waren die Publikumslieblinge Aber die Glanzzeit des Theaters war un- | wiederbringlich vorüber. - ,
Aus ähnlichen Anfängen ist das Zweitälteste der Wiener Aolkstheater hervorgegangen, das 1788 eingeweihte Theater in de r Josef- stad t Ein Wiener Wanderkomödiant hatte es im Gasthof „Zum goldnen Sträußl" eingerichtet. „Es war nicht viel besser als irgendeine Dozierende Schmiere", meint ein damaliger Bericht. „Schon der Zugang war nicht besonders einladend, er glich vielmehr dem Zugang zu irgenbeinem Schlupfwinkel. Darauf ging es durch einen längeren finsteren Gang und endlich erst in das eigentliche kugelrunde Theater, welches zwischen den anstoßenden Häusern hineingesteckt, jede Architektur vermeidend, einen schmutzigen Aufenthalt von vornherein vermuten lieh. Um Jo verwunderlicher ist es, daß selbst der Kaiser.zuweilen das Theater besuchte. Aber Leopold war durchaus nicht steif und gab einmal einem Aristokraten, der gegen die Berührung der Majestät mit dem gewöhnlichen Bolke Einspruch erhob, die klassische Antwort: „Wenn ich mich nur unter meinesgleichen aufhalten wollte, dürfte ich aus der Kapuzmer- oruft — der Begräbnisstätte der Habsburger — nicht herausgehen .
Mehrfach wurde das kleine Haus umgebaut. Bei der Wiedereröffnung 1822 dirigierte Ludwig van Beethoven eine von ihm komponierte Ouvertüre „Die Weihe des Hauses". Nestroy hat hier seine ersten Schauspielerlorbeeren errungen. Die Glanzzeit des Theaters in der Jofef- stadt begann mit den Opernaufführungen in den dreißiger Jahren, durch die die Hosoper vorübergehend in den Schatten gestellt wurde. „Der Verschwender" und Konradin Kreutzers „Nachtlager von Granada erlebten hier die Erstaufführung. Ein Tenor fetzte sein ganzes Vermögen daran später den Tannhäuser" hier herauszubringen. Dann kam auch für dieses Theater der Niedergang. Um den Pachtschilling aufbringen zu können, mußte der Unternehmer im Anschluß an das Theater einen Tanzsaal einrichten, den „Skräußlsaal". Aber auch mit dieser Periode des Theaters in der Josesstadt verbinden sich zwei große Namen der Wiener Geschichte: im Straußlsaal geigten Sanner und Johann Strauß ihre unsterblichen Walzermelodien.
Ein erlauchter Name der Musikgeschichte verbindet sich mit dem jung« ften dieser Vorstadttheater. Im großen Hof des Freihauses am „Naschmarkt" hatten Wanderschauspieler den bescheidenen Holzbau des Theaters an der Wien errichtet. Hier pflegte Emanuel Schikaneder mit großem Aufwand die in Mißachtung gekommene Gattung der Zauberoper, die nun eine späte Wunderblüte trieb. In dem kleinen Gartenhaus beim Theater, das heute am Kapuzinerberg in Salzburg aufgebaut ift, schrieb Mozart für den Theaterdirektor „Sie Z a u b e r f l ö t e". Hier haben Raimund und Nestroy am längsten gewirkt. Hier hat Fanny Elßler als Balletteleoin getanzt. Und um die Wende des 19. Jahrhunderts hat Alexander Girardi noch einmal das Volksstück hier aufleben lassen und "sein berühmtes „Fiakerlied" gesungen.
Damals hatten diese Bühnen schon aufgehört, Vorstadttheater zu sein. Die Lokalposse ist längst in die Praterbühnen und in die heutigen Außenbezirke abgewandert. Aber die Idee des Wiener Volkstheaters mit seinen glanzvollen Namen hat weit hinaus gewirkt über Hernals und Ottakring, durch ein Jahrhundert hindurch bis in unsere Tage.
Allerlei vom Auerhahn.
Von Dr. Ludwig Roth.
, Der Auerhahn gehört zu denjenigen Vögeln des deutschen Waldes, die dem Nicht-Jager, dem lagdlichen „Laien" fast nur dem Namen nach bekannt sind. Anderseits ist der Auerhahn aber unstreitig dasjenige deutsche Flugwild, welches von der Wissenschaft am genauesten und liebevollsten studiert und untersucht worden ist. Der Auerhahn bewohnt die Gebirgswaldungen des mittleren und nördlichen Europa, einige Gegenden der Ebene und ferner die Waldgebiete des mittleren und nördlichen Asien bis gegen Kamtschatka hin.
Was Deutschland betrifft, so finden wir das stattliche Flugwild hauptsächlich in den Gebirgswaldungen Süd- und Mitteldeutschlands, also in den Alpen und in ihren Vorbergen, im Schwarzwald, in den Vogesen, im Pfalzer Wald, Odenwald, Taunus, Spessart, Steigerwald, in der Rhön, im Fichtelgebirge, im Bayerischen und im Franken-Wald, im Harz und im Thüringer Wald, im gebirgigen Hessen-Nassau und in Westfalen, ferner im Erz- und im Riesengebirge und in den anderen schlesischen Gebirgszügen. Im Flachlande beherbergen nur wenige Gegenden Ost- und Westpreußens, Pommerns, Sachsens unh Schlesiens das Auerwild in großen, ausgedehnten, ruhigen Forsten. Sehr zahlreich ist es dagegen in vielen Teilen des ehemaligen Oesterreichs vertreten: besonders in Böhmen, Mähren, in Steiermark, Körnten, Strom. Sehr häufig kommt es in Skandinavien vor. Gänzlich fehlt es in Holland, Belgien, England und Italien. In Schottland ist, es wieder eingeführt und hat sich stark vermehrt: auch in Nordamerika sollen an einigen Orten schwedische Auerhühner eingebürgert worden sein.
Der Auerhahn ist der stattlichste Vertreter der „wilden Hühner"; er zeichnet sich durch eine gewisse würdevolle Haltung vor allem Hühnervolke aus. Er ist schon in alter Zeit besagt worden. Im Hessenlande wird er schon im Jahre 1329 ermähnt, im Jahre 1490 treffen wir im Rein- hartswalde eigens angestellte Äuerhahnjäger. Im 16. Jahrhundert wurden gerne Auerhähne aus dem Schmalkaldischen und aus dem Harz bezogen. Im 17. Jahrhundert war im Odenwald ein so starker Bestand an Auerhähnen, daß aus der Grafschaft Erbach im Jahre' 1651 zur Krönung des Kaisers Leopold 80 — schreibe achtzig — Auerhähne nach Frankfurt geschickt wurden. In Thüringen wird um die Mitte und gegen Ende des 18. Jahrhunderts ein durchschnittlicher jährlicher Jagdertrag von 117 Stück verzeichnet. Es hat übrigens den Anschein, als ob die Balzjagd auf den Auerhahn im Mittelalter schon ausgeübt worden ist, denn Hadamar von Laber jagt Strophe 212, daß er „bi mangem valze gehalten" habe durch hören; genauer spricht er sich nicht aus.
C. v. Hohberg erzählt kn seinem „Adlichen Land- und Feldleben" (1682): „Arn Auerhahn schießt man auf der „Pfaltz". Zwei ober drei Stunden vor Tagesanbruch soll man ihn anschleichen „mit einem guten Rohr versehen, man hört ihn sehr weit schreyen, wenn man auf ein paar Büchsenschuß von ihm kommt, muß man warten, bis er anfängt zu pfaltzen. Dann mag man unter seinem währenden Geschrey hurtig fort und näher auf ihn gehen. Sobald er stille wird, muß der Jäger stehen, wo er betroffen wird, sich weder regen noch bewegen, bis er wieder anfängt zu pfaltzen. Dann mag er fein Rohr fertig machen, geschwind anschlagen und schießen. Weil dazu großer Fleiß und Mühen gehöret, so giebt man den Jägern an etlichen Orten nicht viel weniger Jägerrecht daran, als von einem Hirschen."
So betrug z. B. das Schußgeld im Fürstentum Nassau-Usingen nach der Jagdordnung vom 4. Januar 1714 für einen Auerhahn 1 Florin 15 Albus, für ein Wildkalb dasselbe, für ein Gelt- oder Schmaltier 2 Florin und für einen Hirsch 3 Florin, auch für den Wolf wurden 1 Florin 15 Albus gezahlt.
Nach dem Reichs-Jagdgesetz vom 3. Juli 1934 gehört das Auerwild zu den jagdbaren Tieren, und zwar zum Hochwild. Auer-, Birk- und Rackei- Hähne dürfen in der Zeit vom 1. April bis 15. Mai geschossen werden; für das Gebirge und sein Vorland kann der Landesjägermeister im Einvernehmen mit dem Reichsjägermeister die Jagdzeit bis zum 31. Mai verlängern. Die Auerhennen haben das ganze Jahr über Schonzeit. Die Gesamtstrecke an Auerhähnen belief sich im Jagdjahr 1935/36 im Deutschen Reich auf 1175 Stück, davon entfallen 920 auf die Jagdgaue, 67 auf die Staatsforsten Preußens, 188 auf die Staatsforften der anderen deutschen Länder. Erlegt wird der Auerhahn wirrend der Balzzeit. In der Ebene beginnt die Balz im April, je nach der Witterung früher oder später; im Gebirge verschiebt sich der Anfang um einige Wochen. In milden Jahren balzt der Hahn schon im März. Äeltere Hähne treten zuerst auf die Balz. Diese dauert etwa einen Monat, kann jedoch durch Unterbrechungen sehr oerlänaert werden. Auch beim Auerhahn ist hin und wieder eine Herbst- Balz beobachtet worden. Am 16. November 1901 erlegte der Förster Raab in den Waldungen bei Groslau (Nieder-Oesterreich) bei denkbar schlechtestem Wetter (Nebel, Wind und Schneegestöber) einen prächtigen großen Hahn in vollster Balz; es war ein sehr alter und starker Hahn, der sich in Gesellschaft eines jungen Hahnes und einer Henne befand. Der Hahn balzte wie im Frühjahr. Balzende Auerhähne sind Ende August, Anfang September und im November beobachtet und geschossen worden. „Verrückte" Auerhähne gibt es während und außerhalb der Balzzeit. Man hat Auerhähne beobachtet, die alltäglich zu den Haushühnem von Bauernhöfen und Gehöften gestrichen kamen, uM sich mitfüttern zu lassen. Am Attersee hielt sich ein Auerhahn auf, der Aepsel und Birnen als Aesung aufnahm; er strich nach dem Walde, wo er Eicheln äste und ließ sich vom Hausmeister einer Villa mit Obst, gekochten Kartoffeln und geschwelltem Kukuruz füttern. Auf der Petru-Alpe bei Mürzzuschlag war ein solcher Auerhahn, der mit mehreren Jägern und Wildhegern Freundschaft schloß; jein Liebling war ein Zimmermeister in Mürzzuschlag, dem er sich auf Die Schultern oder auf einen ausgestreckten Arm setzte. Als er später alt und schwach wurde, ward er nach Schönbrunn gebracht und dort bis zu seinem Ende gepflegt. Seine einstigen Freunde aus Mürzzuschlag erkannte er wieder, so oft sie zu ihm kamen und gab seiner Freude über ihren Besuch lebhaften Ausdruck. Verschieden von diesen freundschaftlichen Annäherungen des Auerhahns ist sein Benehmen in der Balzzeit, dann ist der „verrückte" Auerhahn angriffslustig und feindselig, vor allen Dingen gegen Personen weiblichen Geschlechts.
Auch Wanderflüge von Auerwild hat man in Norwegen beobachtet; seltsamerweise waren die Wanderer zumeist Hähne, die in Scharen von Hunderten und aber Hunderten auftraten.
Der Aberglaube, in den die Jägerei der Vorzeit tief verstrickt war, hat den Auerhahn mit allerlei Sagen umrankt: Der Magen des Auerhahns wird gegen Kinderkrämpse und epileptische Zustande pulverisiert eingegeben, ebenso gegen JBanbrourm. Die im Magen gefundenen Lluarz- körner helfen gegen Äugenkrankheiten. Die Zunge eines Auerhahns, der im abnehmenden Monde geschossen wurde, vertreibt die Krämpfe bei Kindern, wenn sie ihnen im Zeichen des Krebses umgehängt wird. Nach einem anderen, besonders in Oesterreich und in der Steiermark verbreiteten Aberglauben muß dem in der Bdlzzeit geschossenen Auerhahn sofort die Zunge herausgerissen werdet«, weil er fie im Sterben verschluckt. Gegen die Epilepsie hilft eine im Schatten getrocknete und als Amulett getragene Auerhahn-Zunge. In Norwegen wurde das Herz des Auerhahns zum Schutz vor Schlangen und Bezauberung als Amulett am Arm getragen.
Zum Schluß noch eine kleine Geschichte, die beweisen soll, wie hoch der „kulinarische" Wert des Auerhahns in der Küche geschätzt wird. Der Pfarrer eines Gebirgsdorfes erhielt vom Förster einen erlegten Auerhahn zum Geschenk. Die Pfarrersköchin, welche noch niemals einen Auerhahn zubereitet hatte, holte sich Rat bei der Köchin des Försters. Und da erhielt sie folgendes Rezept: „Erstens amal mußt ihn im Keller an der Luft hängen lassen a ganze Wochen; nachher amal mußt ihn vier Tag lang im Boden eingraben, daß er ins Dämpfen kommt und die Zuach'n (Zähigkeit) verliert; nachher amal mußt ihn recht sauber ruvf’n und mußt ihm mit einer glühenden Kohl die Haarl’n abbrennen. Nachher amal mußt ihn ausnehmen und mußt ihn von außen und innen mit (Salbeiblättern recht fest einreiben, und drei Tag lang wird er in Essig ein’beizt mit die feinsten Gewürz; nachher amal mußt ihn recht schön spicken, mußt ihn füllen mit den besten Sachen, a halhe Stund wird er in Madeira g'sotten, nachher wird er in Butter schön bräuntet’ rausbraten, und wenn er firtig is, nachher wirfst ihn am Mist, denn mehr is das zache Luder net wert."
Das Rezept ist etwas umständlich, aber probat; ich kann es allen Hausfrauen, welche Mitleid haben mit den Zähnen ihres Eheherrn, auf das dringendste empfehlen.
Verantwortlich: vr. HanS Thyriot. — Druck und Verlag: Vrühlfche Univerf itätSdruckerei R. Lange, Gießen.


