auslauern, gerade hier in dem Schatten---
Krokodil und Mensch.
DielauerndeGefahr.-Angr iss.-Derr e t t enbe (Speer. Verlassene Sandbank. — Ein merkwürdiger Strauß.
Kampfund Ende zweier Krokodile.
Mit dem Bau der Brücke Hot sich das Leben in dieser Gegend des Flußes verändert. Männer und Weiber kommen jetzt fast täglich vorüber, manchmal in großer Eile, als gelte es, das Ziel der Wanderung, wo em guter Handel winkt, möglichst bald zu erreichen und die Bürde loszuwerden, die aus dem Sechs-Kilometer-Marsch in der Sonnenglut schier unerträglich schwer geworden ist. Manchmal aber rasten sie auch eine Weile angesichts des Wassers. , . . _ ., , . .
Hin und wieder tritt einer von ihnen auf eine kleine Sandbank hundert Meter stromabwärts und bückt sich, um eine Kürbisflasche zu füllen- dann stehen zwei andre mit erhobenen Speeren Wache und spähen nach heran- kommenden Krokodilen aus. Und die Krokodile sind da — der Riese und noch zwei andre. Dort, wo die Schatten am tiefsten dunkeln, liegen sie und belauern mit ihren kleinen Augen jene Gestalten, die sich so verführerisch dort oben bewegen. — Oder cs kommt einmal eine Frau über die Sandbank gegangen, fast ganz bis zum Rand des Wassers kommt sie vor, bückt sich und eilt gleich wieder zurück: das Wasser schwappt über den Rand ihrer Kllrbisslosche heraus, die sie in ihrer Hast ganz schief hält.
Eines Tages aber — es dämmert schon — da kommt eine mit einem irdenen Topf daher, füllt Ihn und verweilt noch ein wenig: sie taucht die Hönde in den Fluß und spritzt sich das kühle Wasser gegen die Beine. Schleunigst macht sich das Riefenkrokodil aus feinem Schattenverließ auf; es bleibt unsichtbar bis auf Augen und Rüstern, nur ein leichtes Ge- kräusel auf dem Wasserspiegel entsteht bei seinem Herannahen. In der nächsten Sekunde schon hätte es den Rachen aufgerissen und wieder zugeklappt: aber da gellt der heisere Schrei eines Menschen — noch einer: kreischen!) flüchtet das Weib, und der Topf fällt ins Wasser. Schon trifft ein Speer den Kopf des Krokodils, das halb betäubt in die Mitte des Flusses zurückschießt; im wiederkehrenden Bewußtsein spürt es plötzlich einen scharfen Schmerz hinter dem Ansatz seines rechten Vorderbeins. Eilig
schwimmt es davon und achtet anfangs kaum auf ein Gefülch als wenn es da an seiner rechten Seite immer etwas nut sich zöge, doch al- es m der Sicherheit eines weiter abwärts gelegenen Flußabschmtts angelangt ist und langsamer schwimmt, spürt es bei jeder Bewegung des ®ems den Schmerz und entdeckt, daß etwas Dünnes und Hartes: aus seiner Haut herausragt, das ihm mit der Spitze im Körper steckt. Und wahrend es „staunt im Wasser liegt, wird das Bein steif und beginnt zu schmerzen.
Tage vergehen. Endlich gelingt es, den seststtzenden Speer an einem Felsstück am User abzubrechen; aber die metallene Spitze bleibt fest m der Haut sitzen und bildet dort eine eiternde Wunde. Mit der Zeit laßt der Schmerz nach und der Riese gewinnt säst den vollen Gebrauch seines Beines wieder. Aber eine gewisse Steifheit und em hm und wieder sich meldender Schmerz bleiben zurück; bann kommt ihm die Erinnerung, und er wird nun noch vorsichtiger als vorher.
Auch die andern Tiere — die am User und die in der Ebene — hatten bald heraus, daß das Erscheinen des Menschen e,ne Gefahr mehr m ihrem Leben bedeutete. Diese Menschen liehen sich keine Gelegenheit zum Beute- machen entgehen. Ost, wenn sie em paar kleine Antilopen entdeckten, unterbrachen sie ihren Marsch; leise schwärmten sie in einem weiten Halbkreis aus und schlichen durch das Gras vor, bis sie so em Tier von der Herde abgeschnitten hatten; dann umstellten Ne es und brachten es um. Saum e tn Tag Verging, wo zu der Bürde der Lastträger Nicht noch em Tier hmzu- gekommen wäre, das die Speerträger, die den andern vorausmarschierten, für ihren Kochtops erlegt hatten. . .... . ..
Eine Herde Wasserböcke, die schon mehrere Tiere emgebuht hatte, wanderte eines Tages aus zu einer Baumgruppe, die etwa einen Kilometer von der Baumbrücke entfernt lag. Ganz in der eine andre Sandbank in den Fluß hinab; dort konnten d.e Bocke zetz m größerer Sicherheit trinken. Rach wenigen Tagen gesellte sich eine Gazellenherde zu ihnen; danach folgten Zebras und Kuhantilopen, die von den sicheren Verhältnissen Wind bekommen hatten. Bald war die Gegend bei der Brücke verlassen; nur Paviane, Klippschliefer, Vogel und Warane, alles Tiere, die sich auf ihren Bäumen ober in ihren gut gebauten Festen sicher fühlen konnten, blieben zurück.
Das Riesenkrokodil stellte zu seiner Verwunberung sest, daß tein T'er mehr zu ber Sandbank kam, von der es sich «umschon seit vielen Jahren feinen Tribut geholt hatte. Es mußte sich seine Beute letzt sowohl stromaufwärts als stromabwärts suchen, und dabei entdeckte es emes Tages auch den neuen Trinkplatz; aber der Fluh war hier seichter und strömte chneller und das wenige überhängende Laubwerk sorgte nur ungenügend für schutzbietende Schattenflecke auf dem Wasser. Dreimal Hintere,nander geschah es, als das Krokodil geräuschlos und lebesmal mit größter Behüt- amkeit auf die Sandbank zufchwamm, bah ein wachsamer Pavian auf- chrie ober ein scheues Zebra plötzlich am Uferranb kehrtmachte unb entfloh; auf bas Signal hin stoben Böcke, Gazellen und alle anbern Ziere in wildem Galopp davon ins offene Weideland und überließen den Fluh der Einsamkeit, der Dunkelheit und---einem hungrigen Krokodil.
Bald wurde die Rahrungssrage immer dringlicher. Sogar die beiden kleineren Krokodile vermißten den gewohnten Gazellen- und Antilopenbraten, den sie sich ab und zu verschasft hatten. Dem Riesen dagegen drohte schon nahezu ber Hungertod. Wenn einmal — was übrigens selten geschah — ber Körper eines verendeten Fluhpserdes stromabwärts trieb, wurde er sogleich unter Wasser gerissen, um als Krokodilspeise zu bienen Aber bas lebenbtge ausgewachsene Flußpserb war nicht zu haben. Unb als nun die Tiere nicht mehr zum Trinken an bie Stellen kamen, die sur beutelusterne Krokodile so praktisch gelegen waren, blieben uls einzige Hoffnung nur noch der seltene Glückstrefser eines Fluhpserdmahles unb bann diese in keiner Weise (ättigenben Fische. Sonst aber winkte weit und breit nichts — es sei denn bie Möglichkeit, einmal vielleicht nach den blanken schwarzen Beinen bieser Geschöpfe ba bei der Brücke zu schnappen.
Immer ärger wirb bie Hitze des Tages. Da schiebt sich bas Riesen- krokobil langsam aus bem Wasser herauf an bas ber Sanbbank gegen- überliegenbe Flußufer. Ein paar Meter vom Rand entfernt bleibt es hegen, aerobe neben einem gestürzten Baumstamm, von bem es aus der Entfernung gesehen nicht zu unterscheiben ist; da liegt es, ohne sich zu rühren, ist aber ganz gespannte Aufmerksamkeit und lauernde Erwartung. Im Gegensatz zu seinen beiden Gefährten, die im Wasser liegen und von denen nur die Nüstern und die Augen (die übrigens nicht minder tätig sind als die seinen) gerade eben über ber Wasserlinie sichtbar sind, zieht es der Riese vor, vom Land aus anzugreifen; denn er weih aus Erfahrung, daß er da höchst gefährlich ist. Früher, wenn sich die Tiere einmal scheuer als gewöhnlich zeigten, hatte er sie oft gerade durch dieses regungslose Daliegen in Sicherheit gewiegt; waren sie dann aus ein paar Meter heran- ciekommen, so hatte er mit einer urplötzlichen Wendung seinen macytigen Schwanz herurngeschleudert — konnte er doch damit einem Gnu die Beine unter bem Leid zusammenschlagenI — und innerhalb einer Minute war das erbeutete Tier unter Wasser gezerrt worben. Während der heißesten Stunden trocknete die Nässe auf seinem Hautpanzer ein und seine Farbe wurde dann fast völlig zu dem stumpfen Grau des schlammigen Grundes, aus dem er lag. Dies Herumliegen außerhalb des Wassers bot aber um so weniger Reize, je mehr die Hitze nachließ; er liebte es gar nicht, sich außer der heißesten Tageszeit am Lande aufzuhatten. Aber dennoch rührt er sich jetzt nicht vom Fleck; er weiß zu gut: soll sein Wunsch sich erfüllen, so muh er standhaft weiter verharren in listiger Unbeweglichkeit.
Da — an sein Ohr schlägt ein Saut, ber allmählich an Stärke zunimmt. Eine lange Reihe von Männern unb Weibern kommt auf bie Brücke zu — bie einen beloben mit Kürbisflaschen ober irbenen Zöpfen, bie andern mit Tabakballen, der Ausbeute des tags zuvor getätigten Handels Zwei von den Speerträgern, die immer vorausmarschieren, waten durch den Fluh. Noch haben sie ihn kaum zur Hälste durchquert, ba bleiben sie stehen unb spähen stromabwärts. Flüstern!) beraten sie, geben Zeichen nach hinten ; — die Folgenden machen halt. Jetzt gehen die beiden Manner wieder
। zurück, wie sie gekommen find, und für geraume Zeit herrscht wiever
, stille. (Fortsetzung folgt.)
und neigen sich zum Wasser herab, und zwischen den Baumstämmen breitet lieh wildes Gestrüpp aus, unter dem die Ujerranöer sich oer- beiaen. Zhe größeren Bäume recken ihre Zweige über das Wasser und begegnen denen vom gegenüberliegenden User, so dah dort oben em Spitzenwerk aus Braun unb Grün entsteht, bas tiese Schatten auf ben Wafferspiegel darunter wirft. Wie durch das Dunkel eines tiefen Kanals ftrömt der Fluh — fchwarz und schweigsam. Etwas Unheimliches scheint in ber Lusi zu hangen. Ist da nicht unsichtbar etwas Böses, etwas Ge- fOi,Ueber ben^ferfpügel geht ein leichtes Zittern. So geräuschlos daß die oben am Ufer arbeitenden Menschen mcyts vernehmen können bewegt sich da ein dunkles ungleichmäßiges kleines Viereck, lost sich aus der Dunkelheit, kreuzt hier einen grauen Fleck 'w Wasser, dort emen Sonnenstrahl und verschwindet plötzlich wieder im Schatten. Endlich scheint es tn einem großen Strudel hundert Meter flußabwärts zu hcckten, Da, — 1-tzt gibt es einen Wirbel, als wenn ein riesiger Körper sich langsam unter Wasser drehe — und schon erscheinen Kops und Rumpf eines Krokodils an der Oberfläche. Nur wenige Sekunden bleiben fte über Wasser, bann sinken sie langsam wieber unter, bis nur noch bie plumpe Schnauze unb die kleinen mongolisch geschlitzten Augen zu sehen sind.
Das Krokodil liegt vollkommen regungslos auf einer schmalen Leiste, die unter Wasser vom Ufer oorspringt. Die mit Schwimmhäuten versehenen Zehen an seinen kurzstumpigen Fußen krallen sich m,ben• Sani), der sich bünn aus bem Stein abgelagert hat, der Rumps ruht schwerlastend auf der Leiste, der riesige Schwanz hangt tn bie Tiese hinab. Van der Schnauze bis zur Schwanzspitze mißt es über sieben Meter - mehr als doppelt soviel wie alle andern Krokodile in dieser Gegend des Muffes. Em Riese ist's, sogar unter seinesgleichen — häßlich und ungeschlacht — aber bie verkörperte Kraft unb Unverwundbarkeit. Er kann sich bei seiner ungeheuren Größe nicht wie seine kleineren Artgenossen mit Fischen allem begnügen, einer Nahrung, die nur ab und zu mit etwas Fleisch vervollständigt wird. Er braucht Fleisch als Hauptnahrung und verleibt sich nur mal gelegentlich, halb achtlos im Vorbeifchwimmen, auch noch einen Fifch ein So begibt er sich denn häufiger an die Sandbank um ben Zieren auszulauern, bie dort zum Zrinten hinkommen. Seme Anwesenheit bildet eine ständige Gefahr für Antilopen, Gazellen und andere Ziere, bie sich ^310* Vor*’einigen Minuten hat er schlafend an der Oberfläche des Wassers gelegen, gestärkt durch ein herzhaftes Mahl. Vermutlich war s ein Laut vom Ufer über ihm, der ihn aufgeweckt hat. Emporblinzelnd bemerkt er, daß sich da am Ufer etwas bewegliches Schwarzes vom mmklen Hintergrund der Baumstämme und des Unterholzes abhebt, em Schatten, ber sich regt — unb bann — fonberbar, denn es geht boch nur em schwacher Luftzug — kracht ein Baum unb legt sich quer über ben Fluß, so daß er mit bem Wipsel aus das jenseitige User zu liegen kommt, wahrend einige der Zweige das Wasser ausrühren, wo das Krokodil liegt. Der Riese weih nicht, was den Baum zu Fall gebracht hat, auch bringt er dies Ereignis nicht gleich in Zusammenhang mit den Gestalten am Ufer; aber sein Instinkt sagt ihm, daß es hier gefährlich geworden ist, und er halt es für geraten, sich ein Stück stromabwärts in größere Sicherheit ju begeben.
Da liegt er jetzt im schützenden Dunkel, unb feine Gedanken beschäftigen sich weniger mit dem umgestürzten Baum als mit jenen Lebewesen, von benen er eins sicher weiß: baß es nämlich roeber Antilopen noch Paviane finb, fonbern etwas, bas ihm bis heute noch nicht vor bie Augen gekommen ift. Eines Zages könnte man sich mal eine Kostprobe verschossen Vielleicht schmeckte so was ganz anders als Gazelle ober Zebra, unter Umstanden auch wesentlich besser als Flußpferdaas. Ohne Zweifel werden diese Ge- schöpse ja früher oder später wieder zum Fluß kommen zum Zrinten, wie es die anderen Ziere am Ufer auch machen; dann könnte man ihnen


