande: „Schon sind s geworden, die Kerzln!" Ihr Zorn über den Kavalier und ihre Angst "" Der^Alte^nickte befriedigt: „Freilich sind’s schöng’wordem Und, wie nickte kurz aus den devoten Kmcrs oer einen unu g»ig lungjum t j.eut hab ich’s in die Burg schicken wollen. Aber Ser Ansen, oer
Aus den Stufen blieb er stehen, sah sich um. Das Madel rührte sich nicht. 9 Zeut „sjcht zur Arbeit kommen. Wird halt krank fein. Oder ” " !r — * vielleicht hat er wieder feinen Rausch. Und an andern oder gar einen
Lehrbuben hab ich nit schicken wollen. Man halt doch schließlich was aus Reputation" Er kratzte sich seufzend hinterm Ohr. „Na ja, jetzt muß ich’s halt selber hinttagem die Kerzln. Freud machts mir keine. Das kannst mir olcruben. M^rs Dienern bin td) mt 9 |d)Q||CTi. _
Lassens"halt mich gehen, Herr Vater!" Sie meinte auf einmal einen Weg gefunden zu haben, wie sie das wieder gut machen konnte mit dem Modeaffen. Auch hatte ihr davor gebangt, daß die Kaiserin ihren Vater am Ende hart anlassen könnte, wegen des srechen Schnabels seiner


