Ausgabe 
13.6.1938
 
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griechischen

iötter aus

Althen fei.

Während das Schiss langsam durch ionische Gewässer gleitet, liegt Hefter königinnenhast auf Deck, empfängt als Pitts Nichte türkische Beys und behauptet, dah manövrierende Schiffe weit interessanter seien als öie jerbrodjenen Steine an Öen Ufern von Hellas, jämmerlich fchmutzl^e

zwer ».u«...«. ...itg, Napoleons Scharen drängten

bis Italien, in Sizilien sah die letzte habsburgische Königin von Neapel auf der Flucht, Engländer wurden nicht willkommen geheißen m sran- zöfischem Machtbereich, Schiffe für Reifende gab es nicht.

Menschen feien die Griechen, die sich von ihren türkischen Herren peit­schen lassen! Korinth, das elende Dorf, in dem ein Europäer sich das Fieber holen kann wozu sollte fle es betreten?

Michael Bruce lächelt. Für ihn, den Schüler des berichmten Archäo­logen Gell, steigen die Götter Griechenlands aus beugowgelbenTrum- mern, über die schweigsamen Gewässer haucht unsterblicher Geist.

In dielen Tagen ist Bruce, der Junge, älter und reifer als Hefter Stanhope mit ihrem gänzlichem Mangel an Wissen und erbarmungs- losen Gegenwartssinn. Wenn sie in der Stille des MM^s Anker legen, im dämmernden Abend über das herrlichste Land der beschichte reiten, weih Michael Bruce, dah er mit all seiner Jugend der bewunderten Frau etwas zu geben hat.

'jlm 35. Jahr ihres Lebens würde Pitts unnahbare Nichte erstmals zur Frau. Die Nächte sind heiß, und Athen liegt im Mondschein.

nur je. ... ...

Was sie dem Mann schenkte, der ihre Liebe gewonnen, ist nicht tn Briesen niedergelegt. Man erfährt nur dah Michael Brütt sagt, Lady Hefter Stanhope seidas überlegenste Geschöpf in der Welt.

Byron, der um Sligos willen Lady Hefters Abende besuchte, 0^0 darum nicht von seiner Meinung ab, daß eine intelligente Frau das langweiligste Ding auf Erden fei; aber er hütete sich, es vor Bruce zu lagen,denn Bruce, der- Kenner der Künste war e>n treuer Leser byronscher Gedichte! Lady Stanhope dagegen e'lte in diesem Punkt durchaus nicht das Urteil ihres Freundes.Ach , konnte sie sagen,Byron ist ein wohlerzogener Junge wie andere auch. Und was seine Poesie an belangt pah, Verse schreiben ist das Leichteste, was es gibt, und wer weiß,^vielleicht hat er irgendwo ein Buch gesunden, das niemand kennt, und alles davon abgetriebenI"

Heber solches Urteil lachte Bruce, dah er sich die Seiten hielt, und Hefter war mehr denn je überzeugt, daß sie richtig geraten.

Als es Herbst wurde, fuhren sie über das funkelnde Meer, durch den Bosporus. Es ist etwas Fernes an Hefter Stanhope, das die Passagiere scheu und die Diener gehorsam macht. Michael Bruce aber hat leuchtende Augen. > .

In Pera mieten sie ein Haus, Bruce läßt den Schnurrbart wachsen, kaust Pferde ein, und für Englands Konstantinopler, Gesandten enttteht die Frage: Wie verhält man sich zu dieser menage ä deux von vaoy Hefter Stanhope?

Es ist hier so wie anderswo: Engländer verkehren unter sich, die übrigen Europäer meiden ihre Gesellschaft, Napoleon Zuliebe, und die Türken mischen sich nicht unter die Ungläubigen. Man trinkt Tee, ißt Toast und klatscht, während man ums Goldene Horn reitet.

Pitts Nichte scheint auch hier nicht geneigt, im Verborgenen gu leben- An einem Freitag erscheint der Beherrscher aller Türken öffentlich auf seinem Gang zur Moschee. Lady Stanhope reitet mit ihrem Freunde Bruce an der Seite unverschleiert, im Herrensitz! Wie das ist noch« nicht geschehen? So wird es zum erstenmal [ein!

Don den Wassersprengern bis zu denen, Ne mit Peitschen ins Publi­kum hauen, zu den goldbehängten Würdenträgern, laht sie .keinen au> den Augen. Auch als der Sultan kommt, in der plötzlich fürchterlichem Stille, auf milchweißem Zelter, versunken in Gold und Edelgestem, schau» sie kühn in sein Gesicht. Aber es sällt kein Blick und kein Wort NC Belästigung. .

Warum regt sich der Botschafter von England auf? Ist er Sitten­richter von Berus? Nein, er sei verantwortlich für das Geben britischen Untertanen! Pah! Geben! Sie sieht wohl, dah leine Spion® ihr olqcn und erzählt es ihm ins Gesicht. Ja, sie schreibt nach London, daß dieser junge Mann noch nicht so recht für feinen Posten an ocu Pforte tauge.

Ader auch andere Briefe gehen aus dem Hause Gabt) Stanhopes ~~ nach Gibraltar und nach Malta. Sie bekennt ihrem Bruder James unu General Dates die Freundschaft mit Michael Bruce. Das war in-de selben Wochen? als Ne letzten Blätter von den Baumen fielen e> kalter Wind durch undichte Fenster blies und Bruce Glückwünsche emp­fing, daß er erobert, was andere umsonst bestürmt.

Weich, wie er die Frau noch nie gesehen, ging sie durch Ne Raunrn ein wenig blaß und hustend von der Kälte; noch immer nicht erlaum sie ihm, familiär zu fein vor andern. Aber für solche die l-harfer hort m, wurde es deutlich, dah der junge Freund leise und höflich Nc 3U9 ergriff; dah sie Frau war für ihn, wenn auch in seinen Augen schönste und glängenbfte, Ne es gab.

1 (Fortsetzung folgt.)

Da, eines Tages, erschienen in Gibraltar zwei neue Ge-fichter. Drei Stunden zuvor war eine Jacht im Hasen gelandet. .

Qroet Abenteurer", tönte es an Hefters Ohren,Ne gewagt haben, von einem königlichen Schifs zwei Matrosen herunterzuholen und auf ihrer Jacht anzustellen ein Hohn auf die britische Marine, em Delikt in unfern kriegerischen Zeiten! Sie leugnen die Tat, und niemand kann sie ihnen beweisen."

Myladys Gesicht blieb nicht ernst.

Wie heißen diese hoffnungsvollen Geute?"

stord Sligo, ein Ire, der sich für einen Archäologen ausgibt, und Michael Bruce, der Sohn des Gonboner Bankiers Crawford Bruce, zusammen vierundvierzig Jahre alt. Das ganze Mittelmeer belästigen sie, als sei es der Sportplatz für zwei reiche Jungens ..."

Als die beiden, trotz ihres Rufes wohl empfangen, zum Diner am Tisch des Gouverneurs sahen, ruhten Gaby Stanhopes Blicke forschend aus ihnen. Sie sahen gut aus, und in dem auffallend hübschen Gesicht von Michael Bruce stand ehrliche Bewunderung, während er sich vor Lady Stanhope verbeugen dürfte, deren Name in England berühmt ge­wesen, als er noch zur Schule gegangen.

Was Mylady in Gibraltar zu tun gedenke? Und ob sie nicht mit ihnen kommen wolle? fragte er artig.

,^zch bin nicht immer ein guter Kamerad', wich Hefter aus;und überdies find Sie doch in Gorb Sligos Gesellschaft."

Oh, wenn es nur das ist", meinte Bruce.

lieber Gorb Sligos schulbigem Haupt zog sich ein Unwetter zusammen, es wurde unausweichlich, baß er Gibraltars britischen Hafen verlieh. Michael Bruce aber blieb zurück. Mylady Stanhope hatte eingewilligt, dah er sie nach Malta begleite. .

Malta! Wie oft hat sie den Namen gehört, den Namen des Zank- apsels zwischen England und Bonaparte. Die Glocken läuten in Ga Va­lette, Kanonen feuern Salut, es ist Ostern. In Ehren empfängt sie der Gouverneur, General Dates; dunkel, voll vergangener Pracht ist der Palast des Großmeisters der vertriebenen Johanniter, in dem er ihr Wohnung bietet. Aber Mylady wählt eine kleine Wohnung im ehe­maligen Haus der französischen Ritter.

Empfänge, Paraden, Diners zu sechzig Gedecken zwischen englischen Lords und neapolitanischen Grafen; Ritte durch blühende Drangen mit dem Gouverneur, der behauptet, niemals geistreichere Unterhaltung ge­habt zu haben; und -unzertrennlich an ihrer Seite ein junger Mann, der mit all seiner Impertinenz und Cambridger Bildung nur Blicke hat 'für Gabt) Hefter Stanhope ...

Ein seltsames. Fieber schleicht in Hefters Blut. Dbet ist es nur die eigene Straft, die sich aufbäumt gegen Schmerz und Verzicht? Der Name dieser Zauberinsel bringt burch die unfaßbar stillen Nächte zu ihr, ge­flüstert von Pitts weicher, sorgender Stimme. Und am Tage läßt sie sich die Hände küssen von einem Mann, der zwölf Jahre jünger ist, der von Bewunderung fpricht und Giebe meint und doch die enge Grenze nie­mals überschreitet, die sie ihm zieht.

Malta erzählt von der englischen Gabt), die in Mondscheinnächten am Armihres Geliebten" durch die Gärten geht und so stolz ist, dah sie keine andern Einladutigen annimmt als die des Gouverneurs, General Dakes. Was kümmert sie der Klatsch! Ihre Seele bleibt stumm, ohne Ziel und ohne Schau; aber über bas zartgefärbte stolze Gesicht der Bierund- dreißigjährigen zieht der Schein einer neuen Jugend.

Das Thermometer steigt auf 85 Grad Fahrenheit. In den ersten Augufttagen, als eine Fregatte vor Ga Valette anlegt und bereit ist, Passagiere nach Griechenland mitzunehmen, sagt Hefter kurz entschlossen:

Gut, fahren wir nach Athen." Und nicht einmal Dr. Meryon ist erstaunt, daß auch Mr. Bruce damit gemeint ist.

Griechenlands Hauptstadt ist voll von Engländern. Sie graben alle, sammeln und führen nach Hause, was sie können. Nur einer, der junge Gord Byron, der dichten soll und kürzlich großes Aussehen erregt hat, weil er den Hellespont durchschwommen, ist anscheinend zu Sportzwecken N Grieckenland. Er springt, braunaelockt, dilbschön Ns auf em lahmes Bein vom Molo im Piräus, als Lady Stanhope landet. Wieder auf­tauchend, mustert er kritisch die hochg^achsene Landsmännin m ihrem scharlachroten Kleid. Ein gefährliches Dmg! schätzt er und bedauert den Cambridger Kommilitonen Michael Bruce. . m

Zieh dich an und komm nach", ruft- ihm Gorb Sligo zu. Aber Byron weiß gleich, bah er diese Gesellschaft nicht oft beehren wird.

Meryon, der Arzt, rückt an feiner Brille, als Sligo verkündet, Mnlndv werde mit Mr. Bruce ein Haus bewohnen er selbst mit ihm ein anderes Gorb Sligo, ber untadelige Gentleman, scheint nichts dabei finden so hat Meryon, natürlich, dasselbe Urteil Aus dem Aden- teurer des Mittelmeers, Sligo, wirb ber glänzendste Chaperon, der sich denken läßt. Nur Mylady wünscht weder Verschleierung noch Ruck sicht. Dffen empfängt sie an Brucens Seite jeden Abend in 'heem Salon und zeigt sich mit ihm rings um die Ruinen von Athen so stolz wie

Gord Sligo, ber inzwischen mit bewaffneten Albanern, gi Köchen, Dragomanen und europäischen Dienern marmorne @i griechischer Erbe gräbt, um fein irisches Heim bamit zu fchmückm, ver­breitet zwischen Zante und Patras, daß er eine englische Prinzessin er­warte, die in Begleitung eines jungenMylord" unterwegs nach

(Eine Sandbank!"

^Wo sind wir?"

KW-E, iw ».«< sie auch jetzt noch Neles Wort? Mochte ihr bestimmt sein, an dieser Küste 811 Des^Morgen" wurde das Schiff wie durch ein Wunder wieber flott. Gibraltar, die englische Felsensestung, tauchte auf. James nahm Abschied. Er mußte sein Regiment erreichen. Drei Meilen nördlich kämpften^ Spa­nier und Engländer gegen das napoleonische Frankreich. Er hatte sem Kiel erreicht und sie selbst? Zu welchem Ende lebte sie noch?

Die englische Garnison war klein wie ein Gefängnis. In dem alten Kloster, ber Residenz des Gouverneurs, erwarteten die Herren der könig­lich britischen Armee, dah Mylady ihnen die Zeit verkürze. Dr. Meryon, der junge Arzt, blickte ehrfürchtig aus feinen wahngen Augen, wenn Ne Herrin geruhte, ihn zu den Einladungen mitzunehmen, im Innersten noch mit der Tatsache beschäftigt, dah ber Atlas, nicht wie er tn Dxforb an­genommen, eine Spitze, sondern eine Kette war

8 Schien nicht alles wie eine höhnische Erinnerung an Söalmer: Ne Ossiziere, die Festung, die Gespräche um Bonaparte wahrend des Essens ...? Nein, hier wollte sie nicht bleiben. _ . .. ;

Aber im Mittelmeer herrschte Krieg, Nap