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Nummer 2

Sreitag, den 7. Januar

Jahrgang 1958

die Pinguine

sie sich aber

teuere statt.

Dreizehntes Kapitel.

entstanden ist.

Manche Wege sind so breit wie eine Wagenspur, so daß ein halbes Dutzend Pinguine gut nebeneinander Platz hat, andere wieder so schmal, daß sie im Gänsemarsch gehen müssens wo das der Fall ist, liegt aber meist ein triftiger Grund vor. Die Pinguine hallen beispielsweise gelernt, was unsere Truppen während der ganzen Kriegsdauer nicht lernten: daß ein Uebergang von Marschkolonne zuReihen rechtsum" während des Marsches unweigerlich Durcheinander und Aufenthalt mit sich bringt. Folglich wird, sofern an einer Stelle des Fußsteigs ein HinterKinander- gshen durch einen engen Felsdurchgang nötig wird, diese Ordnung für die ganze Strecke gewählt und i>er Pfad durchweg nurin Vogelbreite angelegt

Dies sowie einige, andere Dinge, auf die ich gleich noch zu sprechen kommen werde, beweisen deutlich, daß die Pinguine einen ausgeprägten sozialen Sinn besitzen. Und zwar glaube ich nicht, daß es sich dabei nur um eine Auswirkung des Herdeninstinkts handelt, denn m: *

führen ja ein ausgesprochen individuelles Dasein. Sobald t , auf ihren merkwürdigen Straßen befinden, werken sie für das all­gemeine Wohl; es kann kein Zweifel fein, daß dann zwei oder drei sich zugunsten von hundert oder tausend andern mühen, von denen die Mehr­zahl ihnen fremd sein mutz.

Zuweilen verlangen die Wege steiles Klettern. Das Unangenehmste ist wie jeder Fuhwanderer bestätigen wird das Abwärtsgehen. Für die Pinguine, die über die Felskämme hinwandern, bedeutet es eine Reihe von Sprüngen. Die Pinguine springen immer kerzengerade, ohne sich vorzubeugen, und landen auch in aufrechter Stellung was gut und fchön ist, wenn eine sichere Aufspringstelle da ist; ist aber der Fels sehr glattgescheuert, dann endet der Sprung leicht in einem raschen Aus­gleiten und das Ausgleiten in einem plötzlichen Fall hintenüber, wobei die Füße nach vorn fliegen und der Kops heftig gegen den harten Fels schlägt. Doch ich muh hinzufügen, daß diese kleinen Sportsmänner sich selbst daraus nichts zu machen scheinen. Sie raffen sich einfach wieder auf und machen sich fertig zum nächsten Sprung.

Wenn sie über Felsen aufwärts gehen, müssen sie sich oft ihrer Schnäbel bedienen, um Halt zu finden. Der Schnabel des Pinguins scheint geradezu für diese Betätigung gemacht zu fein. Die obere Hälfte springt über die untere vor und endigt in einer Spitze, wie eine Art gebogener Zange, so daß der Vogel sich damit in jede Kante und jeden Vorsprung, den der Fels bieten mag, fest einhaken kann. An manchen schwierigen Wegstellen weisen die Uferkiesel eine Reihe von Kerben auf, die einzig durch die jahrhundertelange Einwirkung der Pinguinschnäbel

Das hat außer der Wegersparnis noch eine andere Ursache. Der Pinguin läuft nicht quer durch die Insel, aus dem triftigen Grunde, weil es keine Straße gibt, die er dazu benutzen könnte.

Eine der sonderbarsten Tatsachen auf der eigenartigen Insel ist die, daß Pinguine sich stets an einen gebahnten Weg halten. Darin stehen sie freilich nicht allein da. Das Rhinozeros, um nur ein Beispiel zu nennen, macht es ganz ebenso. Doch dieses Tier lebt allein, bahnt sich einen Pfad und benutzt ihn dann ständig, während' die Pinguine sich nicht an in­dividuelle, sondern an Stammeswege halten, die jahrhundertealt zu sein scheinen. r .

Diese Wege liegen nicht beliebig über die Insel verstreut, sondern führen in jedem Fall von der Niststätte einer Kolonie zum Meer. Und ungeachtet der zahlreichen natürlichen Hindernisse, die sie kreuzen, ver­laufen sie sozusagen in gerader Richtung.

Auf der einen Seite der Insel wird eine Kolonie von der See durch eine Reihe großer runder Kiesel abgeschnitten; diese sind etwa dreißig bis neunzig Zentimeter hoch, liegen übereinandergetürmt und steigen so vom Wasser aus rasch bis zu einer Höhe von etwa zwölf Meter empor. In diesen Steinen ist etwa anderthalb Kilometer, lang keine Lücke, und folglich führt der Fußsteig der Pinguine quer über sie hinweg. Zunächst geht der Pfad dreihundert Meter weit über sandige Erde: von den Nist­höhlen bis zum Rande des Steinwalls. Dann hebt er sich deutlich auf den Steinen ab, die durch das häufige Darüberhintrippeln unzähliger Füße glattgewetzt find, denn feit altersher find die Pinguine diesen Weg gewandert, bis zur Spitze des höchsten Felsens und, bald laufend, bald hüpfend, wieder hinab bis zum Meer.

Hin und wieder wird die Erde, wo sie niedere Stellen bedeckt, bei feuchtem Wetter schlammig und schlüpfrig. Wo ein solcher Zustand be- sonders gefährlich wird, machen sich die Pinguine daran, ihm abzuhelfen. Mit ihren Schnäbeln kerben sie Linien querdurch und häufen die Erde dazwischen zu kleinen Wällen auf. Ich habe in einem früheren Kapitel schon bemerkt, daß der Boden an diesen. Stellen wie ein Rost aussieht. Ob die Pinguine damit in der Hauptsache beabsichtigen, das Wasser ab­zuleiten oder sich einen besseren Halt für die Füße zu schaffen etwa in der Art, wie wir den Gleitschutz bei den Autoreifen, weiß ich nicht. Jedenfalls aber erreichen sie alles beides, denn der schlammige Boden trocknet bald zu einer Reihe harter Rippen aus.

Straßenbau. Die Wege. Gleitschutz. Klettern und Springen. Der enge Pfad. Das große Hindernis. Dickköpfe.

Obzwar auf der ganzen Insel kaum eine Stelle ohne Nester ist, sind naturgemäß manche Teile dichter bevölkert als andere. In der Tat bestehen,l abgesehen von denverstreuten Gehöften", wie ich sie nennen möchte, sechs verschiedene Siedlungen, von denen sich jede ziemlich für sich hält. Die Pinguine auch diejenigen, die der Insel ihren Jungfern- b: ach abftatten scheinen schon vor ihrer Ankunft genau ^u wissen, i welcher Kolonie sie gehören, und wählen demgemäß den entsprechen­den Landungsplatz. Nie findet man, daß ein Pinguin, der auf der Ost- 'eite der Insel landet, üb erlaub nach der westlich gelegenen Nisistätte oanbert: will er sich im Westen nlebertaffen, so landet er in der be­stimmten Bucht, die dieser Kolonie zugehören" scheint.

Die Insel

6er fünf Millionen Pinguine

Von Checcg Keacton

Deutsche Rechte durch 3. Engelhorns Nachf., Stuttgart

Nachdruck verboten

9. Fortsetzung.

Endlich aber tarn, vermutlich durch ungewöhnlichen Hunger herbei- gesührt, die Stunde, wo der Gedanke, Spiel Spiel sein zu lassen und zu den Eltern zurückzukehren, mächtig lockte. So hielt sie einen Augen­blick innt, um zu überlegen, wo der Ausgang sei, und sauste dann in voller Geschwindigkeit durch das Becken.

Die Schranke gebot ihr unversehens Halt. Sie hob sich aus dem Wasser, um sie zu betrachten, nicht unähnlich einem Hunde, der sich beim Schwimmen in einem Teich plötzlich einer Steinmauer gegenüber­sieht, und schwamm dann von einer Seite zur andern auf der Suche nach einer Stelle, an der sie hinaus könnte. Die aber gab es nirgends der Felsen bot für eine Robbe keinen Halt und, soweit ihr Blick reichte, überhaupt keinen Ausgang. Es schien ihr nicht in den Sinn zu kommen, daß sie nur wieder wie zuvor an Land zu klettern und bis zum Ende der Schranke zu gehen und dann zu ihrem Ziel zu schwimmen brauchte. Wahrscheinlich ging es ihr wie einem verirrten Kind: sie wurde von so heftigem Schrecken gepackt, daß ihr jede Denkfähigkeit verloren ging. Hier unmittelbar vor ihr war die Mauer, die sie beim Hereinkommen über­schritten hatte, und natürlich mußte der Rückweg über dieselbe Mauer führen. Also fuhr sie fort, hin und her zu schwimmen, und geriet, je länger es dauerte, immer mehr außer sich.

Nach einer Weile schrie sie vor Angst. Und schwach antwortete von der andern Seite der Mauer her ein anderer Schrei. Nun konnte die Robbenmutter zwar den Ruf zurückgeben, aber über die Felswand ver­mochte sie ebensowenig hinwegzusetzen wie ihr Junges. Sicher konnte sie ihm nicht einmal einen Rat geben, irgendwie aber schien das Gefühl ihrer Nähe dennoch einen besänftigenden Einfluß auf es zu haben, und es beruhigte sich, schwamm weniger aufgeregt im Becken umher, schaute nicht mehr so oft an der Wand in die Höhe und begann nach einer Zeit sogar von neuem ein vorübergehendes Interesse an den Pinguinen zu folgert.

Spielen aber mochte es nicht mehr mit ihnen. Spielen macht einem keinen Spaß, wenn man gefangen ist. Auch ist man nicht Philosoph ge­nug, um sich zürn Schlafen niederzulegen, bis die Stunde der Befreiung naht Die junge Robbe jedenfalls war es nicht. Sie fchwamm an der FKswand hin und her, und sobald das jetzt rasch steigende Wasser den Kamm beinahe erreicht hatte, stemmte sie die Nase auf den Fels, versuchte ihren Körper bis zum Rand emporzuziehen und begann mit den Flossen nach einem Halt zu suchen. Noch ein paar Minuten und sie fand mit großer Anstrengung wirklich diesen Halt, zog sich triumphierend an der Mauer in die Höhe, glitt darüber hinweg und tauchte endlich ins Meer, ohne ihren verflossenen Spielgefährten auch nur einen Abschiedsblick zu schenken. *

Ich sah sie nicht wieder. Zwar eilte ich sogleich zu einem höheren Felsen, um wenn irgend möglich noch Zeuge zu werden, wie Vater und Mutter mit ihrem Ausreißer von Sohn zwischen sich davonfchwammen. Doch ich sah nichts. Die Auseinandersetzung darüber, ob die Schranke das erstemal durch Zufall oder mit Absicht überschwommen worden war, fand, wie es fchien, in weiter Entfernung vom Schauplatz des Aben-

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Unterhaltungsbeilage zum Gießener Anzeiger