Ausgabe 
4.11.1938
 
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Hk!

Es klappert jenem Holze

Wenn er i Einmal bena!

Im Wlnter ist gut Müller sein, im Wlnter friert das Mühlrad ein, da kann ich stehn und lungern;

die Bauern mögen hungernl"

S)i bei

Abendgefühl.

Von Friedrich« Hebbel.

Friedlich bekämpfen Nacht sich und Tag. Wie das zu dämpfen, Wie das zu lösen vermag!

Der mich bedrückte, Schläfst du schon, Schmerz? Was mich beglückte, Sage, was war's doch, mein Herz?

Freude wie Kummer, Fühl' ich, zerrann, Aber den Schlummer Führten sie leise heran.

Und im Entschweben, Immer empor, Kommt mir das Leben Ganz wie ein Schlummerlied vor.

er sich dagegen: ein anderer?!" Er griff alle Arbeit nicht wehe tue, und wenn der Mei! weil auf der Bärenhaut liefen! s

Verantwortlich: Dr. Han« Thhriot. Druck und Verlag: Brühlsche Universitätsdruckerei R.Lange, Gießen.

rannten. . , ... ...

der moosalten, buckligen Mühle zog der Stllzel oft in tiefer 31c- t die Schütze und leerte den Weiher; von dem Donner des fallenden A.'ts erschrocken, sprangen dann die Müllersleute aus den Betten. Dl - bmal wieder zauberte der Rumpelgeist einen Gestank, der ver° dc - 1 nach Brand roch, und der Müller suchte ängstlich durchs ganze , wo es brenne, und er schaufelte das schwarze Buch, das er vor Grenzwächtern immer unter einem Kornhausen verborgen hielt, v,,vnr und las den Segen daraus, womit man das grimmige Feuer bezw'-rnzt. Und wenn die Mllllersdirn trinksarnes Wasser holte und es mitte!- der Kette aus dem tiefen Felsbrunnen haspelte, wurde oft der Eimer immer schwerer und schwerer, und schließlich hockte das boshafte Schrätel darin, grinste und sprang heraus. Und wie er einst als Hirt

zeigen den Komponisten als einen Meister der i und Satire, wie er kaum noch einma in ^r - . f

treffen ist, als Realisten, der vor nichts zuruckfchrecktzIch wollte Fratzen schildern", sagt er in bezug auf feinenSieger

° Aber eben dieser Künstler sand immer wieder zuma hm Stil zu­rück. Bezeichnend, daß unter seinen Sinfonien eine --tragische tm< eine ironii'be" ist- ferner daß sich der Ironiker in den Orchestervariationen über C H ° m > i foTTragische Geschichte" nach dem Weltkriege »um Humoristen mausert, der die innere Idee des Gedichtes schalkhaft ab- wandelt 0d^ steckt etwas Selbftironle in dieser entzückenden Parti- tur? Will der Komponist sagen, daß ihm trotz aller ueutönerischer Scitenfprüngeder Zopf noch immer hinten hängt? Das einsach Me­lodische bleibt nämlich schließlich doch Sieger.

Der Komponist desDonna-Diana -Spiels dringt In bte 9thariinb.e des Ritter Blaubart , der Ironiker schreibt eine Raskolnlkosf-Ouvertüre und eine visionäre Musik zu Strindbergs Traum plel". Das Weltkind wendet sich immer wieder zu Goth Ein Requiem, eine Messe, geistliche Gesänge sur Orchefter, ein großes ffhnrm-rP tum Andenken an die im Weltkrieg Gefallenen, ein Baier

des Blumentopfes.

Frohgemut trollte sich jetzt der Knecht in seine Kammer Raum aber war er eingeschlafen, hörte er es rufen: ,Hol mich! Hol mich! und die Stimme scholl so herzbezwlnglich hold, daß der Jockel, so gut ihm auch der Schlaf schmeckte, sich aufrappelte und ihr folgte. Da war er auf einmal nimmer in der staubigen, spinnverwobenen Muhle son­dern In einem blitzblank gefegten Schloß mit weiten Gangen und artigen Bildern an den Wänden, mit köstlich geschnitzten Türrahmen, schimmernden Treppen und hohen, bogtgen Fenstern, durch die die Sterne listig blinzelten.Hol mich! Hol mich!" lockte es, und schlaf­trunken betrat der Jockel eine steile, enge Treppe, die in einen Turm hinaufführen mochte, und wie er ein paar Schritte getan hatte, sah er plötzlich das böse Mißgeschick des Stilzel vor sich, und die Stiege begann zu zittern, und sie drehte sich auf einmal, und der Jockel bückte sich schreiend und klammerte sich an und wußte nicht, was mit ihm geschah. Doch schon schüttete es sich eisig über seinen Leib nieder, und jetzt erst erwachte er aus dem Blendnetz, das ihm der Stilzel geflochten hatte, und gewahrte, daß er an dem Gefchäufel des Mühlrades hin, und das ging rundum und rundum, und er wurde drunten durch das strudelnde Wasser getaucht und wieder in den kalten, stürzenden Schwall hinauf­getragen. Siebenmal drehte sich das unheimliche Ringelspiel mit ihm, dann erst stellte der Müller, der ihn zetern hörte, das Werk ab und half dem nassen Jockel vom Rad herunter.

Der Jockel aber, noch triefend von seiner Reise auf dem Mühlrad, riemte sich den Schuh, schnürte sein Bündel und winkte:Behüt' dich Gott, Stilzelmühlel"

Doch auch das Geistlein zeigte sich seither nimmer in der moosalten, buckligen Mühle. Ich weiß wohl, wo es heute umgeht. Aber nur ein Schwätzer plaudert alles aus.

»s i BSSJsffiäsea W - kbreift.Ich wo! I a-^n9 der Müller einmal einen Knecht gedungen, der hieß Jockel und war sehr faul. Wurde ihm eine Arbeit geschafft, so sträubte - ' Warum soll just ich, der Faulste, das tun und nicht

griff alle Arbeit fein und sacht an, daß er sich daran hn schalt:Du sollst nicht alle- er Bärenhaut liegen! Wer lange schläft, der lebt wenig. Schäm dich!", da gähnte der Jockel wie ein Nußknacker und erwiderte, eirf. hab mich dreißig Jahre lang geschämt, jetzt brauch ich mich mmmer zu schämem Änd soll ich in die Arbeit fahren wie ein Narr in den KachAosen? Nur alles mit Bedacht!" Sein liebstes L,ed war mcht etwa - die Mühle am rauschenden Bach" oderDort nieden in liegt eine Mühle stolz", sondern er sang:

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Chorwerk zum Andenken an die im Weltkrieg Gefallenen, unser für gemischten Chor und Orgel bezeugen das.

Man sieht: Rezniceks Künstlererschemung ist in ihrer Bielfalt nicht auf eine Formel zu bringen, es fei denn, man nimmt de» Komponisten als einen der letzten großen Spätromanliker vom Stamme jenes durch E. T. A. Hoffmann unsterblich gewordenen Kapellmeisters Kreisler, den er übrigens 1922 in einer Schaufpielmustk verherrlicht hat. Ironie und Mystik, Spiel und Ernst find ja feit Kreisler, der in st'ner Zwiespältig­keit bezeichnende Wesensinhalt der deutichen Musikromantik, und es ist teln Zufall daß sich von E. T. A. Hoffmann und Weber em gewaltiger Bogen zu unterer Gegenwart wölbt, an dessen Ende mit Psttzner und

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Oer Stilzel und der Mühlknecht.

Eine Geschichte aus dem Böhmer Wald von Hans Watzlik.

Mitten int kühlen Böhmer Wald stand einmal eine moosalte, bucklige Mühle und die klapperte und mahlte und murmelte ganz weltfern, und darum kehrte dort der Waldgeift Stilzel mit Vorliebe ein und trieb (einen Unfug. Der Stilzel war einst Roßbub gewesen, einsam in den Waldern hatte er den Bauern die Füllen gehütet, und nach seinem jähen Tod niemand weiß recht, wie es dabei zuging lebte er als Rumpelgeist Wieder auf, und wie jedes Geschöpf irgendein Freudletn haben muh, übte er feine Schwänke an den Leuten der Einöde. . ...

So nahm er des öfteren eine weiche, liebliche ötimme an und r-ief vom Wald lier in die Dörfer hinab:Such mich! Such mich!" Und da folgte dann und wann ein verlocktes Bauerntlnb dem Ruf, und wie es bald dort und bald wieder da, hübscher als der Schrei des Kuckucks, Hang:Hol mich! Hol mich!" verirrte sich das Kind in die Wildnis, und des- "keines dort verloren ging und verhungerte, das rührte davon her, Daß der Stilzel schließlich mit greulichem Geheul das genarrte Kind ins S?or; zurückscheuchte. Zu anderen Zeiten wieder neckte und schreckte er , ist wildem Wolf schrei die Schwärzer, daß sie die Ware, die sie ver- ftdhien über die Grenze schleppten eilends von sich warfen und davon-

nicht hätte müssen, hätte er weder Hand noch Fuß gerührt, ihm er sich ganz wunderlich; er sagte:Gott, der mich er­schaffen hat, soll mich auch ernähren!" und er fegte sich in tue Schauer unb tat drei Tage lang keinen Griff, und erst am dritten Tag, als jein Magen wild aufbegehrte und knurrte, erhob er sich wieder aus dem Heu und sah vorwurfsvoll gegen den Himmel und brummte:Da schau Herl Er töt mich gar verhungern lassen!"

An diesem faulen Mühlknappen büßte der Stilzel ganz besonders seinen Mutwillen. Schleppte der Jockel einen Sack und seufz e.O weh und o weh! Wie schwer ist die Last und wie heiß der Tag! flugs riß der Stilzel ein Loch in den prallen Sack, daß das Korn tjeraus' rieselte und der Knecht hernach fluchend es zusammen chaufe n mußte. Schlief der Jockel, so fetzte der Kobold das gellende Mahlglocklein in Schwung, bis der Knecht erwachte und widerwillig dem mahnenden Glocklein folgte; kam er aber zu dem Trichter, neues Korn aufzuschütten so war der Trichter noch ganz voll, und wollte er letzt den Neckgeift packen, so blies ihm dieser jählings Mehl in die Augen. Zuweilen wieder polterte es so ungestüm, als malmten die Mühlsteine nichts als groben Bachfchutt, und wenn der Jockel bestürzt den Meister weckte und holte war alles in bester Ordnung und malten die Steine ganz ge­linge und der Müller fchalt den Gesellen:Was der Taufend hat dir geträumt, du Happerdidel?" Darum nahm sich der Jockel vor, es dem Geist zu gelegener Zelt einmal tüchtig einzutränken.

Nun rastete einmal der Stilzel auf dem Söller der Mühle, es war ein ruhiger Abend, nur der Bach belebte die Stille. Der Stilzel saß auf dem Geländer mitten unter den Blumenstöckeln, fchnuvperte dann und wann daran, freute sich an dem feisten, behaglich aufsteigenden SDlonb und schnurrte dazu wie eine Katze in der Wärme. Er hatte ein zündel- rotes Röckieln an, einen grellgelben Brustfleck und dlitzblaue Hofen, das struppige Haar war von Waldpech verklebt, die Nase kurz und keck und himmelwärts aufgeworfen; glotzäugig und schlitzohrig, riß er bald Die Oberlippe rechts, bald die Unterlippe links und zahlte feine Zehen. Und plötzlich fiel ihm ein Spiel ein: wechselnd hob er die Beine unb | brummte tölpisch dazu:Jetzt das eine Knie, jetzt das andere Knie. Er glaubte wohl, niemand schaue ihm zu.

Aber der Jockei lümmelte auf dem Rasen unter einer dammerllchen Ulme und belauschte das Rumorgeistlein und dachte sich:Warte nur, du Spottbub du donnerschlächtiger Kerl, du großer Lump in einer kleinen Haut! Deine Schelmenstücke zahl' ich dir heim!" Und heimlich schlich er sich auf den Söller und stieß den Stilzel von hinten unoer- ehens in die Rippen. Rumpumps! purzelte das Geistlein in ben ©arten hinunter. Hernach war drunten aber nichts zu finden als die Scherben