Ausgabe 
12.9.1938
 
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nahe der befreundeten Zebraherde, trippeln scheu und ängstlich einher, ungewiß, von welcher Seite die Gefahr hereinbrechen mag Sie drangen sch dicht aneinander, suchen Trost in der Gemeinschaft, heben die Kopse, iitn in der Lust zu schnuppern, stohen sich, wenden sich em ubers andre Nal zurück, um mit unerklärlicher Unruh« in die Dunkelheit zu starren.

Plötzlich wie um den Anbruch einer neuen Jahreszeit anzukundi- »n rollt der Donner. Wieder und wieder wird die Finsternis, die L über das Tal ausgebreitet hat, durch zuckende Blitze zerrissen. Mit inmal setzt Regen ein: schwere Tropfen sollen; immer dichter prasse n L mit zunehmender Stärke herab. Jetzt fallen sie nicht mehr einzeln - nein! wie eine mächtige Sturzwelle schießt das Wasser aus den zer- lissenen Himmeln zur Erde! Wo vorher noch d»e,e fast umrd.sche Stille gebrütet hat, da krachen jetzt mit vhrenzerreißendem Getose doe Bonner« schläqe begleitet von anhaltendem dumpfen Rollen in der Feme. Blitz folgt auf Blitz; kaum ist ein greller Schein verzückt, schon. ist em anderer ba Die Finsternis ist ganz verdrängt; schwarz, gespenstisch und hager stehen die Bäume in der abenteuerlich erhellten Nacht.

Auf der ausqedörrten Erde bilden sich Ströme von Wasser; ein« getrocknete Bongos beginnen sich zu füllen; die flachen Bodenmulden in Jem welligen Gelände sammeln das Wasser auf und fchwellen zu Tüm­peln an. Die Tiere schauern und beben; sie lassen die Kopfe hangen und der Regen trommelt ihnen aufs Fell. In gedrängten Hausen stehen sie beieinander. Sie haben keine Wachen aufgestellt; ist dies doch kems von ben Uebeln, denen sie sich durch die Flucht entziehen konnten! Der Lowe bat in seiner Schlucht Schutz gesucht; Leopard und Gepard liegen unter überhängenden Felsstücken, und neben ihnen schießen die Wasserstrome in kleinen Kaskaden herab. Rudel von wilden Hunden kauern unter Bäumen eng beisammen. Das Unwetter ist Herr des Tals und alles Lebendige beugt sich ihm.

Aber noch keine zwei Stunden sind vergangen, da hort der Regen auf. Fern von den Bergen her kommt der dumpf brummelnde Widerhall des immer noch grollenden Donners. Ader kein Blitz durchzuckt mehr die Dunkelheit und an die Stelle jener unheimlich brütenden Stille und des darausfolgenden Gewittersturms mit feinem Krachen und Toden tritt nun die Ruhe neuen Friedens. Horch! Hort ihr dasSchuhuuh der Eule, die sich in ihrem Unterschlupf zwischen den Blattern regt? Da das gellende Auflachen der Hyäne! Gleich drauf stoßt em Slippfdjltefer, öer aus feinem Bau herausgekommen ist und nun ms erwachende Tal Wnunteräugt, feinen Ruf aus.

Die Pallahs schütteln sich, reiben die Flanken gegeneinander, strecken die Köpfe in die frischkühle Lust und brechen auf. Bei den über Nacht entstandenen Wassertümpeln bleiben sie stehen, trinken nach Herzenslu t dann geht es weiter. Wie sie so dah,nz,ehen, fangt b,« Jüngste unter ihnen auf einmal an, hoch in die Lust zu fpringen, vorwärts fe taarts, wieder und wieder. Fort ist alle Angst, vorbei die Äeit der Emsamke t! Mit dem Regen ist die Wett wie neu geschaffen, unbein neues Leben hat auch für sie begonnen: ihre Sehnsucht hat sich erfüllt, sie ist mit den Ihren vereint und namenlos glücklichl

Att-Ottakring.

Bon Josef W e i n h e b e r. Was noch lebt, ist Traum. Ach, wie war es schön! Jüngre werden kaum jene Zeit verstehn, wo das Kirchlein stand und die Häuser blank unterm Giebelrand hatten W-ing-rank.

Und im Herbste gar, wenn der Äaische Duft, hing im blauen Klar der beschwingten Lust! Bon den Hügeln schlicht kam der Hauer Sang, da die Stadt noch nicht grau ins Grüne drang.

Heut ein Steinbezirk wie ein andrer auch, und nur sanft Gebirg schickt wie einst den Hauch, Hauch von Obst und Wein in die Gassen aus, und der Sonnenschein liegt auf altem Haus.

Da und dort ein Tor hat noch breiten Schwung, Bufchen grün davor lädt wie einst zum Trunk, und im Abend wird längst Vergangnes nah, spielt ein Bursch gerührt Ziehharmonika.

Bismarck auf eigener Schotte.

Von Gerhard Schäke.

Schönhausen, Friedrichsruh und Varzin sind in Verbindung mit betrt Namen des Altreichskanzlers jedem Deutschen ein Begriff geworden. Daß Bismarck in der idealsten Form den Typus des echten Landmannes ver­körperte, daß er zeit seines Lebens mit ganzem Herzen an der Scholle hing, daß er in (einem wahren Wesen Gärtner, Waldsreund und Jäger und voll tiefen naturhaften Empfindens war das wißen nur die­jenigen, die ihn aus feinen Briefen und den Briefen feiner Zettgenoffeir näher kennenzulernen versuchten. v.

Als zwanzigjähriger Göttinger Student berühren ihn die Fragen von Garten, Hof und Haus schon recht empfindlich, er hört den Vater über di- Zinslasten der Hypotheken stöhnen, und er muß als künftiger Mit- verwalter und einstiger Erbe an Abhilfe denken, die nur möglich ist, wenn in Gärten unb. auf den Feldern Erträge erzielt werden die yi« gleich reich und gut sind. Er belegt Vorlesungen in Chemie, besaht sich mit theoretischen und wissenschaftlichen Fragen der Pflanzenkunde, Züch­tungen und Landwirtschaft. Nach der Studienzeit geht er mit Feuereifer an die Arbeit, bezieht ständig Bücher, Zeitschriften und Kataloge, um sich auf dem laufenden zu halten. Wenn er nachts studiert und gelernt hat, geht er tags über Land, besucht Märkte, Messen und Ausstellungen, nimmt gerne Lehren an und erkundigt sich über Gemüse, Obst und Blumen bei den Nachbarn, denen besonders gute Züchtungen glucken. Selbst von alten Schäfern und verhutzelten Kräuterweiblem holt er ferne Sßcisbßit >

Solange nicht die ganze Last der Wirtschaftsführung des umfang­reichen Schönhauser Besitzes auf ihm lastet, bemüht er sich, den Dingen auf den Grund zu kommen. Leistungssteigerung ist ihm ein selbstverständ­liches Ziel. Und wenn er oft mit den Nachbarn herumsitzt und politisiert unb fachsimpelt, fo zieht er daraus Nutzen:Ich höre sie mit verstänbiger Miene an denke darüber nach unb träume nachts von Drefchhafer, Mist unb Stoppelroggen." Er scheut sich nicht, selber Hand anzulegen; mit beiden Beinen steht er auf seinem Besitz, er ist mit Begeisterung Bauer. Mit 29 Jahren erhält er Schönhausen unb Kniephof als Erde; zugleich wachsen die politischen Aufgaben unb Ziele. Die Jahre vergehen, unb le tiefer er in der Politik steckt, um so stärker bricht das Gefühl für die Natürlichkeit des Landlebens durch. Mit 40 schreibt er:. und im hicksten Walde, wo einen keiner finbet und kein Telegraph hinreicht, wirb mir erst behaglich; ich habe oft rechtes Heimweh nach dem Landleben.

In Pommern gehört ihm der Besitz Varzin; die landwirtlichen Pflich­ten werden immer größer. Er ist niemals der Junker und der große Herr, der bloß die Pacht eintreibt, ohne sich zu sorgen, ob und wie es geht Er kümmert sich um alles, um die Pachtrückstände, die Schulden­tilgung, die Vögel, die im Winter gefüttert werden muffen, die Hühner, di- nicht genug Eier legen, lieber Bodenverbefserungen, Entwässerungen und Neuanlagen hält er mit Forstmeistern, Gartenleuten und Verwaltern Beratungen ab. Er weiß die ständige körperliche Erneuerung durch। die Natur zu schätzen, er freut sich, wenn er durch die hohen Glastüren gehen kann und mit ein paar Schritten mitten im Garten «st In Berlin pflegt er seinen Gästen stolz zu erzählen: die Kartoffeln, d,e ihr hier eßt, sind von meinen pommerschen Aeckern, das Beerenobst kommt aus Schon­baufen unb Blumenkohl, Salat, Spargel und Gurken sind auch auf mei- nem Boden gewachsen. Die Fliebersträuhe, die er versehen t, stammen nicht aus einem Ladengeschäft, sie werden aus Varzin besorgt. Selbst die Pilze, die er in seinen Wäldern hat, läßt er nicht umkommen. Er über­sieht die Kleinigkeiten nicht, er weiß sie zu schätzen er kennt ihren Wert unb er kann ganz gut rechnen:Der Garten hat bisher 103 Taler in biefem Jahr gekostet unb 40 bis 50 werden mit Graben und Einernten wohl bis Weihnachten dazukommen, außerdem die Feuerung. Man mutz Wen ms er feiner Frau Johanna über Varziner Erholungsstunden schreibt um zu begreifen, wie tief diese Naturliebe ist:Wenn ich gefrüh­stückt und gezeitungt habe, wandere ich in Jagdstiestln in die Walder, bergsteigend und fümpferoatenb, lerne Geographie unb entwerfe Schonun­gen Sobalb ich heimkehre, wirb gesattelt unb dasstlbe Geschäft fort gesetzt. Es gibt doch sehr dicke Büsch« hier auch Balken und B ocke, Wüsteneien und Schonungen, Bäche, Moore, Heibe, Ginster, Rehe, Auer- hähne, undurchdringliche Buchen- und Eichenauffchlage und andere Dinge an denen ich meine Freude habe, wenn ich dem Terzett von ~aube, Jyity £ und Weih lausche ober bie Klage ber Pächter über bie Untaten der Sauen büre " In einem späteren Briefe lieft man:Ich Hecht unb Hammel, beut' Hecht und Salb, auch Spargel, ber besser ist als ber Berliner. Der Frost hat junge Buchen an Walbecken gebräunt, manche Etchbusche ge schwärzt. Schlimmer ist es beinen Rosen ergangen, von ben bod^tam migen3finb sechs ober acht bisher ohne Lebenszeichen. Im Felbezeigt ber Roggen stellenweise geringe Frostschattierungen, b,e Kartoffeln, Pom merns Trost, scheinen gesund. Deine Erlplantage ,m Weißen Moor war anaeroachien aber erfroren. Der schwarze Boden unte$«.ben blühenden Kiefern ganz weiß von beifolgenden Blüten, drei Fuß hoch wie blühende ^Jn der ständigen Wechselfolge feiner vielseitigen Berufsgeschäfte braucht er Ruhe, Pausen ber Sammlung unb Besinnung. Da stürzt er jid) irt bas Leben eines ßanbmannes, lauscht bem Roren ber Hirsche^ dem Klopfe, ber Spechte, hört auf den hastigen Schlag ausgescheuchter Rebhühner, stz auf dem Anstand, denkt und wägt. Seme Freunde verblusft der Ueber9a"9 von nackten Tatsachen zu dichterischem Schwung, wenn er °w Abend erst von Politik und dann von seinen Garten, Frühbeeten und Feldern fpr cht. Wenn ich gut schlafe, träume ich von ben Tannenschonungen die frisch grün im Frühjahr stehen, feucht vom Regen, darüber Triebe wachen, dann wache ich erfrischt auf. Hier kann man ftunbenIang tm ®agen unb auf Bänken lungern und ins Gras fiteren, ohne Gedanken und ohne

unb will sich den politischen Ausgaben nicht verschließen «r fühlt, bah bie Nation ihn braucht. Er bagegen braucht bie Natur. V tische Fragen vergleicht er gern mit Erfahrungen von Gart nbau F d- wirtschaft unb Tierleben. Die Fürstin Bismarck hebt Maröchal-Niel-Rosen,