wohl nicht viel
Wetterglas wäre stark gefallen. „Hebbt Jt »t hele Schah an»
Ein leises Quaken
chlobohm reichte mir die Flinte, stieß das Boot ab und em. Dann nahm er das Stakruder und stakte uns lang«
auf sich hatte, sagte aber, daß sie den
Gleich darauf eine ganz vermeiden. „Mojn
tagen?"
„3d> hoffe, daß sie Er stampfte schnell tenb, hinter ihm her.
Als wir ins Freie
Schlobohm meinte, es würde heute auch!" Wir hatten Südwestwind, das Aber verfud)en könnten wir's ja mal.
dicht halten."
voran, ich tappte, hin und wieder ins Leere tre-
kamen, erkannte ich hinten am Horizont einige voraus sogar so etwas wie Lichter. Das war
Dunkelheit. , , ..
Wir glitten an Schilfinseln entlang, die auf der Flut schwammen und mit ihr stieaen und fielen. Es begann leise zu klingeln. Regentropfen schlugen ins Wasser. Das Klingeln verstärkte sich und verwan- delte sich schnell in ein Rauschen. Ein Regenschauer rauschte über U"%hh’ überquerten wir das eigentlicl)e Bett der Hamme des breiten Moorflufses, der mitten durch die Niederung zog. Da der Wind in der Richtung des Flußbettes blies, entstanden ganz schone Wellen. Das Boot chaukelte. 3ch kniete unwillkürlich nieder und hielt mich an den Bordkanten fest. Mit Staken war jetzt nichts mehr zu machen. Die Wasser
Oie Entenjagd.
Erzählung von Manfred Hausmann.
Kelsen am (Sa.
Von Hedwig Forstrevier,
Felsen bist du, ruhend In dir, Stark von den Kräften der liefe. Vom Himmel herab sprühen im Regen, 3m Tau, in Sonne die Wethen des Lichts. Harten, wandeln, glätten den Fels, Geben Gestalt dir. Aber die Welle, Die eilig-bewegte, spielt dir zu Füßen, Drängt an die Knie in weiblicher Zartheit, Schaum versprühend, wie Seide flutend, Sagt dir des Elementes Geheimnis: Kraft der Quelle und Stchverströmen, Tiere zu laben und Felder zu tranken, Daß sie blühen und Früchte tragen.
— Dein ist das Lauschen, das große Beharren, Stummes Wachsen aus Schichten der Erde, Aber der Welle Teil das ewig-melodische Raunen Und du duldest gelassen ihr Tun. — Es schmilzt euch zur Einheit Sturm, der euch beide erfaßt, Licht, das euch göttlich umglänzt.
stand.
Der Regen hatte ausgehört, die Lust kam schwer und kalt übers Wasser. Ich schauerte zusammen.
„Kriegen noch mehr Regen", sagte Schlobohm. „Will mol bat Water ut den Veerknee moken."
Da sah ich erst, daß neben uns, halb aus den Damm gezogen, ein Boot lag, vier Knie ober Spanten lang, ein Seelenverkäussr, wie die Leute es hierzulande nennen. Wir holten das lange, eisenbeschlagene Stakruder hera'us und schöpsten bas Boot mit einer allen Konservendose leer. Born auf der Ducht lag eine zufammengerollte Schilsbecke und
hellere Stellen, links . „
Osterholz. Aber was mochte das rechts für ein Schein fein? Schlobohm sagte, es wäre das Torswerk Teuselsmoor, bas mit Nachtschicht arbeite. Ganz links war eine besonders ausgedehnte Helligkeit: Bremen.
3ch merkte, daß mir nicht mehr querfelbeln gingen, sondern einer Art von Fahrweg folgten, der sich als Damm in die überschwemmte Hammeniedrung hineinschob. Rechts von uns plätscherte schon das Wasser. Ein fahler, kaum wahrnehmbarer Schimmer lag darauf. Links zog sich ein Graben hin, aus dem schwarze Pfähle herausragten.
Schließlich hielten wir am Rande der großen seeartigen Niederung, die jetzt im November, wo man die Flutschleusc bei Ritterhude geöffnet hatte, von der Scharmbecker Geest bis zum Weyerberg hin unter Wasser
ein Brett.
Schlobohm warf seinen Rucksack in das Boot, ertönte.
„Was ist das denn?"
„De Lockente."
Obwohl ich nicht wußte, was es mit der Lockente ich: „Ach sol Selbstverständlich! — Wundert mich ganzen Weg über so still gewesen Ist."
Als Ich mich gegen fünf Uhr in der Frühe durch Gesske Schlobohms Hofgatter zwängte, war es noch stockdunkel. Ein leiser Nieselregen siel. Ich bog um die Hausecke. Da war ein Fenster hell. 3ch klopste an die Scheibe. Schlobohm schob die Gardine zur eeite, blickte mit zusammen- gefnlffenen Augen hinaus, ohne mich zu sehen, und winkte ins Ungewisse. Dann hängte er sich seine Flinte um und tappte, nachdem er die Petroleumlampe ausgeblasen hatte, auf die Diele. '' machte die Haustür „pang" und noch einmal „pang".
„Moini" sagte ich ins Dunkel hinein. „Das Ist ja fluchte Finsternis!"
3ch^kletterte ins Boot und hockte mich schleunigst nieder, da es sehr kippelig war. Schlobohm reichte mir die Flinte, stieß bas Boot ab unb schwang sich hinein. Dann nahm er bas Stakruder und stakte uns lang« fam vorwärts. Die Wellen gluckerten, in der Ferne hinter der Geest brummte ein Dampfer, hin und wieder trug der Wind Eisenbahnrollen herüber. Jetzt pfiff die Kleinbahn in Weyermoor. Nicht lange danach gingen die Lichter am Bahnhof Worpswede an. Wir sahen den Dam- merschein des Zuges dahinschweben, langsamer werden hallen. Dann wieder ein Pfiff. Der Bahnhof erlosch. Der Zug verschwand in der
tief« betrug hier vier Meter und mehr. Schlobohm mußte wricken. Bald waren wir am anderen Rande des unruhigen Gebietes angelangt. Das Wasser wurde wieder still.
3n der Ferne dunkelten Schatten: die Gehoster von Teuselsmoor mit ihren gewaltigen Baumgruppen. Im Osten zeigte sich eine Andeutung von Grau am Horizont.
Der Regen flog vorbei, wir glitten in einen Schilfwald hinein. Er sah so feft und undurchdringlich aus, als wäre er nie zu überwinden. Aber als das Boot sich herandrängte, ging das Schlls leicht auseinander, lieh uns durch und schlug hinter uns wieder zusammen. Wir glitten gleichsam über Land.
Bald öffnete sich eine neue Wasserfläche, dann kam wieder ein Schilf- wald, großer Und dichter noch als der erste, und schließlich wilder offenes Wasser. Die Oberfläche war blank und glatt mit einem Hauch von Dämmerung daraus.
Schlobohm zog das Stakruder ein und holte die Lockente aus dem Rucksack hervor. Sie quakte ein bißchen, beruhigte sich aber schnell wieder und hatte nichts dagegen, bah Schlobohm ihr einen Strick, dessen anderes Ende an einem Ring aus Kuhhorn befestigt war, ums Bein band. 3n der Wand des Hornrlnges sah eine drehbare Drahtöse, von der abermals ein Strick ausging. Schlobohm nannte die ganze Einrichtung, die er selbst erdacht und angefertigt hatte, einen Umläufer.
Nachdem er sich überzeugt hatte, dah bas Wasser hier nicht tiefer als anderthalb Meter war, bano er einen Backstein an den Strick und warf ihn über Bord. Dann setzte er die Ente aus. Sie schüttelte Ihren Schnabel, legte ihr Gefieder zurecht, wackelte mit dem Schwanz unb schickte sich an, vergnügt davonzurudern. Daran wurde sie freilich alsbald durch den verankerten Strick gehindert. Es blieb ihr nichts anderes übrig, als im Kreise herumzuschwimmen. Wäre der Ring mit der drehbaren Oese nicht gewesen, so hätte sie Schlinge aus Schlinge in den Strick gelegt unb sich allmählich unter Wasser gezogen.
Mit zwei kräftigen Stakschüben drängte Schlobohm das Boot ins Schilf zurück, wo es festsaß. Wir legten uns auf die feuchten Bodenbretter, rollten die Schilfbecke über uns, so daß wir nur mit den Kopsen ein bißchen herausguckten, Schlobohm an dem einen und ich an dem andern Ende.
Schlobohm bewegte sich noch eine Weile unter der Decke hin unb her, ächzte verhalten und brachte schließlich einen Zigarrenllummel zum Vorschein, den er kalt, wie er war, in seinen Mund steckte. Dann flüsterte er, ich dürfte mich von jetzt an aber nicht mehr rühren. Keinen Laut! Sonst würde nichts daraus.
3ch versprach, mich still zu halten.
Zuerst kam es mir unter der Schilfdecke ganz gemütlich vor. Als aber nach einiger Zeit mit dem auffrischenden Wind ein Pladderregeii einsetzte und die nasse Kälte von unten her langsam durch die Kleidung in den Körper drang, wurde ich anderer Meinung. 3ch fror und zitierte. Wie sollte ich bas nur aushalten?
Es bedeutete immerhin einen gewissen Trost für mich, daß auch Schlobohm anfing, ungeduldig zu werden. Nachdem er, ohne den Zigarrenstummel aus dem Munde zu nehmen den Regen und die Kälte mit leisen, aber sehr unfreundlichen Ausdrücken bedacht hatte, ging er dazu über, zärtliche Laute nach der Lockente hinüberzusenden, mehr durch die Nase als durch den Mund, wodurch er ihnen einen besonders zärtlichen Tonsall mitteilte. Er konnte es offenbar nicht mehr abwarten, bis die Ente von selbst Lust verspürte, sich vernehmen zu lassen. Sie antwortete denn auch mit einem zaghasten „Rüp, räp". Sogleich erhoben sich in einiger Entfernung einige andere Entenstimmen. 3ch unterschied ein behäbiges „Wack, wack", ein düsteres „Quook, quook" und ein beinahe lachendes „Weck, weck". Dann trat wieder Stille ein.
Mit einem Male wehte ein leises, samtweiches, unwirkliches Rauschen auf. Schlobohm hob seinen Kops mit einem Ruck eine Kleinigkeit in die Hohe und tastete nach seinem Gewehr. 3ch folgte der Richtung seines Blickes und sah, daß jenjeits der offenen Wasserfläche eine Kette von Stockenten über dem Schilf austauchte. Sie wendeten sich rauschend nach halblinks und verschwanden. Schlobohm legte sich wieder zurück.
Der Himmel wurde heller. Sein Abglanz schwebte grau auf dem Wasser. Es fing wieder an zu regen. Zwei Sturmmöoen flogen mit heiserem „Kliä, tliää" vorüber, ein Zeichen, daß draußen auf der Nordsee schlechtes Wetter herrschte. Hoch oben zog unhörbar ein Keil von Gänsen hin.
Da ertönte abermals das weiche, wundervolle Rauschen und verlor sich wieder. Da, noch einmal! Ein herrlicher Laut in der Lust, dies wehende, körperliche Anrauschen und Vergehen! Jedesmal richtete Schlobohm seinen Kops etwas auf, so daß die Augen über die Schilsdecke hinsunkelten, und jedesmal schob er seine Lippen mit dem Zigarrenstummel etwas vor und bewegte sie wie ein Säugling beim Schmatzen.
Aber jetzt wurde es ernst. Mit hartem Klatschen stieg ein Pärchen auf und kam angestrichen. Die Ente mit lautem „Wak, wak" voraus, der Erpel mit mattem „Räp, räp" hinterher. Ehe Schlobohm noch anschlagen kontne, ließen die beiden sich schon in der Nähe der Lockente nieder. Schlobohm brachte mit äußerster Vorsicht sein Gewehr In die richtige Lage. Er sluchte nicht er atmete nicht. Nur seine Augen und die saugenden Lippen mit der Zigarre lebten. Noch konnte er den Hagel nicht hinüberschicken, ohne gleichzeitig seine Lockente zu gefährden. Aber das würde ja wohl nicht mehr lange dauern.
Die drei Tiere schienen fürs erste Gefallen aneinander zu finden Sie begrüßten sich und ließen sich auf eine lebhafte Unterhaltung ein: „Wäk, wäk — wak wak — räp räp'7 Schlobohms Gesicht wurde immer roter vor Ungeduld und unterdrücktem Fluchen. Was er wohl gesagt haben würde, wenn er gewußt hätte, daß ich es im Grunde meines Herzens mit dem Entenpärchen hielt und hoffte, es möchte so schlau fein, sich nicht allzu weit von der Lockente zu entfernen? Er versuchte vorläufig erst einmal, den linken Arm, der das Gewehr stützte, vom Bootsrano auf die Ducht zu senken. Der Arm mußte ihm eingeschlafen sein ober aus irgend einem anderen Grunde weh tun. Er schnitt die fchauerlichsten Fratzen. Der Tabaksaft lief ihm aus den Mundwinkeln heraus. Langsam


