Ausgabe 
9.12.1938
 
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ie wurde

uIrren sie aber nach wie vor zusammen, um im Notfall einander beizu- tefjen. Nur hatte setzt Norum so oft Beistand gebraucht, daß Gustaffson genug davon hatte.

Eine Woche lang waren sie schon frei allen Jägern in den Wäldern herumgefahren. Die Ausbeute war gering, Norum hatte vier Zobelselle gekauft, Gustaffson sogar nur zwei. Wie es schien, nahm das Wild ab. Vielleicht stand es eben Im Bergland besser damit. Deshalb waren die beiden Schweden auf dem Wege dahin in der festen Hoffnung, daß kein anderer Pelzhändler Ihnen zuvorkam. Es galt also möglichst schnell das Ziel zu erreichen, zumal sie am Tag zuvor viel Zeit verloren hatten, weil Norums Schlitten, mit dem dieser gegen einen Baum gefahren war, repariert werden mutzte. Norum selbst stellte sich recht ungeschickt an beim Ausbessern. Dafür aber war er ein gewandter Händler. Eigens lich kam er immer mit doppelt so großer Beute heim wie sein Kamerad. Dies verstimmt» Gustaffson hin und wieder, und er überlegte ernstlich, ob er nicht Norum In Zukunft sich selber überlassen sollte.

Noch schimmerte matt und dämmrig letztes Tageslicht, als Gustaffson den Wold erreichte. Zu seiner Freude entdeckte er, datz es nicht rote die meisten Wälder hier ein Lärchenwald, sondern ein dichter Tannen­wald war. Das wirkte so heimatlich. Und außerdem gab dies Gehölz einen geschützten Lagerplatz.

Gustaffson spannte die Hunde vom Schlitten und frand sie zusammen. Dann errichtete er fein Zett. Eine dichte Schicht Tannenzweigi drinnen auf die Erde gebreitet, und Mangel an trockenem Brennholz war hier auch nicht. Bald knisterte ein lustiges Feuer, und in einem Kessel schmolz der Schnee.

tenfren Augen, und trug irgendeinen Schatz im Gewand. Ich gewöhnte mich daran, ihn von weitem im Gedränge der Straße zu erkennen, und zu fliehen, ihn plötzlich nahen zu fühlen, und meine Blicke zu versteinern, ich lernte auf Ausflügen seden Seitenpfad mit Mißtrauen nach feiner Gestatt absuchen, und das Hotel heimlich, wie ein Zechpreller, zu ver­lassen. Er erschien mir mehrmals im Traum, und ich wäre nicht sehr erstaunt gewesen, ihn eines Abends unter meiner Bettstelle verborgen zu finden.

Nicht in Kandy selbst, aber In der Nähe dieser Stadt, im Tal des Mahavetti, habe ich zauberhaft schöne Dinge gesehen: badende Ele­fanten, wallfahrende Bergbewohner, fabelhafte Schlangen, uralte hei­lige Felsentempel. Aber wenn ich an Kandy denke, so erscheint als erstes Bild jener unglückliche Hughes. Noch als ich damals Ceylon längst ver­lassen hatte und seit vielen Tagen aus dem Wasser war, passierte es mir gelegentlich, daß ich morgens beim Gang von »er Kabine aufs Deck mit einem Gefühl von Bangigkeit und Beschämung um mich blickte, ob nickt an einer Tür, hinter einem Pfeiler, in einem Korridor der Singalese mit seinen polierten Kästchen auf mich lauere.

Etwas später kam Norum. Trotz allerlei Meinungsverschiedenheiten mochten die Kameraden abends einander nicht gern entbehren.

Plötzlich hörten sie Hundebellen von der Tundra herüberschallen Sie späten in die lichte Ebene hinaus, über der der Mond ausgegangen war. Ein dunkler Klumpen bewegte sich auf sie zu. Norum, immer zu Späßen aufgelegt, lief ins Zett zurück und holte ein Stück getrockneten Lachs. Und als der fremde Schlitten nahe genug heran war, warf er den Lachs vor die Hunde, die sofort stoppten vor dem guten Bissen und gleich darauf ein wirres Knäuel bildeten. Der Mann, der den Schlitten lenkte, sprang scheidend herunter. Es war der Chinese Lu-ang.

Aus seine Gesellschaft hätten die beiden nun gerne verzichtet. Auch er war Pelzaufkäufer und ein fel/r viel tüchtiger Händler als Norum und Gustaffson zusammen. Falls er nun bei ihnen blieb, war es so gut wie sicher, daß ihnen nur ein Teil der Beute und schon gar nicht die besten Felle blieben. Aber ihn zu verärgern, war erst recht nicht ratsam. Der Chinese konnte nachtragend fein. So halfen sie ihm also, die Hunde auseinanberjatriegen und sein Lager zu richten. Als alles fertig war, luden sie ihn zum Nachtmahl ein.

Er saß mit seinem unergründlichen Lächeln bet ihnen, wortkarg wie stets. Doch berichtete er ohne Aufforderung, daß er aus der Stadt Mil- kova käme.

Sräulein Ilse.

Erzählung von Erik Bertelsen.

Ein kurzer Dezembertag verblaßte über Ost-Kamschatkas Tundren. Die Sonne oerfchwand hinter den Bergen. Die meilenroeite Schnee­fläche glitzerte nicht mehr. Gustaffson, der den ersten Hundeschlitten fuhr, konnte endlich die Schneebrille von den Augen nehmen.

Er sah zurück. Der Abstand zwischen ihm und Norum war in der letzten halben Stunde bedenklich größer geworden. Keiner von Norums zehn Hunden taugte etwas, sie arbeiteten nicht gut zusammen. Auf eine Art eignete sich Norum ausgezeichnet für das strenge Leben eines Pelz­aufkäufers in Kamschatka. Er war verwegen, unerschrocken und aus­dauernd. Aber mit Hunden verstand er nicht umzugehen.

Gusiassson wollte nicht auf seinen Kameraden warten. Im Gegen­teil, er trieb seine Hunde noch an. Ein Stückchen weiter westtich er­spähte er einen dunklen Streifen. Das war der Wald, den er erreichen mußte, ehe es völlig dunkel war. Sonst würde schwierig sein, einen guten Lagerplatz zu finden. Außerdem war Gustaffson im Augenblick etwas verärgert über seinen Reifegenossen.

Nach einem abwechslungsreichen Seemannsleben hatte Gustaffson vor zwei Jahren an Japans Küste Schiffbruch erlitten und war darum nach Kamschatka gekommen, wo er sich (einem Landsmann Norum umschloß. Sie gingen im Sommer zusammen auf Fischfang und später dami auf Jagd nach Zobeln in den Wäldern. Sie verdienten gut im Winter, san­den indessen bald heraus, daß es besser sei, mit Pelzwerk zu handeln als es selbst herbeizuschafsen. Nun arbeitete jeder für sich, da sie, solange ie es zusammen versuchten, sich niemals einigen konnten. Es gab »auernd Reifrereiem, denn jeder hatte seinen eigenen Kopf. Trotzdem

Und wie steht cs da?' fragte Gustaffson.Sahst du Knut Selbu?" Der Chinese nickte würdig.Selbu ist ein Gentleman."

Er sagte das In einem Ton, als wolle er andeuten, alle feien das nicht, denen man begegne. Dann bekam [ein Gesicht einen schwärme­rischen Ausdruck:Und fiel"

Was sagst du?" fuhr Gustaffson hoch.Ist Ilse gekommen?" Lu-ang antwortete auf diese Frage nicht direkt. Er blieb wortkarg, als könne er sich von einer schönen Erinnerung nicht losreißen.

3a, Selbus Haus war anders als vor einer Woche! So eine Frau mehr wert als Hunderte von Zobeln!"

Es wurde still im Zelt. Jeder war mit seinen Gedanken beschäftigt. Lu-ang ging bald in fein Zelt hinüber, und die zwei Schweden krochen in ihre Schlafsäcke. Gustaffson konnte lange nicht einschlasen. Seine Gedanken waren bei Selbu In Milkova.

Selbu war ein alter Norweger. Er lebte seit einem Menschenalter in Kamschatka. Was ihn dazu veranlaßt hatte, [ein Vaterland zu ver­lassen, wußte niemand Niemals sprach er darüber. Nur über seine Tochter Ilse sprach er gern. Ein paarmal im Jahr bekam er Briese von ihr. Sie hatte auch ost geschrieben, sie wollte kommen und ihn besuchen. Und er hatte ihr jetzt das Reisegeld gesandt.^

Einmal hatte Gustaffson ibn gefragt:Was soll ein junges Mädchen in einem Laude wie diesem?^

Selbu hatte da ohne zu zögern geantwortet:Einen Mann wie dich heiraten!"

Diese Antwort hatte Gustaffson niemals vergessen. Nach den Bildern, die der Vater ihm gezeigt patte, gefiel ihm Ilse ungemein. Oft träumte er, sie könnte wirklich kommen. Und nun befand sie sich also anscheinend bei ihrem Vater. Sonst hätte Lu-aug nicht solche Andeutung gemacht. Warum also sollte er nicht mach Milkova fahren? Es waren raum zwei Tagereisen bis dort.

Gewiß es kostete ihn den Verdienst dieser Fahrt aber wie der Chinese gesagt hatte: diese Frau war mehr wert als viele Zobel!

Die Zeiten, da Selbu einer der besten Jäger war, lagen lange zu­rück. Wenn also nun ein guter Freund käme und ihm zwei Zobel schenkte ob er sich nicht freuen würde? Es ging ihm in letzter Zeit wohl nicht allzu gut. Während Gustaffson hin und her überlegte und am Ende beschloß, die beiden andern Schlitten allein in die Berge fahren zu lasten und den Abstecher nach Milkova zu machen, schlief er ein.

Als er bei Tagesgrauen erwachte, war Norums Schlafsack nicht mehr tm Zelt. Wütend stellte Gustaffson fest, daß Norum mit seinem Schlitten und feinen Hunden davongefahren war. Und die Spur zeigte feines« roegs in die Berge! Also machte auch er sich Hoffnungen auf Ilse und hatte die Absicht, ihm mit seinen vier Zobelfellen zuvorzukommen.

Lu-ang stand vor feinem Zelt. Er sah mit seinem gewohnten Lächeln Gustaffson an:Dein Kamerad fuhr nach Milkova. Vielleicht findet er dort auch Zobel!"

Gustaffson hatte keine Zett zu anttvorten. In größter Hast brach et auf. Ehe die Sonne hervorkam, war er in voller Fahrt hinter feinem Kameraden her, der aber einen so großen Vorsprung hatte, daß er in der weitgestreckten Tundra nicht mehr zu sehen war. Trotzdem wollte er ihn einholen. Er sollte auf keinen Fall zuerst In der Stadt fein.

Nach einer halben Stunde Fahrt stoppten Gustafssons Hunde in genau so einem wirren Knäuel wie gestern die Hunde des Chinesen. Norum hatte Fische im seine Schlittenspur geworfen eine wirkungs­volle Methode, wenn es gatt, einen Verfolger auszuhalten. Es nahm eine gute Stunde Zett, die Hunde wieder in die Gewalt zu bekommen, und Gustaffson war noch nicht lange gefahren, als sich die ärgerliche Szene wiederholte.

' Da löste er einen der Hunde los und ließ ihn vorauseilen, damit dieser die lockenden Dissen aus dem Weg räumte. Auf diese Weise kam er endlich weiter. Alles wäre nun auch ohne Zweifel gut gegangen, wenn nicht ein Hase vor dem Schlitten aufgetaucht wäre. Die Hunde setzten ihm nach, den Schlitteu hinter sich her[chlingernd. Gustaffson hatte zu tun, sich festzuhatten, es war kein Gedanke daran, die wilde Fahrt aufzuhalten. Erst als der Hase sich dann endlich in Sicherheit gebracht hatte, wurden die Hunde ruhiger. Es war indessen viel Zeit verloren, Gustaffson konnte nicht mehr daran denken, als erster anzukommen.

Als Gustaffson dann am nächsten Vormittag Milkova erreichte, hatte er Norums Schlitten nirgends gesehen. Er fand ihn vor Selbus Haus.

Verwundert blieb er innerhalb der Türe stehen. Selbu lag zu Bett. Er murmelte als Antwort auf Gustafssons Gruß etwas Undeutliches, rührte sich aber nicht. Am Tisch saß Norum. Mutlos sah er seinen Kame­raden an und schob ihm ein Stückchen Papier zu.

Gustaffson hielt es dicht vor seine Augen, die von der langen Fahrt In dem glitzernden Schnee schmerzten. Es war ein Brief von Ilse. Sie schrieb, sie habe sich verheiratet und könne deshalb nicht nach Kamschatka kommen. Aber falls der Vater nach Hause zurückkehren wollte, sollte er es gut bei ihnen haben.

Norum stand aus und winkte Gustaffson mit hinaus. Eine Weile standen sie schweigend da, dann fragte Norum:Was meinst du dazu?" Daß es für den alten Knud ein harter Schlag ist. Ob er wohl Heim­reisen will?"

Er möchte so gern, aber ihm fehlt das Reisegeld."

Es entstand eine Pause, dann aber machte Gustaffson sich ßufh Lu-ang, dieser Schuft! Also, so schob er uns ab! Nun kauft er alle Die Zobelfelle, die sonst wir bekommen hätten. Und nun kommen wir vor Weihnachten nirgends mehr hin."

Nein, denn es hätte keinen Zweck." Norum räusperte sich energisch .Letzt wollen wir versuchen, hier das Reisegeld für den Alten aufzu- treiben. Die sechs Felle, die wir haben, werden dazu beitragen wie denkst du darüber?" Sie gaben einander die Hände und gingen zu Selbu, um ihm Mut zuzusprechen.

(Aus dem Schwedischen übersetzt von Karin Reitz-Grundrnann.)

Verantwortlich: Dr. Han» Thhrivt. Druck und Verlag: Vrilhlsche UniversttStgdruckeret «.Lange, Dietzen.