bequem gemacht und eine schöne warme Stunde in der Sonne liegen wollen. , ,, ,
Daraus ist jedoch nichts geworden. Die Menschm hatten, geschwätzig wie sie sind, die Obrigkeit von den wunderlichen Begebnissen unterrichtet, und die ist mit Zeugen gekommen, um zu erfahren, wer den Schabernack ausgeheckt hätte. Vor dem bunten Rock aber hatte Prachermann solch entsetzliche Angst, er hat nicht mehr daran gedacht, daß er doch seinen Wunschtag hatte, ihm ist nicht eingefallen, daß ihm der tapfere Mumme Mule zur Seite stand, er hat mit einem Schreckensruf den Freund an der Hand gefaßt, hat Reißaus genommen und ist in das erste beste Fuchsloch eingefahren. Mumme Mule, Weib und sieben Kinder hinterdrein.
Und ich muß sagen, ich habe Prachermann bis heute nur selten wiedergesehen. Immer geht er im Bogen an mir vorüber, wenn ich ihm einmal begegne, obschon er doch weiß, daß ich ihn gern aushorchen möchte. Und vom alten Mumme Mule, der sonst immer so freundlich mit uns Menschen war, habe ich auch seit jenem Maitag kein Wörtlein mehr gehört. Ich will mich morgen abend einmal vor den Fuchbau legen, vielleicht läßt er sich wieder blicken.
Auf eine Lampe.
Von Eduard Mörike.
Noch unverrückt, o schöne Lampe, schmückest du, An leichten Ketten zierlich aufgehangen hier, Oie Decke des nun fast vergessenen Lustgemachs. Auf deiner weißen Marmorschale, deren Rand Der Efeukranz von goldengrünem Erz umflicht, Schlingt fröhlich eine Kinderschar den Ringelreihn. Wie reizend alles! Lachend, und ein sanfter Geist Des Ernstes doch gegossen um die ganze Form — Ein Kunstgebild der echten Art. Wer achtet sein? Was aber schön ist, selig scheint es in ihm selbst.
Volksdeutsche Dichtergestalten.
Von Erich Langenbucher.
„Es ist schwer, ein Deutscher im Osten zu fein*
Als 1933 Heinrich Zillichs erster größerer Novellenband „Der Sturz aus der Kindheit" erschien, begegnete uns ein Dichter, der bis dahin wenig bekannt war, gleichzeitig offenbarte sich in den Novellen des Bandes eine Begabung, die durch die Kraft der Darstellung, den Gehalt des Wortes und die lebenserfüllte Schilderung viel erwarten ließ. Zillich bewies sich als ein Künder siebenbürgischen Volksschicksals und stellte sich damit neben Adolf Meschendörfer und Erwin Witt stock. Die Novellen des Buches „Der Sturz aus der Kindheit" gehen um Einzelschicksale der siebenbürgischen Heimat, um die Berührung mit fremder Volksart. Schon mit diesem Band ließ Zillich erkennen, daß er seine dichterische Ausgabe nicht begrenzt sah auf das Siebenbürger Land und seine Menschen, sondern daß er Land und Menschen hineinzustellen versuchte in den Zusammenhang der Völker. Selten ist es einem Dichter gelungen, z. B. die Eigenart des Zigeunervolkes in einer kurzen Novelle auszudrücken wie Zillich in der Novelle toSer Zigeuner".
Die Vorfahren Zillichs lebten schon lange in Siebenbürgen, er wurde 1898 in der Nahe Kronstadts geboren. Dort besuchte er die berühmteste Schule der Siebenbürger, das Honterus-Gymnafium, das heute noch von Adolf Meschendörfer geleitet wird. Als Tiroler Kaiserjäger kämpfte Zillich von 1916 bis 1918 an der italienischen Front und nahm am rumänischen Feldzug gegen den Bolschewismus in Ungarn teil. Nach Kriegsschluß studierte er in Deutschland, auch in Berlin und kehrte 1924 .in seine Heimat zurück. Zillich hat, wie Meschendörfer, die Erfüllung seiner Mission nicht allein im Buch gesehen, sondern noch mehr in kulturpolitischer und kritischer Arbeit. Wie Meschendörfer vor dem Kriege seine Zeitschrift „Karpathen" gründete, so schuf Zillich die Zeitschrift „Klingsor", die ein Teil des von Meschendörfer hinterlassenen Erbes übernahm und heute zu einem Forum geworden ist, auf dem siebenbürgifche Dichtkunst und Kulturschaffen sich erheben. Heute lebt Zillich im Reich.
Die früheren Werke Zillichs sind in Deutschland leider wenig bekannt- «eworden. Seine erste Novelle „Der Vater" und „Wälder und L a t e r n e n f ch ei n" finden wir im Novellenband „Der Sturz aus der Kindheit". Auch der Roman „Attilas Ende" drang nicht ins Reich. Es entstanden die Geschichtenbände „Siebenbürgifche Flausen" und „Der Toddergerch"; in kleinen Begebenheiten erwächst fiebern bürgisches Landschafts- und Volkstumsbild, werden Sitten und Gebräuche, Alltagstun und Kampf um die Erhaltung der Gemeinschaft lebendig.
Den mit den Novellen begonnenen Weg schritt Zillich weiter in den Novellen „Die R e i n e r b a ch m ü h l e", „Der U r la u'b" und „D e r baltische 0 r a f". Der „Urlaub" berichtet von einem Erlebnis aus dem großen Krieg; es geht darin um das stille Heldentum eines jungen Menschen, der, mit dem Urlaubsschein in der Tasche, sich abermals dem Feind stellt, der sich Überwindet und für seine Kameraden eine Patrouille gel^t, die als unvergeßliche Tat diesen Kameraden immer voranleuchtet. In der Novelle „Der baltische Gras" macht uns der Dichter bekannt mit dem seltsamen Schicksal eines Menschen und Soldaten, der in einem früheren Kriege nach Siebenbürgen kommt. Ergreifend ist in diesem Buch die keine Gefahr scheuende Gestalt der jungen Mutter, die durch die Feinde hindurch chr Kind zurückholt.
Eines der bedeutendsten Werke des gegenwärtigen deutschen Schrift- tums schuf Zillich in dem Roman „Zwischen Grenz en undZei- t e n". Der Titel erhärtet, was vom Werk Zillichs gesagt wurde, daß es sich nicht beschränkt aus die Gemeinschaft seines Volkes, sondern daß er völkische Pflichten hineinstellt in das übervölktsche Geschehen. Im Mittelpunkt dieser Erzählung begegnet uns ein junger Siebenbürger; Zillich erzählt seine Jugend, seine Schulzeit, entwirft farbige Bilder siebenbürgischen Lebens. Einen wesentlichen Teil des Werkes macht die Darstellung des Krieges aus und der Kampf um die Erhaltung des Volkes nach dem Kriege. Es ist kein Zufall, daß „Zwischen Grenzen und Zeiten" beginnt mit dem Klang der Kirchenglocken der siebenbürgischen Heimat. Auch Grimms „Volk ohne Raum" beginnt mit dem Schall der Glocken. Wenn auch beide Werke in andere Welten führen, so gehören sie doch durch Absicht und Sinn eng zusammen. — Zillich wurde für dieses Werk mit dem auslandsdeutschen Dichterpreis und dem Dichterpreis der Reichs- Hauptstadt ausgezeichnet.
Heinrich Zillich weiß, daß die Haltung seiner Werke die Haltung des Siebenbürger Sachsen ist, von der er in dem Werk „Zwischen Grenzen und Zeiten" sagt: „Zum erstenmal spürt Lutz in diesen Klängen die Vielfalt des Ostens als göttlichen Segen. Seines Volkes Not erschien ihm, dem jungen auslandsdeutschen Kriegsmenschen, nicht anders als ein Wille der Vorväter, die nichts ohne Sinn läßt und das Läuterungsfähige, das Große nicht ohne Auferstehung. So hell und scharf erkannte er dies, daß er es ruhig in die wortlose Diese des Herzens finken ließ. Er sah das graue gebogene Tor, atmete heftig und schritt hindurch in das Schicksal der neuen Pflicht und der Zukunft".
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Die dichterischen Aussagen Karl Hans Strobls wurden durch den Einfluß des Landes, d. h. des bodenständigen Bauerntums, und den der Stadt, d. h. des abwechslungsvollen und vorwärtsdrängenden Lebens gleichermaßen geformt. Die alte Berg- und Tuchmacherstadt Iglau ist die Heimat des Dichters. Sie liegt mitten in einer Sprachinsel, zu deren Wesen es gehöre, „daß zwischen Stadt und Land ein innigerer Zusammenhang herrscht als sonstwo, da der Stadt die besten Lebenskräfte immer aus bodenständigem Bauerntum zuwachsen". In solchen Sprachinsel- dörfern waren die Ahnen des Dichters, Bauern und Handwerker, seit dem 17. Jahrhundert beheimatet. Wie Robert Hohlbaum besaß auch Strobl im Großvater einen Lehrmeister „mit allerhand Gespenster- und Geistergeschichten, die er den Buben so zu erzählen wußte, daß man an ihrer Wahrheit nicht zweifeln konnte". Obgleich das Leben des Großvaters in die Stadt führte und das vergrößerte Handelsgeschäft den Vater an die Stadt band, verloren beide doch nicht den Zusammenhang mit dem Lande, die Bauern „waren seine besten Kunden, und an den Samstagen und Sonntagen war der kleine Laden gedrängt voll Bauern- roeibern in der malerischen Volkstracht der Sprachinseln". Solche Erlebnisse blieben in Strobls Gemüt haften, sie bringen später Lebendigkeit und Wahrhaftigkeit in seine Bücher.
Prag wurde dem Abiturienten „zu seinem Glück, denn was ich Prag alles verdanke, kann ich selbst kaum ermessen. Nicht bloß das fröhliche, unmittelbare Studentenleben dieser einzigartigen Hochschulstadt, sondern auch Stoss und Stimmung und Lebenskraft eines großen Teils meines Schaffens". Nach dem Studium begegnet uns Karl Hans Strobl als Rechtspraktikant in der Heimatstadt Jglau, später als Finanzbeamter in Brünn. Der Beruf, gewählt nach der Neigung des Vaters, trieb aber feine Wurzeln nicht so tief in das Leben des Dichters, als „daß er für mein Werden hätte bestimmend fein können. Sie waren später leicht herauszuziehen, als ich erkannte, daß mir im gleichmäßigen Trott des Äeamtendafeins auf die Dauer doch die Seele zu sehr verstaube".
Doch hat dem Dichter das Beamtendasein nicht geschadet, denn „des Dienstes ewig gleichgestellte Uhr war gerade das richtige, um den Ueberschwang zu hemmen. Es schaltete die nötigen Widerstände ein, an denen mein Schaffen erstarkte".
Das Jahr 1913 brachte die Wandlung in das Leben Strobls. Sein Verleger Alfred Staackmann berief ihn zur Leitung der Zeitschrift „Turmhahn". Der Kriegsausbruch aber macht der Zeitschrift, die „sich prächtig eingeführt" hatte, ein rasches Ende. Im österreichischen Kriegspressequartier machte Strobl den Krieg mit.
Es müßte noch manches mitgeteilt werden von dem bewegten Leben, das Strobl hinter sich hat. Der Kampf gegen ihn und sein Werk in der alten Heimat war wohl der schwerste Teil davon. Heute hat er in Perchtoldsdorf bei Wien eine neue Heimat gefunden. Strobl ist eine der produktivsten und vielseitigsten Erscheinungen des deutschen Schrifttums. Seine Stoffe nimmt er aus allen Zeiten, irgendwo aber münden sie bann in die Heimat, in das Grenzland, dem seine Siebe gilt. Vergangenheit und Gegenwart verwachsen in seinen Büchern zu einer Einheit, die immer packt, weil Strobl ein geborener Erzähler ist. Zunächst sind vom Werk die beiden großen Trilogien zu nennen, die erste „Sie Wünschelrute oder da s unsterbliche Deutfchland" mit den Bänden „Die alten Türme", „Wir hatten gebauet" und „Erasmus mit der Wünschelrute" und die „Bismarcktrilogie", deren Bänden „Der wilde Bismarck", „Mächte und Menschen" und „Die Runen Gottes" heißen. Die Geschichte eines tapferen Mädels während des Krieges und der Nachkriegszeit schrieb er in seinem „Kamerad Viktoria". Das Krakau des Jahres 1909, revolutionäre Unruhen' und eine rätselhafte Frauengestalt stehen im Mittelpunkt des Romans „Prozeß Borowsk a", einen Hus-Roman gibt er in dem Werk „Sie Fackel d e s H u s", den merkwürdigen Weg eines Mannes stellt er dar in „Sie vier Ehen des Matthias Merenus".
Sas ist erst ein Teil feines Werkes. Neben Romanen stehen Novellen und Erzählungen, neben den Gedichten Märchen und Erinnerungen. Sie kommenden Jahre werden noch manches neue Werk hinzukommen lassen, „denn diese Zeit, in der wir leben, ist so erfüllt von Kampf und Ringen um neue Werte und Ziele, daß mir nie mehr die Frage kommen kann: „Und dies ist alles?"
Verantwortlich: Dr. Hans Thyriot. — Druck und Verlag: Brühlsche Universitätsdruckerei 21,Sange, Gießen.


