bekommen. Auch nicht das kleinste mehr? Auch nicht das kleinste mehr. Oder doch, ja, das eine ganz oben. Aber das ginge doch nicht. Gerade das wollte ich haben. Schriftsteller sind gewiß komische Heilige, dachte der Kellner, das sah ich, und führte mich hinauf. Das andere weiß man wohl schon. Mein altes Bett! Ja, da stand es, wie damals, da es mein Vater mit mir zu kaufen kam, alt, wurmstichig schon, aber noch immer ein Bett, bereit, einen von uns reisenden Menschen aufzunehmen, um ihn in einen guten Schlaf, in einen schönen Traum zu knarren, diesmal aber, um einen lange Entschwundenen wieder um Jahre zurückzutragen und ihm zu sagen, welch dummer und eitler und, ach, sehr glücklicher Pen­näler er einmal war.

Was ich liebe.

Von Hans Christian Andersen*.

Ich lieb' das Meer, vom Sturme wild bewegt;

Ich liebe es, wenn seine Woge schlägt, (

Der Mond sich spiegelt in der Tiefe Blau; > Ich liebe Berge und die schöne Au, Die großen Flüsse und das tiefe Thal.

Ich lieb' des Waldes grünen Sommersaal, Die stille Nacht mit ihrer Sterne Heer, Die Abendrökhe, schönen Tags Gewähr, Den glänzend weihen Reif auf nacktem Zweig. Doch hasse nein, an Haß bin ich nicht reichl Ich hasse nur die bittre, grause Lust!

Ich hass' der Sünde Keim in meiner Brust! Ich hass' des Aberglaubens Höll'-Gewühl! Das Kind lieb' ich und kindliches Gefühl; Ich lieb' den Geist in seinem stolzen Gang, Die Tonkunst mit dem sehnsuchtsvollen Klang! Ich lieb' die Blume mit dem frischen Duft, Und Vögel in der reinen, freien Luft.

Ich lieb' den Freund so fest, wie Berge stehn! Ich lieb' das Weib eins hab' ich einst gesehen, Und sie war Braut das war recht eine Lust! Ich liebe diese Sehnsucht in der Brust!

Ich lieb' das Grab mit seiner Friedenszeit. So wie den Geist der großen Ewigkeit.

Wasserburgen am Niederrhein.

Von Karl Bringmann.

Wer vielleicht zu Schiff in langer, genußreicher Talfahrt den Rhein herabkommt und sieht, wie nach den letzten versperrenden Höhen des Schiefergebirges und seiner Ausläufer der Strom in die schier endlose Weite der Niederung tritt, dem mag nach den wechselnden Ansichten und Eindrücken des Mittelrheins das Gesicht der neuen Landschaft als ein- tönig'und jeden Reizes bar erscheinen. Den letzten Grüßen der Berge dor Bonns Altem Zoll folgt noch das vieltürmige Bild der alten Dornstadts Stromabwärts aber weitet sich der Blick über lange Deiche und stille Wie­sen, auf denen träge Kühe weiden. Nur an der Ruhrmündung unter­brechen ragende Schlote und Hochöfen, die Zeugen eines arbeitssamen Volkes, das Bild, dann wieder dehnt ftkch das Land bis an den Horizont; niedrige Gehöfte unter altem Baumbestand leuchten in weißem Fachwerk, und Meine, verträumte Städtchen säumen den Strom.

Die Eigenart und Schwere der niederrheinischen Landschaft ist ' in der Hauptsache wohl infolge des starken Gegensatzes zur beliebten Lebendigkeit des Mittel- und Oberrheins wenig erkannt und noch weniger gewürdigt würden. Und doch bietet sie, auch wenn man von den Usern des Stromes in das Land hineingeht, eine Fülle versteckter und stiller Schönheiten, die allerdings eben nicht so laut und offen daliegen, wie etwa die landschaftlichen Reize des Stromdurchbruchs im Mittel­gebirge oder die frei sich bietenden Ansichten seiner weinfrohen Städte. Der Niederrhein erschließt seine ganze Schönheit nur dem suchenden Wanderer, der den Niederungen seiner Seitenflüsse folgt und in feige lichten Waldungen eindringt. Dann aber findet er Werte, die denen anderer Gebiete gleichstehen und auf ihre durchaus eigene Art an­sprechen..

Wir wollen aus diesen Schönheiten eine besondere herausgreifen, die gerade dem Niederrhein und mit ihm noch den angrenzenden Gebieten Westfalens und Hollands eignet, die der von Romantik und Reife- erlebeu so verherrlichten Poesie der mittelrheinischen Burgen entspricht und ihr doch so entgegen ist, daß sie den Gegensatz von Mittel- und Niederrhein in sich verkörpert.

Die Wasserburg ist in Geschichte und Gestalt ureigenstes Erzeugnis der rheinischen Niederung. Wenn die Höhenburg allein aus den Be­dürfnissen des Schutzes und der Verteidigung geboren und an ihre Lage gefesselt, sich als Sinnbild der Herrschaft, als Wehr- und Wohnbau zu­gleich hoch über das Land erhebt, so finden sich bei den Wasserburgen

* Das Gedicht des dänischen Märchendichters wurde uns aus der Auto­graphensammlung von Herrn Geheimrat Professor Dr. G. Krüger, Gie­ßen, zur Verfügung gestellt; hie handschriftliche Fassung enthält merk­würdigerweise einige Verse, die sich im Druck nirgends finden.

der Niederung diese Aufgaben oft geteilt. Den von den Territorial- fürsten gebauten, an das alte fränkische Recht der Königs- und Hoheits- bürg anknüpfenden Stützpunkten landesherrlicher Macht, wie sie beson­ders die kurkölnischen Landesburgen Hülchrath, Lechenich oder Sinn bei Uerbingen verkörpern, stehen eine große Anzahl von Wasserburgen kleinerer Lehensträger zur Seite, die in erster Linie als Wohnburgen dienten und in enger Verbindung mit dem umgebenden, landwirtschaft­lich genutzten Grundbesitz waren. Zu diesen beiden Grundtypen gesellt sich als dritte die Stadtburg, die meist an einer Ecke den Befestigungs­werken der Stadt eingefügt und von dieser durch einen Winkelgraben ab getrennt ist.

Das wohl älteste und eindrucksvollste Beispiel dieser Art ist die von 1184 an errichtete, damals von den Fluten des Rheins umspülte Bar­barossa-Pfalz zu Kaiserswerth, von deren Ausdehnung und Pracht leider nur spärliche Trümmer noch Kunde geben. Für alle diese Arten und, als letzte vielleicht noch, das durch einen Wassergraben geschützte ein- fache fränkische Gehöft, bildet sich schon in der frühen Entwicklung die gerade auch die wirtschaftliche Bindung der Wasserburgen kennzeichnende Teilung in ein festes Haupthaus und eine ebenfalls durch Wall und Graden befestigte Borburg aus, die bei dem landesherrlichen Burgen als eine Art Zwinger, bei den Adelssitzen meist als Wirtschaftshos ausge» baut ist. , v .

Die Anfänge dieser besonderen Art des Burgenbaues in der Riede- rung verlieren sich im Dunkel frühgermanischer Geschichte. In den Flucht- bürgen der germanischen Stämme, die im unzulänglichen Moor, auf See- und Flußinseln angelegt ober durch Erdwall und Wassergraben geschützt waren, kann man ihren Beginn sehen. Die frühmittelalterliche sogenannteMotte", ein aufgeworfener Erdhügel, ähnlich den Fluthügeln in Holland oder auf den Halligen, ist die Gegebenheit, deren sich die Bur- genbauer des 13. Jahrhunderts bedienen, um die in gebirgiger Land­schaft so leichte militärisch-technischeUeberhöhung" des Angreifers in der Niederung durch eine andere Verteidigungsform, eben den Schutz durch Wasser und Sumpf zu ersetzen. t

In der Blütezeit des Lehenswesens war bald das weite nieder- rheinische Gebiet bis nach Flandern und Holland hinein mit einer Un­zahl von Wasserburgen, vorn einfachen Turmhaus oder Gehöft bis zur Großanlage mit zwei und drei Vorburgen bedeckt. Sie stellten die Wehr­haftigkeit des flachen Landes dar und förderten und schützten die land­wirtschaftliche und vielerorts auch die kulturelle Arbeit. Mit der Er­findung der Feuerwaffen war ebenso wie für die Höhenburgen auch für die Burgen der Niederung die militärische Bedeutung dahin. Als im Jahre 1416 zum erstenmal das neue große Geschütz der Stadt Köln gegen eine Wasserburg, das Haus Rott an der Siegmündung, eingesetzt wurde, schoß schon die zweite schwere Steinkugel das Turmhaus der Burg in Trümmer. Zwar wurden noch im 16. Jahrhundert auch einige Wasser­burgen nach den neuen Regeln des Festungsbaues umgebaut und mit massigen Batterietürmen ausgerüstet, die Franzosenkriege des 17. Jahr­hunderts aber besiegelten auch ihr Schicksal. Während unter diesen Schlägen mit den Resten des mittelalterlichen Feudaladels die Höhen­burgen rettungslos verfielen, konnte sich bei den Wasserburgen im fruchtbaren Niederrheingebiet das Schwergewicht auf die Bewirtschaftung des Grundbesitzes verschieden. Der verhältnismäßig gute Zustand vieler Wohnburgen, ja sogar manche spätere Neubauten sind mit auf diese Zu­sammenhänge zurückzuführen. So ist es gekommen, daß wie die Wasser­burg heute nicht nur als toten Zeugen einer vergangenen Zeit, sondern als" Bestandteil und Eigenart der niederrheinifchen Landschaft anfehen dürfen.

Wer sich von Neuß, der alten kurkölnischen Feste an der Erfteinmün­dung, gegen Westen zu auf München-Gladbach wendet, der wird, -roenn , er die Niederung der Erft verläßt, bald auf einige der schönsten Burgen ' stoßen, die der Niederrhein aufzuweisen hat. Etwas südlich bei Greven­broich das feste Haus Bonienbroich aus dem 16. Jahrhundert, nicht weit davon das bekannte Schloß Dyck, dessen jetzige Form mit barocken Eck- türmen um 1670 entstand. Bei München-Gladbach reckt Schloß Millen­dink feinen alten Torturm aus dem 15. Jahrhundert hoch; die feste Masse des Herrenhauses überragt noch ein sonst bei Niederungsburgen seltene­rer Bergfried. Schloß Rheydt mit feinen Arkaden, feiner doppelten Vor- burganlage und dem stimmungsvollen Kapellenanbau ist ein späterer, anmutiger Umbau einer alten Burg von 1560.

Das Erfttal weiter aufwärts ist reich an mächtigen Burgbauten. Neben dem Burghiigel Neu-Hochstaden, der eine der ältesten nieder­rheinischen Anlagen des 12. und 13. Jahrhunderts trug, finden sich die herrlichen Wasserschlösser Bedburg, Frens, Horst und das kurkölnische Hochschloß Lechenich. Linzenich bei Jülich mit dem hohen Turmhelm, Konradsheim, Sinn, die reichgestaltele, leider bis auf die Wirtschafts­gebäude verfallene Landesburg bei Uerbingen und, weiter zum Norden, die Schlösser Haag und Ringenberg, Wissen und Hueth, Hugenpoet im Ruhrtal und das neugotisch erneuerte Moyland bei Cleve, alle diese sind nur einige Namen aus dem großen Kranz der Burgen, die ihre Wehr- -mauern und Türme in den Wassern und Seen der niederrheinischen Land­schaft spiegeln. Biele Gutsburgen kommen hinzu, vom alten Niershof bei Kämpen, dem Muster einer befestigten Wohnanlage, bis zu Schloß Heltorf, dem Sitz der Grafen von Spee, manche alte Stadtburg, wie die Wehranlagen im malerischen Zons oder im festen Zülpich, und schließlich auch mancher Restturm und Trümmerhaufen, der den früheren Glanz des hohen Hauses nur noch ahnen läßt.

Wer so auf einsamer Fahrt und Wanderung auf den Straßen beson­ders des linken Niederrheins plötzlich das Wasser eines Burgteiches zwischen den Bäumen aufleuchten oder in der dunstigen Ferne die -türme einer festen Burg auftauchen sieht, der empfange still das Bild, das sich ihm bietet, und genieße es nicht nur aus dem Gefühl einer so leicht verwaschenen Romantik; - er gedenke vielmehr des alten Urstrom­tales deutscher, mittelalterlicher Kultur und fühle sich den Zeugen jener wehrhaften Vergangenheit verbunden.

Lerintworllich: Dr. Hans Thhriot. Bruck und Derlag: Brühlsche Universitätsdruckerei A. Lange, Gießen.