Ausgabe 
4.11.1938
 
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grünen Blättern. Sie riechen ganz süß und senken Immer ein wenig den Kopf. Man hat mir erzählt, daß alle Marjchall-Niel-Rosen in der ganzen Welt sterben müßten, wenn der Rosenstock einginge, von dem sie einmal alle stammten. Das ist merkwürdig, nicht wahr, Hans?"

Milotti antwortete aus einer ganz anderen Gedankenreihe heraus: Du liebst die Rosen so, ich sah sie bei uns stehen. Christine, tut es dir leid?"

Was soll mir leid tun?"

Daß du Beoeridge nicht näher kennengelernst hast? Sieh, Christine, wir wollen doch ehrlich sein, ich kann dir nichts bieten! Was kann ich schon tun!"

Hans, du bist ein alberner Junge! Ich bin ein Weltkind, das weißt du, ich will auch gar keine Heilige fein, mir sind die Heiligen greulich, weiht du! Also es ist selbstverständlich, daß es einer Frau ein bißchen in den Kopf geht, wenn ein Mann wie Beveridge ihr den Hof macht und ihr erklärt, wie er ihr das Leden ausgestalten wolle."

Das hat er getan? Der Mann ist wohl verrückt!"

Hans, du mußt nicht den Unvernünftigen spielen, es steht dir gar nicht. Unsere Kameradschaft..."

Ach, Ich soll immer vernünftig sein!"

Mußt du auch, Hans! Denkst du, ich habe es immer leicht?" Plötzlich stossen Tränen über Christines Gesicht.

Milotti begriff sofort:Armes Baby, was hast du für einen gräß­lichen Kerl neben dir! Weißt du was, wir schießen diesen Milotti tot, und dann schmeißen wir ihn in den Kanal. Aber, Christine, du muht nicht meinen!"

Mir ist jetzt oft nahe daran. Jetzt haben wir das Haus auf dem Hals, und wenn man nicht tapfer ist..."

Ader, Christine, wir werden tapfer fein! Ich werde Steine klopfen, wenn es notwendig ist."

Das weiß ich, Hans." Sie drückt ihm die Hand, während sie den Arm in dem seinen ließ.Nur: Steineklopfen bringt fo schrecklich wenig ein. Aber es ist schon gut. Komm, wir wollen umkehren, der Wind ist doch ein wenig scharf."

Als sie durch die Unterführung schritten, blieb Christine einen Augen­blick in dem mächtigen alten Torbogen stehen. Sie küßte Milotti, sie küßte ihn wie ein junges Mädchen mit fielen sanften, kleinen Küßchen, die schnell, wie die Schwingen eines Bogels fast, seine Wangen berührten. Milotti nannte dies:Es sind deine Schwalbenküsse, Christine."

Wir werden nicht mehr von Beveridge sprechen, Hans, nein? So leicht war es für mich auch nicht."

Christine saß in einem weißen losen Sommerkleide auf der Terrasse des neuen Hauses. Hinter den schmalen Säulen, die den Vorbau trugen, der wie ein Dach über der Terrasse ruhte, stand blauer Sommerhimmel. Ein leichter Luftzug kam vom Kanal und wehte den Duft von blühenden Linden heran.

Christine hielt ihren kleinen Sohn in den Armen. Das Kind hatte einen Finger der jungen Muter sest umklammert. Es hatte hellblondes, dichtes Haar wie der Vater.

Milotti stand vor der Staffelei und malte. Seine Lippen waren zu- fammengetniffen, feine Augen waren voll ungeheurer innerer Spannung. Er hatte lange darum bitten müssen, bis Christine sich ihm als Modell mit dem Kinde stellte. Sie hatte ihm gesagt:Das Motiv Mutter und Kind ist so ungeheuer schwer, Hans." Sie wollte nicht, daß er sich unnütz abquälte, daß in sein gutes und helles Gesicht dieser harte Zug eines Kampfes tarn, von dem sie wußte, daß er thn verlieren mußte.

Milotti malte mit Verbissenheit. Seine Augen sahen bas Blühen auf diesem Gesicht, sie sahen die kleinen, kleinen Hände, die an den Knöpfen des Kleides in der Hohe der Brust herumtasteten. Er sah diese Augen von Christine, wissend und gütig, er sah diese Haltung, wenn diese Augen S senkten,' so daß die dunklen Wimpern wie ein Schatten über den

em lagen. Er sah das Lächeln um den großen, kühnen Mund, dies Lächeln, das plötzlich das ganze Gesicht wie von innen ausblühen ließ.

Er arbeitete fieberhaft. Schweiß rann ihm über die Stirn. Er wischte, setzte wieder neu an, trat zurück, stampfte plötzlich mit dem Fuß auf: Oh, Christine, ich habe eine solche Sehnsucht, dies Bild zu malen! Ver­damme mich die Hölle, ich kriege es nicht!"

Du sollst nicht fo fluchen, Hans! Du hast ein reizendes Kind, du haft eine furchtbar nette Frau."

Ich weih, Christine, ich weih! Mir ist es aber gar nicht nach Scher­zen zumute, ich muß bas Bild schaffen!"

Er begann roieber zu arbeiten. Christine sang mit ihrer brüchigen, tiefen Stimme. Sie sang bas uralte Kinderlieb:

Schlaf, Kindlein, schlaf. Dein Vater ist ein Schaf,. Dein Vater ist ein Dufseltter . . .

Was kannst du armes Kind dafür?"

Christine, ich bitte dich, du siehst, wie ich mich abquäle..."

Aber Hans! Wir hatten doch ausgemacht, daß man sich das Leben unter allen Umständen erleichtern soll! Sieh mal, es ist doch wirklich dreckig genug um uns. Die anderen haben Geld, wir haben keines. Bilder verkaufen wir nicht. Soll ich da nicht einmal mehr lachen, Hans? Ich denke nicht daran, und ich lache doch! Hans, solange wir noch ein Stück­chen Brot haben, lache ich. Mir ist ganz gleich, und du bist weiter nichts ... als ein lieber bummer Kerl!"

Christine, mir ist es Ernst!"

Schön, Hans schweigen wir!"

Er malte schweigend eine Stunde. Dann trat er zurück und zerbrach den Pinsel:Du hast recht, Christine, lassen wir es!"

Er lief in den Garten.

Christine trug bas Kind behutsam in seine Korbwiege, deckte das kleine Wesen vorsichtig zu und trat bann hinter die Staffelei.

Es war eine fremde Frau, die sie da anblickte, nur die Augenpartie war gut.

Es ist gar nicht so schlecht, dachte ChrLCne, aber es fehlt irgend

etwas! Er kann nicht zeichnen, das ist es. Das Kind liegt falsch. Oh, es ist ja lächerlich, daß er sich darauf kapriziert! Ich glaube, ich war begabter, und ich weiß ziemlich genau, was mit meiner Malerei los ist. Dieser blöde Architekt neulich hatte vielleicht sogar recht. Es ist mit der ganzen Malerei nicht viel los. Sie sind ja alle erschöpft von dem anderen Er­lebnis. Er malt Muter und Kind, und in ihm brennt immer noch diese Hölle, er kann ja bas Trommelfeuer nicht vergessen, sie alle können es nicht vergessen! Sie können ben Hunger nicht vergessen, und ich ... wenn ich ein Junge wäre, würde ich vielleicht malen können.

Sie ging Milotti in den Garten nach.Hans, die Augen sind gut. Sie legte ihm die Hand auf die Schulter:Hans, die ganze Geschichte mit der Malerei ist sehr schwer. Nimm's nicht so schlimm."

Was soll man denn tun, wenn man nur das gelernt hat, Christine!

Schließlich..." t Ä .

Christine blieb stehen:Ich will dir etwas sagen, Hans, ich habe es mir in der letzten Nacht überlegt. Das Haus hier können wir nicht ver­kaufen, und ich will es auch nicht, wir bekommen ja außerdem nirgends eine Wohnung. Ich habe mir überlegt, Hans, fei nicht böfe und sieh es an, wie ich es ansehe. Du singst reizend zu deiner Laute. Geh zu Friedrich Hayn, weißt du, wir haben ihn vor einem Jahr tennengelernt, das ist der große Vermittler für Kabarette. Grütze ihn von mir."

Hat er auch mit dir geflirtet?"

Ja, das hat er, Hans, aber ich nicht mit ihm! Grütze ihn und spiele ihm gleich ein kleines Programm vor. Du hast entzückende Programme.

Ich habe keine Lust, Christine!" ,

Du hast Lust, Hans! Du hast eine Frau und ein Kind, du hast sehr große Lust, Hans! Willst du gleich fahren, ober wollen wir es auf morgen verschieben?"

Nein", sagte Milotti,ich will es nicht verschieben, du hast recht.

Wollen wir einteilen", sagte Christine.Du gehst vielleicht besser am Bormittag zu Hayn, bann sahre ich heute nachmittag zu Graeser unb verlause ihm bie Palette."

Welche Palette?"

Die Palette von Grahvater."

Du bist verrückt, Christine, dein Herz hängt daran!"

Deswegen habe ich sie auch kopieren lassen."

Aber Christine!" , .

Hans, wir besitzen, glaube ich, noch eine Mark fünfunbzwanzig. Die Palette ist sofort zu verkaufen. Trennen wollte ich mich nicht von ihr. Dem amerikanischen ober sranzösischen ober holländischen Snob, der sie kaust, ist es schnuppe, ob bas Holz ein paar Jahre älter ist. Er hat bas Bewußtsein, bie Palette bes großen Christoph von Rucktasch in feinem wahrscheinlich gräßlichen Salon hinlegen zu können."

Du, das nennt man ..."

Deine Benennungen interessieren mich nicht, Hans. Patz auf das Kind auf, ich fahre in die Stabt!"

Milotti starrte sie an:Du hast also auf beutsch die Palette kopieren lassen?"

Nein, Hans, ich habe nur eine ebensolche Palette anfertigen lassen, und bas Kopieren habe ich bann selbst besorgt. Nun wollen wir aber wirklich nicht mehr bavon sprechen, zu oft kann man es überhaupt nicht machen. Ich beeile mich, so sehr ich kann. Wenn ber Mann mit der Milch­rechnung kommt, sage ihm, wir würden morgen bezahlen, alles andere hat Zeit!"

Christine machte einen kleinen Dauerlauf zum Bahnhof. Wie oft war sie diesen Weg heruntergerast mit schnellen, langen Schritten, wie oft war sie die Treppen ber Unterführung hinuntergestürzt und hatte im letzten Moment noch ben Zug erwischt. Sie hörte schon bas brausende Näher­kommen der Lokomotive, als sie die Kontrolle passierte. Sie hastete die Stufen wieder empor, die zum Bahnsteig sührten. Beinahe wäre sie

Ich falle Ihnen beinahe in die

gefallen.

Mein Gott, dachte sie, das hätte wieder ein paar Strümpfe gekostet, und außerdem soll ich mich nicht aufregen, das schadet dem Kind!

Der Zug war schon eingefahren. Sie sprang in bas erste Abteil britter Klasse, dicht hinter bem Packwagen. Ein Herr öffnete ihr bie Tür und schloß sie wieder, als sie atemlos aus die Sitzbank sank. Der Zug fuhr

schon wieder an.

Christine fühlte vorsichtig nach ber Palette. Gott sei Dank, es schien ihr nichts passiert zu sein! Dann sah sie aus unb sagte flüchtig:Danke! Der Atem stockte noch ein wenig, als sie bas Wort formte.

Immer bie alte! Mit einem Ruck in den fahrenden Zug, mit einem Ruck in die Ehe! Wie geht es Ihnen, Frau von Milotti?"

Christine erkannte jetzt ibr Gegenüber:Lieber Rottenbach! Professor, wie ich mich freue! Die Welt ist ja so klein und komisch! Werden wir hier in dieses Abteil zusammengeweht!

Arme."

In die Arme leider nicht."

Warum hat man nichts von Ihnen gehört, Professor? Sie sind ja wie verschwunden und verschollen."

Es ist keine Zeit für Maler", sagte Rottenbach.Sie wissen ja, dah ich mein Atelier aufgegeben habe ...."

Nichts weih ich! Ich hatte so ein bißchen mit mir selbst zu tun. Eine Zeitlang war ich wie sagt man schon, lieber Professor so etwas wie ein Star in der großen Welt."

Ich habe Porträts von Ihnen gesehen. Man hat mir gesagt, daß sie alle außerordentlich ähnlich seien. Außerdem, Sie können ja wunderbar zeichnen, wie Ihr Großvater übrigens auch."

Draußen flog die Sommerlandschaft vorbei, Kiefernwälder, über denen ein Heller Dunst lag, am Rande ein paar Birten, die ihre Blätter schwer herabhängen ließen, als seien es große grüne Trauben.

Sie haben mir einmal gesagt, Professor, mein Großvater habe ein wildes Leben mit Frauen geführt. Ich wollte Sie damals nicht fragen, heute kann ich es ja nun wohl. Sie brauchen nur ein paar Sätze zu sagen, ich möchte nämlich nadjträglid) noch meinen Vater verstehen lernen. Der war die Korrektheit in Person." X

(Fortsetzung folgt.)

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