D«r Kronrat soll über 6en neuen Feldzug beschließen. Trotz dem Nuhme tas »ergangenen Sommers und Herbstes stehen die Dinge st't Leuthen MM aut. Wohl haben die Rußen, an die Kälte gewohnt, den Krieg auch im Winter geführt und ganz Preußen besetzt. Aber man hat auch NaMiM daß der König in Berlin sich um die Russen mcht schere und sich von 'seiner Opinion 'nicht abbringen lasse, daß die Oesterre-icher d»e gefährlichsten seiner Femde seien und als erste geschlagen werden müßteu Das ist für die Soldaten der Kaiserin eine Ehre, aber er- •XSÄ’Ä «ich, ».«,»«*.„, u» n.« ».n Kopf Kaunitz will sich erheben. Sie wehrt ihm mit einem sanften Druck ihrer Hand. Würde nur die Beratung stören, wenn em stder, den ße fragt, von seinem Stuhle schnellte. . .. h
Sachlich, nüchtern, doch eindringlich und zwingend, nur hm und mteber einen Blick in seine Auszeichnungen werfend, gibt der Staats- Lier M Lage bekannt. Der kaiserliche Gesandtein Petersburg melde^ er habe verläßliche Nachrichten, es wolle der preußische König mit dem kommenden Frühjahr durch Schlesien und Mähren auf Wien rucken. Schon mit der Schneeschmelze wolle er aufbrechen. Eine leise Erregung geht durch die Sitzenden. Selbst den Aufmarschplan, die Ordre de Bataille und die Standesrapporte der brandenburgischen^lrmee kennt der Gesandtschastsbericht. Mag viel Geld gekostet haben!.^un es auch Kanaillen genug gibt in der Welt: gute Spione smd selten und lassen
Wir&?nnf ertabt ?er ein zweites Solin." Der Marschall sagt es ohne "^Kaunitz" m'eint hochmütig: „Das wäre wieder, nur ein Sch°H ifesu König aber kein Matt. Kalin war superbe, aber Kolm war kein Zenta oder Belgrad." Manchmal schadete es nicht, diese kleine, dicke Exzellenz daran zu erinnern, daß andere, größere Feldherren ihre Kriege vernichtender führten. Ohne Vernichtung gab es kein Schlesien und niM 6ie Uber ^Daun 'bleibt^ruhig. „Immerhin hat Kotin die Partie wieder he^Der Kanzler sagt ernst: „Es handelt sich hier niM darum die Partie wiieder herzustellen, sondern den Komg von Preußen zu vernichten!
Vom untern Ende des Tisches, aus dem Dunst non Kerzenschimmer und Wachsrauch kommt ein« ruhige, sachliche Stimme: „Warum greifen ""Daun sthrt" herum. Jetzt runzelt selbst er bie ^rn^ Sein be. herrschtes, sonst fast gütiges Antlitz wird hart. Auch di« Ka'serin b ickt betroffen aus. Cs ist sonst niM der Brauch, ungefragt m diesem Raume ... „den Dach da lächelt sie schon. Durch das Geflimmer der Kerzen kann^ sie' den Sprecher nicht sehen. Aber sie hat die Stimme erkannt. Natürlich der Hadik! Er hat manchmal wenig Manieren. Aber dafür eine grobe Faust. Die kann man gebrauchen.
Die Kaiserin tagt gnädig: „Weil er mit seinen Grasteufeln bis m I bi« Mauern von Berlin geritten ist, soll meine Armee jetzt dasselbe
W f* -- —** bi« TsMsmen zusammen, daß der kleine, zierliche General vom Hof kriegsrat zusammenzuckt. Er scheint die Feldlager niM gewohnt zu sem. Die Kaiserin lacht: „Was meint Er, Daun?
D-r Marschall tagt scharf: „Der Feldmarschalleutnant vergißt, daß eine Armee feine Streifpartei ist!" Er schätzt Hadik, das hat -r vorhin mit seiner verbtndlichen Handbewegung bewiestn, als er tagte, man mit einer ganzen Armee nicht wie mit etlichen Tausend Reitern und Panduren zu marschieren vermöge. Aber manchmal geht chmdieser Krieg ä la hussard, den dieser Reitergeneral zu führen hebt, auf die N°Doch Hadik meint trocken: „Auch der König,will doch nichts anderes, I als mit feiner ganzen Armee in die feindliche Hauptstadt rucken
Kaunitz zieht (ein Spitzentuch aus dem Bermel und Khrt «s rasch an die Lippen. Diese Antwort vergönnt er dem Baun. Aber man sott fein Lächeln nicht merken. c. . .„6 -
Dieser Hadik gefällt dem Staatskanzler schon lang. Schade, daß er nur ein großer Reitergeneral und kein Feldherr ist! Aber ein anderer ist doch in der Armee, dieser Generalwachtmeister Laudon, der vor drei Jahren, als der Krieg begann, noch ein kleiner, vergeßener Hauptmann bei den Vikaner Grenzern war; irgendwo unten am Meer, wo sich me cvüthfe Gutenacht sogen. Schien den Teufel tm Blute zu haben, der General! Selbst die Preußen nennen ihn schon den Schatten des Komgs, seit er diesem mit seinem Streifkorps nicht von den Fersen gewichen. Das gab doch zu denken. Man müßte Laudon gewisse Vollmacksten benn Generalissimus geben! Kaunitz will die MonarMn fragen, ob er ihr nach der Konferenz noch Vortrag halten dürfe.
(Fortsetzung folgt.)
Pferde Verpflegung. Aufmerksam hört die Kaiserin zu. Hin und wieder notiert' sie eine Zahl, ein Regiment, ein Korps, eine ©«Wimme., Bet General unterbricht. Di« Lakaien kommen, entzünden den Kronleuchter und die Kerzen auf dem Tisch. Die Kaiserin blickt auf. ®ieber geht shr das Komtessel durch den Kopf. Zu dumm, daß ihr die Harenberg nicht früher eingefallen ist. Jetzt reist sie übermorgen auf das Gut ihres Vaters zurück. Ader man könnte doch einen auf Besuch Askm ftaA
Ei» Vorwand ließe sich wohl finden. Wer wen? Erst hat ße an^den Colloredo^gedaM Aber der ist ein Filou. Einen Modeaffen hat ihn das kleine hübsche Mädel genannt, das damals die Kerzen braMe. Das hatte schon recht. Wie hieß es nur gleich?
Der General vom Hofkriegsrat spricht weiter. G-du d.g horcht d,e Kaiserin auf die eintönige, nüchterne Stimme ober auf den Einwurf
«M W. *. 1*. AMtm-n W « durch die^Konferenz. Kaunitz zieht mit einem Memeni ßmeal pedantisch einen Sttich unter die Kolonnen, addiert und schreibt das Ergebnis neben die Zahlen auf dem Gesandtschaftsbericht. Maria Theresia wirst einen Blick auf das Rechenexempel des Kanzlers und mckt erfreist. „E hat reckst, mein lieber Daun. Die Armee ist formidabel. Erne Bataille ^^Daun^schüttelt langsam fast vorwurfsvoll den Kopf und hebt di« Brauen' Eine Bataille, Jhro Majestät, brauchen wir nicht. Das Dor- handensein dieser Armee genügt. Mit dieser Brmee m s«'n«m Rucken kann der König es nicht wagen, nach Wien zu ziehen. Er deutet mit der Spitz« des Zirkels auf die Mitte der Karte: „Auch liegt noch die
I Festung Olmütz zwischen dem preußischen Schlesien und Wien | Kaunitz hebt zweifelnd die Hand: „Festungen lassen sich umgehen
Daun spricht weiter: „Sie haben mich nicht zu Ende reden laßen, DurchlauM Olmütz läßt sich nicht umgehen, wenn ich m formidabler Stellung in Böhmen oder Mähren in der Flanke des Königs stehe. — Ein« V" Wid«^illta° nickt"'der Kanzler. Er weiß: der Marschall hat r«^ Dauns Manovrierkunft ist meisterlich. Sie kostet dem ^o"'ü Blut und Zeit Und er hat von beiden niM viel. Es ist des Brandenburgers einzige Chance, den Krieg mit raschen Schlagen zu fuhren. Daran hindert ihn Daun. Doch mit formidablen Stellungen aUem tann man ben König wohl schwächen, vielleicht auch besiegen, taber niM aus. dem Spiele werfen/ Der Staatskanzler hätte sich manchmal em en weniger manövrierenden Generalissimus gewünscht. Er versucht n°ch einen E^n- wand: Und wenn der König sich statt aus Olmutz auf, Ihr« Armee
^Kaunitz endet, reicht den Bericht dem Marschall. Neugierig, beobachtend^ wenden sich di« Blicke dem Generalissimus zuu Doch das gleichmütige, immer ein wenig lächelnde Gesicht des Marschalls anbert sich nicht. Aufmerksam liest er das Schriftstück. Erne kleine Pau e entst ht.
Maria Theresia schreibt rasch einen Namen au, em Blatt Papur, das vor ihr auf dem Tisch liegt. Es ist nicht der Name eines. Schlachtfeldes, eines Generals oder Regiments. Es ist ihr nur einer ^gefallen, der die kleine Hartenberg heiraten konnte. Sie hat sie tm Spätherbst, bei der Neujahrscour und dann wieder beim letzren _ Hofball gestheu. Darum war ja di« Hartenberg von ihrem. Schloß im kaiserlichen Schlesien nach Wien gekommen, um bei Hof vorgestellt zu werden. Den Winter über hat sie bei ihrer galligen Tante der alten Wolf, gewohnt. Die Kaiserin weiß sogar wo. In dem schmalen Haus« mit dem hohen, geschwungenen Giebel neben der Kerzelmacherei von Sankt Stmhvn; hinter den Fenstern des zweiten Stockwerks, feie an das Dach des Wachs- ^Jn° letz?er"Zeit hatte Maria Theresia das Komteßel vergeßen. Aber | heute war sie mit ihrer Tante in Audienz gewesen, um sich für Frühjahr und Sommer zu beurlauben. Eigentlich merkwürdig daß sie noch nicht verheiratet war. Sie war doch hübsch und tanzte brillant. Ob es wohl stimmte, was man ihr berichtete: daß die kleine Hartenberg nur die Männer in Aufruhr brachte und dabei selber kühl wie em Laubfrosch blieb. Für so raffinierte Frauenzimmer gab s doch em Mittel, ein Mannsbild, über das sie sich bis über beide Ohren verliebten.
Die Kaiserin streicht den Namen, ben sie notiert hat, wieder durch. Es ist nicht der richtige. Auch hat sie jetzt andere Sorgem Der Komg will nach Wien. Nachdenklich spielt sie mit dem goldenen Krayon, wirst einen raschen Blick auf den Marschall Leopold von Daun 'st noch rn das Schrifßtück vertieft, prüft Ausmarschplan und Ordre de Batailfe des Feindes. Karten liegen auf dem Tische. Da und dort ist em Mustern zu hören. Fängt nicht gut an, das Jahr! Die Kaiserin will nicht stören. Nur an Kaunitz stellt sie eine leise, besorgte Frage. Ob er Wien für bedroht halte. Der Staatslenker nickt. , , ...
Baun sieht auf und schüttelt lächelnd den Kopf. Bann beugt er sich nsieder über die Karte. Kaunitz schweigt und blickt nachdenklich vor sich bin Auch am Morgen von Leuth en hat Baun lächelnd den Kop s gewie gt. Wohl hat er damals nicht das Kommando gehabt, nicht allein wenigstens War wohl die Schuld des Lothringers gewesen, daß der Angriff der Potsdamer Wachparade den Kaiserlichen wie em Degenstoß m die Rippen fuhr. Baun hätte sich vielleicht niM verblüffen laßen. Auf Defension und taktische Meisterzüge versteht er sich wi« keiner. Biefes Lod zollte ihm sogar der Potsdamer König. Auch hat er der Monarchin im vergangenen Sommer durch Solin wohl Reich und Krone gerettet. I Aber der König ist großer als Baun. Der Staatskanzler hat Sorgen. I
Wieder schreibt Maria Theresia einen Namen. Da schiebt Graf Daun Karte und Gesandtschastsbericht zurück. Die Kaiserin fragt: „Was halt Er vom Wlane des Königs, Daun?" . m .
„Nicht viel Jhro Majestät. Zudem halte ich die Meldung des Petersburger Envoye für übertrieben —"
Kaunitz runzelt die Stirn: „Warum? — Unser Gesandter bei Ihrer Majestät der Zarin ist für gewöhnlich admirablement instruiert. |
Der Marschall zuckt mit den Schultern. „Mag fern. Aber diesmal irrt er Man kann wohl mit etlichen Reitern und mit Bigueur und Bravour in die feindliche Hauptstadt rücken —" er macht mit her Linken eine verbindliche Bewegung nach dem untern Ende bes Tisches, „wie der Herr von Hadik im vorigen Herbst. Aber nickst mit einer ganzen Armee. — Nach Wien kann der König nicht wollen.
Wenn ich mich recht entsinn«, standen di« Preußen schon einmal vor Wien, aus dem Bisamberg, im ersten Schlesischen Krieg. Ein leiser Spott schwingt in den Worten des Kanzlers. „. .
Daun lächelt: „Auch das waren nur Husaren, die Husaren des Zielen — aber selbst wenn unser Gesandter recht haben sollte: zwischen Schlesien und Wien steht Jhro Majestät Armee!"
Maria Theresia nickt dankbar. Aus ihre Soldaten ist ße stolz. S.lbst der König hat von ihnen gesagt, bah die kaiserliche Artillerie wohl bedient und die Grenadiere abmirables seien. Aber Mana Theresia ist auch eine nüchterne Rechnerin. Sie sieht den Marschall an und sagt: „Ich danke Ihm, mein lieber Daun. Aber wie stark ist jetzt di« Armee? Si« hat arg gelitten in der letzten Bataille und durch di« Seuchen tm Winter — Der Herr General vom Hofkriegsrat, bitte!"
Der General verneigt sich, schlägt leis« die Sporen zusammen, blättert in Papieren, beginnt zu berichten über Stände, Gewehre, Kanonen,


