Erben Englands lebte, ins Gewiffm zu reden, daß ihr Lebenswandel die ältesten Seebären erröten lieh verh.ndern, daß die Presse von 1

bcr Gewohnheit des genesenden Königs erfuhr, auf dem Rucken Pferdes einzufchlafen. Und schließlich mit den Merzten darüber zu kon­ferieren, wieviel oder wiewemg dem Komg von England an Aus- Ie9®enn PM^n solchen Abenden nach Hause kam, konnte er sich aus- mir abends Vorwürfe macht, weil ich keine Zeit habe für ste ... Hefter, willst du mir etwas zu essen geben?"

,Zch denke, du haft im Schloß soupiert?"

Ja, aber es gab da lauter so unnatürliche Sachen"

Der' Premierminister biß in ein Butterbrot und hörte die Erzählung an7 wie der Gras von Artois, der den emigrierten Franzosen Karl a. hieß, um Lady Stanhope werbe ...

Kann man gratulieren?" lachte Pitt. .

Unnötig auch wenn du ihn zum König von Frankreich machstl Pitts erhelltes Gesicht wurde ernst:

Nein Hefter, ich habe keinen Grund, für die Bourbonen zu kämp­fen... Wenn ich meinem Land einen ehrlichen Frieden verschaffen kann, will ich es tun auch mit Bonaparte."

Napoleon befahl, tobte ... Die Flotte war noch immer nicht bereit zur Invasion in England! Im Januar 1805 liefen zwei Flottillen aus und wurden nach dem Verlassen des Häsens so schwer vom Sturm be­schädigt, daß Rückkehr als einzige Rettung blieb.

Gut, so werde ich England in Indien treffen!

36 000 Mann, errechnete er, standen bereit fur Indien.

Aber zwei Monate darauf war ein anderer Plan in feinem Kopf gereift mit jener unheimlichen Präzision, die nichts Menschliches an sich trug. Er berief die Truppen ab, die seit zwei Jahren längs der West­küste Frankreichs für England bestimmt waren.

Für England?" lachte Napoleon,ich habe von je für Oesterreich gerüstet ... und tat es im Westen, um ungestört zu fern. Dumm genug, "'^Und^er ^marschiert^über den Rhein, im Frühherbst 1805, mit dem Z^Die^französifche Flotte aber sollte mit dem neuesten Bundesgenossen Spanien einen großen Angriff gegen die. englische Flotte vorbereiten.

Heber die Karte Europas beugte sich Pitt mit Middleton, dem Ches berTOos Sekten Sie dazu, wenn die Flotte des Admirals Cornwallis von der Blockade vor Brest aufbrechen und an der nordwestlichen Küste Spaniens Calder unterstützen käme?"

Es würde die Konzentration der französischen Flotte erschweren, nickte der achtzigjährige Fachmann. m

Vielleicht gelingt es auf diese Weise, sie zu vernichten. Nelsons Urlaub geht zu Ende. Ich habe ihn zu mir gebeten, bevor er wieder das Kommando übernimmt..."

Es war ein trüber Tag, als in der Ministerkanzlei von Downing- street Nelson und Pitt sich gegenüber saßen zum ersten- und letzten­mal im Leben. ,. ,

Es muß gelingen!" sagte der Lordkanzler,es geht um Englands Herrschaft zur See!"

Wir tun unsere Pslicht", antwortete Nelson und gab seine linke erhob sich und begleitete den Kommandanten der Streitkräfte des Mittelmeeres die Treppe hinab bis an den Wagen eine Ehre, die er keinem Prinzen von Geblüt erwies. .

Das war Nelsons Abschied aus England.

Im Sommer 1805 genas König Georg soweit, daß er zu Schloß Windsor mit sämtlichen Prinzen und Prinzessinnen seines Hauses Gaste empfing. Pitt war darunter, fo ost es seine Geschäfte erlaubten, denn merkwürdig trotz aller Verschiedenheit der Ansichten, mit diesem Mann konnte er sprechen wie mit sich selbst. Und Hefter, die Nichte, tat '^.Lch^häre Lady Hefter lachen, da muß ich hin!" sagte König Georg an einem Empfangstag auf der großen Terrasse des Schlosses zu Windsor.

Pitt neigte die hohe Gestalt tief vor seinem Herrscher, und Hefter versank in den Boden. ,

Pitt, ich habe einen neuen Minister entdeckt!" erklärte Seine Ma,e- stät und lachte ein etwas hohes Lachen. Pitt verbeugte sich noch einmal:

Ich werde sroh sein um die Entlastung und die Wahl Eurer Majestät kann nicht anders als vorzüglich fein." Er sprach in der ehr­erbietig-warmen Haltung, die er seinem kranken König stets erwies.

Ja, Pitt, der Minister ist sogar besser als Sie."

An dem Arm, auf dem Hefters Hand lag, fpannte sich ein Muskel, aber die Stimme blieb ruhig:Darf ich erfahren, wer es ist, Majestät?"

König Georgs schlaffes, gedunsenes Gesicht legte sich in unzählige Falten; er hob den Kopf mit einer Grazie, die an dem müden Körper überraschte:Aber Pitt, Sie haben ihn am Arm! Ich behaupte, es gibt keinen Mann, der mehr von Politik versteht als Lady Hefter und ich freue mich, es zu sagen: keine Frau, die ihr Geschlecht mehr ehrt als sie ..."

Hefter beugte sich über die huldvoll gereichte Hand des Königs.

,^Ja, Pitt, Sie brauchen nicht stolz zu sein, daß Sie Minister sind ... Das waren viele vor Ihnen und werden viele nach Ihnen sein wie vor mir wie nach mir ... Aber auf Hefter können Sie stolz sein!"

Und König Georg entführte Pitts Nichte in so auffälliger Gunst, daß die Damen sich rings auf die Lippen bissen.

Können Sie nicht der Prinzessin von Wales beibringen, daß sie sich besser benimmt und nicht gar so geschmacklos °"S'eht?" Nit. der.Komg. Sie sind doch immer so gut angezogen, Ihr Kleid von heute ist klastisch.

Den Faltenwurf hat Pitt begutachtet, berichtete Hefter.

Der König wiegte den Kopf:Sieh an, was ich an Pitt noch alles entdecken werde ..." . , . .

Es war schon dunkel, als der Lordkanzler mit Hefter allein nach fvaufc kam Nie konnte sie sich später erinnern, wie es geschah, daß sie vlötzlich in feinem Arm lag. Sein beherrschtes Gesicht hauchte eine Lohe lanäaedämmter Glut:Er hat recht, Hefter - ich habe gute Diplomaten aber9fie sind keine Militärs; ich habe viele gute Offiziere abersie sind keinen Pfennig wert im Kabinett ... Wenn du ein Man warf. ich würde dich mit sechzigtaufend Mann zum Kontinent schicken >md blanche geben ich bin sicher: kein Plan wurde fehlschlagen und kein Mann hätte ungeputzte Stiesel ..."

England zuliebe wünschte er sie zum Mann! An England dachte er auch heute, am Tag ihres Triumphes ... . , ., _.

Unter seinen Lippen, die Augen, die Wangen wurden feucht. Sie meinte.

,4)u bist müde, Kind, verzech ...

Die wunderbare Zartheit dieses Mannes hüllte sie em und gab sie frei. Und sie wußte nur, daß sie ihn nicht anders wünschte.

Uebriqens, Hefter, ich vergaß dir zu erzählen ... Da hat die Pol^ei gestern einen armen Narren einsperren müssen, weil er sich einbiföete, König von England zu werden. Weißt du. welchen Wunsch er geäußert hat? Er wolle Lady Hefter Stanhope einmal sprechen! Auch sie sei zu Königin geboren Königin im Osten, hieß es, glaube ich.

Königin im Osten?" echote Hefter mit abwesendem Blick. ,Ffch werde ihn besuchen."

Wie du willst. Ueberhaupt, wenn du nichts anderes zu tun hättest, müßten wir ein großes Irrenhaus errichten und dir die Leitung geben. Mir scheint, kein Mensch versteht so gut nut armen Narren um zugehen wie du."

Am 6. November 1805, 3 Uhr morgens, hetzte em Kurier durch London.

Mr. Pitt, ein« Depesche

Der Lordkanzler hatte sich noch nicht gelegt, meiftens arbeitete er bis zu dieser Stunde. Hastiger als sonst nahm er das Papier entgegen, °^",Nach dreistündigem Kampf französische und spanische Flotte besiegt und vernichtet ... am 21. Oktober ...vor Trafalgar.

Es war eine mondlose Nacht. Nebel über London. Die Stadt schlief. Pitt starrte aus den kleinen Vogen Papier, der die Nachricht enthielt. Sieg vor Trafalgar ...

Das Gespenst der Invasion war in sich zusammengefallen, Englands Küste wieder frei, die Herrschaft über das Meer erftritten, erblutet.

Jrn^Rahmen der Tür, bleich, mtt weit offenen Augen, stand Hefter.

"Ein'Sieg,^Hefter, ein großer Sieg!" Er, dessen Glaube niemand kannte, fügte hinzu:Gott hat es gewollt!"

Was noch?"

Nelson fiel..." , . ,

Nelson?" schluchzte sie auf ...ich träumte du.

Ihre Hände fieberten an feinem Hals, die Zähne schlugen gegenein­ander:

,Zch habe Angst um dich!' . ..

Dann, mit einemmal, faßte sie sich, em Lächeln irrte über zuckende L'^Verzeih, Pitt ich bin sehr stolz es war dein Werk, so wie das DOn@?Clegte die Hände sanft über ihren Kopf, tief und weich klang seine Stimme an ihr Ohr: .. .

Du brauchst nicht weiter zu sprechen glaubst du, ich weiß ni-yb was es heißt: verantwortlich sein für einen Krieg? Aber es ging um England und um Europa!" ... . . .

Er glitt von ihr weg zur Arbeit, an Schlaf war nicht mehr zu denken, London erwachte in die Nachricht des Sieges hinein, drei Tage feierte die Stadt, ehrte Nelson und Pitt.

Jubelnd spannte die Bevölkerung feine Pferde aus, zog sew» durch die Straßen; und am 9. November, beim Festbankett in Guildhau, erhob sich der Lord-Mayor von London:

,Zch trinke auf William Pitt, den Retter Europas!"

Die Ruse fielen ein und erloschen ehrfürchtig, als Pitt mit seiner klaren Stimme sprach:

,^sch gebe Ihnen den Dank zurück, den Sie für Mich gehabt haben. Europa ist nicht durch einen einzigen Mann zu retten; England hat selbst gerettet und ich vertraue daraus, daß es Europa durch sein Bei­spiel retten wird!" ....

Er setzte sich. Der Erfolg dieser drei Satze war übermaltigena Stumm beugten sie sich vor ihm, als hätte nicht der Lordkanzler, sondern der Genius von England selbst die Worte gesprochen.

Hefter allein ging in dumpfer Angst durch diese Tage des Triumphes. Sie die mehr sah von Pitt, als andere es konnten die Feuerpsene. wenn der Zorn sich nahte, das Leuchten seiner opfernden Liebe- sw England sie schaute jetzt auf seiner erbleichenden Stirn ein Ze>«en das in eisiger Furcht ihr Herz umkrallte ... Tod für Trafalgar, x für Trafalgar! Das Wort, von irgendwoher genommen, hämmerte M ein in ihren Sinn, verließ sie nicht mehr im Rauschen der Freude uw empfing sie quälend jeden Morgen nach dumpf verschlafener Nacht.

(Fortsetzung folgt.)