und still.
6 em eine
Sieb?"
Diesmal störte sie selbst nicht der Duft des Rüster Ausbruchs der Pfafsstättener Auslese im Atem des Musikus, und sie viirfte
welche Zr ...
jungen Leute vorgesehen hatte!
Dann traten sie ins Hous.
In dem Hellen, geräumigen Wohnzimmer zu ebener Erde, aus man durch eine hohe, glälerne Türe und drei mächtige Fenster über Terralle mit steinernen Putten In den weißen, glitzernden Mittagsmuber des filtrierte; sah, mußte Elfiabeth Brand die wortreiche Begrüßung der Mutter Klrndorfer über sich ergehen lassen, die an Rundlichkeit den Fässern ihres weingewalkiaen Gatten nicht nachstand. Belcheidon lächelnd hörte sie sich dann arglosen Hertens die beziehungsreiche Rede des Hausherrn an, der, die noch ausstehende Entscheidung kühn vorweg-
Richt lange nach Ihrer Ankunst saß Elisabeth Brand in dem behäbigen, nur ein wenig zu prunkvollen Schlafgemach des Kirndvrfer- Hauses das sein Besitzer ein einfaches genannt hatte. Auch dieses nächtliche, für Besucher sonst nicht zugängliche Gemach zeugte von dem Goldwert der Reben. Richt nur waren alle Möbelstücke des Raumes aus kostbarstem Werkstoff, aus Rosen-, Veilchen-, Mahagoni-, Amarenthen- und Tulpenholz, dazu aufs schönste eingelegt und mit Figuren und Ornamenten überreich verziert: selbst der unter dem breiten ehelichen B-tte hervorlugende Stiefelzieher des Weinkönigs war ein Beispiel für die erlesen« Fertigkeit wienerischer KunMschlerei. Auf allen geeigneten und ungeeigneten Flächen der Möbel standen duftig schimmernde Er- Zeugnisse des modischen Porzellans. In den beiden Vitrinen neben den Fenstern, aus den Kommoden, dem Toileltespiegel, aus Tischen und Konsolen, auf der Höhe des von vielerlei Hölzern schimmernden Kleider- schranks drängten sich bunt oder in strahlender Weiße Figuren und Basen, Schalen, Dosen und Uhrgehäuse aus Porzellan, und sogar aus der versehentlich offen gebliebenen Türe des einen der beiden Nacht- kästchen schimmerte rin geblümtes Erzeugnis der Wiener Manufaktur.
Vielleicht hatte Mutter Klrndorfer ihren Gast mit Absicht in dielen Raum geführt, ttttt der Demoifelle die sie erwartenden Liebesfreuden mit dem Franzi durch ein solches Schlafgemach verführerilch anzudeustn. Doch der Zeitpunkt war verfehlt. Heute hatte Elisabeth Brand für all« diese Pracht kein Auge, ttairm. daß die Kirndorserin sie allein gelassen, drehte sie vorsorglich den Schlüssel der Türe herum, trat an eines der Fenster und vertiefte sich in den Brief.
In ihrem Herzen begann es zu leuchten wie draußen im Mritags- olan.z die Kärt-n, von deren Blumen jetzt der Schnee fiel, wie di« Wiesen und Weinhänge, in die die Sonne schon gründ—nie Flecken schmolz, und wie das mittägliche Wen in der unendlichen Wrile und Klarheit dieses glashellen Taos. In dem Briefe gestand ihr der Freiherr von Rab-nau, daß sein Herz keine Ruhe mehr finden könne, seit er sie in der Burg der Kallerin aesehen, er ohne sie nicht mehr zu leben vermöge, und was eben seit Anbeginn der Welk jeder Liebende der Geliebten immer wieder gesagt oder geschrieben. Er bat um Antwort, ob sie diese seine Bebning erwidere und ob er sie übermorgen, Dienstag, vor dem Martenbftde im Stephansbom treffen dürfe. Ihm dieses ersehnte Briestein zukommen ,ni lassen, wäre n-cht schwer. Sie möge es nur in eine der Lebzeltenschachteln legen, di« fein Bursche allabendlich kaufe. „ , .
Da scheu ihr das Leben, das ihr heute ohnehin wieder so wohl gefiel, noch einmal io köstlich. Nun war di« aroße Lieb« wirklich ae- tri-nmen, von der Matthias Wimmer so verständnisvoll gesagt hatte, daß es an der Zeit damit wäre.
Lang« saß Elisabeth Brand an dem sonnen überglänzten Fenster und hörte es nicht, wie unten mahnend der Vater rief. Erst als Mutter Kirnborstr leise an die Tür klovfte, sprang sie erschrocken auf, daß aus Item hinter ihr stehenden Tischchen ein wrißschimmernder Bacchus mit einer mächtigen Rebe im Ann — nebst dem Amor mit d'M Bogen, das Lieblingsstück des K'irndorfer — in weinfeliges Schwanken geriet. Sie schad den Brief rasch in den Ausschnitt des Kle.d-s, dorthin, wo zum Leide der Katharina Melgratterin di« Blicke der Männer auch in ihrer Jugend nicht ,zu dringen begehrten, ordnete hastig di« dunklen Locken an ihren Schlägen und trat auf die Treppe hinaus.
So von Glück durchsonnt sah di« Demoifelle Brand aus, als fk letzt Arm in Ann mit der ihr zugedachstn Schwiegermutter durch die Türe des Wohnzimmers trat, daß der Nußdorfer Weinfürst dem Kerzrimacker bedeutsam zuzroinkerte und auch dieser meinte, es sei am Ende sein Ja nicht gar so vorschnell gewesen. Nur der R-venschon ahnt« die kommende Tragödie und sah bekümmert in den Garten hinaus
1 (Fortsetzung folgt.)
nehmend, behauptete, daß mit der schönen Demoifelle Brand das Glück einaezogen sei in sein einfaches Haus. Hinter den beiden Alten leuchtete das flachsblonde, borstige Haar des Franzi, der sich vorhin nicht zum Schlitten hinausgewagt hatte und nun fein rötlichrundes, gutmutiges Gesicht rote ein Schlllbub, der fein Gedicht aufsagen soll, zu einem freundlich-verlegenen Grinsen verzog. Als die Alten endlich ihre Begrüßung voll überlauter Herzlichkeit beendet hatten, überreichte er lächelnd vortretend, aber stumm rote ein Fisch, mit plötzlichem Vorschnellen des Armes der Demoiselle den gewaltigen Rosenstrauß, den er, wie der Bauer feinen Regenschirm, umspannt hielt, feit man draußen das Si ngeln des Schlitten vernommen. Die Rosen entstammten dem Reinen Treibhause, das, wie es sich für den Landsitz eines Großen dieser Welt gehört, auch dem Vesitztume des Johann Kirndorser nicht fehlte.
Während der kleine Regenschori beim Anblick der Hände des trotz eines strafenden väterlichen Blicks hartnäckig schweigenden Franz! -me stille Betrachtung anstellte, wie diese mächtigen Pranken wohl tr. ch geeignet seien, ein Paar wohlgenährter Rösser durch die Straßen und Weinberge zu kutschieren, nicht aber ein so zartes, seines Persönchen durchs Leben, sann Elisabeth Brand darüber nach, wie sie eine Weile allein fein könnte. Denn sie wollte doch das ihr so zauberhaft zugeflogen«, in ihrem Muff verborgene Brieflein lesen. St« flüsterte der Kirndorserin zu, daß sie gerne ihr Haar in Ordnung bringen mochte, daß der Fahrtwind zerzaust.
Mutter Kirndorser willfahrte diesem Wunsche um so lieber, als sie daraus schloß, daß das Fischlein schon an der Eheangel zapple und sich für den Franzi noch besonders schon machen wolle. Wenn bas auch bet der Brand nicht nötig schien. Auch erhoffte sie sich von diesen eigentlich überftü'figen Verschonerungskünsten der Lift doch noch einen wohltätigen Einfluß auf die Schüchternheit ihres Sohnes, der immer noch wie em Iaodhund, der versehentlich ein Rebhuhn gefressen, dastand und verlegen zu "Boden starrt«. Wie sollte das erst nach dem Mittagessen werden, für
'' "eit die kirndorferische Regie ein wohlbedachtes Alleinsein der
durch W« Biegungen der Straße, daß bie Lisi leist ausschrie unb Aloisius I Brand zum Kusichbock hinaupchri«: ,.Kirnoor,«r, fahr mk so narrisch!
Da sah sich di« List noch einmal um und barg bestürzt ihre Nase im Muff. Ihr Gesicht wurde rot wie die Ros« auf dem schwarzen, goto- verbrämt«n Dreispitz des Reiters. Eben lieh Johann Kirndorzer die Gäule in Schritt fallen, weil van der Straße der st«,le, H emge- schnitten« Schluchtweg abzweigte, der o,v den ersten Häusern von MB- dors zu seinem Weinsttz führt«.
Auch der Rester bog ein, trabte noch ois dicht an di« Rückwand des Schlittens heran und fiel dann in Schritt. Mühsam klommen die Gaule des Kirndorser den verwehten Hohlweg hinaus. Dichtauf folgte öer Reiter. Brand und die Lisi konnten den Atem des wippenden Pferde- kopfes auf Nacken und Wangen verspüren. . I
Jetzt erst erkannte die Melgratterin den Schneemann vom Stephans- platz. Wo der wohl jetzt hinritt? Warschcinlich machte der Hof ein« I Landpartie: di« Frauenzimmer im Schlitten, die Kavaliere zu Pferd. G'witz war auch das Komstßel dabeil Daß sich die Lenk gar nicht schämen! Erst frißt er Lebzelten mit ihr und illumimeris mit einem «anjen Laden voll Kerzen und dann steckt er auch noch di« rote Rost an feinen Dreispitz, als Fanal feiner Sünden! Katharina Btdgraiierm I schoß giftige Blicke. , .
' Di« Äugen des Regenschori Matthias Wimmer gingen über der vereisten Brille ein« Weile prüfend zwischen Lisi und Reiter. Dann meinte er schmunzelnd: „Mir scheint st gar, di« List friert, wetts gar so rot is. Na ja, blasen halst ja ordentlich. Narrisch g’nug «'fahren is er l«. der Kirnborser — Geh. List, tauschen wir Platz! Hinterm Buckel vom Kirn- | dorjer is bacheriwarm." Er erhob sich, nahm di« Elifabech Brand vor- sichtig um die Hüsst, schwang sie aus den Rücksitz neben die Bielgrattenn und sich selber zum Brand. Dann lehnte er sich behaglich m die Ecke des Schlittens, brückte ben Nacken in das Kiffen und blinzelte zur Pferdenase hinauf, di« über ihm wippst und schnaubte.
So zogen, indes unten aus dem mauerumgurteten Wien, aus ben Vorstädten, über die vor der dunklen Föhnroand im Süden schon «in Ahnen des Frühlings wehte, aus dem nahen Nußdorf und den Dörfern jenseits des Stroms schon das Mstiagsläuten schwang, di« ®aule des Kirndorser langsam und dampsend ben Hohlweg hinauf. Zwischen dem Regenschori und Aloisius Brand schlug der wippende Pserdekopf ben Takt zur Melodie im Herzen der Lisi. Wenigstens schien das dem Matthias Wimmer so. Und wenn bas musikalische Rotz auch vielleicht nur eine Ausgeburt seiner in Liebesdingeu nicht kleinlichen Phantasie war, so hatte er betreffs ber Melodie im Herzen der Lftl doch recht. Es war ja bas erste Mal, daß sie den Freiherrn von Rabenau so leib- hastig und zum Greisen nahe hatte, wie nicht einmal damals auf ber Treppe ber Kaiserin. Um so heftiger schlug ihr das Herz, als sie doch nicht den leisesten Seufzer tun durst«, sondern nur Mischen Muff und Pelzhaube vorsichtig ihre Augen blitzen laßen konnte. Zum Gluck bemerkte das außer dem Regenschori nur ber, dem es galt. Eingewiegt von der scharfen Luft und bem fünften Gleiten des Schlittens, sch.um- merte Aloisius Brand in seiner Ecke, und auch der hagere Schädel der Bldgratterin wackelte schlaftrunken an ber Schulter der Lift.
Erst als die schmale Fahrbahn aus bem Hohlweg auftauchte und der Schlitten gleich daraus durch ein sandsteinernes Gartentor gegen ein einstöckiges, gelbliches Gebäude mit dunkelgrünen Jalousien einbog, fuhren durch ben Pfiff, mit dem ber Kirndorser feinen Stallburschen heranrief, bie Schlafenden hoch. '
Katharina Bielgratterin versank sogleich neugierig In den Anblick der Residenz des Nußdorfer Weinkönigs, aus deren Wirtschaftsgebäuden und Kellerfenstern der Duft aller Weinhänge wehte um Wien, im Stei- rifchen und in der Wachau, am Rhein und an der Mosel, in der Pfalz und in Franken. In ihr Staunen verloren, merkte sie nicht, daß der Offizier, wie durch das plötzlich Halten des Schlittens gezwungen, feinen Schimmel quer an bie Rückwand des Gefährtes drängte, noch einen Augenblick wartete, bis Brand und ber Regenschori ihm entstiegen, und sich bann aus dem Sattri beugte und einen Brief zwischen Polster und Lehne schob. Dann ritz er, während die Lis! rotüberf lammt den Schlitten verließ, ben Dreispitz vom Haupt, daß seine kleine, weiße Perücke in ber Mittagssonne glitzerte wie bie Schneehauben auf den Pfosten bes Gartenzauns, und hielt nun auch zu Roß unbeweglich sttll, wie damals zu Fuß auf ber Stiege ber Burg.
Indes Elisabeth Brand in verlegener Bestürzung nur mit einem leichten und fast abmeifenben Nicken dankte, Brand und Wimmer, über soviel vermeintliche Höflichkeit erschrocken, ihre Hüte bis zum Boden .zogen, tippte Johann Kirndorfer nur mit dem Zeigefinger an seine ftaube aus Bärenfell. Für ben Nuhdorier.Weinkönig war selbst ein Leutnant vom nobelsten Regiment ber Kaiserin nichts als ein Fretter. „Denn wer bezahltst? — Wir!" sagte er. während er schon mit Brand und der Bielgratterin zum House ging. Wimmer und List folgten
Aus halbem Wege blieb Elisabeth Brand plötzlich stehen, well sie den Muff vergessen hatte, den sie In ber Elle bes Aussteigens auf die Rückwand des'Schlittens gelegt. Matthias Wisfer entring der Zweck dieses Vergessens" und die nun solgende Hantierung Im Schlitten so wenig wie vorhin dos Geäugel ber Demoifelle. Als sie roiebertam, legte er seinen rechten Arm sanft um Ihre Schulter, zog sie ein wenig an sich, sah ihr in die Augen und sagte lächelnd: .,3er also doch noch kommen, die große


