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(Fortsetzung folgt.)
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O Christine Entnahm ihrer Tasche das Geld, zwei schmutzige blaue Fünfmarkscheine und einen Fünszigpsennigscheln, und sagte: „Es ist gut, wenn Sie schon so viel Laufereien damit hatten.
„Wie die Prinzessin von Kaschmir und Samarkand! Ich bin alte' Franz Joseph ... Und nun müssen Sie den Mantel öffnen — nein, den haben Sie ja schon ausgezogen."
„Was reden Sie eigentlich?" fragte Christine.
„Ach, ich meinte nur fo, es ist eigentlich gar nicht sehr nett, daß sich gleich in meine häuslichen Verhältnisse in dieser etwas eigenartigen Form hineinmischen. Ich hätte mich mit diesem Mann schon geeinigt, ich habe mich schon zweimal mit ihm geeinigt."
Christine lachte ihn an. Sie wußte jetzt schon ein bißchen, rote dies Lächeln auf ihn wirkte: „Lieber Milotti, und wenn Sie noch grantiger sind Sie werden mir meine Stimmung nicht verderben! Erstens vergessen Sie'bitte nicht die Garnisonkirche, dann reden Sie nicht über so alberne Dinge wie Geld, und schließlich nehmen Sie zur Kenntnis daß der Professor mich erstens behält und zweitens für begabt erklärt.
Milotti fchüttelte ihr die Hand und wollte sie tuffen.
„Bitte nicht! Ihr Männer seid -ine komische Nation! Der Professor streichelt mir die Wange und kriegt mich ans Ohr, und Sie küssen
Sie ließ die langen Arme von den Knien und stand auf. Sie ' stampfte leicht mit dem Fuß: ,Zch bin doch schließlich eine Nucktasch, Ium Donnerwetter! Gestohlen habe ich doch mein Temperament nicht! 3 „Scheint mir", sagte der Professor. „Schön, schon, und wo werden Sie wohnen, und wie denken Sie sich die pekuniäre Seite?
„3d) habe Geld."
„Wieviel?" fragte der Professor.
"Würde"unter normalen Umständen ja für vier bis fünf Monate reichen. Bei mir brauchten Sie selbstverständlich nichts zuzah en, aber S>e müßten in eine anständige Pension, und das ist heute sehr schwierig.
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Heinen Ständer, tat Tabak hinein und stopfte ihn mit der rechten Hand fest, er nahm die Pfeife zwischen die Zähne und schlug mit dem Feuer- zeug das er allein mit der rechten Hand bedienen konnte, eine Flamme. Dann blieb er vor Christine stehen: Was war bas für ein merkwürdiges Geschöpf, biefe Christine Rucktasch! Manchmal schien sie ein Kind zu sein ein Backfisch, und dann wieder war in ihrem ganzen Wesen eine Unabhängigkeit und so ein unerschütterlicher Ernst, daß man erstaunen mußte. Er wurde nicht klug aus- ihr er wußte auch md)t, trne grofj ifjr Talent war. Es war etwas da, aber man wußte noch nicht, wo es ^'^Selbstverständlich will ich Ihnen helfen! Also da wäre die Frau Monika Hinterzart, die ist fehr ordentlich. Vielleicht können Sie sich da unterbringen. Ich werde anlauten. Kommen Sie ... , er machte eine Pause. paffte mächtige Wolken in die Luft und gingi durch das Zimmer also kommen Sie in Herrgotts Namen zum Aktzeichnen. Die zwei
Monate wird man auch noch überstehen. Machen Sie .'"glichst wenig Dummheiten und nehmen Sie das Ganze schließlich nicht zu tragisch.
Väter sind komisch, meiner mar es auch."
®r streichelte ihr plötzlich die Wange und umfaßte mit seiner Hand ihr Ohr. Dann zog er die Hand zurück, ehe Christine noch etwas sagen konnte. „Da schwimmen diese jungen Enten immer lustig hinein in den See und irgendwo steht eine Glucke am Ufer und macht einen mad)- tigen Spektakel! Ich werde schreiben, daß ich's nicht verantworten könne, Ihr Talent nicht auszubilden."
„Ist das auch Ihre Meinung?" fragte Christine.
Ihre Stimme wurde ganz dunkel. Es war in der Frage em tiefer Allton, der den Professor berührte, als sei eine fremde Musik plötzlich m das Zimmer und geradewegs in sein Blut gerungen.
„Sie fragen viel! Wir wollen hoffen, daß ich nicht zu große Lugen an Ihren Herrn Vater schreibe."
Er ging in das Atelier. An der Tür rief er: „Also adjusing! Diese Frau Hinterzart wohnt in der Keithstraße, sie steht im Telephonbuch. Ich werde sie benachrichtigen." .,
Warum läuft er plötzlich weg? dachte Christine. Ich hacke ihn gern noch so vieles gefragt! Aber er sagt ja immer, ich fragte zuviel. Wem ®ott, wen soll man denn fragen? Den Milotti kann ich doch erst recht nicht fragen, der weiß ja noch weniger als ich, obwohl er im Krieg war.
Es ist unhöflich von diefem Professor, einsach aus dem Zimmer zu gehen und adjüsing zu sagen! Sie stand auf und ging langsam an dern Schreibtisch vorbei, auf dem die große Photographie einer Frau stand. Ueberall haben sie Frauenbilder, das ist es eben! Deshalb haben sie keine Zeit, wenn man sie fragt!
Warten Sie doch", rief der Professor und kam aus dem Atelier zurück „Hier ist die Adresse von unserer guten Schwarzwäldern."
Er reichte ihr ein Blättchen Papier und brachte sie bis zur Korridortür hinaus: „Aus Wiedersehen, Fräulein von Rucktasch! Also die Ohren steif hallen, den Brief an den Vater schreibe ich!"
dauernd meine Hand. Haben Sie mich eigentlich gefragt, ob mir das 6P^ilotti1)tfa6te sie unter den Arm und zog sie in die Küche: ,Am Grunde ist es ja auch ganz ausgezeichnet, daß der Mann uns Hern Jas e^Auf^dlm^Wchtentifch, der sichtlich neu gescheuert war, denn sein weißes Holz glänzte ordentlich, lagen zwölf frisch ausgebackene Schrippen.
Milotti was ist das?" fragte Christine.
Las sind Schrippen, nach dem unsehlbaren Rezept des Seebataillons gebacken: Man nehme prima ®eiienn1ef’1 S;lI hpfnrnf'
Rucktasch, dann nehme man eine Berliner Weiße, die d°tte ich beforgt Wenn der Teich richtig geknetet ist, gießt man diese Flasche Weißbier hn,.. an Stelle der leider nicht zu erhaltenden und verbotenen Hefe. Dann formt man diese Schrippen, legt sie °us ein Blech, «^3- Fee bezahlt die Gasrechnung und stehe da, das Wunder ist fertig!
"Nicht^nach"'Weihbier, bitte." Er griff Butterdose uiü>
schmierte eine Schrippe für Christine, die sich auf den Kuchenstuhl setzte. „Großartig, Milotti! Großartig!"
Auch Milotti schmierte sich gleich zwei von ^°m weihen duften fflshnrf V 'Smiidien Sauen und Schmieren von neuen Schrippen sand er nodi Zeit, sich plötzlich auf den steinernen Küchenboden zu Fußen von Christine zu fetzen. Er streichelte mit der rechten Hand ihr Bein.
„Milotti, Sie sind ein verrücktes Luder! Was haben Sie letzt miede mit meinen Beinen zu tun?"
oerfteben Sie nicht, Christine! Man muß nicht nur mute riaHti,*> fein man muß auch einen ästhetischen Genuß haben bei diesen Schripoen/’ZtTscheTzwei Happen sang er, dabei streichelte er immer mieder das Bein entlang: .
Mariechen sah auf einem Stein, einem Stein, Und kämmte sich ihr goldenes Haar, goldenes Haar ... Da tarn der Bruder Karl zu ihr, Karl zu ihr ...
Milotti erstens ist mein Bein nicht für Sie da, zweitens finde ich das"Lied scheußlich, die Schrippen aber.gut! Und jetzt muß ich machen, um mit der Frau Hinterzart zu reden.
Nette Freundinnen haben Sie", sagte Milotti.
"Das ist eine Dame aus dem Schwarzwald, ich werde de. ihr
Milotti stand in der schönen tretonbefpannten Diele und verhandelte mit einem älteren Mann, bet recht ungeduldig zu jein schien. C£r sagte zu Christine: „Gehen Sie, bitte, gleich in das Atelier, ich habe hier eine Kleinigkeit zu erledigen." _ , ,. , , „ . ,
Aber Christine hörte, während sie den Hut absetzte und den Mantel in öen schönen englischen Kleiderrechen legte, wie der ärgerliche alte Mann sagte: „Herr von Milotti, wir haben doch unsere strengen An- Weisungen. Es hat jo weiter keinen Aweck, entweder Sie Zahlen nun die zehn Em, oder ick muß das Jas sperren!"
„Wie hoch ist die Rechnung?" fragte Christine.
Zehn Mark und fünfundzwanzig Pfennige , sagte der Beamte. Es ist ja fo aufgelaufen, und mir haben ja nun schon zur Genüge
Eigentlich hatte ich mir das anders vorgestellt , *
war jetzt wieder ganz ernst geworden: „Nur wegen dem bißchen, weil ich da ... wenn man so hübsch ...
Nein nicht wegen dem bißchen, das hätte ich Ihnen schon abge- wöh'nt! Der Professor hat vollständig recht, ich dars meinem Vater keine "ÄFigtiÄ. - -i« ----
smnn muft Aufeben, mein Lieber, wie man mit sich fertig Abe'r^Sie Taben mir sehr genutzt, Milotti, und mein Versprechen heckte ich! Sie malen und ich verkaufe Ihre Bilder. Es wäre gut, »enn ™ eine Kopie von dem Hafenbild behielten. Machen Sie nur, bitte, noch eine Schrippe zurecht, und dann muß ich gehen. Zum Mittag bini ich m^her hier 2ßenn es Ihnen recht ist, Milotti, können wir jeden Mittag Ter zufammen effen! Machen Sie nicht ein solches Gesicht, Sie werden chon noch mit mir zufrieden sein."
lrhristine ging in ihrem schnellen Tempo am Ufer entlang und f h hinüber nach dem kleinen Platz, wo eine marmorne Frauenfigur stand, die sie liebte. Ein paar Enten flogen mit schnellen Flugelschlagen inchf über den Wasserspiegel im Kanal entlang. Nach em paar fjunbert Meter warfen sie sich mit lautem Klatschen wieder m das Wasser.
Bald werden hier die Kastanien blühen, dann wird das ganze Ufer rot und weiß überdacht sein. Was wird dann mit mir fein? Der Pro effor hat ganz recht, ich muß versuchen, daß ich bei der Frau H'nterzart unterkomme! Aus einmal lachte sie vor sich hin: Das wäre eine Geschichte iir den Onkel Paul, nämlich, wenn die Frau Hmterzart auf dem Schimmel Himmeldreck in die Hölle führe!
Die Frau Hinterzart war sichtlich in einer guten Stunde des l eben Herrgotts gebrech elt worden. Sie war klein und rund und hatte dunkel braune luftige Augen unter einem schwarzen Scheitel. Sie si°wmte aus dem Schwarzwald, aber sie sprach alle südlichen Dialekte Deutschlands durcheinander, denn ihre kleine Pension war em Treffpunkt aller junger Menschen jenseits der Mainlinie, und sie hatte sich von jeder deutschen Svrache ein besonderes Kraftwort angewöhnt.
no das Fräulein von Rucktasch! Den Herrn Großvater habe ich "auch gekannt. Gelle, da war doch die Jahrhundert-Ausstellung in Freiburg? Der Herr Professor Rottenbach hat schon mit mir gesprochen Wir werden Ihnen ein Zimmerche Herrichten. Da ist das Fräulein von Rodenstock, die ist jetzt zwar nach Freiburg und kommt erst im Sommer wieder. Der Herr Vater wo der berühmte Pro- fesfor ist, der Augenprofessor, Sie wissen schon, der hat sie Henn befohlen. Er feiert doch den siebzigsten Geburtstag. Hat sich auch ’ne schöne Zeit dazu ausgesucht!"
Christine stand noch immer im Flur vor der kleinen kugelrunden Frau und sah auf den schwarzen Scheitel.
„Sonst sind wir ganz besetzt, das ist ja nu mal halt so. Es gibt ja gar kein Locher!, das frei ist in dem großen Saustall Berlin. Aber kommen Sie!" Sie nahm Christine an die Hand und führte das kleine Besuchszimmer. Das sah aus rote eine Schwarz Bauernstube. Ein paar große Truhen in bunter Farbe standen Wänden, in der Ecke war ein breiter, bunter „Schrank, Zinngefchirr und Schwarzwälder Holzteller standen; über dem lag eine gewürfelte Bauerndecke.
kleine dicke Frau drückte Christine in einen der breiten Holz- auf denen Kissen in dunkelblauem Leinenbezug lagen.
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