e' darauf bedacht, in dieser ihr noch tr nicht allein zurückgelassen zu
Die Löwenjungen.
In der Höhle. — Gefahr vorüber.
Jagd in der Dämmerung. — Günstige Gelegenheit. Löwen Mahlzeit. — Behagliches Familienleben.
Wenn der Tag sinkt.
Den beiden Löwenkindern war all das so plötzlich und überraschend gekommen und sie können sich noch gar nicht erklären was denn eigentlich geschehen ist. Nicht weit von ihrer Behausung hatten sie neben ihrer Mutter miteinander im Gras gespielt, als plötzlich der Vater erschienen war; bei seinem aufgeregten Brummen war Mutter sofort ausge- Ivrungen und dann waren sie alle in ungewohnter Hast weit fort zu einem großen Felsenhausen geeilt. Dort hatte Mutter sie rntt der Schnauze in eine kleine Höhle gedrängt und streng darauf geachtet, daß sie ganz in der hintersten Ecke blieben, wo es so niedrig war daß s - kaum aufrecht stehen konnten. Sie selbst hatte sich quer vor sie hingelegt und jedesmal, wenn sie von Neugier geplagt abwechselnd einander auf den Rücken gekrabbelt waren, konnten sie sehen, daß Vater im Eingang kauerte und daß sein Rücken vor Erregung zitterte.
Dann begaben sich immer seltsamere Dinge. Die Luft war mit einemmal zum Ersticken heiß und mühsam zum Einatmen, daß sie husten und würgen mußten. Dazu drang von außen em prasselndes und knackendes Geräusch herein. Als das Würgen im Hals losging, roor ihr erster Gedanke gewesen, ins Freie hinauszurennen und dem Rauch, der die Hohle erfüllte, zu entrinnen. Der Kleinere von den beiden hatte als erster Der sucht, über Mutters Beine hinwegzusetzen; doch da hatte !sie sich umgedreht und ihm knurrend zu verstehen gegeben, daß er sich das ja nicht noch einmal einfallen lassen solle. Aber dann wurde es mit dem Gehn ste und Gewürze immer schlimmer, und die Hitze ward immer toller, nein, das wollte der Kleine sich nicht gefallen lassen. Als er dann abermals den Versuch machte, koste es was es wolle, an der Mutter vorbei ins Freie
I zu gelangen, bekam er ihre Tatze zu spüren.
Daraus war ihnen nichts weiter übrig geblieben, als ihre kleinen Schnauzen dicht ins Fell der Mutter zu drücken. Ganz bänglich uno unbehaglich war ihnen zu Mute, als sie Vaters tiefes zormges Gebrull hörten und spürten, wie es in der Hohle zusehends heißer und stickiger wurde. Einmal kam ein glühender Windstoß herein und fegte den Rauch hinaus, und der Kleinere, der in dem Augenblick gerade die Vorderpfoten auf Mutters Rücken gestemmt hatte, sah über Vaters Kopf hinweg die Außenwelt, die sich so wunderlich verändert hatte: da tanzte und huppe und flackerte es rot und gelb zwischen dicken grauen Rauchschwaden! Dann kam ein zweiter Windstoß und drückte wieder allen Rauch herein, der Kleine sprang hurtig herunter und steckte hustend die Nase in eine freie Stelle zwischen des Bruders Leib und der Mutter Rücken.
So hatten sie eine ganze Weile dort gelegen, als sie merkten, daß dir Lust allmählich etwas klarer wurde. Und jetzt erhob sich die Mutter, schritt zum Ausgang der Höhle und legte sich gerade hinter Vater nieder. Der sprang ein paar Minuten danach auf die Füße, und da wußten die Kleinen, daß es Zeit zum Aufbruch war. "
Sich dicht bei der Mutter haltend, traten sie hinaus. Was sie sahen, versetzte sie in Staunen: die Erde war nicht mehr braun und glatt uno mit hohem wogendem Gras bedeckt; soweit sie sehen konnten, war al schwarz und stoppelig, und sogar die Felswand wies schwarze Streif auf. Ja, sie waren noch nicht weit gekommen, da bedeckte diese Schwa z auch ihre eigenen Beine und Gesichter.
(Fortsetzung folgt.)
keine Nahrung gefunden. , ....
Ratlos steht sie da. Soll sie versuchen, dicht an die Felswand gedruckt am Rand des Feuers vorbeizulaufen? Soll sie bleiben, wo sie ist? — Da springt in einiger Entfernung ein Gepard vom Festem herab. Instinktiv duckt sie sich wieder in ihr Versteck, damit der Gefürchtete in feiner eiligen Flucht vor Feuer und Rauch sie nicht entdecke. In großen Sätzen fliegt er durch die äußersten Feuerausläufer hindurch auf den Fluß zu. Gleich darauf schießt eine Pythonschlange vorbei und verschwindet in einer Felsspalte. Dann tauchen zwei Zwergantilopen auf, die es im Gras nicht mehr hält, bleiben auf dem steinigen Feld stehen und blicken hilflos zu den hohen Felszacken auf, die sie nicht erklettern können, rasen zuruck, stoßen wieder auf vordringende Flammen und rennen nun wie besinnungslos im Kreis herum; in ihrer Aufregung sehen sie den einen engen Dnirchschlups dicht beim Felsen nicht, durch den sie immer noch entwischen könnten. , , . .... ,s
Jetzt wälzen sich die zwei Feuerstrdrne auch auf das fteinige Feld zu, das vor dem Versteck der Pallah liegt. Gierig verzehren sie die kleinen Büschel trockenen Grases, die dort noch wachsen, und vereinigen sich dann zu einer neuen Feuerbahn. Jetzt hascht die Flamme einen größeren Busch und lodert hoch empor, die Felswand schwärzend. Verzweiseltes Geschrei der Paviane in ihren Höhlen. Die Kleinen klammern sich an ihre Mütter — die Männchen richten sich mit gefletschten Zähnen auf, einer Gefahr entgegen, die weder mit Krallen noch Zahnen zu bekämpfen ist.
Die kleine Pallah zwängt sich hinter den schützenden Block zurück, soweit es nur gehen will. Dort liegt sie mit roeitaufgeriffenen Augen, offenstehendem Maul und wildklopfendem Herzen — atemlos.
Immer und immer wieder dröhnt von unten aus dem Tal der Huf- donner stampfender Herden; in das Wehgeschrei der Paviane knattert das Geprassel der Flammen, und einmal auch ist das tiefe Zorngebrull eines Löwen zu vernehmen. . .
Aber mit der Zeit sterben die Flammen ab. Hier und da liegen verstreut grauweiße stammartige Gebilde; da sind gestürzte Bäume verbrannt und haben ihre Umrisse in Asche zuruckgelassen. Mitunter bl ast der Wind hinein und facht die verborgene Glut darin an, daß plötzlich die helle Lohe herausschlägt; aber da die Flamme keine Nahrung mehr findet, verlöscht sie gleich wieder. Hier ist die Gefahr jetzt vorüber, aber jenseits des Felshüaels wälzt sich der Feuerstrom wild lodernd weiter fort, eine verkohlte Bahn hinter sich lastend.
Als die Luft sich allmählich abkühlt, wagt die kleine Pallah sich zögernd so weit hervor, daß sie ins offene Land hinausschauen kann. Da sieht sie zwischen den Steinen die schwarzen Brandstellen, wo das Feuer beinahe die nackte Erde übersprungen und den Fuß des Hügels erreicht hätte, dahinter aber die wobl anderthalb Kilometer breite brandige Strecke, zu beiden Seiten eingesäumt von kurzem braunen Gras — die Bahn der Zerstörung. Sie sieht die beiden Zwergantilopen, die plötzlich in ihrem Kreislauf innehalten, als sie merken, daß die Gefahr vorüber ist, und die nun miteinander über bas verkohlte Erdreich zu dem Grasland in der Ferne stürzen.
Die kleine Pallah weiß jetzt, daß auch sie gerettet ist. Aber sie kann sich noch nicht gleich entschließen, ihren Platz zu verlassen. Wie sie noch zaudert, kommt von einem nahen Hügel rechts eine ganze Stirnen« familie. Sogar sie, die Herren von Busch und Steppe, die wenig oder nichts von irgendeinem andern Tier zu fürchten haben, sind doch in Angst und Schrecken versetzt worden von diesem gefährlichen Feind, der
öder liegen. Die Paviane haben sich in das trockene Laubwerk der Bäume zurückgezogen; fogar den Kleinsten ist es zu heiß zum Spielen.
Möglich hebt die Gnuwache den Kopf und schnuppert in der Lust herum. Die nächststehenden Tiere, die sogleich die Warnung ausnehmen, heben ebenfalls die Köpfe und stehen abwartend da. Andere Herden werden aufmerksam, ein paar Paviane klettern von den Baumen und bleiben zögernd stehen. Die junge Pallah springt eilig auf die Fuße. Alle Augen gehen in ein und dieselbe Richtung, als ganz dort hinten über einer leichten Bodenerhebung eine Rauchwolke erscheint
Jetzt gibt es kein Halten mehr! Zebras, Kuhantilopen, Gnus und Gazellen machen iofort kehrt und galoppieren vor dem Feuer davon; die Paviane machen sich auf den Heimweg, und die kleine Pallah schließt sich ihnen wieder an, denn sie ist ängstlich daraus bedacht, in dieser ihr noch gan^ unbekannten rätselhaften Gefahr nicht allein zuruckgelassen zu "^rsie Paviane haben es gut: die können sich in ihren Höhlen verkriechen; aber die Felsplatte, auf der die Pallah übernachtet hat, hegt ungeschützt in der prallen Mittagshitze; das übersieht sie gleich mit einem Blick und pringt schnell wieder zum Fuß des Hügels hinab. Ein großer Felsbrocken der wohl vor vielen Jahren einmal von der Hohe des Gipfels herabgestürzt fein mag, scheint ihr einigen Schutz zu versvrechen, Himer ihm legt sie sich nieder und preßt sich flach auf den Boden, denn sie meint, nur auf diese Art dem neuen geheimnisvollen Feind, der hinter ihr her ist entgehen zu können. Sieht sie doch in dem Feuer, das sie ängstlich van ihrem Versteck aus beobachtet, nichts andres als ein furchterweckendes Lebewesen, desgleichen sie noch nie zu Gesicht bekommen hat.
Inzwischen breitet sich bas Feuer immer mehr aus. Fast anderchalb Kilometer breit ist die Front, auf der es sich daherwälzt. Das dürre Gras knistert und knattert in den Flammen, die stellenweise bis an die vier Meter emporlodern. Der von einer steifen Brise aufgewirbelte Rauch legt sich wie eine dicke Decke darüber. Unaufhaltsam kommt das Feuer naher, frißt sich weiter an den halbmeterhohen Halmen, von denen nur noch kleine verkohlte Stoppeln zurückbleiben.
Jetzt bekommt es aber die junge Pallah wirklich mit der Angst zu tun — der böse Feind rückt immer näher, ja, er wird bald den Hügel erreicht haben und sie in ihrem Schlupfwinkel aufftöbern! 2kA, wäre sie doch statt mit den Pavianen lieber mit Zebras und Gnus geflohen! Fest entschlossen, jetzt zu laufen, soweit sie die Füße tragen, springt sie auf — und da muh sie sehen, daß eine breite Feuerzunge schon zu ihrer Linken vorgedrungen ist und bereits an der Wand des Felsens leckt — sie blickt nach rechts: das gleiche Bild! Nur geradeaus, wo der Boden steinig und mit vielen kleinen herabstürzenden Blöcken besät ist, hohen die Flammen
mit unwiderstehlicher Gewalt dahergefegt kommt, nur stellenweise von Felsblöcken in Schach gehalten, und dem sich nicht einmal ein Lowe widersetzen kann. Bor vielen Jahren einmal — er war noch ganz klein gewesen — hatte der Löwe sich auf einen kleinen brennenden Gras- buschel gestürzt, hatte den Flammen mit Zähnen und Krallen zu Leibe gehen wollen; aber da war nichts zu packen gewesen —nur schrecklich weh hatte es getan! Diese Erinnerung hat sich ihm unauslöschlich ein« geprägt. Später ist es ihm bann nie wieder eingefallen, auf anruckende Flammen loszugehen, sondern er hat immer gemacht, daß er forttom; der Anblick und das verwirrende Geräusch der zuckenden, hupfenden und prasselnden Lohe hat ihn seither immer aus der Fassung gebracht. Auch heute wieder! Er war gerade durchs hohe Gras geschlichen und hatte sich halb spielend an eine Antilope herangepirscht, da entdeckte er plotz- sich über einem Hügel Feuerschein. Ohne einen Augenblick zu verlier em stürmte er zu der Löwin und führte sie mit den Jungen in den Schutz der Felsen; dort tarierten sie sich so lange nieder, bis sie es mögen konnten, am Fuße des geschwärzten Hügels entlang über die Steppe wieder zu ihrem Bau zurückzukchren.
Bei ihrem Wiederauftauchen stößt der alte Pavian sogleich seinen durchdringenden Warnruf aus, dem ein allgemeines Gekreisch der ganzen Schar antwortet. Aber die Löwen achten nicht daraus. Zu gegebener Zett werden sie sich schon wieder einen Pavian holen, ebenso rote sie auch auf Pallahs wieder Jagd machen werden; jetzt aber haben sie es sehr eilig, nach Hause zu kommen, fort von dem Feuer, das noch immer jenseits des Hügels über die offene Steppe rast.
Noch eine Stunde nach ihrem Verschwinden liegt bie kleine Pallah in ihrem Versteck und wartet ängstlich aus neuen Alarm. Aber alles bleibt ruhig. Das Feuer frißt sich noch langsam weiter, erstirbt aber schließlich, als 'bei hereinbrechender Nacht der Wind nachlabt. Die erhitzte Erde erkaltet. Kleine Schlangen kommen aus den Erdlochern, aus vielen Felsritzen und Spalten, in bie sie gekrochen sind, heraus und machen sich wie schon vorher die beiden Zwergantilopen auf den Weg zu den vom Feuer verschonten Grasstrecken. Die Paviane beruhigen , aUmahllch,
und endlich kommt auch bie kleine Pallah hinter ihrem Felsblock hervor — wie angewurzelt bleibt sie eine Weile stehen und blickt staunend in bas seltsam-schwärzliche verbrannt« Land hinaus.


