Ausgabe 
14.10.1938
 
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Tür fang er:

ist in meinem

Widerwillen zu

Schlafzimmer."

Dann holen Sie, bitte, das Tischtuch.

Milotti lächelte:Das Schlaszimmer scheint Ihren

Marschieren ist not. Marschieren muß sein, Und gehn wir in den Tod, So gehn wir nicht allein. Es sind zuviel Franzosen Am deutschen Rhein.

Und gehn wir in den Tod, So gehn wir nicht allein ... Wir enden noch die Not Am deutschen Rhein."

nicht?"

Nein",x sagte er. . , , . .

Sie lies zu ihrer Handtasche, entnahm ihr ein Taschentuch und tupfte ihn sorgfältig damit ab:Sie müssen entschuldigen, Milotti, Sie haben vollkommen recht, ich bin eine furchtbare Göre! Aber ich war im Augenblick lustig, ist das so schlimm?" Sie streckte ihm die Hand hin: Wir wollen nett und vernünftig und kameradschaftlich fein!"

Soweit es geht", sagte Milotti.Ich roeröejnir Mühe geben!"

" " und trugen die

Fischerboote, aber es war 1.

stand vor einer blauen Samtportiere, -v* ---, ...

dem Blau. In ihren Augen aber stand Ablehnung und Furcht Diese hell blauen Auaen brannten so stark gegen den dunklen Samt, daß der Eindruck der Abwehr sinnfällig wurde. Liefe Augen sind wunderschön! Kmderaugen in einem Mädchengesicht, dachte Christine. Er hat s,e sicher geliebt!

Was geht es mich an, wen er geliebt hat, was geht es mich an,«»cn er liebt? Las letztere geht mich schon an. Wenn hier ein Modell austaucht,

^TOilotti ries aus dem Nebenzimmer:Madame est servie!

Christine merkte, wie sich Milotti beim Essen Zwang antat und vor­sichtig die Sardinen und kleine Stückchen Brot m btt Hand nahm. Dann machte er sich plötzlich eine mächtige Kommißbrot,chnitte zwei Finger dick mit Corned beet zurecht und biß herzhaft hinein. Nach den ersten paar Bissen lehnte er sich zurück, sah Christine mit offenen, freimütigen Augen an:Der Teufel hole das Lügen, Rucktasch! Ich habe, muffen Sie wissen, richtigen Hunger gehabt. Kohldampf!"

Er trank eine Tasse Tee mit ynem Ruck:Tee mit Zucker habe ich auch schon lange nicht getrunken. Sehen Sie: Ob 'ch malen kann kms steht dahin, ich habe auch an Ihrem Gesicht gesehen, daß es dahinsteht, aber, daß ich meine Bilder nicht verkaufen kann, das ist gewiß!

Das werde ich übernehmen", sagte Christine.

Sie sind so ungefähr das großartigste Mädel, das es gibt!" sagte Milotti.Lesen mich da im Tiergarten auf ..."

Benutze Sie als Sofferträger!"

Ach, während ich diesen lächerlichen kleinen Koffer trage, beginnen Sie zu zaubern. Die Sachen gibt es doch eigentlich gar nicht. Die, Schurken wollen uns doch weiter hungern laffen! Aber davon will ich heute abend schon gar nicht reden. Hören Sie einmal, ich muß Sie nun ernstlich ver­mahnen! Sie haben auch Käse! Woher haben Sie Käse?

Born Kaufmann", sagte Christine.Es ist auch Proviantkäfe, vielleicht von den Engländern, das andere ist von Amerika."

Die müssen da schieben am Rhein! Feder Tommy ein Millionär!

Er ging in das Atelier und kam mit einer Laute wieder. Noch in der

Sie stellten zusammen die Teller auf ein Tablett ganzen Herrlichkeiten in das Arbeitszimmer.

Ein Tischtuch haben Sie nicht?" {ragte Christine.

Doch, es waren welche hier. Der Wäscheschrank

Ich wurde gerade eingesegnet, während Sie auf Ihre verruchten ^Warum verrucht?" fragte MilottiAch, als ich auf mein erstes Fest ging wir hatten zusammen die Gände ausgemalt, da kam lange nach ^Mitternacht Exzellenz Rucktasch. Er kam w.e em Fürs . D diönften Masken waren um ihn. Er war schon alt, er kam in der Maske eines Biedermeier-Geheimrats, in der Hand er einen Stock mit einem goldenen Knauf, neben ihm faß so eine Rotblonde ... Es ist komisch, daß id)' mit ferner Enkelin hier stehe!

Es ist auch komisch", sagte Christine,unb Sie sollten langst die Büchsen aufgemacht haben, statt mir jetzt ... .......

Sie brach ab und ging schnell in das Atelier, denn sie sah plötzlich wie eine Vision bas Bild des Großvaters, schon alt, noch nut dem letzten sanften Glanz in den Augen und immer umgeben rum Frauen. Sie wußte plötzlich, warum der Vater fo streng war und fo ernft ...

Sie ging an den Bildern entlang. Kritisch prüfte fieJBtlb für Bild. Immer war die Farbe gut, sehr oft die Zeichnung fchlecht.

Das Luder arbeitet nicht genug! dachte sie. Da war das Aktbild'eines iunaen Mädchens, das war bester. Nicht so gut rote die ausf»hrenden Fischerboote, aber es war hinreißend in der ^^«9 Das lunge Mädchen stand vor einer blauen Samtportiere, ihr bloßes Haarig w'^Galb^or

unteren Etagen Leute nach Haufe kamen. Sie horte Stimmen schallen, Türen klappten, einmal kam eine Folg» von Kiaviertönen heraus.

Komisch, dachte sie, die leben da nun, spielen Klavier die esten wahr­scheinlich auch holländische Butter, die Büchse zu drei Mark^nkan weiß nichts von ihnen, man wird nie etwas von ihnen wissen ... Wir sind eine sonderbare Rasse, eine Herde, die sich zusammendrangt und sich um Futter schlägt und nichts voneinander weiß! Die Pferde, die stellen sich zusammen und fühlen sich nahe, selbst die Kühe kennen sich alle. Es ist blöde so eine große Stadt! Aber auf dem Lande möchte ich eigentlich auch nicht leben!

Sie begann wieder zu frösteln, erhob sich und ging vor der Tür

^^^milotti heirate? Ich glaube, es war voreilig, den Entschluß

zu fassen Aber er braucht jemanden, das ist sicher, so kommt er nicht

weiter! Ohne Mantel, und in der Küche war doch sicher gar nichts.

Sie ging aus und ab. Der Fahrstuhl rasselte der Lichtschein kam heran Milotti öffnete die Tür, stand strahlend und lachend in dem hellen Licht:'Da sind die Sachen, Madonna", sagte er.

Ich bin keine Madonna!" .

Das wird sich zeigen", sagte Milotti.Sie haben eine Madonna 3U lieber Herr von Milotti, «ir wollen gute Kameraden sein, recht gute Kameraden, wenn Sie wollen! Den wir sind ja beide nichts als Enkel, das haben mir ja schon festgestellt. Aber Madonna! Dafür muffen Sie sich andere Mädchen suchen!" _ v o

Haben Sie denn etwas Nahrhaftes bekommen, Madonna?

"Mehr, als Sie an diesem Abend esten können!"

,',Die Küche ist rechts." Er trug ihren Koffer in das Herrenzimmer.

Christine stellte ihr großes Paket auf den Küchentifch.

Sie fah sich um. Da war ein großer weißer Schrank, in dem schien«i die Teller zu fein. Wie man den Gashahn andrehte, war unerfindlich. So viel sie an den Hähnen arbeitete, es strömte kein Gas aus den Röhren. Sie schrie:Milotti! Milotti!"

Er kam in die Küche, aber er schien nur zu Albernheiten aufgelegt. Er nahm eine Sardinenbüchse und sagte:Ach, das ist etwas sur Groß­fürsten, für chinesische Prinzen ober für indische Rad sch as! Wo haben Sie diese Sardinen aufgefunden? Woher haben Sie das Kommißbrot? Ach, Fräulein von Rucktasch, wie heißen Sie eigentlich?",

Mein Gott, Sie sollen einen Sardinenöffner suchen!

Haben wir nicht", sagte Milotti.

Sie werden doch dann vielleicht einen Nagel haben, mit dem Sie diese Büchse öffnen?"

Ja, das ginge!"

Wie macht man bei Ihnen Tee?

Er öffnete einen der weißen Wandschränke und holte einen großen Teekessel heraus.Das Wasser kommt aus der Wasserleitung, wissen Sie das wenigstens?" sagte er.

Christine ging an die Leitung, ließ das Wasser fltefcn und hielt plötzlich den Strahl mit dem Daumen fest zu. Sie lenkte ihn mit be­merkenswerter Schnelligkeit auf Milotti, der über und über naß wurde.

Sie find ein drolliges Mädchen", sagte er.Das ist mein einziger Anzug." Er wollte sich auf sie stürzen, hielt aber im letzten Augenblick inne. Er blieb vor ihr stehen und fah ihr luftig in die Augen:Sie sind ein ausgesprochen leichtsinniges Mädchen, wissen Sie bas?' Warum?" fragte Christine.Ich vertraue Ihnen, bas ist alles." Ich bin aber schließlich auch ein Mann außerdem, verzeihen Sie schon! Wenn wir uns jetzt geprügelt hätten ..."

So wäre bas unfair von Ihnen gewesen."

Muß ich mich also widerstandslos von Ihnen naßspritzen lasten?

Christine sah sich hilfesuchend um. Ein Küchenhandtuch haben Sie auch

Er setzte sich neben Christine und begann ohne Uebergang bas tolle Sturmlieb: . .

Immer van birre van dirre dorn dane Trommelt's wie Sturmmarsch im Winbl"

Er fang das französische Chanson von der dantiniere vom 9 Regiment, er sang ein bretonisches Fischerlieb, es war erstaunlich, wie groß sein Pro- ^ChrisUne hatte bas Essen zurückgeschoben, sie saß in einem der tiefen Sestel. Das Licht floß sanft von ber Decke, und die fchone dunkle Stimme von Milotti ging durch den Raum.

So träumt man, so sitzt man auf einem Schiss und gleitet die Elbe entlang, unb bie Elbe wird breiter und breiter, und dann fließt man mit dem Schiff hinaus in den Ozean, wo die hellrote Abendröte zu Hause stt und die weihen Wolken.

Sie hören gar nicht zu", sagte Milotti,und ich sing« Ihnen meine schönsten Lieder! Wie heißen Sie eigentlich mit Vornamen? Ich wurde toi? Melusine nennen."

Ach, Sie haben gar keine Ahnung von mir, wenn Sie das tun: Melusine, ums Himmels willen! Ich sollte eigentlich Christoph heißen, aber es ist nur eine Christine geworden."

Er nahm ihre Hand und küßte sie.

Das ist gegen die Abmachung", sagte Christine.

Und das ist spießig", sagte Milotti.

Sie haben recht, es ist spießig." Christine ließ ihm die Hand.

(Fortsetzung folgt.)

erreGen?"

, Nein", sagte Christine,aber Sie selbst haben gesagt, baß es nicht aufgeräumt fei. Unaufgeräumte Schlafzimmer sind nicht sehr nett, finden Sie nicht?" . .... ,

Ach was ich finde und nicht finde, ,st wenig wichtig! Wenn man draußen war, hat man einige Begriffe verloren! Sie sollten' eigentlich nicht hier sein. Es sieht sich alles so hübsch an in der Nachmlttagsfonne, und man hat ja feinen Galgenhumor, aber ..."

Ich habe es ja fo gewollt", sagte Christine.

Er holte das Tischtuch und half ihr beim Telleraufstellen. Der Hammer und ein paar alte Nägel waren in der friesischen Truhe, Die voller Gerümpel steckte. Obenauf lagen zwei Faschingsanzuge, eine Kolombine und ein Pierrot. Christine griff danach, aber die billige Seide war in den Jahren brüchig geworden und zerschlih unter ben Fingern. Sie warf das weiße, grün umsäumte Kostüm zurück.

.Ich habe die Truhe überhaupt noch nicht geöffnet. Wo mag die Kolombine fein?" fragte Milotti.Der Pierrot .jedenfalls ist tot. Es war der letzte Künstlerball, wissen Sie, draußen m der Akademie! Ich war damals fo alt, wie Sie jetzt wohl find. Es ist eine Ewigkeit Herl