Sommerlied.
Von Paul Gerhardt.
Geh aus, mein Herz, und suche Freud In dieser lieben Sommerzeit An deines Gottes Gaben;
Schau an der schönen Gärten Zier, Und siehe, wie sie mir und dir Sich ausgeschmücket haben.
Die Bäume stehen voller Laub, Das Erdreich decket seinen Staub Mit einem grünen Kleide.
Narzissus und die Tulipan Die ziehen sich viel schöner an Als Salomonis Seide.
Die Lerche schwingt sich in die Luft, Das Täublein sleugt aus seiner Kluft Und macht sich in die Wälder;
Die hochbegabte Nachtigall Ergötzt und füllt mit ihrem Schall Berg, Hügel, Tal und Felder.
Die Glucke führt ihr Völklein aus, Der Storch baut und bewohnt sein Haus, Das Schwäjblein speist die Jungen, Der schnelle Hirsch, das leichte Reh Ist froh und kömmt aus seiner Höh Ins tiefe Gras gesprungen.
Die Bächlein rauschen in dem Sand Und malen sich in ihrem Rand Mit schattenreichen Myrten;
Die Wiesen liegen hart dabei Und klingen ganz vom Lustgeschrei Der Schaf und ihrer Hirten.
Die unverdrossne Bienenschar
Fleugt hin und her, sucht hie und da Ihr edle Honigspeise, Des süßen Weinstocks starker Saft Bringt täglich neue Stärk und Kraft In seinem schwachen Reise.
Der Weizen wüchset mit Gewalt, Darüber jauchzet jung und alt, Und rühmt die große Güte Des, der so ohne Maßen labt Und mit so manchem Gut begabt Das menschliche Gemüte.
Ich selbsten kann und mag nicht ruhn. Des großen Gottes großes Tun Erweckt mir alle Sinnen: Ich singe mit, wenn alles singt. Und lasse, was dem Höchsten klingt, Aus meinem Herzen rinnen.
Alemannisches Volk und Land.
Bon Anton Fendrich.
Die Verwurzelung der Weltanschauung des Dritten Reiches im Rassischen zeigt sich in der ganzen Tiefe ihrer Wirklichkeit in der südwestlichen Ecke am Oberrhein. Der kulturelle Oberbau des Landes, das seit einigen Jahren in wohltuender Uebereinstimmung Alemanmen genannt wird, ist etwas Einmaliges in der Reihe der deutschen Grenzlandpha- nornene. Das blutsmäßig überkommene Geisteserbe spottet nämlich gleich dreier politischer Landesgrenzen aufs Mal. Mehr als ,e fühlen ftchdie Alemannen Südbadens, der Nordschweiz, des Elsaß und des Vorarlbergs als eine völkische Einheit germanischen Ursprungs die nicht nur etwa in den jährlichen gemeinsamen Tagungen ihr Fest feiert, fondern in Kunst und Dichtung ein eigenes Stammesleben MN.
Vor wenigen Wochen hat bei der Erofsnung der Alemannischen Ku - turtaqunq in Freiburg i. Br. der Oberbürgermeister der Breisgauhaupt- ftabt8$r9 Kerber, diese geistige Lage ganz bezeichnet nut den knappen Sätzen: „Man kann die blutsmaßige und geistige Zusammen aehöriakeit der Alemannen allenfalls leugnen, aber nicht aus der 2Lelt Wn Darum ist an den Anfang der Pflege unseres V° stums d.e Selbstverständlichkeit der Achtung vor dem gesetzt, w°s politisch gewo ben ist. Niemand wird daran rühren. Somit.müssen wir suchen.nicht was uns trennt, sondern was uns verbindet Und die Manner uno Frauen aus dem Schwarzwald, dem Markgraflerland, der NordschwelZ und dem Elsaß saßen in breiten Rechen in dem alten Saal des Kauf Hauses, dem gotischen Münster gegenüber, und auf den klaren Gesichtern stand es geschrieben, daß niemand hier anders denke.
Der Nichtalemanne geht am besten zu Hans Thoma, dem großen deutschen Maler und Dichter in ine Schule, wenn er emwi altamHnen Begriff von Alemannien bekommen will Weder die bäuerliche Ursprung
Bernau stand. Dann nahm er die Entfernung bis fast an den Gotlyaro
in den Zirkel und beschrieb mit diesem Halbmesier einen Kreis. In dieses Rund fiel zwar ein wenig zu viel von dem nicht alemannischen Burgund und etwas zu wenig vom alemannischen Voralberg, aber aus ihm ragte vom Telldenkmal in Altdorf bis zur Hornisgrinde, wo der alte Grimmelshausen so gerne hauste, und vom weißen Sandsteindom von Ulm bis zu den roten Münstern von Straßburg, Freiburg und Basel alles, was oberdeutsche Meisterhände seit tausend Jahren erschaffen hatten. Der Alte war stolz darauf, gerade im Mittelpunkt dieses Reichs in das aus dem Süden die Alpenfirne hereinschauen, das Licht der Welt erblickt zu haben.
Geographisch genauer und dem Willen der Alemannen von heute entsprechender stellen sich die Grenzen Alemanniens folgendermaßen dar: Das badische Oberland mit dem Schwarzwald bis zur Murg mit der Ortenau, dem Breisgau und dem Markgräflerland, sodann dem Streifen längs des Hochrheins bis Konstanz und Meersburg und zurück über Donaueschingen bis zum Kniebis bildet das deutsche Kernstück. Im heutigen Frankreich ist das ganze Oberelsaß und das Unterelsaß bis Hagenau alemannisch. In der Nordschweiz bis Bern und östlich bis zum Thurgau ist hochalemannisch, d. h. die Mundart, die am meisten mittelhochdeutsche Elemente lebendig erhalten hat, die Volkssprache. Das öfter- reichische Land zwischen Bregenz, Bludenz, der Seesaplana und dem Fürstentum Liechtenstein hat eine nach Gestalt und Sprache so reine alemannische Bevölkerung, daß die beglückende Empfindung des Sichda- heimfühlens zu den ersten Erfahrungen jedes elsässischen, schweizerischen oder badischen Alemannen gehört, der diesen schönen Winkel des alten Vorderösterreich zwischen dem Montafon und dem Kanton Graubünden betritt.
Die Geschichte dieses Stammes liegt klar und einfach vor aller Augen. Die Gräber haben deutlich gesprochen. In dem Ausbruch der Germanen, die 300 Jahre vor unserer Zeitrechnung aus Jütland und Skandinavien zu einem großen Bauerntrekk nach dem Süden ansetzten, knarrten auch die Räder alemannischer Ochsenwagen. Immer wieder siedelnd und bauend erreichten die Wandernden das Land zwischen Weichsel und Elbe. Im letzten Jahrhundert vor Christus waren die beiden heute noch benachbarten Stämme der Alemannen und Schwaben Stammesteile der von Tacitus gerühmten Semnonen, die das Gebiet ungefähr der heutigen Mark Brandenburg bewohnten. Als die mittlere Donau erreicht war, trennte sich dieser riesenhafte, fast ein halbes Jahrtausend währende Zug germanischer Ackerbauern nach Südosten und nach Südwesten. Die Alemannen mit den Sueven schlugen die letztere Richtung ein und warfen 58 vor Christus die Kelten über den Rhein zwischen Konstanz und Basel. Ihr Name als solcher taucht aber erst drei Jahrhunderte später in den Kämpfen auf, die der römische Kaiser Sara- calla zugunsten der Hermunduren führte, die zwischen Main und Donau von den Alemannen verdrängt worden waren. Ob ihr Name den ganz einfachen Sinn seines Wortlauts hat oder eine andere tiefere Bedeutung, darüber sind sich die Gelehrten noch nicht einig. Die Alemannen sollen nämlich zur' Zeit, als sie noch sozusagen märkisch-brandenburgisch waren, dort das Heiligtum des sueoischen Stammes als eine Art Priestervolk behütet haben. „Alah" bedeutet etwas wie Götterhain. Wie das nun sein mag, — die nordische Herkunft ist unwiderleglich erwiesen. Nicht weniger sicher aber ist der (wie der Rassenforscher Eugen Fischer auf der genannten Freiburger Tagung es kürzlich scharf umriß) „geringe aber nicht zu unterschätzende Bluteinschlag bei den Alemannen der zum Teil herrührt von der südlich alpinen Rasse der Dinarier, der vorkeltischen Urbevölkerung des Schwarzwalds, die sich in stürmischen Zetten in die unzugänglichen Hochwälder zurückzogen und dort blieben, jum größeren Teil aber von den Italikern, die als Soldaten der römischen Besatzungsarmee jahrhundertelang im Land lebten. Ihre Dienstzeit dauerte zwanzig Jahre. Die Rückkehr nach Italien war etwas Seltenes. Die , Urlauber" verschwanden fast restlos in den seßhaften Sippen der Alemannen. Fischer erklärt den Sinn für das Monumentale bei den Alemannen aus dieser Mischung. Im Gegensatz zu anderen germanischen Stämmen haben die Alemannen keine weiteren romanischen Elemente in sich aufgenommen. Mit ihrer unerschütterlichen Stetigkeit haben sie das gleiche Land in Händen und den gleichen Geist im Herzen behalten.
Der Deuter deutscher Literatur aus Landschaft und Blut, Josef Nadler, hat die Alemannen ,chie stärksten Anreger unter allen deutschen Stämmen" genannt, und zwar künstlerisch wie staatspolitisch. Man braucht nur an die Hüter althochdeutscher und mittelhochdeutscher Dichtung auf der Insel Reichenau und in St. Gallen zu denken an N o t k e r den Lahmen, an Ekkehard, den Dichter des Walthariliedes, an Otfried oon Weißenburg, Hartmann von Aue, Gottfried von Straßburg und weiter entlang der endlosen Reihe von Dichtern und Denkern durch die Jahrhunderte bis zu Karl Spittel er und Emil Gott, um zu wissen, was Nadler meint. Johann Peter Hebel, Gottfried Keller, Jeremias G o 11 h e l s, jeder war in seiner Art richtungweisend für die deutsche Epik. Daß aber die Alemannen mast nur etwa ein Volk der Sinnierer find, sondern daß wohlüberlegte und dann rücksichtslos durchgeführte Tat zum Wesen seines Charakters gehört, dazu braucht nur an einen einzigen Namen erinnert zu werden, an den von Albert Schlage ter.
In der Geschichte der Sehnsucht der Deutschen nach sich selbst und nach ihrer Einheit hat der späte südwestliche Mtttelstaat Baden, von Navoleons Faust aus Alemannen und Franken rasch zusammengeschmiedet die Tragik dieser zweitausendjährigen schmerzvoller Entwicklung tiefer durchgekostet als andere Bundesstaaten des Zweiten Reiches, «chlageter wußte davon. Er brauchte nur von seinem Heimatort Schönau hinauf auf den Belchen zu steigen, und er sah den Strom, m dem sich die Wogen des deutschen Schicksals walzen. Der Rhein der das Symbol für die europäische Lebensfrage geworden ist, umfaßt das i-and an feinem langen Süd- und Westrand. Aber gerade durch die Versippung des Hauses der alten badischen Markgrafen mit dem Korsen mar bas in die schöne Grenzwelt des Rheinellenbogens h.nausgespre'wte Land nicht wenig belastet. Wie großdeutsch aber das Land an der Flammen- jone Europas schon damals dachte, das zeigt schon die reine Gestalt


