mich befragen Sorge tragen
ich nicht gegangen!"
rein und klar das Motiv aus dem
wesen sein mochte. , . . ,
„Ich hatte geglaubt", sagte Christine, „daß Sie arm seien, deshalb war ich mit hierhergekommen, um mir Ihre Bilder anzusehen. Zu einem verwöhnten Jungen wäre
Milotti pfiff außerordentlich
Dann sagte er: „Wollen Sie nicht ablegen?" ..
„iReinl Zuerst möchte ich einmal die anderen Räume Eurer Erhabenheit sehen! Wie heißen Sie eigentlich, mein Prinz?"
„Milotti, ich sagte es doch schon, Fräulein von Rucktasch, Hans von Milotti." ,
„Vielleicht stimmt das wenigstens! sagte Christine.
Er öffnete die Tür zu einem mittelgroßen Raum, der abgefchragte Wände und tief eingeschnittene Fenster hatte. „Es ist eben unter dem Dach", sagte Milotti. ..
In der Mitte dieses Raumes stand em mächtiger Renaissancettsch, die Wände waren bis säst zur Decke mit schweren geschnitzten Bücher- regalen bedeckt. Bor einer der Fensternischen stand ein großer Schreib- tisch mit einem breiten, tiefen Sessel davor. Bor dem anderen Fenster nar ein Putt hingestellt, auf dem man zeichnen konnte. Eingebaut
$J3dj verzichte auf die Geschichte, ich verzichte letzt sogar auf die Be- stchtigung der Bilder!" Sie sah ihn an, streckte die Hand aus: „Leben Sie wohl! Schade, mein erster Ausflug ist gleich von recht törichten Um« ständen begleitet. Aber es ist ganz gut, zu lernen, sonst bleibt man en,3e6tneftettten3fid) Milotti vor sie hin: „Wenn Sie sich je von rnir malen la sen sollten, Fräulein von Rucktasch, dann lassen Sie sich b tte, so malen wie jetzt eben, mit zornblitzenden Augen, ganz leicht errötenden Wangen und einer süßen Erhabenheit/'
Christine stampfte mit dem Fuß auf: „Sie kommen sich vor, o Gott, wie Sie sich Vorkommen!" Ihr tarnen vor Zorn de« Tranen m die Augen. „Ich an Ihrer Stelle würde mich eines so leichten Sieges schämen! Was habe ich Ihnen eigentlich getan?"
„Das möchte ich fragen", sagte Milotti. „Was habe ich Ihnen getan?
„Sie haben mich belogen, Sie find ein reicher ... Ach, lassen wir doch das Reden!" t , „ , _ . , , ., , „
Sie haben recht, ich hätte eben reden sollen! Es kommt jetzt fast albern heraus, ich hatte es mir als eine kleine, harmlose Ueberraschung gedacht. Dieses Atelier gehört, so, wie es da steht und liegt, dem Wirt dieses Hauses, vielmehr seinem Sohn. Als ich im Winter, Sie wissen schon als wir zurückkamen, mich umtat, war alles besetzt. Es war ja kein Mausloch zu bekommen. Dies hier war ein Heiligtum. Der junge Bachmann, na ja, also der Sohn von dem Wirt, mar gefallen. Es sind ja viele gefallen! Ich hatte gehört, daß da oben 21telierraume fern eilten Ich hatte noch kein halbes Jahr Berlin hinter mir, ich kam frisch, fromm fröhlich aus dem Felde und fragte den alten Spekulanten, wie das mit dem Atelier dort oben wäre. Er stellte ein paar Fragen, dann sagte er plötzlich: ,Sie können es ganz so, wie es da ist, mit allen Möbeln und mit allem Gerät, bekommen. Es ist mir lieber, Sie nehmen es ehe da vielleicht eine sünsköpsige Familie einziehtl Sehr sozial dachte ja der alte Schieber nicht. Aus der anderen Seite hatte er nur den einen Sohn, und dies hier war die Erinnerungsstätte Der Bach- mann junior muß übrigens ganz begabt gewesen sein! Diese Wand da, das sind seine Bilder. So, das ist die Geschichte dieses Ateliers! Meine Bilder sind da drüben an der Wand."
Christine ging ohne Antwort zu den Bildern. Sie wollte nicht, daß dieser Herr von Milotti etwa wieder seststellte, daß eine neue dunkle Röte ihr Gesicht überzogen hatte. Cs war eine Albernheit gewesen, überhaupt diesen ganzen Borschlag anzunehmen! Welcher Teufel ritt sie, nicht in ein Hotelzimmer zu gehen! Man konnte in em kleineres Hotel gehen und einen kölschen Namen einschreiben, man kannte dann morgen in aller Ruhe ein Zimmer suchen, selbst wenn es schwer sein sollte. Schließlich besaß sie ja noch sechshundert Mark. Einsam war man ja zu Haiise auch gewesen. Die Mäuse würden einen schon nicht antnabbern.
Dieser Milotti mit dem merkwürdigen Atelier — die ganze Geschichte klang viel zu romantisch — hatte heute nachmittag da am Wasser etwas Rührendes gehabt, etwas Hilsloses. Hilslos schien er ja nun gerade " ^Milottii 'chattete stärkeres Licht ein. Christine sah in der Mitte der Wand ein großes Bild: Eine Fischerflotte mit braunen und buntelgrauen Segeln fuhr im Abendlicht aus einem kleinen Hafen in das offene Meer hinaus Aus dem Bild strömte eine große Sehnsucht, so, wie man an einem späten Herbstabend sehnsüchtig wird, wenn die Sonne sinkt und die braunen Segel glänzen. Die Farbe des Masters war zwischen Grau und Blau; von ihr hob sich, unerhört stark >n der Wirkung, das ticfe Braun des Segels ab. Das alte Motiv war sichtlich mit Kraft gestaltet. Ueberraschend war die Farbenwirkung.
lFortsetzung (olgt.)
zwischen den Bücherregalen war ein breites^ schweres Ledersofa, über besten Kopfende eine Leselampe an einem Wandarm fjing. IReben bem Sofa stand ein Rauchtisch, dessen Fläche aus kostbaren Deister Po^ zellankacheln bestand. Der Boden war mit schwerem dunkelblauem 2ie 3„r$bet“emen^Ecke gab es einen Kamin. Auf seinem Gesims standen ein paar bronzene Mädchenfiguren. Ein großer schmiedeeiserner Ofen- Vorsatz war vor dem Kamin, eine riesige Wasserslafche war als Lampe eingerichtet und gab gedämpftes, zartes Licht neben den tiefen Sesseln vor der Feuerstelle.
Christine sah dies alles mit ihren prüfenden und ausnehmenden Augen. Sie sah auch, daß kein Feuer brannte, und sie empfand sofort die Kultur, aber auch die Unpersönlichkeit des Raumes .
So" sagte Milotti, „nun gibt es noch das Atelier. Er öffnete wieder die Tür und schaltete das Licht ein. Ein großer Raum mit mach- tigen Fenstern, die nach Norden gingen. Die Vorhänge waren ossen, man sah die Sterne, denn das Jnnenlicht war gedampft. Es kam von Einschnitten an den Seiten der Decke.
Milotti ging zu dem großen Nordfenster und zog die schweren dunkelblauen Seidengardinen zu. An den weißen Wanden hing Bllbnebcn Bild Bor dem Fenster standen eine große Staffelei und ein Halztisch mit Malgeräten. Auf Tischchen und Hockern standen Gipsabgüsse von antiken Figuren, aber auch Arbeiten aus echtem Marmor. In einer Ecke war ein Gestell von eisernen Stangen, von dem auch dunkelblaue Samtvorhänge niederfielen, offensichtlich ein Raum, der für bas Um- kleiden von Modellen bestimmt war. An einer Wand stand, schräg in das Zimmer ragend, ein großes Ruhesofo, über dem ein indischer Seidenteppich lag.
„Den vierten Raum möchte ich nicht zeigen", sagte Milotti. ,/Es ist das Schlafzimmer und nicht recht aufgeräumt. Es.gibt bann noch eine Küche, ein Badezimmer und Mei leere Kammern.
Christine sah chn streng an: „Warum haben Sie sich iüber mich lustig gemacht, Herr von Milotti? Ist es denn so sehr spaßhaft, ein armes junges Mädel hinter bas Licht zu führen?"
„Warten Sie boch ab", sagte Milotti, ,chies Atelier hat ferne Ge«
„Wenn sie das wüßten!" sagte Milotti „Ich weih nicht wer äugen- I blicklich gerade streikt. 3d) glaube, es sind die kommunistischen Transportarbeiter. Sehen Sie, Fräulein von Rucktasch, daran darf man schon gar nicht denken, dann malt man überhaupt nicht mehr. Vielleicht folltt man es auch lassen! Aber wissen Sie, mit dem Schießen da war ich auch "'^Sie° slh^ein" weiches Gesicht mit den viel zu schönen Lippen, dieses fast klassische Profil, das sich gegen den Abendhimmel abhob. Sie kam iidi plötzlich älter vor als er. Wenn man ein 3unge wäre, muhte man bei der Kavallerie-Schützendivision fein, dachte sie. Aber es muß ja auch andere geben. Vielleicht ist er sehr begabt! . .
Endlos schien der Zug, ein paar Hochs klangen jetzt auf, eine einzelne Fackel brannte mit glutroter Farbe über der dunklen, strömenden Masse. I
„Das sollte man malen", sagte Milotti.
Sie nickte ihm zu. Vielleicht hatte er doch recht!
Sie gingen über den Platz: „Sehen Sie, in diesem großen Haus da unter dem Dach ist mein Atelier. Sie werden schon fet)en roas es damit für eine Bewandtnis hat. Sagen Sie, Fraulem von Rucktasch, haben Sie eigentlich Gepäck?"
„3a, eine Handtasche, eine Staffelet und noch cm Paket. Das liegt alles am Wannseebahnhos." .,
„Schön! 3etzt sehen wir uns zuerst das.Atelier an, bann hole ich Ihre Sachen, und dann essen wir Abendbrot."
Halt", sagte Christine, „Sie holen meine Sachen, und wir essen zusammen Abendbrot, nachdem ich 3hre Bilder gesehen habe!
'verbrauchen 0 jemanden, der auf Sie achtet", erklärte Christine. „So geht das ja nicht mit Ihnen. Ich habe aber nur die Absicht, auf einen Menschen zu achten, der gute Bilder malt."
„Sie sind drollig!" sagte Milotti. _ „ . ...
„Warum finden Sie es drollig, wenn man der Meinung ist, daß nur das Malen von sehr guten Bildern einem überhaupt das Recht 0lfat'2llfo "fahren wir hinauf", sagte Milotti kurz. „Ich habe mir gleich gedacht daß die Enkelin von Christoph von Rucktasch etwas hochnäsig sein würde.^ sagte Christine im Fahrstuhl, „bas bin ich gar
nicht!" Sie lächelte ihn plötzlich an, denn sie sah ein trotziges, etwas leidvolles Jungengesicht vor sich.
Sofort kam in feine Augen ein warmer Schein: „Sie tonnen ja sogar lächeln! Ach, wenn Sie wüßten, wie einsam mim in dieser Mist- ftabt ist. so einsam wie ein Hund!" ■■
Sie legte ihm die Hand auf die Schulter: „Ich doch auch, ich dm es d^Sie" sichen sich an und vergaßen, den Fahrstuhl zu öffnen. Er faßte sich zuerst und murmelte vor sich.hin: „Sie hat ganz höllisch merkwürdige Augen! Ich weiß nicht ..."
„Was wissen Sie nicht?"
„Ob ich Ihnen meine Bilder überhaupt zeigen ftll! .
"Das ist nun zu spät", sagte Christine, „junge Mädchen vier Treppen hinauslotsen und dann Furcht haben, das gibt es nicht!
Sie nahm zwei Stufen auf einmal, als sie die Treppe, die mun ohne Läufer zu den Bodenräumen führte, emporfprang.
Er öffnete die Tür vor Christine, dann trat er an ihr vorbei in den Dielenraum und drehte bas Licht an.
„Oh", sagte Christine, „Sie sind em Lugner, Sie sind ... Aber schon, Furcht habe ich noch nie in meinem Leben gehabt! Aber warum haben Sie Komödie gespielt?" , . „ _. . . ,
„Ach, ich habe ja gar keine Komödie gespielt, Sie werden ja noch sehen, ober, richtiger, hören!" •
Christine sah sich in einer ziemlich großen Diele prüfend um. Der Raum war bis zur Dreiviertelhöhe der Wand mit großblumiger bunter Kretonne bespannt. Man sah auf zwei Türen, die nn matten Grün gebeizt waren. Zwischen den Türen stand eine mächtige altfriesische Truhe, über der ein großer venezianischer Spiegel hing. Den Bodenbelag bildete ein alter persischer, dunkelblau und rot gemusterter Teppich. Das Licht von der Decke fiel gedämpft aus einer mächtigen Marmorschale, deren schwarze und rötliche Adern seltsam ausleuchteten. Die ganze Schmalwand nahm ein Holzgestell nach Art der englischen Garderobestander ein viele flache Fächer waren überemanbergelagert und boten Raum für' Mäntel und Hüte. In der Ecke stand ein riesiger Barockleuchter, der einmal das Prunkstück einer italienischen oder französischen Kirche ge-
„Lohengrin":
„Nie sollst du Noch Wissens


