„Weil Ihr Rock so sauber und ordentlich ist.
Ach Io." „
„3d) habe nämlich auch eine Frau und Kinder.
„Unli dann teilen Sie sich hier 'rum?"
„3)a$> tun Sie doch auch." „
„Bei uns ist das doch was ganz anderes.
„Warum denn?" „
„Weil wir nichts haben, und chr habt was.
Glauben Sie denn, daß Sie was bekommen werden, wenn St« «ns totschlagen?"
„Natürlich."
„Und was werden Sie bekommen? -
Nun ist der andere stumm. Er denkt nach, wie Bernd vorhin nach- gedacht hat, aber er findet keine Antwort. Schließlich bricht es bei ihm durch: „So kann's doch nicht weitergehen. Einer hat alles und der andere nichts. Einer hat die Arbeit, und der andere kann sich ausruhen. Einer hungert, und der andere hat zu fressen, soviel er will. Einer kann immerzu befehlen, und der andere muß immerzu gehorchenl
Bernd läßt diefen Aufschrei ruhig verklingen. Er ficht auf undstritt ganz dicht vor den Mann, der da auf feinemHolzstoß hockt und schwer atmet. Nein", sagt er, „so kann es nicht bleiben und soll es auch nicht bleiben.'Aber eines muß bleiben: daß der eine besiehlt und der andere, gehorcht. Sonst gibt es keine Ordnung." I
Ein Ringen beginnt, ein Ringen des Offiziers, des Soldaten Bernd Wallniß um die Seele dieses Mannes. Er spricht auf chn ein, er horcht I in ihn hinein, er läßt ihn reden, er steht ihm Rede. Er fitbst wird sich I In diesem Kamps erst klar, um was es eigentlich geht: um bie Schichtung I der Menschen, um ihr Recht ans Arbeit, um ihr Recht a>Ü Verdienst, um Ihr Recht aus das Leben ihrer Seelen. Die gleichen Rechte sind es, d e I er auch nicht missen will und die alle haben müßen, di-: in der Linie liegen, aus der heraus der Kamps um das Vaterland und sirr das Vater- I land geführt werden muh.
„Arbeit gibt es nur in der Ordnung", sagt er. I
„Verdienst gibt es nur in der Ordnung", sagt er.
„Recht gibt es nur in der Ordnung", sagt er. I
„Daß wir wieder Ordnung in Deutschland aufrichten, das ist es, I ll,°Unti der Mann vor ihm wird stiller. Er widerspricht nicht mehr mit dem Saß: „Die andern haben gesagt ..." Er hört zu. .
Schließlich fragt ihn Bernd: „Wollen Sie zuruck zu denen da draußen?"
Er schüttelt den Kopf. „ .
„Dann gehen Sie nach Hause. Sie sind frei.
„3d) kann nicht."
"©le1 würden mich totschlagen. Sie würden denken, ich hätf sie »erraten."
„Wo wollen Sie denn bleiben?
„fiter."
”3d) weiß nicht. Vielleicht. So schnell geht das doch nicht."
Bernd reicht ihm die Hand. „Kommen Sie mit 'rauf. Keiner von uns «t Ihnen etwas."
„Wirklich nicht?"
„Wenn ich es Ihnen sage."
„Gut. Ich komm' mit.
{trift Krüger heißt der Manu. Er ist nur wenige Jahre jünger als Bernd Eine Stunde fpäter sitzt er am Tisch und schiebt die Patronen, die hier Splelsiguren sind, zwischen den Kreidestrichen hin und her.
Um Mitternacht bekommt die Waä)e Kassee. Bernd reicht chm feinen Feldbecher. „Da, trinkl" , „ , . .
Ist ßut", sagt der wieder, und nach einer Weil«: „Bei den andern haben wir auch Mühle gespielt. Aber da hatten wir ein Brett."
„Es geht dock) auch so."
„Gewiß geht» auch so." , ,,
Vier Tage liegen sie noch In Weißensee. Die Bartstoppeln wachsen Bernd ums Kinn wie den andern auch. Ueber die Wunde zieht lidj der erste Schars. Er fpricht viel mit Fritz Krüger, vom Krieg, von Krugers Frau und von dessen Beruf. Metalldreher ist er, und Bernd nwife a erlei von dieser Arbeit. Sie hatten fa auch Metalldreher in den Schillings- werken , v m .
Also war es wenigstens zu etwas gut, denkt Bernd.
Fritz Krüger weiß auch ein Lied, das sie alle nicht kennen. Es wurde nur bei seinem Regiment gesungen. Nun lernen sie es.
Am fünften Tage kommt ein Polizeiabteilung. Ihr Führer teilt mit, daß die Rädelsführer feftgenommen und die fiauptgefahr befeitigt ist. Die Freiwilligen dürsten abrücken.
Sie ziehen die Wachen und Posten ein, treten vor ihrem Gebäude an und marschieren ab. Fast hundert Mann sind ste jetzt, da alles bei- lammen ist, fast eine Kompanie. Und Krüger steht neben Wallnitz im Glied. Ihr Marschtrili ist seft, ste singen, als sie in die erste Straße ein- biegen, In jene Straße, aus der die Ausrührer gegen sie ansturmten.
Bernd blickt sich um: da liegt die Post von Weißensee, ejn fiaus nrfe tausend ander«, aber für chn birgt es ein Erlebnis. Der Abschied fallt ihm schwer.
Als ste am Schloß vorüberkommen, steht er nicht, wie vor fünf Tagen, nach den Fenstern Im dritten Stock, er sieht zu seinem Nebenmann Fritz Krüger und weiß: das in der Post von Weißens«« war nur ein Anfang.
Am gleichen Abend nod) kehrt er In die fiohenzollernstrahe zurück. Nicht für lange Zeit, das erkennt er klar. Noch fühlt er die fiöndedrücke der Kameraden, und ihr „Aus Wiedersehn" klingt in seinen Ohren.
(Schluß folgt.)
Der Dichter.
Bon Hermann Hess«.
Keiner atmet der Garten im Tau der Nacht, Stiller brandet vom Tale die Stadt heraus, Blumen schimmern im Dunkeln Geisterhaft blaß wie aus Träumen her. Mir allein, der ich müde der Sonne bin, Kühlt auch der Abend die brennend« Stirne nicht, Mir verschmachten die Sinne Dürstender als am Tage noch.
Ungestillt verzehrt mich die Leidenschaft, Di« ich des Tags mit soviel Listen betrog. Ach, nun steht sie verzweifelt Aus der kurzen Betäubung auf.
Liebe atmet der Baum und Liebe der Mond, Liebe träumen die Blumen im schwarzen Laub; Nur ich Einsamer dürfte
Liebelos in der lachenden Welt.
Mädchen bleiben und Männer bezaubert stehn, Wenn durchs Gebüsch meine einsame Laut« tönt. Und in Liedern verblutet Statt in Liebesarmen mein Herz.
Dichter und Vogelwelt.
Don Dr. L. Gebhardt.
In seinem besinnlich-heiteren Vogelbuch vom „Thomas am Zaun« und seiner Kumpanei" meint Philipp Gottfried Maler mtt vlel Grundr „Seit bansend Jahren gehört die Nachtigall zu dem poetischen Bewu^- sein unseres Volkes". Sogar in Grimmelshausens krausem „Sim- plicissiinus" steigt die rührende Bitte auf:
Komm, Trost der Nacht, o Nachtigall Laß deine Stimm' mit Freudenschall Aufs lieblichste erklingen!
Auch die zarte Mär vom Wunderstein, dessen sich d«r Zeisig bedient, um (ein Nest den Blicken der Neugierigen zu entziehen, finden wir in dieser rauben Schilderung einer verwilderten, lewersullten Zeit, ße* selben Märchens erinnert sich (Päter £ t) am Hf o in ,4Met wehmütig romantischer Schattenaeschichte. Doch soll hier nicht daoon d!« Rede sei» daß und wie die Poesie das Leben des leichtbeschwingten Vogeloolkchens verklärt. Wir wollen vielmehr von Dichtern sprechen, deren Beziehung zur Vogelwelt im allgemeinen nicht bekannt Ist, und die auch nur aeiegentlich verraten, daß fi« gute und z. T sogar ganz hervorragende Vogelkenner waren ober sind. Unserer Betrachtung geht kein« systematische Sammlung voraus. Sie hält nur'fest,.was der Boged freund mehr oder weniger zufällig entdeckte und erhebt daher nach keiner Richtung den Anfprud; auf Vollständigkeit.
Blättern wir einmal bei Theodor Storm. Von Jugend an hatte er einen besonderen Blick für das Leden unserer heimischen Voge. Die Liede zur Natur und ihrem gefiederten Volke Ht bei ihm Erbteil des väterlichen Blutes. Der als Bauernsohn in die Stadt verpflanzte Vater war bekannt als großer Vogelfreund. Die Ferien verbrachte t^r Sohn ost in der ländlichen Heimat des Vaters. Dort streift« er durch Feld und Äulch und ging auf den Dohnenftieg zum Krammetsvogelfang. So lernt« er Ichon im Kindesalter, wozu Neigung und Veranlagung ihn «nreftten Er erwähnt daher, z.B. in „Ein grünes Blatt unb (pater in »Aqui» submersus“ eine Gattung der heimlichen Ornis, die dem Laien m au- gemeinen nur dem Namen nach bekannt ist und uns infiolgebcffen der Literatur (o gut wie nicht begegnet. Es ist die Grasmücke Die stiel mütterliche Behandlung dieser Voaelfonn mag daher kommen, daß unsere lieblichen Gras- oder Grauschlüvfer (die Hertunst des Namens ist nicht vollkommen klar) außerordentlich bescheiden und unauffällig gefarttuno dazu sehr versteckt lebend« Buschvögel sind. Unter unseren drei Lerchenarten ist die Heidelerche im Gegensatz zu Feld- und Haudenlerd)- kein der mcn(d)lid)en Kultur folgender Vogel. Da sie Oedflad)«n bevorzugt, weiß von ihr gewöhnlich nur der Vogeltundige. Storm pricht in „Ein grünes Blatt" auch vom Lied dieser Sängerkönigin „in unsichtbarer Hohe". Die zierliche Frllhnovelle „Immens««" bringt die Gegenüberstellung von Hänfling und Kanarienvogel. Unschwer können nur woyi erraten, daß hier ein« vom Dichter zart angedeutete symbolische Gegenüberstellung beabsichtigt ist. Aresonders ausfallend ist das in „Bomr Basch" verwertete Motto: Die Wirkung des Bogelliedes. Es ist in dieser Form sonst aus dem deutschen Schnsttum wohl kaum bekannt. Der Dichter erweist sich in dieser Novelle als ein außerordentlich genauer Kenner der Dompsasfenadrichtung und -Haltung. .
Als der schwerblütige Norddeutsch« einst den von ihm verehrten un° bewunderten Mörike besuchte, erzählte er dem schwäbischen Freunoe von feines Vaters Liebhaberei für Vögel. Da hörte er aus dem Munve des Schwaben, daß dieser auch Freude an solcher Art von bescheidenem Naturerleben habe. Mörike zeigte später dem Gaste zwei Rotkehlchen, me im Käfig vor dem Fenster standen. Auch einige kleinere Gedichte beweisen- roie sehr Mörike« Neigung ihn in das Gebiet 6er Vogelliebhaberei führten. „Auf den Tod eines Vogel" und das neckische JBogcUleb stten als Beifpiele genannt. Allbekannt Ist der „Turmhahn von Cleoersun doch", fi'er erzählt uns der gemütvolle Pfarrer mit viel Vefchaulichte' u. a., daß er einen ganzen Samstagnachmittag (einem Fritz einen Meisti schlag zimmerte. Er war also nicht nur der femnerolge Lyriker, fonbe aud; ein wirklicher Fachmann und Praktiker auf dem Gebiete der Voge Haltung. , ,
Der zweifellos größte Kenner unterer Dogelwelt ist Heinrich S t i o e Aus Schritt und Tritt begegnen wir in allen seinen Werken den neo l vollsten Schilderungen unserer gefiederten Welt. Vielfach sind Vogel o


