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!lls wir dann mit dem Löwen- Weine faßen, den fein Keller

auf ein altes Tor, Dächern treten dem

Auf blankgescheuertem Tisch funkelt in der niedrigen Wirtsstube vor mir der Frickenhausener Wein im Römer. St. Kilian hat fein. Wort ge­halten. Der Wein ist gut. Er heißt Zeit und Gegenwart vergessen. Jr der nachmittäglichen Stille der Wirtsstube brummen und summen die Fliegen. Draußen auf der Straße, spinnt der Sommer seine Fäden von Mauer zu Mauer.

Lange habe ich droben aus der staubigen Straße gestanden, die zur St. Kilianskapelle und hinaus in die Weinberge führt, und mich in dieses urdeutsche Bild versenkt. Der fränkische Weinbauer, der mit seinem Ochsengespann an mir vorüberfuhr, mag sich wohl verwundert haben, wie man da so stehen bleiben und sich in eine Landschaft versenken kann, bis sie einem ganz aufgeht, einem zum Erlebnis wird. Er mußte sich immer wieder kopfschüttelnd umdrehen.

stören. Eln Brunnen plätschert am Straßenrand, und hinter blumenge­schmückten Fenstern klopft ein Schuster das Leder weich, dabei einen lustigen Marsch pfeifend. Nur hin und wieder mahnt der Stundenschlag der Turmuhr, der zitternd in die Stille, den ländlichen Frieden füllt, an das Weiterschreiten der Zeit.

Und die Stadttore mit den hohen Linden oder Kastanien davor und den kleinen, niedrigen Sandbänken, sie find ein Idyll. Ost dünkt einem, die Schildwache in der himmelblauen Uniform, mit dem Strickstrumpf in der Hand, sei nur für einen Augenblick weggegangen, um irgendwo pflichtvergessen mit einem Mädchen über den Gartenzaun zu plaudern, und die große, schwere Flinte müsse noch am Tor lehnen.

Eine steinerne Brücke wölbt sich über den Main. Ein Heiliger schaut von ihr herab auf die Fuhrleute, die mit ihrem Wagen über sie rumpeln, daß es wie ein fernes Gewitter dröhnt. Hinter der Brücke greifen eine Reihe Türme über hohe Dächer und ein Wall von alten Bäumen in den Himmel. Abgeschlossen wie eine kleine Festung grüßt Ochsenfurt mit wuchtigen Wehrtürmen über den Fluß. Es ist das Typische bei diesen kleinen Mainstädten, daß eine jede noch heute ein geschlossenes Ganze bildet. Da steht kein Haus abseits an der Straße, da liegt kein Weiler oder Gehöft im Grunde, es ist, als würden in diesem Maingau Sonder­linge nicht geduldet. In Ochsenfurt entzücken neben den hohen Stadt­türmen und Toren, die wunderliche Namen, wie Klingenturm, Tauben­turm, Zentturm, führen, vor allem die auf einer Terrasse stehende große Pfarrkirche im romanisch-gotischen Ueberaangsstil und das prächtige Rathaus und viele, feingeschmiedete Wirtschaftsschilder. Es wohnt un­endlich viel Kultur in diesem Mainstädtchen, auf dessen leicht ansteigen­dem Markt sich das bunte Leben des Wochenmarkts breit macht, und in dessen Schenken die fränkischen Bauern bei Bier und Wein laut redend zusammensitzen. Am Ende des Marktplatzes ist noch ein Pranger und das Halseisen zu sehen, in dem zum Gespött der Menge so mancher Schuld­ner, schlechter Geselle, und so manches zänkische Weib gebüßt haben.

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Und dann Frickenhausen mit seinen Weinbergen im Rücken, seinen engen Gassen, mit der zerfallenden Stadtmauer, die das graue Städtchen so mütterlich umschließt. Da steht inmitten dieser ländlichen Idylle das wundervolle alte Rathaus mit dem geduckten Haubenturm, der steinernen Treppe und dem alten Brunnen. Es sieht so gar nicht nach Amt und Würde aus. Eher wie ein lustiges Weinhaus mit Sang und Klang, in dem man die Grillen und Sorgen im Kreise froher Zech­genossen verscheuchen kann.

Juli.

Von Theodor Storm. Klingt im Wind ein Wiegenlied, Sonne warm herniedersieht, Seine Aehren senkt das Korn, Rote Beere schwillt am Dorn, Schwer von Segen ist die Flur Junge Frau, was sinnst du nur?

Am Abend überschreiten wir die eiserne Brücke, die von Segnitz nach Marktbreit führt. Die Stadt, die zwischen Rebenhügeln und be­waldeten Höhen wie in eine Wiege gebettet ist, zeigt mit ihren alten Bauten einstige Wohlhabenheit. Heute ist sie einer der vielen Orte im Frankenlande, deren Schönheit alljährlich die Maler anzieht und ihnen viele Motive bietet. Wundervolle Winkel, Straßenzeilen mit Ausblicken

Wundervolle Winkel, Straßenzeilen mit Ausblicken die breite, behäbige Kirche, Amtshäuser mit hohen Auge malerisch entgegen. Und steigt man hinauf in die Weinberge, zur zerfallenen Kapelle, vor der die Jugend Johannis­feuer abbrennt und weit ins Maital leuchten läßt, da blüht wieder ein­mal jene blaue Stunde in einem auf, in der man mit dem frommen Matthias Claudius spricht:Es gibt was Bessers in der Welt als ihr Schmerz und Lust".

Unten liegt die Stadt mit Giebeln und Türmen, Erkern und Winkeln. Der weiße Rauch kräuselt sich aus vielen Schornsteinen in den Feier­abend. An der Stadt vorbei fließt der Main, ein silbernes Band im Abendlicht. Eine beglückende Ruhe ist über die weite Mainlandschaft aus- gegoffen, eine Ruhe, die froh und heiter stimmt.

In dem alten fränkischen GasthofZum Löwen", dessen Geschichte bis ins Mittelalter zurückreicht, und der in seinem Innern einem kleinen Museum gleicht, sind wir zur Nacht geblieben.

Der Löwenwirt hat so manchen Freund an Malern und Künstlern aller Art, die alljährlich bei ihm Einkehr halten. Davon zeugt manches Bild an der Wand, davon spricht manche Zeichnung und manches gute Wort im dicken Gästebuch, das wir durchblättern und uns freuen, wenn wir auf einen bekannten Namen stoßen. Als wir dann mit dem Löwen wirt plaudernd beim besten fränkischenv ...........

hergab, da sind auch wir seine Freunde geworden. Bis in die tiefe Nacht hinein erzählte er vonfeinen Künstlern" und zwischendrein er­klang manches lustige Lied zur Laute, die er meisterlich zu schlagen ver- ftanb. SeinWianer Fiakerlied", das er mit einer Herzlichkeit fang und pfiff und begleitete, wie ich sie selten gefunden, ist mir tagelang nicht aus den Ohren gekommen.

Der Mond goß sein silbernes Licht über die alte stille Stadt und wachte über den Straßen und Gassen und zeichnete wunderliche Giebel aus das Buckelpflaster, als wir uns endlich mit freundschaftlichem Gute- Nacht-Gruß trennten und dem wackeren Wirte, dem Urtypus aller deut­schen Gastwirte, baldiges Wiederkommen gelobten.

Am anderen Morgen aber lockte uns Rothenburg.

das notwendige Maß der Entfernung fehlte ihm, und ihm war, als müsse er gleich irgendwo anprallen und zerschellen.

Tage vergingen ihm so. Der Adler blieb auf seinem Standort, als sei er daran festgebunden, nur manchmal ergriff er eine Maus, die ihm zu nahe kam, verschlang sie, bann verharrte er wieder reglos, als lausche er einem fernen Kommen, das noch nicht nahe genug war, um es mit seinen Fängen zu erfassen und für sich festzuhalten. Wenn aber der Wind den Ruch der Weite hereintrug, so bäumte sich sein Stolz auf, er hätte die grüne Mauer seines Gefängnisses durchbrechen mögen, um sich mit wildem Schrei in jene Weite hinauszustürzen, ohne die er nicht (eben konnte.

Bis er dann eines Morgens fühlte, daß das, was er kommen gehört hatte, draußen irgendwo stand und auf ihn wartete. Da maß er mit den Blicken die Höhe der Röhre, die ihn rings umschloß, dann sprang er auf den Boden hinab und begann unter dem Gestrüpp hinweg zu kriechen. Immer weiter drang er vor, eine bestimmte Richtung einhaltend, als sähe er ein Ziel vor sich. Seine verwundete Schwinge hinderte ihn nicht- mehr, denn sie war inzwischen so weit geheilt, daß er sie an den Körper anlegen konnte, obwohl er bisher noch keine Möglichkeit gefunden hatte, ihre Kraft zu prüfen. Da aber lichtete sich das Unterholz, öffnete sich voll­ständig, und er stand am - Rande einer Felswand, die jäh in eine lichte Tiefe sank, erst von einzelnen Baumwipfeln getragen, die aber immer mehr zusammenfanken, um sich zuletzt ganz unten in einer Schlucht zu verkriechen.

Der Adler stieß einen Schrei aus, als riefe er die Weite heran, die grenzenlos vor ihm tag. Dann breitete er die Schwingen und warf sich hinab, ohne zu erwägen, ob ihn die Tiefe nicht sogleich verschlingen würde. Aber seine Schwingen trugen ihn. Der Wind kam ihm entgegen und hob ihn auf, immer höher, da begann er sich emporzuschrauben, hoher und hoher, einer still stehenden Gruppe lichter Wolken zu. Bis er auf einmal in sie eintauchte, sie durchbohrend über sie hinauskam und nichts mehr unter ihm war als ein graues Wogen: über ihm, vor ihm aber die blaue Unendlichkeit. Und in diese schoß er nun hinein, als müsse er für immer der Erde entfliehen, die es versucht hatte, ihn an sich zu fesseln.

Kleine Frankenstädte am Main.

Bon Martin Weise.

Am Tage hatte uns Würzburg, die Stadt lebendiger Kunst, alle ihre Schätze gezeigt. In der Abenddämmerung standen wir auf der Feste Marienberg und schauten über die alte Mainbrücke, von der die Heiligen von ihren Postamenten lächelnd aus die vorbeihastenden Menschen und den Strom herabblicken, in die Straßen und Gassen und Hose, die zwi­schen bunten Häuserwllrseln dämmern. Der Chor der Kirchenglocken kündete der Stadt Feierabend.

Und dann saßen wir beim Bocksbeutel in einer der vielen dämmrigen Weinstuben und sprachen noch einmal über die Wunder der alten Bischofsstadt: die Malereien des Meisters Anton von Würzburg, die ebelgeformten Plastiken des großen Tilmann Riemenfchneider in der gotischen Marienkapelle und in Musxen, den Reichtum an Kirchen und Bürgerhäusern, und die Residenz, die der technische Genius des Franken­landes, Balthasar Neumann geschaffen, den prächtigen Hofgarten, den der phantasieoolle Peter Alexander Wagner mit Putten, Faunisken, Savoyardenknaben geschmückt hat.

Zu mitternächtlicher Stunde aber trat St. Kilian, der heilige Schutz­patron der alten, türmereichen Stadt, die wir samt ihrem Wein reichlich gelobt, zu uns und tat uns kund, daß auch anderorts am Main ein guter Tropfen gedeihe, der des Probierens wert fei.

Seinem Rate folgend, find wir am anderen Morgen am Main hin- ausgezogen, die Stadt mit ihren vielen Wundern und die Feste Marien­berg mit dem schnurrigen Kerl von Kastellan, der uns mit seiner Füh­rung eine frohe Stunde bereitete, hinter uns lassend.

Schon nach einer Stunde Wanderns auf weißer Landstraße, die sich durch das breite Maintal windet, steigen die Weinberge von Randesacker silbergrau auf, und bröckelnde Mauern zu ihren Füßen wandern mit der Straße, in gleicher Länge, mit den gleichen Krümmungen. Winzerhäus­chen stehen wie Wächter zwischen den grünen Rebreihen. Dicht an der Straße schaut von einer grauen Mauer die Mutter Gottes milden Antlitzes herab und grüßt den Wanderer. Ihr Bild ist ganz Gnade, ganz mütterliche Güte. Die Sonne steht über steil aufsteigenden Hängen, weiße Wolkenballen ziehen satt und schwer über die weite, lichte Land- schast.

Und dann steht man plötzlich vor einem kleinen Frankennest mit Stadtmauer und Stadttor. Unter dem Tor hemmt man seine Schritte und ist entzückt von dem bunten Bild, das sich dem Auge erschließt. Da stehen behäbig und versonnen die breiten Giebel der Häuser an der Straße: die Gasthofe strecken ihre Wirtsschilder vor, alte, gute Hand­werkskunst und, täuscht man sich, ist es Wirklichkeit, einige hundert Meter an der Häuserzeile hin, da weitet sich wieder ein Tor mit Ti/rrn «ni> Uf)r und Glocke, und breite Lindenkronen schauen hinter ihm über trte Mauer. Das kleine Nest ist schon zu Ende. Dahinter geht wieder die Landstraße mit gesegneten Obstbäumen hinaus ins Land, einem neuen Ort mit Türmen und sommerlicher Verschwiegenheit entgegen.

Ochsengespanne ziehen gemächlich über das holprige Pflaster, und Ganse lassen sich inmitten der Straße bei ihrer Visite durchaus nicht

Der«ntwortlich: Dr. Hans Thyriot. Druck und Derlag: Brühlsche Universitätsdruckerei R.Lange, Gießen.