große Summe zur l
bleibst hoffentlich
und
etwas anderes ro'trb.
„Muffen wir darüber reden? Du bist doch da
ein gefährliches Wort.
Die große Summe, Grunseld, di« Brennerei: das stnd Träume aus dem Fenster hinaus ins herbstliche Land. Woher sollte man das Geld nehmen? Früher, als Vater noch lachen konnte, fugte er gern: „Wer nifcht erheiratet und nischt ererbt, der bleibt ein armes Luder, bis er sterbt."
Jetzt hat er das Lachen verlernt.
Auf dem Bahnsteig wartet Hilde. Bernd hat ganz vergessen, daß sie verabredet haben: sie solle chn abholen. Nun ist er erstaunt, daß sie vor ihm steht, und ist fast unfreundlich, weil sie so gar nicht in sein Denken hineinpaßt. Sie fühlt seine schlechte Stimmung anfangs kaum, sie freut sich viel zu stark, daß sie chn wieder hat. „Wie schön, daß du da bist, mein Junge, mein großer Junge", sagt sie.
Sie gehen in chr Bräu essen, sitzen am gewohnten Ecktisch, und sie fragt nach der Jagd, nach dem Haus, den Eltern, der Schwester. Sie kennt ja jeden Winkel in Dapper, denn die Heimat ist doch sein liebster Gesprächsstoff. Er gibt Antwort, aber sie muh um jede Silbe kämpfen: und sie kämpft, denn sie denkt: er ist müde von der Fahrt, es wird mir schon gelingen, ihn aufzuheitern; sie will sich den Abend, aus den sie sich so lange gefreut hat, nicht verderben lassen. Schließlich fragt sie auch nach Blehdorf, denn er hat chr auch von der neuen Nachbarschaft erzählt. Da hält er sich beide Ohren zu: ,chör auf, Hill«, hör auf. Ich kann das Gequassel nicht mehr ertragen." Sie erschrickt über diesen Ausbruch- „Was ist denn, Bernd? Hast du Sorgen?" Da bleibt er stumm, verbissen sieht er aus den halbleeren Teller, der vor ihm steht, greift dann nach seinem Glas, trinkt es hastig aus und ruft den Kellner heran: „Nehmen Sie das Essen weg, und bringen Sie mir noch ein Bier und einen Steinhäger dazu." Als der Kellner sich entfernt hat, faßt si« nach feiner Hand. „Willst du mir nicht sagen, was dich drückt? Red's runter vom Herzen, das erleichtert." Er sieht sie an, dankbar, und seine Augen sind wieder weich und gut. „Später, Hille, vielleicht fpäter."
(Fortfetzung folgt.)
kabinett in die Behrenstraße gegangen und hat mit dem ,betreffenden Referenten gesprochen. In viecundzwanzig Stunden war alles erledigt. Der alte Dransow hat den Sohn nach Hamburg gebracht ui^aufs Schiff gefetzt. Hundert Dollar soll er ihm noch für drüben in die Hand 6<*ru(ft haben. Sie haben ihn beim Regiment gar nicht mehr gese^n und auch nichts mehr von ihm gehört. In der Rangliste des nächsten ^res ftani) hinter der Namensliste des Offizierskorps unter „Abgang . „Abschied be- miUiat Leutnant von Dransow"; so blieb der Makel des schlichten Abschieds der Familie und dem Regiment erspart. Und nun soll Conrad das aleicke treffen. Der Gedanke ist furchtbar. v , r, ,
0 Eine lange Pause dehnt sich zwischen Vater und Sohn, st- lastet drückend im alten Dapperschen Herrenzimmer. Beide denken wohl das gleiche: hier ist Conrad geboren, hier ist er aufgewachsen: und nun soll er ausqelöfcht werden aus der Reihe der Wallnitz«.
„Weiht du einen anderen Weg?" fragt der Alte endlich.
''Sprich noch einmal mit ihm, Vater." , ........ , „
Der Vater atmet auf. Es ist >a doch noch ein Schnnmer der Hoffnung in seinem Herzen. „Gut. Ich will es versuchen. Aber wenn er sich herausfchwindeln will, Bernd, rote in dem Bries da, wenn er mich belügt ..." Er bricht ab; er will das letzte nicht aussprechen.
Es ist später Abend, als Bernds Zug in den Bahnhof Friedrichstraße einläuft. Noch nie ist Bernd die Fahrt nach Berlin (o lang erschienen; ex hat in feiner Ecke im Abteil dritter Klasse gesessen durch du Fen.er gestarrt und an Conrad gedacht. Di« Schanis Er hat gestern noch lang« mit Vater weitergesprochen. Vater will in Mülhausen mit Conrads Regimentskommandeur reden, aber Bernd fürchtet, daß der taum für Conrad eintreten wird; er weiß ja: Conrad leistet auch als Soldat wemg, es ist kein Streben in ihm, keine Pünttlichkeit, keine äußere und deshalb auch keine innere Ordnung. Später ist Vater dann noch einmal auf den G^mmkt zurückgekommen: es langt in Dapper nicht hm und nidjt her, bald feblt das Geld zum Kunstdünger, bald für eine neu« Maschine, tu« Gebäude müssen gründlich ausgebessert werden; immer kann Vater nur flicken statt wirklich erneuern. Ganz alt und verfallen sah Vater aus, als sie endlich das Gespräch abbrachen und ins Wohnzimmer gingen, roo Mutter und Lotte sahen und Bettücher stopften. Mutter sagte nur: „Was sagst du, Bernd? Was sagst du?" Dann kamen ihr di« Tranen.
Das Geld, das verfluchte Geld. Andere scheffeln es, anderen flieht es wie von selbst zu. Ueberoll in Deutschland wird groß verdient: um Berlin wachsen Fabriken wie Pllze aus der Erde, alle Kaufhäuser und Banken bauen um, im Grünewald entstehen neue Villenviertel, in denen sich Geldleute und Industrielle Schlösser hrnstellen lasten, die Hundert- tausende kosten; nur in Dapper sshli es am nötigsten.
Woran liegt das? Vater ist ein guter Landwirt, heißt es Er ist frich schon auf den Aeckern und abends meist der letzte in Stallen und Scheunen. Er ist sparsam und rechnet mit jedem Groschen; aber vielleicht genügt das alles nicht, vielleicht fehlt ihm die Gab«, im großen zu rechnen, statt nur im kleinen. Gewiß: der Boden in Dapper ist arm, aber die Bauern der Gegend haben doch keinen anderen Boden, und von ihnen haben es trotzdem manch« zu ansehnlichem Wohlstand gebracht. Sie haben allerdings nicht die Lasten der Hypotheken, sie haben auch keine Sohne, denen sie Zulagen geben müssen, und ihre Töchter bekommen keine Ausstattungen, die viele Tausende kosten wie die von Leu« und Lief«. Sie passen sich chrem Boden an, die Wallnitze haben ihm wohl seit Generationen zuviel abgefordert. Da liegt anscheinend der Fehler.
Wenn man Vater einmal unter die Arme greifen, ihm einmal eine große Summe zur Verfügung stellen könnt«, mit der sich die Hypothek abdecken und eine eigene Brennerei bauen ließe, dann würde die Wirt- sck'aft wohl auch in Dapper laufen, auch nach dort das Geld fließen. Man kennt,- Grunseld mit feinen fünfhundert Morgen zur Abrundung hmM- kaufen, das einst als Vorwerk sowieso zu Dapper gehört hatte. Der Urgroßvater hatte es verkauft, wohl auch um Schulden abzuzahlen oder um (eine Töchter standesgemäß auszustatten. Standesgemäß — das ist
hen achtzehntausend Mark wäre nun alles beglichen, und er wolle «in ganz neues Leben anfangen.
„Was willst du tun, Vater?" «
Der Alte ringt ein« Weile mit sich, dann sagt er: „Den Wechsel muß ich einlösen, das heißt, abbezahlen. Der Labanter hat sich alles schon hübsch zurechtgelegt: drei Jahresraten zu je sechstausend Mark und das Außenstehende jeweils zu sieben Prozent verzinst. Er weiß ia genau, was Dapper tragen kann. Ich steh' ihm dafür immer mit der Ernte gut.
Da braust Bernd auf. „Laß den Hund doch sitzenl
„Und Conrad?" fragt der Vater.
Daraus hat Bernd keine Antwort.
Siehst du, Bernd, über Conrad wollte ich mit dir sprechen. Der Wechsel ist nun einmal hier in der Gegend, und hier lasse ich das Gerücht nicht aufkommen, daß ein Wallnitz feine Schulden nicht bezahlt hätte Aber Conrad? Soll ich chn noch einmal halten? Noch einmal? Zum letztenmal? Mutter will es natürlich, sie ist immer weich zu Conrad gewesen, er ist ja ihr Aeltester. Aber glaubst du das, was er da schreibt: von einem neuen Leben und so weiter?"
Meder wagt Bernd nicht zu antworten.
„Du glaubst es also nicht. Ich auch nicht. Nach einem Jahr oder nach zweien sind wieder die Wechsel da. Ich glaube nicht einmal, daß jetzt der Tisch bei ihm rein ist. Es laufen wahrscheinlich noch andere Wechsel Er hat beftimmt niemals die vollen achtzehntaufend bekommen, vielleicht fünf oder sechs. Wahrscheinlich hat er die Wechsel immer prolongieren lassen und jedesmal mehr geschrieben. Man kennt die Art dieser Halsabschneider. Zahl' ich jetzt die drei Raten, so müssen wir trummliegen iros heißt- noch krummer. Sind die Ernten nicht so gut wie dieses Jahr, muh der Wald dran glauben: die Kiefern im Schwarzen Grund und der Buchenschlag vom Ziegenberg. Oder ich müßte eine zweit« Hypothek aufnehmen Ich bekomm« sie natürlich, nur kann Dapper eine weitere Belastung auf die Dauer nicht tragen. Es wäre also ein Betrug an dem Gläubiger und an uns, und so etwas mache ich nicht."
Bernd fühlt, wie der Vater mit jedem Wort kämpft. In wieviel schlaflosen Nächten mag er sich diese Berechnungen immer und immer wieder durchdacht haben. Und alles nur, weil Conrad leichtsinnig ge- roefen. Diese verfluchte Spielerei! Es ist immer das gleiche: es fängt ganz harmlos an, die Karten liegen plötzlich auf dem Tisch, und es geht um das, was die Beteiligten bar in der Tasche haben, das sind meist kleine Beträge. Dann aber ist der erste ausgefleddert, bann der zweite; ein Zettel wird geschrieben: „Gut für zwanzig Mark" und der Name darunter; der nächste Zettel lautet schon über hundert Mark. Jede lieber« sicht geht verloren, und wenn die Nacht vorüber, laufen Schuldscheine um, die über Tausend« lauten. Alle Vorgesetzten kämpfen gegen diese „9euerei", wie man es beschönigend nennt, weil man sich vor dem wahren Wort „Glücksspiel" schämt. Der Kaiser hat eine scharfe Kabinettsorder gegen sie erlassen, die sie mit dem schlichten Abschied bedroht, aber sie ist nicht aus der Armee auszurotten; sie ist eine Seuche, die alle Schwachnervigen befällt, und das furchtbarste ist: wer einmal gejeut hat, kann die Finger nicht vom Spiel lassen, und wenn er noch so ost und noch so viel verlor; er hofft immer wieder, daß eines Tages der ganz große Gewinn für ihn käme, mit dem er sich „gesundmachen" könne. Bei Conrad wird es nicht anders fein.
„Ich kann das mit Conrad nicht mehr allein tragen und verantworten", sagt der Vater, ,chu bist jetzt alt genug, um da mittrogen und mitbeftimmen zu müssen. Es geht schließlich um euer Erbe, um deines und um bas der Schwestern. Ihr seid vier, und er ist einer. Soll unser altes Dapper zum Teufel gehen, weil er das Geld verjuxt? Dapper ist über fünfhundert Jahre in der Familie, es rft der Rest von viel größerem Besitz. Schließlich hat Blehdorf uns auch mal gehört, bis es ein Wallnitz an einen Conzheim nerjeute; das war in einem Feldlager während des Siebenjährigen Krieges, wo die Kerle sich langweilten. Der Conzheim war sächsischer Offizier gewesen und nach seiner Gefangennahme bei Hohenfriedeberg vom Alten Fritz in die preußische Armee übernommen worden. Er hatte einen Dreck was mit diesem Preußen und unserer Mark zu tun."
Bei Hohenfriedeberg fallen Bernd der General von Lassow und Wald- Hausen ein, und bei Blehdorf denkt er an die Schillings. Für die Czehs und für die Schillings wären die achtzehntausend Mark eine Kleinigkeit. Wenn er die Gräfin um di« Summe bäte oder den Herrn von Schillings, vielleicht würden sie emfpringen, die Gräfin Czeh sogar sicher. Ader so etwas tut man nicht, lieber verreckt man.
„Don meinem Erbteil sollst du nicht reden, Vater. Und was das Krummliegen betrifft, da streiche mir ruhig einen Teil der Zulage. Ich fresse mich auch mit weniger durch."
„Weiß ich, mein Junge. Ich denke aber nicht bran, dir was abzuziehen. Ich muß dich knapp genug halten. Grade, weil du ordentlich bist, muß ich an dich denken und nicht an Conrad. Deshalb muh ich dich jetzt fragen: Willst du später Dapper übernehmen?"
Das ist eine ganz schwere Frage, auf die Bernd gar nicht vorbereitet ist. Für ihn stand seit jeher fest: der Aetteste bekommt das Gut. und ich bleibe Offizier. Das ist immer fo bei den Wallnitzen gewesen. Und er ist Offizier mit Leib und Seele; er kann sich gar nicht denken, daß er
noch recht lange. Und wenn Conrad erst zehn ober fünfzehn Jahre älter ist ..."
Da sagt der Vater, und Bernd weiß sofort, daß dieser Entschluß ttotz dieser Aussprache schon lange in ihm feststeht: „Conrad muß fort."
„Nach Amerika?" fragt Bernd.
Der Vater nickt nur.
„Amerika." Bernd sagt das Wort noch einmal, sehr langsam, sehr gedehnt. Auch bas kennt er: vor brei Jahren ist der Dransow von seinem Regiment über ben großen Teich geschickt worden, wie man so sagt. Er hat fein Abschiedsgesuch geschrieben, dann ist (ein Batet iw Militär-


