Ausgabe 
14.10.1938
 
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Unlerhaltungzbeilage zum Gießener Anzeiger

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Christine von ^TMotti

Vornan von 9to(f Brandt

Lopyrkght by August Scherl Nachfolger, Berlin

7. Fortsetzung.

CRiriJtine drehte sich um:Das Bild ist von Ihnen?"

i, 'r5aJ tagte Milotti es ist ein Jahr alt. Es ist unter merkwürdigen Umstanden entstanden Ich war beim Seebataillon ... Aber ich habe vor­hin gemerkt, Sie lieben keine langen Geschichten!" V

3ft das mit Ihrem Atelier wahr?" fragte Christine.

Milotttn zuckte jetzt die AchseNi:Wenn Sie mir nicht glauben, gnädiges Frau em, erlauben Sie, daß ich Sie hinunterbegleite. Es gibt kann'" * n gutes kleines Hotels das ich Ihnen sehr empfehlen

Lehmen Sie es mir übel, daß ich mißtrauisch war?"

Milotti antwortete nichts.

rtr»$?r?rine<m-rnn:e u9re ^aa^tafche, nahm den Gepäckschein heraus und streckte ihn Milolii hin:Darf ich Sie um etwas bitten?"

Ja, faxte Milotti.

Dann besorgen Sie mein Gepäck. Wenn Sie eine Küche haben, kann ich inzwischen das Abendbrot besorgen und seien Sie mir bitte, nicht mehr böse!"

Milotti nahm den Schein und begann unvermittelt zu lachen:Wir soüten in einem Lustspiel auftreten, .Das edle Paar'. Zuerst am See bin ich mächtig albern und gebe an ..."

"'-Hi sagen, daß ich albern bin?" sagte Christine.

. habe in Ihnen keinen Augenblick den Anschein erwecken können, daß ich ein reiches Mädchen wäre."

Während mein kostbarer Wintermantel geradezu aufreizend wirkte, nicht wahr?

Was heißt das?" fragte Christine.

Gott, der Mantel ist bei Onkel Benjamin!"

Bei wem ist der Mantel?"

Bei Onkel Benjamin, kennen Sie den Ausdruck nicht? Das ist das biedere, brave Leihamt. Er gab zwanzig Mark." Er griff in die Tasche und zog zwei kleine grünliche Einmarkscheine hervor.Das ist der Rest. Ich glaube, Fräulein von Rucktasch, jetzt sind Sie endlich im Bilde."

Schön", sagte Christine, und sie sagte es mit einem Seufzer der Erleichterung,dann werde ich jetzt mit Ihnen hinunterfahren und werde tauft''01 b^°r0en 9d) h°be nämlich soeben einen alten Rucktasch ver-

Wieviel?" fragte Milotti.

Sechshundert!" sagte Christine.

Wo'^ttte?" 0enU9' ober werden wohl nicht mehr gehen, diese Hunde!

Bei Graeser & Co."

Kenne ich nicht!"

Alte Verbindung", sagte Christine.Er ist bald so weit, auch Bilder von mir zu kaufen, wenn ich sie richtig unterzeichne."

Donnerwetter!" sagte Milotti.Aber wenn Sie denken, daß ich aüfange, jetzt Verdachtsmomente gegen Sie zu sammeln, als ob Sie mich auch wieder belogen hätten und in Wirklichkeit eine große, anerkannte Künstlerin seien, bann irren Sie sich! Außerbem hätte eine anerkannte Künstlerin längst ein Wort über meine Bilder gesagt!"

Christine ging mit ihren schnellen, federnden Schritten noch einmal zu dem großen Gemälde hin.Sie haben ja schon längst gemerkt. Sie wissen es auch selbst außerdem, das Bild ist fabelhaft! Wer es steht turmhoch über den anderen Sachen."

Das aber ist ja nicht schlecht!" Sein Gesicht wurde für einen Augen­blick melancholisch. Die hellen, strahlenden Augen überzogen sich wie nut einem Schleier, der Mund preßte sich fest zusammen.Der Teufel zol s!" sagte er.Vielleicht haben Sie recht, und dann muß man den ganzen Schwindel am besten aufgeben!"

Milotti sprang auf die fahrende Elektrische. Sein blonder Kopf leuchtete hell, als er sich an der Ecke mit einem Satz emporschwang.

Christine ging die Llltzowstrahe entlang und suchte ein Kolonial-

warengeschaft. Ein kalter Wind fegte die Straße entlang. Sie sah auf- merrfam tn die Gesichter der ihr entgegenkommenden Menschen un» fant> fte bleich und häßlich und feindselig. Die^Kleider waren abgetragen dte Bewegungen waren hastig und ausdruckslos. Ein paar jünger« Manner sahen sie frech an, aber sie blickten nicht nach den Augen, son- dern nach der Figur. Die Beleuchtung war schlecht. Die Straße lag Im Halbdunkel. Ueber den Asphalt wehten in dem immer stärker aufkom­menden Winde , Papierfetzen, Reste von Plakaten und Handzetteln.

Christine fröstelte. Sie sah aus dem Straßenschacht nach oben. Da Sterne'" frernbes' kaltes Blau, in dem glitzerten hart und fern die

Mein Gott, wie einsam man war! Sie wurde ein paarmal gestoßen, sie murmelte:Verzeihung!", niemand antwortete ihr. Die große Stadt kam ehr vor wie ein häßliches Ungeheuer, das bereit war, über sie her- zusallen. Sie hatte ferne sehr helle Jugend gehabt, aber jetzt erschien

m,5, ein Paradies, aus dem sie entflohen war, der Garten,

die Btllenstraße, das kleine Zimmer und die alle Henriette. Es lag alles so fern, und man brauchte doch nur heute einen kleinen Weg hinzu- tm^enm-b,a,nrL.roar, "^ts geschehen, als daß ein Bild an der Wand fehlte. Vielleicht meinte es der Vater auch ganz gut in feiner Art. Was h°"e er davon, wenn er es nicht gut meinte, er hatte ja nur die eine -Locgterl

Sie ging weiter sie atmete schwer. Rein! Es gab in dem Lesebuch, bas sie nicht ausstehen konnte, in diesem Lesebuch für die Unterprima, As sie aus dem Fenster geworfen hatte, als sie die Schule verließ, ein Gedicht, der Kuckuck wußte, von wem! Vier Zeilen von dem Gedicht kannte fte auswendig! w

Die Reue fei der Narren!

Nur das ist lebenswert!

Im Tode auszuharren.

Beim Groll, beim Stolz, beim Schwert!"

Cs ist scheußlich, daß man kein Junge ist! dachte sie. Beim Groll, beim Stolz^ beim Schwert! Diese Bande hatte es mit allem besser, dies« Manner! Well fte lange Hosen tragen, können sie die Welt regieren«

Dieser Milotti hatte gute und anständige Augen. Man würde ihm sogar helfen tonnen. Cs war doch lächerlich, daß er diese Bilder nicht verkaufte! Vorlaustg hatte man außerdem Geld. In zwei Monaten war man einundzwanzig Jahre.

A-h werde den Milotti heiraten! Er ist ein bißchen zu hübsch, aber er hat Talent, und anständig gekleidet scheint er auch zu fein! '

Da war der Delikatessenladen. Ach, es war eine lustige und hübsche Sache, für jemanden einzukaufenl w

Der Kaufmann war freundlich; obwohl der Laden voll weiblicher w - -- -W «A.

Ja0te Christine,Sachen, di« man wirklich essen kann."

' -aste der Kaufmann,wir haben doch jetzt wieder fast alles!" Ich weiß , sagte Christine,also, was ist alles?" ,Lum Beispiel haben wir ausgezeichnetes Corned beef." Geben Sie eine Büchse", sagte Christine.

Dann haben wir französische Sardinen."

Geben Sie zwei Büchsen. Haben Sie Butter?"

Gnädige Frau!" Der Kaufmann krümmte sich, dann flüsterte er: d i D?°k!"" ^oUanb Konfervenbutter, die Büchse kostet allerdings

Geben Sie zwei Büchsen."

Ich könnte Ihnen außerdem ein Kommißbrot geben, Proviant."

amerikanischer

Sehr gut", sagte Christine.

Auch Reis ist frisch eingetroffen."

Geben Sie zwei Pfund", sagte Christine.

Sehr wohl, gnädige Frau." Der Kaufmann flüsterte jetzt fast:Wir haben auch Weizenmehl, gnädige Frau."

Sehr gut, geben Sie fünf Pfund", sagte Christine.

Das kann ich nicht, gnädige Frau, aber drei Pfund."

, Rechnung machte über zwanzig Mark, als Christine das statt­liche Paket empfing. 1

So werden wir wenigstens nicht verhungern, dachte sie. Das Paket war schwer, ihr war es aber leicht, sie schwenkte es hin und her. Sie lief fast zurück und raste die vier Treppen empor. Oben stand sie vor der verfchloffenen Ateliertür.

Daß er dumm ist, konnte ich mir vorstellen; warum ich nicht an den Schlussel dachte, weiß ich nicht! Schön! Sie setzte sich auf die Treppen­stufen und wartete. Zuweilen flammte das Licht auf, -menu-iu den