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Wiederfinden.
Von I. W. von Goethe.
Ist es möglich I Stern der Sterne, Drück ich wieder dich ans Herz, Ach, was ist die Nacht der Ferne Für ein Abgrund, für ein Schmerz! Ja, du bist es, meiner Freuden Süßer, lieber Widerparti Eingedenk vergangner Leiden, Schaudr' ich vor der Gegenwart.
Als die Welt im tiefsten Grunde Lag an Gottes ew'ger Brust, Ordnet er die erste Stunde Mit erhabner Schöpfungslust. Und er sprach das Wort: Es werde! Da erklang ein schmerzlich Ach! Als das All mit Machtgebärde In die Wirklichkeiten brach.
Auf tat sich das Licht: so trennte Scheu sich Finsternis von ihm, Und sogleich die Elemente Scheidend auseinander sliehn. Rasch in wilden wüsten Träumen Jedes nach der Weite rang, Starr, in ungemessnen Räumen, Ohne Sehnsucht, ohne Klang.
Stumm war alles, still und öde, Einsam Gott zum erstenmal!
Da erschuf er Morgenröte, Die erbarmte sich der Qual; Sie entwickelte dem Trüben Ein erklingend Farbenspiel, Und nun konnte wieder lieben, Was erst auseinanderfiel.
Und mit eiligem Bestreben Sucht sich, was sich angehört; Und zu ungemessnem Leben Ist Gefühl und Blick gekehrt. Sei's (Ergreifen, fei es Raffen, Wenn es nur sich faßt und hält! Allah braucht nicht mehr zu schaffen, Wir erschaffen feine Welt.
So mit morgenroten Flügeln, Riß es mich an deinen Mund, Und die Nacht mit tausend Siegeln Kräftigt sternenhell den Bund. Beide sind wir auf der Erde Musterhaft in Freud' und Qual, Und ein zweites Wort: Es werde! Trennt uns nicht zum zweitenmal.
Indische Schmetterlinge.
Erzählung von Hermann Hesse.
Di« Stadt Kandy auf Ceylon ist der Rest einer sehr alten Königs- und Priesterstadt, und in neueren Zeiten ist es dem ®«toe o^r Engländer gelungen, ein bequemes, sauberes, verdorbenes Hotel» und Fremdennest daraus zu machen. Trotzdem ist Kandy schön: mit allem Gelbe und mit allem Zement läßt sich das strotzende Wachstum dieser Pslan- zenwelt nicht umbringen. Da sieht man an grünen Hugelhangen den ganzen überschwenglich reichen Busch- und Baumwuchs noch viel überschwenglicher von blühenden Schlingpflanzen überwachsen, abenteuerlich- großblumige Winden und Klematis blühen und duften m ganzen Kaskaden. An dem See mit feinen künstlichen und etwas starren Ufern gehen mutige Engländer spazieren, man sieht in der Tempelgegend alte Frauen mit rostigen Schwertern den Rasen abmahen, und die englischen Spaziergänger fühlen sich kaum belästigt van dem unablässigen Zudrängen der Kutscher, der Rikscha-Kulis, der Händler und -Bettler, d sich kriechend und schamlos anbieten. Es ist nicht leicht, kich Kandy anzusehen, wenn man ein offenes Öhr und ein Halbwegs Zartes G hat; jeder Spaziergang durch die Stadt ist ein anstrengendes und empörendes Spießrutenlaufen zwischen den Hyänen der Fremdem - ftrie, wie man es ja in Europa auch häufig am falchtti Orte f • Am Ende ist man froh, sich zu dem grinsenden Rikscha-Kuli zu fluchten, der einem vorher mit seiner Wagendeichsel zwanzigma! dm W 8 sperrt und den man ebenso oft megge;agt hat: er hatte Recht « wohl, daß der Versuch eines Neulings, m Kandy zu Fuß spazieren zu gehen, immer bald mit der Flucht in einen Wagen endet. .... >
Mit der Zeit lernt man dies und jenes, und ch-rd auch harter E stumpfer. Und so wagte ist es eines Tages, mit meinem Schmetterlings netz in der Hand auszugehen. Daß das Netz die Neugierde und Spott der Straßenjugend wachrufen wurde, hatte ich >rnvoraus be dacht — schon bet den so gutmutigen Malayen t)atte aUerlet erieöt — und wirklich empfingen mich sämtliche braunen Gassenbuben mit Gelächter, und riefen mir singalesische Vokabeln ua/h^ch fragie e geborenen studierenden Jüngling, der mir mit Buchern unterm Arm begegnete, was die Rufe bedeuteten; er lächelte sehr höflich »nd sagte teste Db fterr sie tagen, daß Sie ein Engländer auf der Schmetter- ling&jdgMeien."’ Die Buben sahen freilich aus, als hatten sie wenige
harmlose Sachen gerufen. Zufrieden ging ich weiter und war auch dadurch nicht zu belegen, datz zahlreiche .jungen sich mir heftig redend anschlossen, die mir gute Schmetterlingsplätze zeigen wollten, mich mit Eifer auf jede vorüberschwirrende Fliege aufmerksam machten, und dabei jedesmal die Hand um einen Penny ausstreckten. Als endlich die Straßen stiller wurden, und in der Nähe ein schmaler Waldweg Einsamkeit verhieß, schlug ich mit einem Rest von Humor die letzten Peiniger in die Flucht und bog in den rettenden Pfad ein.
Ich glaubte es schlau gemacht zu haben, und lies doch meinem Verhängnis entgegen. Auf dem ganzen Weg durch die Stadt nämlich war dreißig Schritte hinter mir ein schöner stiller Mann oder Herr gegangen, mit krausem, tiefschwarzem Haar, mit braunen traurigen Rehaugen, und einem schönen schwarzen Schnurrbart. Er hieß, wie ich später erfahren sollte, Victor Hughes, und es war mir vom Schicksal bestimmt, dieses Mannes Opfer zu werden.
Mit ehrerbietigem Gruße trat er jetzt an mich heran, lächelte mit feiner Höflichkeit und erlaubte sich, mich in tadellosem Englisch darauf aufmerksam zu machen, daß dieser Weg in einen Steinbruch führe, und daß hier kaum eine Ausbeute an Schmetterlingen zu hoffen fei. Dort drüben hingegen, mehr rechts, fei keine üble Gegend, und dort südlich, aus der andern Talseite, sei einer der allerbesten Plätze. Ehe ich viel mehr als Ja und Nein und Dankeschön gesagt hatte, waren wir in eine Unterhaltung und persönliche Verbindung geraten: aus den klugen bekümmerten Augen des schönen Menschen sah mich ein altes, edles Volkstum mit stillem Vorwurf an, aus feinen Worten sprach eine alte Kultur gepflegter Höflichkeit und zarter buddhistischer Sanftmut. Mit einer Mischung von Hochachtung und Mitleid begann ich diesen Mann zu Heben. War ich anscheinend auch der Herr, der weiße Sahib, so war er viel vornehmer, klüger und edler als wir weihen Barbaren, und außerdem sprach er ein Englisch, das mich sehr beschämte.
Die Unterhaltung kam auf die Schmetterlinge, die ich fangen wollte, und es zeigte sich, daß Hughes ein Kenner und Fachmann war, ja, daß er von diesem Gebiet viel mehr verstand als ich; er nannte mit kollegialem Lächeln ganze Reihen von lateinischen Namen, die ich nie gehört hatte, zu denen ich aber etwas gönnerhaft nickte, um mir keine Blöße zu geben. Ich sagte auch ein oder zweimal in jenem väterlichen und verlogenen Ton, den der Engländer gegen die Eingeborenen anschlägt: ,Ia, ja, mein Lieber, ich kenne alle Kandy-Schmetterlinge."
Aber ich sprach doch weiter, besttickt von seiner Höflichkeit, und stellte mich, wie er es mir nahelegte, immer mehr als ernsten Fachmann und wissenschaftlichen Sammler. Da aber zaubert Herr Hughes völlig überraschend, aus seinen singalestfchen Gewändern plötzlich eine hübsche kleine Holzkiste hervor, auf seinem Gesicht erschien ein schmeichelndes Hausiererlächeln, er öffnete feine Truhe mit einladender Gebärde, und ich sah auf weißem Grunde eine wundernette, tadellos präparierte Sammlung von Faltern und Käsern ausgebreitet, die er mir für fünfzig Rupien zum
Kauf anbot.
Ich sah den Umfang der Gefahr sofort, aber ich war wehrlos. Ich stimmte nur meinen Ton um einen Schatten kühler und erklärte bedauernd, daß ich Schmetterlinge zwar sammle, aber nicht kaufe, und daß fertig präparierte Stücke für mich ganz ohne Interesse seien.
Mister Hughes begriff vollständig. Gewiß, solche Sammler wie ich kauften ja niemals aufgefpannte Falter. Selbstverständlich würde ich nur frische Exemplar« in Papierdüten kaufen, um sie bann selbst zu präparieren. Er werde mir welche zeigen. Er wisse, daß ich im Queens Hotel wohne: ob ich dort um sechs Uhr zu finden fei?
Das wisse ich nicht, sagte ich kurz, und wandle mich verdrossen ab. Er zog sich zurück. Aber nun war er zu meinem Dämon geworden. Er stand am Abend in der Halle des Hotels, er begrüßte mich halb ehrfürchtig, halb kollegial, und zog hinter einer Säule hervor eine ganze Anzahl von Schachteln, Dosen und Kistchen, im Augenblick war ich von einer reichen, geschickt ausgebreiteten Sammlung indischer Falter umgeben. Zuschauer tarnen an meinen Tisch, und je mehr ihrer wurden, desto weniger mochte ich mein schwaches Englisch zur Schau stellen. Es wurde mtt schwül, ich sann auf Flucht. Plötzlich stand ich hallig auf, als sei mtt etwas Wichtiges eingefallen, ließ Hut und Mantel liegen und eilte zum List, mit dem ich ins dritte Stockwerk entfloh. Mst triefet Flucht hatte ich das Heft vollends aus der Hand gegeben.
Von da an sah ich in Kandy nichts mehr als Herrn Hughes. Et stand an jeder Straßenecke, die ich zu Fuß passierte. Er hob höflich den Mantel auf, der mir vom Wagen glitt. Er kannte meine Zimmernummer, er wußte die Zeit meiner Mahlzeiten und Ausgange. Wartete ich eigens einmal mit dem morgendlichen Ausgang bis acht Uhr, so stand er an der Treppe, und erschien ich des andern Tags schon um halb sieben, so war et auch da. Wenn ich in einem Laden ausruhte und Ansichtskarten auswählte, erschien er lächelnd am Ladeneingang, eine kleine polierte Kiste unterm Arm, und wenn ich irgendwo draußen im freien nach einem Schmetterling jagte und ihn verfehlte, so bog Hughes um die Ecke, deutete dem entflogenen Falter nach und nannte feinen lateinischen Namen. „Ich habe scköne Exemplare davon, Herr, auch Weibchen; ich bringe sie um sieben ins Hotel."
Bald hat er es erreicht, daß ich kein höfliches Wort mehr mit ihm sprach, ihm aber für zwanzig Rupies abtaufte. Er war immer ba, immer schön und höflich, er blickte traurig aus duntlen Augen, sprach mich voll Ehrfurcht an, und wenn ich schalt ober schweigend »egltef, liefi er ergeben die mageren braunen Hände sinken, und intmer teug er in der Tasche ober Im Lendentuch verborgen, eine Dose, eine schachtel bei lick früh und spät, immer neue Sachen, bald einen riesigen Atlas- falter bald ein „lebendes Blatt", bald einen Goldtäufer ober eforpion. (Er trat aus bem Schatten eines Pfeilers, wenn ich den Speisesaal verließ er war verwandt mit dem Mann, ber mich rasterte er tannte ben Wechsler, bei dem ich mein Geld wechselte. Er begegnete mir am See unb beim Tempel, im Wald und auf ber Gasse, er begrüßte mich früh nach bem Babe und stand spät abends müde im Vestibül, wenn ich vom Billardspiel kam, er stand mit höflich geneigtem Kopf, mit stillen, w


